Test: Electro Harmonix Pitchfork Plus, Synthesizer-Pedal

22. November 2020

Pitch-Perfektion aus dem Hause EHX

Das Pitchfork von EHX ist neben dem Whammy und dem TC Electronic Sub ‚N‘ up das wahrscheinlich beliebteste Pitch-Pedal, das es auf den Pedal-Boards der Welt gibt. Von einem Bekannten, der sich ausgiebig mit dem Löten von Pedalen beschäftigt, habe ich mir sagen lassen, dass der Bau eines wirklich sauber arbeitenden und verlässlich trackenden Pitch-Pedals alles andere als leicht ist. Und das kann man sich gut vorstellen: Viele Pitch-Pedale tracken irgendwie seltsam, klingen entweder im Clean- oder Gain-Bereich jeweils zu matschig und undifferenziert oder können mit bestimmten Frequenzbereichen nicht gut arbeiten. Selbst das von mir hochgeschätzte Red Panda Tensor hat viele Stärken – die Klarheit des Pitch-Effekts ist es nicht.

Test EHX Pitchfork Plus Gitarrenpedal

Insofern überrascht es nicht, dass es so ein paar Evergreens gibt, bei denen von Anfang alles richtig gemacht wurde. Vom Whammy gibt es einige Variationen, vom Pitchfork jedoch nicht. Das hat sich jetzt geändert – EHX haben dem Pitchfork die verdiente Generalüberholung gegeben.

Design und Funktionen des EHX Pitchfork Plus

Das EHX Pitchfork Plus ist nicht das Pitchfork plus ein paar neue Details, sondern im Grunde genommen fast so etwas wie ein neues Pedal. Ist eine Menge dazugekommen – schauen wir uns das einmal im Detail an.

Aus der Verpackung rausgeholt, zeigt sich die EHX-typische gute Verarbeitung des Ganzen. Es gibt eine Menge Anschlüsse und Knöpfe, die Bodenplatte sitzt perfekt, es wackelt nichts und es scheint für seinen 209,- Euro Preis zumindest in Sachen Verarbeitung schon mal alles richtig zu machen.

Der EHX Pitchfork Plus besitzt zwei voneinander unabhängige Pitches, die jeweils im Bereich von –3 bis +3 Oktaven euren Sound formen können – das ist die Grundlage. Doch bevor wir da auf die Details eingehen, ein paar Worte zu den Anschlüssen und Features: Das EHX Pitchfork Plus besitzt eine 6,3 mm Klinke für den Input und zwei Output-Klinken – einen Main-Ausgang und einen Aux-Ausgang. Auf der rechten Seite befindet sich zudem ein Eingang für ein Expression Pedal, auf der linken noch ein Anschluss für einen separaten Fußschalter. 100 Presets kann das Pitchfork + speichern, was sich über einen externen Fußschalter ggf. erweitern lässt. Auch gut: EHX-Pedale sind für gewöhnlich mit fast allen Expression-Pedalen da draußen kompatibel.

Dabei kann das Pedal eine ganze Reihe von Parametern per CV ansteuern. Über den Exp-Knopf öffnet ihr das Expression-Menü und könnt dann entscheiden, ob ihr über das Expression-Pedal die Frequenzen welcher Pitch-Engines ansteuern wollt. Ziemlich cooles Detail: Ihr könnt per CV einen Frequenz-Crossover zwischen beiden Pitch-Engines machen – mir ist kein Pitch-Pedal bekannt, das das kann. Darüber hinaus könnt ihr das Glissando ansteuern oder die Lautstärke jeder Engine oder Kombination von Engines. Darüber hinaus gibt es zwei Fußschalter – der rechte ist der klassische Bypass-Schalter, der linke Fußschalter ist da schon weitaus interessanter: dem User-Fußschalter können unterschiedliche Funktionen zugewiesen werden – ganz nach euren Vorstellungen. Er kann entweder als eine Art Expression-Pedal fungieren und Rise und Fall von Crossovers triggern oder einfach durch eure Presets durchschalten.

So funktioniert das Electro Harmonix Pitchfork +

Also – Anschlüsse und ein paar der Knöpfe haben wir bereits geklärt. Aber der Pitchfork Plus steckt tatsächlich voller Features. Ich mache gerne den Fehler und unterschätze im Vorfeld manchmal die Komplexität mancher EHX-Pedale. Zu den Reglern:

  • Shift 1 mischt das Level der Pitch-Engine 1 bei
  • Shift 2 mischt das Level der Pitch-Engine 2 bei
  • Dry lässt einen das Verhältnis von Dry- und Wet-Sound einstellen
  • Value ist der Funktionsregler des Pedals

Der Value-Knob ist es auch dafür zuständig, die Tonhöhe eurer Pitch-Engine zu kalibrieren, aber darüber hinaus navigiert es euch auch durch die Submenüs, Parameter und Presets. Die noch nicht erwähnten Knöpfe erfüllen ebenfalls noch eine Reihe von Funktionen.

  • Aux erlaubt es euch auszusuchen, welcher Pitch-Kanal über diesen Output ggf. rausgegeben werden soll.
  • Shift 1 und Shift 2 sind für die Transposition des Input-Signals zuständig, die ihr über die Value-Regler leistet. An der Übersicht unten könnt ihr nachvollziehen, wie diffizil der Pitchfork Plus da arbeitet.
  • X-Mod ist so etwas wie ein Modulationsparameter. Beim Crossover zwischen Pitch 1 und 2 lässt sich ein Detune-Effekt erzeugen, aber wer sich ein bisschen darauf einlässt, kann noch mehr Effekte hierüber erzeugen. beispielsweise Ring Modulation. Auch kann das Ganze geroutet werden – Pitch 1 kann in Pitch 2 gefüttert werden und so auf diese Weise modulieren.
  • Preset ist für das Einstellen und Aufrufen von Presets zuständig
  • Latch erlaubt es, in feinster Whammy-Manier das EHX Pitchfork Plus entweder im Momentary- oder Latch-Modus zu betreiben. Für den Momentary-Mode gilt: Das Rise-Glissando, das sich aktiviert, wenn ihr den Bypass-Schalter tätigt und das Fall-Glissando, das einsetzt, wenn ihr den Bypass-Schalter wieder loslasst, können beide in Sachen Schnelligkeit genaustens eingestellt werden.

Wie ihr also sehen könnt, sind alle möglichen Dreiklänge mithilfe der Shift-Mode-Values denkbar. Nicht nur im Crossover, sondern auch für sich genommen kann das Input-Signal mit einem Detune-Effekt versehen werden, was sich ebenfalls über den jeweiligen Shift-Knopf und den Value-Regler im Detail einstellen lässt. Ihr seht also: EHX enttäuschen nicht und haben ein von der Funktionalität mal wieder eine sehr runde Sache präsentiert, die für den Preis mehr als beachtlich ist – auf zur Praxis!

Der Sound und das Tracking des EHX Pitchfork Plus

Wir speisen den Electro Harmonix Pitchfork + in den REVV G20 und von da aus in die DAW – keine großen Sperenzchen, ein Hauch Multiband-Kompression kommt zum Einsatz, mehr nicht. Der Reihe nach machen wir uns mit den Sounds, Modulationen und dem Klangbild als solches vertraut.

Und das Klangbild spricht eine deutliche Sprache. Statt futuristischen Synthesizerklängen gibt es Retro-Orgel-Sound und den kriegt man nicht auch nicht weg. Wer sich also prinzipiell an diesem Klangbild stört, wird mit dem EHX Pitchfork Plus wahrscheinlich nicht warm. Wer stattdessen zum Beispiel ein Lo-Fi-Pitch-Pedal sucht, dem sei stattdessen das Wizard of Pitch von den (tollen, aber leider inzwischen ruhenden) Dwarfcraft Devices empfohlen. Wer es ein bisschen futuristischer will, der sollte es mit dem Tensor von Red Panda versuchen.

Kommen wir zum entscheidenden Teil, nämlich das Klangverhalten der Pitch-Engines. Tatsächlich gibt es meines Erachtens kein Pitch-Pedal, das die obere und untere Oktave klarer und besser handhabt als das TC Electronic Sub ‚N‘ up; Tracking, Klangtransparenz sind da schlichtweg unerreicht und auch der Electro Harmonix Pitchfork + stößt das Sub ‚N‘ up nicht vom Thron. Unterschreitet man (bei moderatem oder starkem Gain) die erste untere Oktave und bleibt bei der anderen Pitch-Engine innerhalb der ersten Terz, Quarte oder Quinte, kratzt das schon ein bisschen – aber eben nicht allzu sehr.

Glockenklar lässt sich das bisweilen an – funktioniert vor allem mit dem Clean-Kanal sehr schön. Klanglich kann ich persönlich keinerlei Unterschied zum klassischen Pitchfork heraushören, aber die Überarbeitung der Engine als solche war auch nicht Sinn und Zweck des Pitchfork Plus. Im vierten und fünften Beispiel demonstrieren wir die leichte Chorus-Note, die der EHX Pitchfork Plus zaubern kann – klingt jetzt nicht ganz so schön Sirup-artig wie der Small Clone, ist aber nichtsdestotrotz definitiv zu gebrauchen und kein Alibi-Feature.

Im sechsten Beispiel wird deutlich, wie differenziert der EHX Pitchfork Plus auch für verzerrte Powerchords zusätzliche Harmonien beimischen kann – erst spielen wir das Riff ohne Pitchfork +, dann mit, ohne den Griff anzupassen. Funktioniert definitiv besser als bei vielen anderen Pitch-Pedalen und lässt den Wert des Ganzen noch mal in die Höhe schießen. Doch wie sieht es mit den Whammy-Funktionen im Momentary-Modus aus? Funktioniert prima, wie das letzte Beispiel demonstriert. Wir lassen auf zwei verschiedenen Spuren das Glissando auf- und abgleiten und aufeinander treffen. Klingt sauber, trackt perfekt und problemlos. Ist also insgesamt eine gute Bandbreite an Sounds, die das Pitchfork Plus da zusammenbringt.

Fazit

Zweihundert Euro für ein Pitch-Pedal, das klar und transparent arbeitet, Whammy-Funktionen wie Dive-Bombs anbietet, ein breites tonales Spektrum von -3 und +3 Oktaven bietet, Expression-Pedal-Anschluss hat, unzählige Presets ohne MIDI speichern und zusätzlich als geschmackvolles Chorus-Pedal funktioniert? Ist gebongt, EHX. In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis ein ganz klarer neuer Platzhirsch im Pitch-Game.

Plus

  • transparent arbeitende Pitch-Engines
  • Chorus-Funktionen
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 209,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    Die Klangbeispiele zeigen mir deutlich: EHX kann kein Pitchshifting.
    Die Transienten sind vollkommen aufgeweicht und die Latenz lässt den ‚Small Room‘ Sound deutlich hervortreten.
    Schade.
    Wieso eigentlich Synthesizer?

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