Test: Earthquaker Devices Aqueduct Vibrato, Gitarren Vibratopedal

4. September 2018

Vibrato-Magie aus dem Hause EQD!

Earthquaker Devices Aqueduct titel

Earthquaker Devices legen nach. Diesmal gibt es mit dem Aqueduct Vibratosounds um die Ohren! Man mag von der amerikanischen Pedalschmiede halten was man will – an Output mangelt es nicht. Die Maschinerie läuft und läuft, sowohl die technische als auch die Marketingabteilungen scheinen Überstunden zu schieben. Die Qualitätsquote ist im Vergleich zur Quantität nicht ganz da, wo man sie gerne hätte, aber EQD als Pedalschmiede birgt genug Ideenreichtum, um sämtliche Tester und Gitarristen aufhorchen zu lassen, wenn eine neue Veröffentlichung ansteht. Immerhin bemüht sich die Firma stets darum, Altes und Traditionelles mit modernen Features und Ideen zu kombinieren.

Diesmal hat sich die amerikanische Firma der quirligen, wabernden Welt des Vibratos verschrieben. Das ist nicht das erste Mal: Mit dem „The Depth„, das als analoge Vibe-Machine zu so etwas wie einem Fan-Liebling avancierte, demonstrierten Earthquaker Devices bereits, dass sie es schaffen, Vibrato Magie in eine kleine, kompakte Box zu packen. Das ist diesmal nicht anders – das Aquaduct ist auf dem ersten Blick kein erschlagendes Ungeheuer, sondern mit seinen 118 x 64 x 57 mm Maßen absolut im Rahmen. Schauen wir uns also an, ob trotz Überschaubarkeit wabernde Vibratomagie auf der Tagesordnung steht.

Earthquaker Devices Aqueduct – Facts and Features

Manchmal weiß man bei Pedalen nicht genau, was sie alles featuren, beinhalten, manchmal sogar überhaupt darstellen sollen. Zu viele Optionen können erschlagend sein und den intuitiven Zugang zu einer Maschine erschweren. Umso erfreulicher ist es, wenn der Hersteller eine klare Vision vom Pedal hat. Wenn man zum Beispiel einen so charakteristischen Effekt wie Vibrato in kompakter und übersichtlicher Form präsentiert bekommt, wie es EQD mit dem Aqueduct zweifelsohne hinbekommen haben. Nichts gegen die Delay-Reverb-Workstations mit Möglichkeiten zur Modulation, aber manchmal darf es ruhig weniger sein – wie eben hier.

Entsprechend überschaubar sind die Features des Aqueduct. Die Maße sind bereits eingangs erwähnt worden:  118 x 64 x 57 mm, in solider Verarbeitung, wie man es von Earthquaker Devices (meistens) geliefert bekommt. Gleich zu Beginn muss leider jedoch gemeckert werden: kein Alleinstellungsmerkmal, aber man darf sich fragen, worin der Sinn liegt, eine LED-Leuchte einzubauen, die greller als das Licht einer sterbenden Sonne scheint. Vielleicht ist der Autor zu lichtempfindlich, aber ist es wirklich sinnvoll, bei einem Pedal, dessen Panel keine große Orientierung benötigt, eine so grelle Leuchte einzubauen?

Vibrato Gitarren Pedal

Betrieben wird das Ganze über ein 9-Volt-Netzteil. Nur drei Potis und einen Schalter – mehr bedarf es hier im Grunde auch nicht. Wir reden hier immerhin von einem Vibratoeffekt und dessen Kontrolle verläuft seit jeher zumeist über zwei zentrale Parameter – Rate und Depth.

  • Rate ermöglicht es, die LFO-Frequenz einzustellen. Der charakteristische Vibratosound kommt bekanntermaßen dadurch zustande, dass Veränderungen der Tonhöhe nach oben und unten erzeugt werden. Mit Rate kann sich die Geschwindigkeit der Veränderungen der Tonhöhe einstellen.
  • Depth ermöglicht ein Kalibrieren der LFO-Amplitude. Konkret bedeutet das: wie deutlich sich der Vibratosound im Mix hervortut – seine Intensität gewissermaßen.
  • Mode ist das Herz des Aquaduct und die Facette, mit der sich Earthquaker Devices in Sachen Vibrato von der Konkurrenz absetzen wollen. Schauen wir uns das mal näher an.

EQD Aqueduct – die Modi

Aqueduct

 

Konnte man beim Depth mit dem Throb- und Intensity-Potis die Parameter des Vibratoeffekts noch weitgehend sehr individuell kalibrieren, geht der Aquaduct die andere Route und präsentiert acht Modi, die alle ihre Daseinsberechtigung haben und individuell mit Rate und Depth weitergehend bearbeitet werden können. Die Modi lauten wie folgt:

  • Sine darf getrost als angenehm subtile Vibrato Option durchgehen. Die Sinusform ist nicht zu aufdringlich und legt sich als warmer Teppich über das eigene Spiel, auch wenn die Rate höher eingestellt ist.
  • Triangle bringt eine eher abgehackte Schwingungsform zustande, deren LFO-Spitze sich besonders bemerkbar macht. Butterweiche Sounds erreicht man mit dem Modus nicht, dafür eignet sich Triangle besonders gut für den Zerrkanal eines Amps.
  • Square ermöglicht, wie der Name es bereits vermuten lässt, rechteckige Schwingungsformen, diese sind also etwas abrupter und schärfer als beim Sinus.
  • Random – zufällige Modulationsschwankungen, die vor allem mit ein bisschen Delay ungemein Spaß machen. Die Schwingungsform ist hier nicht festgelegt, sondern schwankt zufällig.
  • Env D, oder auch Envelope-Controlled-Depth-Mode, unterscheidet sich wie die anderen Env-Modi von den bislang vorgestellten. Hier ist der Depth des Effekts abhängig von der Stärke, mit der man die Saiten anschlägt, während Rate hier gewohntermaßen die Hüllkurve einstellen lässt – für ein gefühlvolles, organisches Spiel ungemein hilfreich.
  • Env R, der Envelope-Controlled-Rate-Mode, setzt mit einem ähnlichen Prinzip an und verändert die Rate des Vibratoeffekts, je nachdem wie stark man die Saiten anschlägt.
  • Env P gibt einem die Möglichkeit, die Pitch-Slides, quasi die Frequenzmodulation und ihre Bewegungen von der Intensität des Anschlages abhängig zu machen – ein definitives Alleinstellungsmerkmal des Aqueduct und ein verführerisches, für Shoegaze-Sounds besonders geeignetes Feature.

Die Envelope-Modi sind also ein denkbar originelles Feature des Aqueduct. Hier wird gefühlvolles Spiel belohnt und neben den üblichen Sound- und Schwingungsformen eines Vibrato kann man den Effekt sehr angemessen seiner persönlichen Spielweise anpassen. Man darf sich also gerne vor Augen halten, was für eine Freude Kevin Shields von My Bloody Valentine oder The Jesus and the Mary Chain an diesen Envelope-Modi hätten. Also – ran an den Speck!

Earthquaker Devices Aqueduct – in der Praxis

Aqueduct

Die Geschichte mit Earthquaker Devices ist (leider) immer die Gleiche, wenn es dann an die Praxis geht. Man liest über das neue Produkt, staunt nicht schlecht über die Features und ist vom allgemeinen Einfallsreichtum beeindruckt, den EQD immer wieder an den Tag legen. Dann schließt man das Gerät an – und die Freude bekommt sofort einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Warum? Die alte Mär vom ausgedünnten Signal – auch das Aqueduct bietet eine Neuauflage dieser Geschichte an. Zugegebenermaßen ist der Schock nicht ganz so groß wie bei anderen Pedalen (man denke an das etwas stark gehypte Pyramids), aber auch hier gilt: Das Signal verliert an Kontur und Substanz, sobald es moduliert wird. Die Spurensuche hierfür würde den Rahmen eines herkömmlichen Reviews sprengen, also gilt die Devise, sich mit den Features des Pedals zu beschäftigen und dieses EQD-typische Manko erst mal hinzunehmen.

Beginnen wir also mit dem „herkömmlichsten“ Vibrato-Modus, den das Aqueduct bietet, dem Sine. Schnell zeichnet sich ab, trotz der Berücksichtigung der allgemeinen Beeinträchtigung des Signals, dass sich schöne, vibratotypische, mysteriöse Klänge entlocken lassen.

 

Weiter geht es mit dem Triangle-Mode. Hier bietet es sich gleich an, mit dem Zerrkanal den Sound für ein paar stimmungsvolle Leads auszuprobieren. Auffällig ist hier, dass die bemängelte Verknappung des Signals nicht sonderlich ins Gewicht fällt – es wirkt trotz allem satt und transparent.

 

Bleiben wir im Zerrkanal – da zeigt der Aquaduct durchaus, dass er viele Gesichter annehmen kann. Im Square-Modus zeigt sich der Tremolocharakter, den das Pedal annehmen kann, wenn man die Rate möglichst hochdreht und sich in Sachen Depth nicht zurückhält.

 

Der Random-Modus lässt die Modulationskurve verrückt spielen. Ein Feature, das es beim Pyramids ebenfalls gab und das sich dafür anbietet, abstrakte, experimentelle Texturen zu wagen.

Kommen wir zum Env P. Hier wird der Anschlag, wie beschrieben, zum Antreiber der Frequenzmodulation. Lässt man eine Melodie beispielsweise vorsichtig anschwellen, macht sich die Modulation allmählich bemerkbar. Ein Feature, das es fast schafft, über das dünne Signal hinwegzutrösten – ungemein intuitiv und einfach clever. Eben genau das, wofür man Earthquaker Devices grundsätzlich schätzt: Einfallsreichtum und originelle Features. My Bloody Valentine lassen grüßen!

Fazit

Earthquaker Devices – man muss sie einfach mögen. Die Firma aus Ohio hat sich zu einer Firma entwickelt, die mit Electro Harmonix den größten industriellen Output der letzten Jahre geleistet hat. Nur wenige Workstations nennt die Firma ihr Eigen – vielmehr konzentriert sie sich auf die einzelnen Modulations- oder Effektklassen und gibt ihnen in kompakter Form einen interessanten Twist oder eine Reihe von spannenden Features. Der Sound, den diese Geräte oft mit sich bringen, wird gerne als Vintage bezeichnet und dass Geschmäcker grundsätzlich verschieden sind, gilt vor allem für tonale Präferenzen.

Aus Sicht des Autors jedenfalls verhält sich die Sache einfach und eben EQD-typisch. Dünner Sound, tolle Features, fast will man sagen: Wie immer. Fakt ist aber, dass speziell die Env-Modi des Aqueduct kongenial sind und dazu einladen, erforscht und ausgelotet zu werden. Das spielerische Potenzial, das sich da auftut, ist enorm. Insgesamt also eine spannende Angelegenheit, die viel Freude macht, aber mit seinem dünnen Sound erneut einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt.

Plus

  • übersichtlich
  • vielfältige Modi
  • Picking-sensitive Envelope-Modi machen enormen Spaß
  • intuitive Handhabung

Minus

  • dünner Sound
  • Tapping-Funktion wäre wünschenswert

Preis

  • Ladenpreis: 199 ,- Euro
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