Test: ESI uniK 08 plus, Studiomonitore

17. April 2017

Schwäbische Wuchtbrumme

ESI uniK 08 plus? Studiomonitor? Ehrlich gesagt hat der Onkel die schwäbische Firma ESI immer zuerst mit Soundkarten und MIDI-Interfaces verbunden und so muss er also in seinem Hirnkastl (bayrisch für: Humanoide Festplatte) erst einmal eine neue Verschaltung zu „Studiomonitore“ herstellen. Nun denn, schalte und walte, die ESI uniK 08 plus im Test.

ESI UniK 08 plus

Von außen betrachtet

Die Firma ESI sitzt im württembergischen Leonberg und hat diesen Lautsprecher aus der Taufe gehoben, gebaut wird er allerdings in China. Ich bin da immer etwas geteilter Meinung, ob man alle elektronische Ware immer dort produzieren lassen muss, denn auch hierzulande kann man zu vernünftigen Herstellungskosten produzieren. Aber abgesehen von meinen Gedanken diesbezüglich ist das schwarze Holzgehäuse und die Box allgemein sehr sauber verarbeitet. Die Front ist an den Kanten merklich angerundet, alle Potis und Anschlüsse sind sehr sauber eingepasst und nichts riecht irgendwie unangenehm. Insgesamt wirkt die Box „edel in Pop“, die unübersehbare Farbe der großen Membran ist schon ein Augenzwinkern Richtung unserer kreativ-verrückten Branche. Also mir gefällt sie ungemein gut.

Von außen betrachtet sind die ESI uniK 08 plus ordentliche Eimer. Mit den Maßen 252 x 352 x 319 mm  sollten sie nicht unbedingt auf dem klapprigsten Campingtisch ihren Platz finden und auch der Regieraum sollte nicht die Größe einer Telefonzelle haben.

Der unübersehbar rötlich-kupferfarben-orangene Tieftöner ist eine 8-zöllige Kevlar-Membran und der Antrieb dahinter wird von einer 70 Watt starken Verstärkungsabteilung angetrieben.

Die hohen Töne übernimmt ein magnetostatischer Hochtöner, der ebenfalls mit 70 Watt über eine separate Endstufe befeuert wird. Üblicherweise nimmt man für die Hochtöner eine geringere Verstärkerleistung, da die Bässe die meiste Energie fressen, allerdings hat die hier verwendete Ausführung mit zwei gleich kräftigen Verstärkern durchaus ihre Vorteile: Falls man einen Subwoofer mit einbindet und deshalb die Bassfrequenzen über eine Frequenzweiche stark abgesenkt zur ESI uniK 08 plus schickt, kann erstens auch der Hochtonbereich sehr laut ausgefahren werden. Und zweitens verzerrt ein solch kraftvoller Hochton-Verstärker grundsätzlich erst sehr spät, da er durch die hohe Leistung deutlich seltener an sein Limit kommt.

Hier die weiteren technischen Daten, die ich der Website des Herstellers entnommen habe:

  • 2-Wege-Lautsprecher mit 2 Verstärkern
  • magnetostatischer Hochtöner mit äußerst geringer Masse
  • 8″ Kevlar Membran Tieftöner (magnetisch abgeschirmt)
  • Ausgangsleistung: 140 W (HF: 70 W, LF: 70 W), 160 W max. Leistungsaufnahme (AC)
  • Frequenzgang: 37 Hz – 25 kHz
  • Eingangsimpedanz: 27,2 kOhm (symmetrisch) / 13,6 kOhm (unsymmetrisch)
  • Übergangsfrequenz: 3,2 kHz
  • SPL: 105 dB, Peak: 108 dB
  • Eingänge: XLR/Klinke 6,3 mm Combo-Anschluss, symmetrisch/unsymmetrisch
  • Verstärkungsregler: -14 .. 0dB .. +14
  • Regler zur Raumanpassung: Character: -6 bis +6 dB; Low: -5 bis +5 dB; High: -5 bis +5 dB
  • Bassreflexöffnung auf der Rückseite
  • Ground-Lift-Schalter
  • Standby-Funktion, abschaltbar
  • Anzeige: mehrfarbige LED auf der Vorderseite: Ein (orange), Standby (rot)
  • Standfüße: 4 Stück gummiert und separat höhenverstellbar
  • Gewicht: 8,1 kg

Wie wurde getestet?

Eigene Mischungen, die ich gut kenne, Einzelspuren aus aktueller Studioarbeit, viele Konserven von CD und Vinyl meiner persönlichen Lieblinge. Dazu wieder mein Standard-Testprogramm:

Sigi Schwab & Percussion Academia: LIVE
Diese Aufnahme ist exzellent zur Beurteilung von dynamischen Feinheiten geeignet, da erstens Spitzenmusiker an bestem Instrumentarium aufspielen und zweitens der Scheibe (entgegen dem Blödsinn der Totkomprimierung) auch eine wohltuende Portion Dynamik gelassen wurde.

Status Quo: BLUE FOR YOU
Knackiger Blues-Rock zum Lautstärketest und wie es so mit dem Druck einer Box aussieht. Besonders der „Mystery Song“ eignet sich dazu besonders gut, da er sich langsam aufbaut, zudem sollte der starke Choruseffekt auf der Gitarre am Anfang des Songs auch bei monophoner Wiedergabe einer Box noch angenehm klingen.

Yello: FLAG
Wundervoll gemischtes Meisterwerk mit edlem Synthsound und vielen musikalischen/tontechnischen Gimmicks. Gibt Aufschluss darüber, wie „edel“ diese Mischung wiedergegeben werden kann.

Dolcenera: UN MONDO PERFETTO
Eine emotionelle Frauenstimme vom Allerfeinsten mit einer erstklassigen Band im Hintergrund. Dolceneras Stimme erscheint vor guten Studiomonitoren wie plastisch davorstehend. Hier zeigt sich, wie „in sich stimmig“ und räumlich ein Lautsprecher arbeitet.

Golden Earring: MOONTAN
Besonders der Welthit “Radar Love” ist von der akustischen sowie spieltechnischen Umsetzung ein kleines Meisterwerk: Dynamische Bläserparts, tolles Schlagzeug, ein grooviger, warmer Bass, der rotzige Sänger, gepaart mit ausdrucksstarken Gitarren, gibt Aufschluss darüber, ob die Klangcharakteristik der Lautsprecher sich bei unterschiedlicher Dynamik verändert.

Heißer Tipp zum Testen der Basspräzision: MY BABY DOES ME von Queen.
Auf dem Album “The Miracle” befindet sich dieser Titel, mit dem jeder Lautsprecher auf seine Basstauglichkeit überprüft werden kann. Gleich zu Beginn des Songs groovt ein herrlich runder Bass ins Geschehen, der zuerst recht harmlos wirkt, aber eine ungeheure Energie beinhaltet. Je besser ein Lautsprecher konstruiert ist, um so lauter schafft er diesen Bass ohne Verzerrung.

Wie klingt die ESI uniK 08 plus?

In der neutralen Position (in der ich stets alle Lautsprechertests durchführe) klingt dieser Lautsprecher zuerst einmal sehr satt und kräftig. Das Bassfundament ist einerseits fulminant, mumpft aber zu keiner Zeit, zumindest dann, wenn die Box nicht zu nahe an der Wand und weg aus den Raumecken ist. Die menschlichen Stimmen kommen mit klarer Kontur rüber und überhaupt präsentiert die ESI uniK 08 plus ein äußerst homogenes Klangbild, welches dem Ohr einerseits schmeichelt, aber andererseits auch nichts schönfärbend verpinselt. Es ist ein sehr gelungener Kompromiss zwischen „Wohlfühlsound“ und Arbeitsgerät. Ich könnte nach kurzer Einarbeitungszeit auf diesem Lautsprecher gut mischen, da bin ich mir sicher. Und zudem macht er richtig Laune beim Musikhören.

Lediglich bei oben erwähntem Queen-Titel „My Baby Does Me“ kam die Box etwas ins Schwitzen, hier war die Wiedergabe dieses extrem „gemeinen“ Basslaufs nicht mehr ganz so souverän, es hielt sich aber immer noch in einem verträglichen Rahmen. Und grundsätzlich kann man sagen, dass bei dieser Wuchtbrumme ein Subwoofer genau so viel Sinn macht wie Blumengießen bei Starkregen.

Sieht gut aus, klingt noch besser: ESI UniK 08 plus

Der „Character“-Regler

… auf der Rückseite der ESI UniK 08 plus ist ein interessanter Ansatz, ohne großen Aufwand den geeigneten Sound einzustellen. Je nachdem, ob man es mit einem überdämpften oder höhenlastigen Abhörraum zu tun hat, lässt sich der Grundcharakter der Box dem jeweiligen „Raumübel“ sehr einfach anpassen. Je mehr man mit dem Schraubenzieher Richtung „Bright“ dreht, desto höhenbetonter und offener klingt die Box, dies aber nicht nur in den obersten Frequenzen, sondern bereits ab den unteren Mitten.

In umgekehrte Richtung gedreht wird die ESI uniK 08 plus merklich zurückhaltender, ohne aber stumpf zu werden. In meinen Ohren ist diese simple, aber effektive Anpassungsmethode ein richtiges Highlight. Abgesehen von der Möglichkeit der Raumanpassung kann man hiermit natürlich die Box auch in seine persönliche Geschmacksrichtung trimmen. Zusätzlich zu dem „Character“-Regler gibt es noch getrennte Regelmöglichkeiten für den reinen Bass- und Höhenbereich.

Charakter per Schraubendreh

Was besonders aufgefallen ist

Die Potis zum Einstellen von Gain, Character, Low und High auf der Rückseite der ESI uniK 08 plus sind fein und exakt gerastert, ganz besonders fein das Gain-Poti. Damit lässt sich mit Hilfe eines Schraubendrehers das jeweilig Gewünschte sehr gut einstellen.

Die hinteren Bassreflexöffnungen können bei Bedarf mit Hilfe von mitgelieferten breiten Schaumstoffstreifen verschlossen werden. Somit lässt sich die Box auch näher an der Wand betreiben, falls es keine andere Aufstellmöglichkeit gibt.

Klappe zu, Bässe tot

Mitgeliefert werden auch höhenverstellbare Füße, mit deren Hilfe man die Lautsprecher auf einem Schreibtisch bzw. auf einer Platte anwinkeln kann, das ist sowohl an der Frontseite als auch der Rückseite möglich, wodurch man den Lautsprecher auch nach unten anwinkeln kann, falls er zu hoch für die exakte Hörachse steht.

Die Box besitzt eine Abschaltautomatik, die aber per Knopfdruck deaktiviert werden kann. Ebenso gibt es einen Ground Lift, falls es im Betrieb tatsächlich brummen sollte.

In eingeschaltetem Zustand leuchtet dezent das ESI-Logo, das ist viel angenehmer als diese oft verwendeten und vermaledeiten „Blaulichter“, die einem das ganze Studio ausleuchten.

Aufgeräumt wirkende Rückseite

Für wen ist der ESI uniK 08 plus der richtige Lautsprecher?

Als Hauptmonitor im Projektstudio ist er eine sehr gute Wahl, als Alternativabhöre zur in die Wand eingelassene Hauptabhöre eines sehr großen Regieraumes taugt das genauso.

Wer mit diesem überzeugenden Monitor keinen guten Mix zustande bringt, der sollte die Schuld nicht auf diesen schieben. Denn unabhängig davon, ob einem der Klang gefällt, bringt er alles Wesentliche ans Tageslicht. Die ESI uniK 08 plus sind nicht so brutal ehrlich wie z.B. Genelec Monitore, verbessern aber einen „üblen“ Sound auch nicht zur Schlagsahne, höchstens zum Magerjoghurt.

Ein anständiger Abstand von der Wand und aus den Ecken heraus (minimum 30 cm) ist aber schon nötig, wenn er so klingen soll, wie er klingen soll. Die mitgelieferten „Pfropfen“ sind zwar eine relativ brauchbare Notlösung, aber erst, wenn sich diese vermeiden lässt, spielt dieser gelungene Lautsprecher sein ganzes Potential aus.

Und eine Anwendung kann ich mir durchaus ebenso vorstellen: Als Hi-Fi-Lautsprecher an einen Vorverstärker angekoppelt. Aber auch hier gilt: Platz braucht er!

Auf einem Regal zwischen lauter schlauen Büchern eingeklemmt, ist er fehl am Platze. Und sollten es dumme Bücher sein, ändert das auch nichts. Dieser Brocken will möglichst frei stehen.

Noch eine Bemerkung zu den „Monitorständern“ König & Meyer 18825

Bei einem meiner letzten Tests wurde mir von einem Leser schon fast unterstellt, ich würde von König & Meyer bezahlt werden, da ich ständig deren Produkte empfehle. Das mit dem bezahlt werden ist definitiv nicht der Fall, aber ich verwende seit Anbeginn meines ersten Studios deren Produkte sehr gerne und bei den Lautsprecher- und Mischpulttests bevorzugt diesen Universalständer 18825. Das Teil ist extrem kompakt im Regal und geht bei Bedarf ordentlich in die Höhe (bis 91 cm), als Ständer für größere Monitorlautsprecher ist er also bestens geeignet. Zudem ist er auch unterwegs ein guter Begleiter für alles Mögliche, da er wirklich wenig Platz im Auto benötigt.

ESI UniK 08 plus auf K&M 18825 Universalständern

Fazit

Die ESI uniK 08 plus ist ohne wenn und aber ein ernstzunehmender Studiomonitor. Sie klingt satt und angenehm, hat zudem eine Menge Power. Sie ist ein wenig gnädig im Umgang mit klanglich unausgegorenem Material, ohne aber den Hinweis darauf zu verschweigen. Der überzeugende Grundklang kann mit Hilfe des „Character“-Reglers sowohl dem vorhandenen Raum als auch der persönlichen Klangvorliebe angepasst werden. Die Verarbeitung ist sehr gut und der Anschaffungspreis wirklich nicht hoch für das Gebotene.

Plus

  • sehr homogener und kraftvoller Klang
  • simple aber effektive Raumanpassung
  • sehr gut verarbeitet
  • gute Detaillösungen
  • preiswert für das Gebotene

Preis

  • Ladenpreis: 309,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    fkdiy  

    Nun hast du es geschafft: Ein Geräteständer musste angeschafft werden, und vermutlich hätte mich der Blitz getroffen, wenn es nicht der K&M Universalständer geworden wäre, nachdem ich so oft davon gelesen habe.

    Ich sehe ihn schon als ständigen Begleiter auf sämtlichen Campingtouren, Feiern, Festivals … es will ja immer irgendwo irgendwas aufgestellt werden. ;)

    Spaß beiseite, ob gewollt oder nicht, du hast mir das Teil auf jeden Fall schmackhaft gemacht. Danke dafür – der wird mich sicher nicht enttäuschen.

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      *LACH*

      Griass Di fkdiy,

      das Ding ist echt spitze, hab mittlerweile 3 Stück davon und die Ständer auch schon öfters für alles mögliche zweckentfremdet. Als Campingtisch geht er übrigens bestens: Brettl drauf, Weisswürscht drauf, Weissbier drauf: Prost Gemeinde!

      (Werde mich so langsam mal bei König & Meyer melden und um einen Job als PR-Mann anfragen…..)

      ;-)

      Musikalische Grüße

      Onkel Sigi

        • Profilbild
          Onkel Sigi  RED

          Ach so ja, Baden-Württemberg liegt ja in Korea. Ganz vergessen…..

          ;-)

          Im Ernst: Wieso Korea? Wird doch in China zusammengabaut, das Ding….?

          Musikalische Grüße

          Onkel Sigi

          • Profilbild
            ISE500  

            Grüß dich Onkel Sigi,

            die Firma ESI ist koreanisch! Das weiß ich von einem der da bei ESI in Leonberg arbeitet. Und was das „Made in China“ angeht: dann wären ja fast alle Synthfirmen … :)
            (Anm.der Red.: Link wurde gelöscht. BItte nur gekürzte Links einsetzen, siehe https://bitly.com)

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