Test: Erica Synths Black Hole DSP 2, Eurorack Effekt Modul

14. Dezember 2018

Wahrscheinlich anziehend

erica synths black hole dsp 2

Erica Synths Black Hole 2 DSP

Seit Oktober 2018 ist Erica Synths Black Hole DSP 2 erhältlich. Diese löst die ältere Version ab, die es nun noch für kurze Zeit bei Erica Synths auf der Website zu einem Discountpreis zu kaufen gibt. Welche Neuerungen bringt der Nachfolger und was kann man mit ihm im Eurorack anstellen?

Erica Synths Black Hole DSP 2 – Zuwachs

Betrachten wir zunächst die Unterschiede zur ersten Version. Erica Synths Black Hole DSP 2 hat zugenommen und das an Breite. Benötigte Version 1 noch 14 HP so beansprucht der Nachfolger nun 16 HP im Eurorack. Das liegt hauptsächlich daran, dass mehr Bedienelemente auf dem Panel Platz finden müssen. Im Gegensatz zum Vorgänger gesellen sich zum großen Dry/Wet-Regler nun sieben anstatt vier etwas kleinere Regler. Allesamt wieder im gewohnt „moogigen“ Antlitz und guter Potiqualität.

Der größere Platz war eben nötig, damit man das Modul nicht nur mit spitzen Fingern bedienen kann, sondern eben genug Platz für manuelle Eingriffe hat. Die neu hinzugekommenen Regler sind: PARAM3, CRUSH CV LVL und IN LEVEL. Einer der Regler wollte im Erika Synths Black Hole DSP 2 nun Loretta heißen und bezeichnet sich nun mit CRUSH anstatt RATE. Dahinter steht aber nach wie vor die Samplerate des Moduls, nur dass RATE eben die Funktion und CRUSH eher den Höreindruck wiedergibt. Da sich auch die Anordnung der Regler geändert hat, stehen als oberste Regler nun das Poti für CRUSH und neben dem LED-Display der Click-Encoder PATCH – erinnert das noch jemanden an die Krush Pach der Orks aus Gothic 3?

erica synths black hole 2 dsp

Wie dem auch sei, in der zweiten Reihe befinden sich nun die Potis für Parameter 1 bis 3 und in der untersten Reihe: IN LEVEL, DRY/WET und der Attenuator für den CRUSH CV-Eingang CRUSH CV LEVEL.

Auch bei den Ein- und Ausgängen hat sich etwas getan, wenn auch nicht ganz so viel, denn es ist ein CV-Eingang für den dritten Parameter hinzugekommen. Zu guter Letzt wurde die Anzahl der Effekt-Programme von 16 auf 24 erhöht.

Erika Synths Black Hole DSP2 - hier im Rack mit anderen Modulen von Erika Synths

Erica Synths Black Hole DSP2 – hier im Rack mit anderen Modulen von Erika Synths

Bewahrt das Bewährte beim Erica Synths Black Hole DSP 2

Das Modul Black Hole DSP 2 arbeitet nach wie vor in Stereo und basiert auf dem bekannten FV-1-Chip von Spin Semiconductor, der auch in zahlreichen Reverb/Delay-Pedalen verschiedener Hersteller zu finden ist, weswegen ihn man aber noch lang nicht als „old“ bezeichnen sollte. Der Chip ist nämlich über einen Assembler-Dialekt (SpinASM, Link zum PDF) wie ein DSP zu programmieren und kann daher so ziemlich alles sein, was sich der jeweilige Entwickler einfallen lässt. Hier findet ihr eine kleine Auswahl an frei erhältlichen FX für den FV-1).

Der FV-1 wird im Erica Synths Black Hole DSP 2 mit einer Samplerate von 48 kHz getaktet, so dass mit einer maximalen Delay-Zeit von ca. 680 ms zu rechnen ist. Eine direkte Angabe über die Bit-Tiefe konnte ich selbst im Datenblatt des Chips nicht finden, ­bei einem Input- und Output-Noise von maximal 93 dBFs kann man aber von einer „nutzbaren“ Bit-Tiefe von 16 Bit ausgehen. Und da wir es hier hauptsächlich mit Line-Signalen zu tun haben, ist das auch erst mal ausreichend – denn schließlich will der Erica Synths Black Hole DSP 2 ja kein Studioeffektgerät sein, sondern ein „spielbarer“ Effekt.

Die Spielwiese des Erica Synths Black Hole DSP 2

Um einen Überblick über die angeboten Programme zu bekommen, hier zunächst die Aufzählung aus dem Handbuch, das als PDF in englischer Sprache vorliegt.

Ale Programme des Erika Synths Black Hole DSP2 im Überblick

Alle Programme des Erica Synths Black Hole DSP2 im Überblick

Um den Grundcharakter einzufangen, wurde ein Drumloop durch alle Programme geschickt und jeweils ein wenig an Parameter 3 geschraubt, der für das einzelne Effektprogramm die Besonderheit darstellt. Den 24 Programmen sind zwar die Effekte fest vorgeschrieben, hat man aber eine Parameterkombination gefunden, die einem gefällt, kann man diese im Effekt mit einem langen Klick auf den Encoder abspeichern. Beim nächsten Aufruf des Programms mit einem einfachen Klick, wird der Effekt mit genau diesen Einstellungen aufgerufen.

Nach dem ersten Hören und darauffolgendem Test mit einer Click-Quelle fiel mir Folgendes auf: Erstens ist die Delay-Zeit vom linken und rechten Kanal immer unterschiedlich und zweitens wird hier nicht die maximale Delay-Zeit von 680 ms erreicht, die der FV-1-Chip bei 48 kHz theoretisch leisten könnte. Das Maximale, was ich an Delay-Zeit herausholen konnte, waren 405 ms für den linken und 575 ms für den rechten Kanal. Der einzige Delay-Effekt, der auf beiden Kanälen eine identische Verzögerung leisten kann, ist somit Dual-Delay. Denn nur hier kann man die Verzögerung beider Kanäle einzeln regeln. Heißt dann aber auch, dass die maximale Delay-Zeit eben bei 405 ms liegt. Eine längere Delay-Zeit bekommt man also nur, wenn man Klangqualität opfert – denn nur bei niedrigeren Sample-Raten werden natürlich auch die Delays länger.

Allen Delays ist gemein, dass eine Änderung der Verzögerungszeit einen Bandechoeffekt hervorruft, die Delays also in ihrer Tonhöhe beeinflusst werden. Gerade bei Verläufen von kurzen zu langen Delay-Zeiten stellt sich dann das ein, was man gemeinhin mit einem sog. schwarzen Loch assoziiert – der Sog der Zeit.

Ein Drink an der Steuerbar des Erica Synths Black Hole DSP 2

Interessant wird es aber erst, wenn man den Erica Synths Black Hole DSP 2 eben nicht als einfaches Effektgerät begreift, sondern lernt, den Effekt zu spielen. Genau dazu bietet die neue Version eben erweiterte Möglichkeiten. Zum einen über den CV-Eingang für den klangentscheidenden Parameter 3, zum anderen auch über den leichten Einsatz des CRUSH-Parameters, dessen Dosierung über den neuen CRUSH CV LVL-Regler nun feinjustiert werden kann.

Die Delay-Effekte leeren höhrbar ihren Puffer, bevor sie umschalten

Die Delay-Effekte leeren höhrbar ihren Puffer, bevor sie umschalten

Nach und nach entdeckt man die Besonderheiten der 24 Effekt-Programme und lernt diese einzusetzen. Dabei gibt es einige, die besonders heftig auf Modulationen reagieren. Welche das sind, und welche Parameter darin, wurde dankenswerterweise vom Hersteller Erica Synths auf dem oben genannten Chart angegeben.

Selbstverständlich kann man den Erica Synths Black Hole DSP 2 auch lediglich für das Andicken oder Veredeln von Summensignalen hernehmen – auch das beherrscht er. Eine eingehende Beschäftigung mit jedem einzelnen Effekt ist aber von Nöten, um ihn kreativer als das einsetzen zu können. So wird ein CV-Verlauf, der aus einem Effekt (z. B. „Hellraizer Delay“) ganz hervorragende Klänge hervorholt, aus einem anderem (z. B. „Granular Delay“) keine besonders ansprechenden Töne zaubern.

Es gibt natürlich nicht nur die Delays, sondern auch eine satte Portion Reverbs, deren Pre-Delay-Time ebenfalls mit einem Bandechoeffekt ausgestattet ist. Ein Endless-Verb (STALKER REVERB) ist genauso mit an Bord wie verschiedene Shimmer-Varianten.

Auch zwei Endless-Looper in einer Hipass- und einer Lopass-Variante sind vorhanden, mit denen sich selbst lieblichste Klänge brutal zerstören lassen, vor allem setzt man noch zusätzlich den Crusher ein.

Einen Effekt, dessen Rückkopplung sich in einer V/Okt-Charakteristik steuern lässt, gibt es allerdings nicht.

Der Dry/Wet-Signalweg ist voll analog

Der Dry/Wet-Signalweg ist voll analog

Die Modulationseffekte gehen eher handfest zur Sache und arbeiten recht plakativ, natürlich kann man auch die über den Dry/Wet-Regler zähmen. Bei diesem gibt es auch eine Besonderheit. Moduliert man andere Parameter mit CV von außen, so ergeben sich stets weiche Übergänge, auch bei schnelleren Modulationen. Der Dry/Wet-Regler, der übrigens voll analog ausgeführt ist (also VCAs gesteuert), knackt auch schon bei langsameren Modulationen, wenn sie abrupt auftreten.

Da auch die Effektprogramme selber über CV aufgerufen werden können, stellt sich die Frage, wie die Übergänge klingen. Nun kommt ganz darauf an, welche Effekte aufeinanderfolgen. Delay zu Delay ist z. B. immer problematisch. Hier hört man deutliche Clicks beim Umschalten, vermutlich weil auch der Audio-Puffer geleert wird. Bei anderen Effekten sind saubere Übergänge durchaus möglich.

Fazit

Der Erica Synths Black Hole DSP 2 zieht einem in seinem Bann wie ein schwarzes Loch in seinen Gravitationssog. Am Anfang noch ganz unbemerkt, üben die Möglichkeiten, die die zweite Version mit sich bringt, eine immer stärkere Anziehungskraft aus, bis man durch kleinste Änderungen in der Steuerung erhebliche klangliche Unterschiede herausarbeiten kann. Genauso erging es mir. Am Anfang vom Gesamtkonzept noch nicht sehr begeistert, wurde mir bald klar, dass es eben nicht „nur“ ein Effektgerät fürs Eurorack ist, sondern nach einer gewissen Einarbeitungszeit sogar einen Suchtfaktor auslöst; im Sinne von: Wie kann ich mehrere Parameterfahrten kombinieren und lässt sich ein interessanter Übergang von einem auf ein anderes Effektprogramm realisieren?

Natürlich habe ich eine Tap-Tempo-Funktion für die Delays vermisst, denn das ist für eine Live-Situation immer eine Bereicherung. Da die Delay-Zeit aber über CV-steuerbar ist, kann man sich zur Not auch etwas Entsprechendes verkabeln.

Viele Hersteller nutzen den FV-1 Chip, wie der Erica Synths Black Hole DSP 2 eben auch, aber hier ist er richtig aufgebohrt und seine Nervenbahnen liegen wie auf dem OP vor einem. Das übt einen immer stärker werdenden Reiz zum Experiment aus, dessen einzige Limitierung lediglich die begrenzte Delay-Zeit bei 48 kHz ist.

Plus

  • drei Effektparameter per CV-steuerbar
  • stufenlose Samplerate von 48 kHz bis 1(?) Hz
  • ein speicherbarer Sound pro Effekt-Preset

Minus

  • Programmübergänge bei Delay-Effekten nicht flüssig
  • Dry/Wet-Steuerung nicht knackfrei bei steilen CVs
  • maximal 575 ms Delay-Zeit bei 48 kHz Samplerate
  • kein Tap-Tempo für Delay-Effekte
  • ein speicherbarer Sound pro Effekt-Preset

Preis

  • Ladenpreis: 319,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    penishead  AHU

    Ich habe zeitgleich nun den Tiptop Z-DSP und das Black Hole 2 im Rack. Da ich auch ein Eventide H9 habe, möchte ich nur mal meine Meinung zum Besten geben. Doch nun zum Thema: Mir geht es hauptsächlich um das Reverb und Shimmer im Vergleich.
    Bei dem ZDSP kann man von einem fülligen und dichten Reverb speziell mit dezenter Shimmerpitch reden. Unglaublich dicht und angenehm spährisch. Wohin gehend man bei Black Hole V2 zwar technisch gesehen einen Shimmer Effekt hat, aber dieser ist für diese Art von Sound nahzu unbrauchbar, weil das Pitching immer dominant ist. Man kann das nicht runterreglen. Und auch die Feedbackschleifen sind mir unerklärlich, warum muss das so sein? Keiner der Shimmerprogramme macht diesen Shimmer, den man vom H9 (Eventide Space) so liebt und kennt. Hier liegt das ZDSP klanglich vorn, obwohl beide denselben Processor nutzen. Im Reverb-Bereich sind beide Geräte klanglich sehr gut, wobei mir beim ZDSP die Stereobreite etwas intensiver vorkommt. Letzendlich habe ich, obwohl mir der Shimmer beim ZDSP besser gefällt, diesen wieder verkauft. Das große Display ist zwar nett, aber zeigt nicht mal Parameterwerte an, was eigentlich eine totale Platzverschwendung ist. Ebenso verhält es sich mit dem Rackspace und der Speichermöglichkeit, es gibt nämlich keine. Hier liegt das Black Hole 2 deutlich vorne und lässt sich live auch intuitiver bedienen.

  2. Profilbild
    penishead  AHU

    Ach ja, eines noch: Das Module hat ein ziemlich arges Grundrauschen, ohne Effekt und ohne Audioeingang. Das geht eigentlich gar nicht. Evtl. kann man das mit einem anderen OP Amp IC oder besseren Kondensatoren in der Spannungglättung des Modules verbessern. Das Black Hole 1 rauscht ja auch schon ziemlich, ist also ein konstruktionsbedinges Manko, welchem man nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte.
    Mir ist also bis dato kein „studiotaugliches“ Multieffektmodule in der Qualität eines Eventide H9 fürs Eurorack bekannt.

  3. Profilbild
    penishead  AHU

    Nach einiger Zeit mit dem Black Hole 2 muss ich leider sagen, das mir das erste Black Hole trotz der Einschränkungen wesentlich musikalischer vorkommt. Der Rate (Crush) „Effekt“ ist beim alten Black Hole wesentlich smoother im Klang. Entweder verstehe ich die Effekte im 2er nicht, oder ich komme nicht dahinter in welchem Kontext man diese zum sinnvollen Einsatz bringen kann. Beim 1er funktioniert das auf Anhieb, zumindest bei mir ist das so. Zum Glück habe ich das 1er noch nicht verkauft. Auch wenn das Äußere und der Chip im Inneren eine Identität zum Hole 1 suggerieren, scheint mir doch die Schaltung bzw. die Programmierung der Effekte eine andere Ästhetik im Einsatz hervorzurufen. Mit anderen Worten – beide Module sehen gleich aus, fühlen sich aber unterschiedlich an!
    Es sei noch erwähnt, das es die neuen Programme als Steckkartenupdate auch für die 1er Version bei Erica zu kaufen gibt. Somit hat man wenigstens die zusätzlichen Effekte auf Abruf.

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Hi,
       
      das Rauschen kann auch am AD/DA-Wandler vor/hinter dem DSP liegen, in diesem Fall hat man eher Pech gehabt (ich meine sogar die Wandler sind im DSP verbaut).
       
      Tatsächlich sind die neuen Programme neue Programmierungen. Vlt. könnte man ja bei Tante Erica fragen, ob es auch die BH1-Programme für den BH2 gibt?
       
      beste Grüße,
      Thilo

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