Test: Emagic EMI 2|6 USB Audiointerface

2. Mai 2002

Blau blau blüht das EMI

Das EMI 2|6 ist ein Audiointerface mit USB-Schnittstelle für PC und Mac. Wie der Name schon vermuten läßt, beglückt es den Käufer mit zwei hochwertigen, aber unsymmetrischen Eingängen und sechs eben solchen Ausgängen. Zusätzlich stehen digitale Ein- und Ausgänge im SP/DIF Format und ein regelbarer Kopfhörerausgang zu Verfügung.

Emagic EMI 2|6 USB Audiointerface

Das EMI 2|6 arbeitet mit 16bit und 24bit, allerdings mit der Einschränkung, wahlweise mit 16bit wiederzugeben und mit 24bit aufzunehmen – oder umgekehrt. Man kann also nicht gleichzeitig mit 24bit aufnehmen und wiedergeben. Diese Einschränkung ist durch die Bandbreite von USB 1.1 gegeben. Das EMI 2|6 nutzt demnach die theoretisch mögliche Bandbreite voll aus ˜ das heißt: weder neue Chipsätze noch neue Treiber oder Produktneuentwicklungen könnten unter USB 1.1 ohne Datenkompression mehr Kanäle und/oder eine höhere Auflösung übertragen.

Lieferumfang und Optik

Das Design kann ich als durchaus gelungen bezeichnen. Das Gehäuse ist aus blauem transparentem Kunststoff. Ein Stil, der seit den neuen Macs seinen Siegeszug fortführt. Die Transparenz ist grob gerastert, man kann das Innere des EMI 2|6 zwar erkennen, es sieht aber so aus als hätte man ein Computerbild ( nein, nicht die Zeitung ) stark vergrößert. Es treten also Pixel-ähnliche Effekte auf. Nett. Ausruhen kann sich das EMI in einem Kunstledertäschchen á la TB 303, ein Tragegurt oder Löcher für die Anschlüsse sind nicht vorgesehen. Vermisst habe ich auch Gummifüßchen, so daß das EMI 2|6 doch arg auf dem Tisch hin und her rutschte. Emagic versicherte mir aber, daß sie im Serienmodell mitgeliefert werden.

 Audiorouting

Auf der Vorderseite befinden sich Schalter, mit denen man zwischen analogem und digitalem Eingang wählen kann, d.h. sie stehen nicht parallel zu Verfügung. Ebenso verhält es sich mit dem digitalen Ausgang, dessen Signal immer dem analogen Ausgängen 1+2 entspricht. Ein anderer Schalter dient zur Wahl der Clock-Quelle. Man kann ihn zwischen intern und extern umschalten. Steht die Clock Source auf ?internŒ, wird die Samplerate vom EMI 2|6 erzeugt. Bei Digitalaufnahmen tritt ein Resampler in Kraft, der die externen Sampleraten automatisch anpasst ˜ ein Feature, das relativ selten angeboten wird. Der Vorteil des Resamplers: digitale Effektgeräte werden automatisch synchronisiert und lassen sich problemlos über das EMI 2|6 einschleifen. Steht die Clock Source auf extern, dann passt das EMI 2|6 seine eigene Samplerate an den Takt an, der am Digitaleingang anliegt. 3_EMIoutputs_b.jpg

Die MME Treiber sind multiclientfähig, was besonders der Arbeit mit mehreren Programmen zur gleichen Zeit zugute kommt, da sie sich nicht gegenseitig in der Verwaltung der physikalischen Ausgänge behindern. Für den 24bit Modus sind extra zwei LEDs spendiert worden, die den Modus getrennt für Ein- und Ausgang anzeigen. 4_EMIled_k.gif

Sehr funktionell sind auch die grünen Aussteuerungs-LEDs, die pro Kanal anzeigen, ob ein Signal anliegt. Sämtliche Anschlüsse sind als unsymmetrische Cinch-Buchsen ausgelegt. Einzig der Kopfhörer-Ausgang verfügt über eine 3,5mm Stereo-Klinke, dessen Signal immer mit dem der Kanäle 1+2 identisch ist. Der USB-Anschluß sowie der Anschluß eines Externen Netzteils befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite der Audioanschlüsse, damit Einstreuungen gering gehalten werden. Die Rauschabstände gibt Emagic in einigen Kurven nach einer Bestimmten Meßmethode im Handbuch an, aber ich ziehe für die Eingänge eine ergänzende Methode vor:

Man nehme einen mittelgroßen Waveeditor, beschicke ihn mit dem Signal der analogen Eingänge des zu testenden Gerätes und nehme das Signal auf. Anschließend führe man eine RMS-Analyse des Wavefiles durch. Der ermittelte Wert ergibt nun den Effektivwert des Rauschens, welches vom Eingangswandler produziert wird. Dieser Wert hängt natürlich auch davon ab, ob etwas an den Eingang angeschlossen ist oder wie die analoge Eingangsverstärkung eingestellt ist. Beim EMI 2|6 ergaben sich sehr gute Werte von -93 dB. Das EMI 2|6 ist für den Betrieb ohne Netzteil konzipiert. Der Einsatz eines Netzteils wird nur dann empfohlen, wenn Probleme mit der Audioqualität durch gestörte Spannungsversorgung des USB-Ports auftreten.

Performance

Ich habe das EMI unter Logic und Cubase einem Latenztest unterzogen. Auf meinem Testrechner ( Intel BX-Board, 1 GHz PIII, 100 MHz FSB ) war eine minimale Latenz von 6 ms möglich. Bei 4 ms kam nur noch Lärm aus den Wandlern. Unter Logic verlief der Test wie erwartet ohne Probleme. Unter Cubase 5.0R4 stellte ich allerdings fest, daß das EMI ein wenig „unrund“ lief, d.h. die Reaktion auf PLAY/STOP Befehle war teilweise verzögert. Dieses Problem wurde aber, wie sich zeigte, durch das jüngste Treiber-Update des EMI 2|6 bereits behoben.

Im Moment sind nur Treiber für den PC verfügbar, die Mac-Treiber werden in nächster Zeit folgen. Wichtig ist die Tatsache, daß nur unter Windows Millennium die volle Funktionalität der externen Synchronisation sichergestellt ist. Unter Windows 98SE (Second Edition) und unter Windows 2000 ist der digitale Eingang in Bezug auf die externe Synchronisation nur eingeschränkt nutzbar. Externe Synchronisation ist notwendig, um ein anderes Gerät als das EMI 2|6 als Clock Master verwenden zu können. Wer das EMI 2|6 mit Windows 95 oder 98 First Edition nutzen will, wird mit einem „Unsupported Windows Version“ Fenster enttäuscht. Ich hatte anfangs Probleme mit der Installation, da ich erst mein Windows 98 auf die Second Edition updaten mußte. Nach den Update schlichen sich noch einige Probleme mit der Emagic-Installations-Routine V1.1.0.137 ein. Diese sollten aber in einem der nächsten Treiberupdates behoben sein. Ich habe das EMI 2|6 zum einen mit einem Intel Chipsatz 815 Solano, sowie mit dem VIA Chipsatz für Athlon-Prozessoren getestet. Da auf den modernen Mainboards der USB Controller meist schon aufgelötet ist, werden die Besitzer von VIA Boards nicht ohne weiteres um den Kauf einer USB-Controllerkarte herum kommen.

Bei den VIA-USB-Controllern kam und kommt es trotz regelmäßiger Patches und Updates seitens Microsoft oder Via immer wieder zu Problemen mit USB-Devices. Auch das Tascam 428 hat unter diesen Problem zu leiden. In unserem Fall kann das EMI 2|6 mit dem VIA-USB-Controller nur im 16bit Mode betrieben werden, wobei auch nur zwei Kanäle zur Verfügung stehen. Mit dem Intel-Controller ist alles so wie es sein sollte. Anzulasten ist dies entweder Microsoft oder VIA, allerdings nicht Emagic, da andere Hersteller die gleichen Probleme haben.

Fazit

Für Laptop-Anwender, die mal schnell auf der Wiese einen Hit schreiben wollen, ist das EMI 2/6 sicher die erste Wahl. Zudem ist das EMI 2/6 das erste USB-Audio-Interface, das durch seine äußerst geringe Latenz das Live-Abspielen von virtuellen Instrumenten ˜EVP 88, EXS24 und ES1 oder VST 2.0-kompatible Instrumente˜ oder vorproduzierten Tracks sinnvoll macht. Im Studio überzeugt die hohe Audioqualität von 24 Bit. Das EMI 2/6 bietet sich natürlich mit seinen einzigartigen sechs Ausgängen zur Produktion von Surround-Formaten an. Für Studios allerdings, die nicht unbedingt USB brauchen, gibt es eine Vielzahl von Alternativen.

Plus

  • Hochwertige Wandler
  • Flexibles Audiorouting möglich
  • Kopfhörerausgang
  • Digitale Anschlüsse

Minus

  • Unsymmetrische Anschlüsse
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    hallo! bin totale anfängerin. kann mir jemand sagen, welche kabel ich benötige, um das interface mit meinem computer bzw. mit instrumenten/micro zu verbinden? und wo lade ich am besten den treiber heruter? vielen dank!!! grüße, vanessa

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Du brauchst ein USB A-B Kabel um das Interface mit dem PC zu verbinden.
    das Mikrofon habe ich über einen Preamp angeschlossen, welcher wiederum über Cinch Stecker mit dem EMI 2|6 verbunden wird.
    Treiber gibt es auf http://www.emagic.de Man wird zu einer Seite von Apple weitergeleitet, dort findet man Downloads für "emagic branded hardware". Dort findet man übrigens auch ein Manual im PDF Format ;)

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