Test: Eastwest Hollywood Choirs Diamond, Orchester-Library

31. Januar 2018

Engel & Teufel in einer Library

Es ist wieder soweit. Heute haben wir EastWests neuen Release Hollywood Choirs in der Diamond Edition vorliegen.

Die Library kommt mit gewaltigen 59 GB in der Diamond Edition daher und falls nicht schon geschehen, würde ich spätestens ab jetzt auf SSD-Festplatten umsteigen. Sonst wird man mit dem Laden einfach nicht mehr fertig. Das am Rande.

Die Library umfasst Männer- und Frauenchöre. Die Engine Play 6 gibt es wie immer kostenlos dazu. Zudem läuft sie in der aktuelle Version 6, wie auch ihre Vorgänger mehr als stabil und zuverlässig bis auf zwei-drei kleine Punkte, die ich noch erwähnen werde.

Dies ist die dritte Chor-Aufnahme, die EastWest produziert hat. Was diese hier auszeichnet, ist der Wordbuilder 2. Wordbuilder erlaubt dem Komponisten, ein beliebiges Wort oder eine beliebige Phrase einzutippen und der Chor singt es. Zusätzlich wurden Laute (Phoneme) aufgenommen, um die Wiedergabe in den meisten Sprachen realistisch wiedergeben zu können. Die Synchronisierung zur DAW sorgt für weiteren Komfort in Sachen Tempo. Eine tolle Neuheit ist das Laden von Gruppen. Das Laden von vielen MIDI-Kanälen erübrigt sich so. Es gibt noch 110 vorgefertigte Phrasierungen in Englisch, Deutsch und Latein, die einen Schnellstart ermöglichen. Die deutschen Sätze ergeben zwar wenig Sinn oder sind altdeutsch. Denke, das soll dabei helfen, um die richtigen Silben und Aussprache für seine eigenen Kreationen zu finden.

Hier erst einmal die Unterschiede der Librarys, falls ihr unschlüssig seid, welche Version für uure Zwecke die Beste ist:

  • Diamond Edition Hollywood Choirs beinhaltet ca. 59 GB aufgenommen in 24 Bit, 44,1 khz Auflösung, 5 Mikrofon-Mixe: Main, Close, Stage, Mid und Surround.
  • Gold Edition Hollywood Choirs beinhaltet ca. 8 GB, aufgenommen in 16 Bit, 44,1 kHz Auflösung, nur Hauptmikrofone (Main Mix)
  • ComposerCloud Gold X Edition Hollywood Choirs sind 16 GB aufgenommen in 16 Bit, 44,1 kHz Auflösung, Main- und Surround-Mikrofon-Mixes

Die neue Play Engine 6 sieht im Player und im Mixer-Modus auf den ersten Blick wie sein Vorgänger aus. Wenn man jedoch den ersten Patch lädt, springt rechts ein Menü auf, in dem man MIDI-Kanal, Ausgang und Lautstärke einstellen kann.

Hier oben seht ihr die neue Database, was die Suche nach einem spezifischen Patch/Sound verkürzt.

Hier oben sieht man die Play-Engine im Chor-Interface. Play wechselt – im Gegensatz zu NI Kontakt- immer in die Oberfläche des aktuellen Sounds laut MIDI-Kanal. In der Mitte sieht man die Grafik des Aufnahmeortes. Ganz oben bzw. auf der Bühne steht der Chor und alle beleuchteten Punkte zeigen die aktiven Mikrofone. Also falls eure Silben zu diffus klingen oder ihr sie nicht richtig hört, probiert mal die Close- statt der Main-Mikrofone. Womit die Frage „Welche Version soll ich kaufen?“ beantwortet ist. Ich weiß, das klingt unfair, aber so ist das nun mal, wenn man mehr Optionen und eine bessere Qualität möchte.

Die Spielbarkeit der Library ist sehr gut gelungen. Das Abspielen von Legato-Patches ist polyphon. Man kann den Akkord liegen lassen und Solostimmen darüber spielen. Dynamisch wird über das Modwheel geregelt und das Wechseln erfolgt über CC1. Geht aber auch über CC11 und CC7. Über das Modwheel steuert man ebenso das Vibrato.

Der Wordbuilder kostete mich noch ein wenig Zeit, bis ich es wirklich verstanden hatte. Dank der Phonetics (Lautschrift) soll es realistischer und besser klingen. Im Votox-Modus soll es am besten funktionieren, speziell wegen der Diphtongs (Doppellaute). Im Time-Editor unten kann man die Silben verlängern oder verkürzen, was bei Bedarf der kürzeste Weg zu sein scheint.

Dann machen wir doch folgenden Test. Wie klingt eigentlich „Amazona“?

Ich habe dazu ein Woman-Multi geladen und im Wordbuilder habe ich den Votox Modus aktiviert. Die Silben eingetippt und es hat nicht funktioniert, klang grauenhaft. Mein Fehler!  Denn ich schrieb alles groß.

Also noch mal in Votox: a ma zo na

oder in englisch: u mu zo nu (Darauf muss man auch erstmal kommen)

Bei jedem Weiterspielen feuert Play die nächste Silbe ab. So einfach scheint das auf den ersten Blick. Will man nun, dass die Männer auch mitsingen, muss man das Wort oder den Satz lediglich kopieren und in einem Men-Patch einfügen.

Hier sind noch weitere Demos:

Falls unbekannt: Hollywood Choirs benötigt eine Aktivierung!
Diese kann entweder auf deinem Computer (ohne zusätzliche Hardware) erfolgen oder alternativ auf einem separat zu erwerbenden iLok USB-Dongle. Der iLok USB-Dongle kann an beliebigen Computern angesteckt werden, um die damit geschützte Software auf mehreren Rechnern zu benutzen. Deine Lizenzen können über den iLok License Manager beliebig verwaltet und durch eine zusätzliche Versicherung (Zero Downtime mit TLC) vor Verlust oder Diebstahl geschützt werden.

Zur Produktaktivierung benötigst du eine Internetverbindung auf einem beliebigen Computer sowie einen kostenlosen User-Account auf www.ilok.com.

Fazit

Bei allem Respekt gegenüber anderen Librarys, aber EastWest klingt einfach immer edel, echt, professionell und je nach Bedarf sehr klein oder cineastisch groß. Die Aufnahmen sind wie immer sehr warm und klingen nicht klinisch zu Tode editiert. Zudem gibt sich EastWest sehr viel Mühe, damit sich ihre Librarys sowohl trocken als auch mit Hall sehr gut anhören und sich in die Produktion einbetten. Was sicher auch daran liegt, dass EW einen eigenen Hall Namens „Spaces“ hat. In Hollywood Choirs hört man bereits Spaces 2, das demnächst erhältlich ist.

Ich mische Librarys sehr gerne zusammen in meinen laufenden Produktionen. Allerdings muss ich eingestehen, auch wenn das nicht sehr objektiv klingt, dass ich zu über 75% auf EastWest zurückgreife, wenn selbst ein Mockup (in diesem Kontext MIDI-Nachbildung) amtlich klingen muss.

Plus

  • sehr gut aufgenommen, toller Klang und wunderschön spielbar programmiert
  • perfekte Crossfades der Samples
  • Wordbuilder nach einer Einlernungsphase
  • sehr hilfreicher Browser (Search Database)
  • Play 6 immer kostenlos, Zuverlässig durch regelmäßige Updates

Minus

  • Kein Minus, lediglich Verbesserungswünsche zu Play 6. Ich schreibe das hier, weil es unweigerlich zusammenhängt:
  • 1. Behält beim erneuten Laden des Projektes (Cubase) immer noch nicht die Einstellungen für Lautstärke und Panorama!
  • Jede dieser Einstellungen muss für jede Play-MIDI-Spur manuell nochmals eingegeben werden. Und das bei jedem Öffnen des Projektes.
  • 2. Bis Play 6 musste man mit der Maus nicht auf das Cubase-Projektfenster klicken, um zurück zu gelangen.
  • Jetzt ist ein Klick ins Leere oder Cubase Projektfenster nötig, sonst bleibt Maus und Keyboard auf der Play Engine aktiv.
  • 3. Die Umstellung Add und Replace ist nun verwirrend. Man muss aufpassen, damit man nicht aus Versehen den aktuellen Patch überschreibt.
  • Das automatische Laden auf den nächsten freien MIDI-Kanal war besser.

Preis

  • 599,- Euro oder Teil der Eastwest Composer-Cloud
Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.