Test: Earthquaker Devices Afterneath V3, Reverb Pedal

31. März 2020

Der Zauberer ist zurück

Test: Earthquaker Devices Afterneath V3 Reverberator

Earthquaker Devices sind und bleiben ein mixed bag für mich. Des Öfteren folgte auf dem großen Hype die Ernüchterung, doch für unverhoffte Überraschungen wie das tolle Overdrive-Pedal Plumes ist Earthquaker Devices wiederum auch gut. Eines der bekanntesten Pedale, das Earthquaker Devices je hervorgebracht haben, ist das Afterneath. Ein ätherisches Ambient-Reverb, das inzwischen erfolgreich einen gewissen Kultfaktor etabliert hat. Warum? Das Afterneath klingt anders als so ziemlich jeder andere Hall auf dem Markt. Er komprimiert und bröselt Delay-Signale auf, verdichtet sie zu Hallfahnen und weist interessante Interaktionen zwischen den Parametern auf. Wir wollen uns auch ansehen, ob die V3, die uns nun vorliegt, neben Gitarre auch bei Synthesizern zum Einsatz kommen kann, wo die Delay-Fähigkeiten liegen und ob es als Ambient-Wunderkiste tatsächlich anderen Reverb-Pedalen den Rang ablaufen kann.

Earthquaker Devices Afterneath V3, Reverb-Pedal – Facts & Features

Die erste Version des Afterneath kam 2015 auf den Markt, seitdem haben EQD das Pedal mit zwei zusätzlichen Iterationen aufgewertet. In der aktuellen hat man es mit mehr Modi, mehr Flexibilität und einen Anschluss für ein Expression-Pedal zu tun, was aber auch schon die V2 hatte.  Auch wieder dabei – das kultige Artwork des Zauberers, der sich dem Schicksal stellt und die Höhle zu Leben erweckt. Das Pedal läuft über True-Bypass und wartet mit einem gewohnt stabilen Metallgehäuse auf. Schief verschraubt ist da nichts – aber bei einem Hersteller wie EQD treten solche Makel nur noch selten auf. Was man sofort etwas enttäuscht auch bei der V3 feststellt: Auch dieses Afterneath besitzt nur Monoklinken und keine Stereoanschlüsse. Ob EQD mit einer V4 endlich den Schritt machen und den Zauberer in Stereo zum Leben erwecken werden, lässt sich jetzt nicht sagen.

Test: Earthquaker Devices Afterneath V3 Reverberator

Wie auch bei den meisten anderen Earthquaker Devices Pedalen ist auch hier kein Netzteil im Lieferumfang enthalten. Überschaubare Maße von 121 x 64 x 57 mm machen das Afterneath V3 Pedalboard-freundlich. Es wiegt kein halbes Kilogramm, wird mit 100 mA versorgt und besitzt neben den 6,3 Monobuchsen wie erwähnt noch den Anschluss für ein Expression-Pedal an der Seite. Das Expression-Pedal steuert einen Parameter an: Drag. Doch diese Kontrolleinheit hat es in Sachen Flexibilität in sich und reagiert anders, je nachdem, welchen Modus man einschaltet. Insgesamt überkommt einen der Verdacht, das Earthquaker Devices der Kritik, das Afterneath sei im Grunde ein „one-trick-pony“ endgültig den Garaus machen wollten. Schauen wir uns mal das Panel und die Modes an.

Modes und Panel

Sechs große Regler und ein kleiner finden sich auf dem Afterneath V3. Die etwas bildreiche Beschreibung auf der offiziellen Homepage zeigt mal wieder, dass EQD in Sachen Marketing immer wieder versucht, neue Wege zu beschreiben. Brechen wir es herunter:

  • Length: Meint im Grunde die Länge des Nachhalls, will heißen: das Decay des Reverbs und wie lange sich das Wet Signal hält.
  • Diffuse: Wie sehr der Nachhall streut, ob er weichere Flächen ergibt oder stringente Hall-Vektoren, lässt sich über den Diffuse-Regler einstellen. Er akzentuiert die Repeats, mit denen der Afterneath V3 arbeitet.
  • Drag: Die Delay-Repeats werden hier komprimiert – die Repeats rücken aneinander oder auseinander. Klar und deutlich abgegrenzte Delay-Sounds oder Reverb-Wolken – Drag ist die zentrale Kontrolleinheit des Afterneath V3, die durch den Mode-Regler in unterschiedliche Modi versetzt wird.
  • Dampen: Im Grunde genommen der Tone-Regler. Hierüber wird die Klangfarbe der Repeats und des Wet-Signals eingestellt.
  • Reflect: Klangtiefe und Depth werden hier eingestellt, aber das ist nicht alles. Reflect fungiert auch als Feedback-Control. Eigenschwingung ist hier ebenfalls möglich.
  • Mix: Das Verhältnis von Dry- und Welt-Verhältnis. Hier zeigt sich der Wermutstropfen des Afterneath V3: Der bei Reverb-Pedalen so gemochte Full-Wet-Mode ist bei diesem Pedal nicht möglich.

Test: Earthquaker Devices Afterneath V3 Reverberator

Dass es keine Möglichkeit gibt, das Dry-Signal völlig abzuschalten, ist ein nicht zu verachtender Nachteil des Afterneath V3 – ein Makel, was für die aktuelle Version eigentlich hätte behoben werden können. Was es stattdessen gibt: einen Tail-Modus, der das Wet-Signal nach Abschalten des Pedals langsam ausklingen lässt. Wie erwähnt ist der springende Punkt der V3 des Afterneath vor allem die 9 Modi, die der Drag-Regler bedient. Der kleine Mode-Regler schaltet in folgende Quantisierungs-Modi:

  • Unquantized: Hier findet keine Quantisierung statt, der Drag kontrolliert lediglich die Dichte der Repeats.
  • Unquantized with Slew: Auch hier findet keine Quantisierung statt, dafür ziehen die Repeats „nach“, wenn man den Regler tätigt und erzeugen eine Chorus-artige Dissonanz. Sehr eigen und geeignet für die Arbeit mit dem Expression-Pedal.
  • Unquantized Volt/Octave: Mischt eine Oktave dem Signal zu, die im Buffer und bei der Oszillation als zusätzliche Frequenz zum Einsatz kommen kann. Wenn man einen Loop am Afterneath oszillieren lassen möchte, eignet sich dieser Modus besonders.
  • Chromatic Scale: Ein quantifizierte Oktave wird anhand der chromatischen Skala im Wet-Signal untergebracht.
  • Minor Scale: Eine quantifzierte Oktave wird entlang der Moll-Tonleiter zum Wet-Signal beigemischt.
  • Major Scale: Eine quantifizierte Oktave wird entlang der lydischen Skala zum Wet-Signal ergänzt.
  • Pentatonic Scale: Auch hier wird eine quantifizierte Oktave beigemischt, diesmal entlang der Pentatonik.
  • Octaves & Fifths: Nur Oktaven und Quinten hier bei der Quantisierung angesteuert.
  • Octaves: Quantisierung findet nur entlang von Oktaven statt.

Das ist ja alles schön und gut, wird man sich denken – verschiedene Pitch-Töne dem Wet-Signal beizumischen, ist nichts Revolutionäres. In der Tat nicht, aber man darf nicht vergessen: Drag kann per Expression-Pedal angesteuert werden. Das heißt, dass die einzelnen Quantisierungen on the fly ausgeschöpft werden können. Wir schauen uns das im Detail jetzt an.

EQD Afterneath V3 Reverberator – in der Praxis

Test: Earthquaker Devices Afterneath V3 Reverberator

Gleich vorweg: Als Postrock- und Ambient-Fan ist es mir fast ein Gräuel, dass das vollständige Rausnehmen des Dry Signals nicht möglich ist. Kein Killswitch, und wenn man den Mix im Uhrzeigersinn auf Maximum stellt, erhöht man lediglich den Output des Wet Signals. Doch wer sich damit arrangieren kann, wird mit sehr eigenen Ambient-Sounds belohnt. In der Tat klingt das Afterneath V3 über weite Strecken massiv – dreht man den Diffuse auf, bekommt man eine sehr weiche, wenn auch etwas schwerfällige Hall-Wolke. Fakt ist: In Sachen Reverb ist man verwöhnt, und die Hallfahne des Afterneath ist mir auch in dieser Iteration ein wenig zu verwaschen. Dem Griff von Akkorden folgt eine manchmal zu undifferenzierte Halldynamik, anstatt dass die einzelnen Frequenzen expandieren, ergeben sie eine klangliche Melange, die in unguten Momenten für meinen Geschmack zu nahe an weißes Rauschen kommt.

Was erfreulich ist, sind zwei maßgebliche Merkmale des Afterneath V3. Erstens: Die Oszillation, die der Reflect-Poti jenseits der Zwei-Uhr-Marke lostreten kann, machen das Pedal auch für Drone- und Doom Geschichten attraktiv. Kombiniert mit Mode 1 des Drag-Reglers, lassen sich schwelende Zerr-Sounds auf- und abschwellen – demonstriert in Beispiel 4, wo wir Sunn 0)))-Gefilde betreten. Das weitere Alleinstellungsmerkmal ist der Diffusion-Regler. Gegen den Uhrzeigersinn kristallisieren sich die Delay-Repeats raus wie ein Beispiel 1. Von Ping-Pong-Delay kann hier nicht die Rede sein, da das Afterneath V3 in Mono arbeitet, aber es ist zweifelsohne ein ganz eigener, vibrierender Klang, den das Afterneath hier produziert, den man sonst nirgendwo anders findet. Wer sich des weiteren vom Drag-Regler die Offenbarung erhofft hat, wird ebenfalls ein bisschen enttäuscht. Die unterschiedlichen Tonschritte der Quantisierungsmodi sind zwar eine gute Idee und mithilfe des Expression-Pedals auch on-the-fly gut nutzbar, aber so wirklich inspirieren will das nicht. Die Tonhöhe der Klangfahne mit dem Expression-Pedal zu ändern ist wie gesagt eine coole Sache und praktikabel, aber das Problem ist und bleibt die etwas charakterlose, verwaschene Hallfahne.

Mein Kollege Malte Hüther haben den EQD Afterneath V3 einer näheren Betrachtung unterzogen und ihn unter anderem mit Malekko Manther gepaart.

Fazit

Schwierige Sache: Das Afterneath V3 enttäuscht nicht, überwältigt aber einen auch nicht gerade. Stereo und Full Wet-Funktionalität wären durchaus wünschenswert, und in der wechselhaften Qualitätssaga von EQD ist das hier definitiv eher ein Hit statt ein Miss. Der Charakter des Afterneath ist beibehalten worden und die Möglichkeit, die einzelnen Modi per Expression-Pedal anzusteuern, sind ein definitive Alleinstellungsmerkmale die den Afterneath V3 sehr geeignet für die Postrock-Performance macht. Doch die Hallfahne ist und bleibt ein Stück weit undifferenziert und tendiert dazu, Nuancen im Spiel zu verschlucken.

Plus

  • Klangcharakter sehr ansprechend
  • Delay-Kapazitäten
  • Drag kann per Expression-Pedal angesteuert werden.

Minus

  • kein Stereo
  • keine Full-Wet-Funktion
  • Hallfahne undifferenziert

Preis

  • 239,- Euro
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