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Test: ESP LTD Deluxe MH-1000, E-Gitarre

31. August 2021

Das volle ESP-Brett - neu aufgelegt für 2021

Test: ESP LTD Deluxe MH-1000, E-Gitarre

Manchmal lohnt der Blick auf die letzten Jahre, um festzustellen, welche Gitarren- oder Pedalmodelle sich wacker gehalten haben, Top-Listen gestürmt und danach nicht in der Versenkung verschwunden sind. Modelle, die es irgendwie geschafft haben, in der kollektiven Wahrnehmung verankert zu bleiben. Manchmal wie erwartet, manchmal ganz unerwartet. Nicht jeder hätte den Siegeszug eines Nobels ODR oder HX Stomp voraussehen können. In Sachen Gitarren gestaltet es sich noch schwieriger – es ist bisweilen unmöglich zu sagen, weshalb manche Modelle besser ankommen als andere, wenn die Qualität oft überall stimmt. Da ist eine Kombination aus Markenassoziation, Markt-Timing und Prägnanz des Modells sicher bedeutsam.

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Eine der mit Abstand wichtigsten Heavy-E-Gitarren der letzten Jahre ist die ESP LTD Deluxe MH-1000. Gott weiß – Heavy-Gitarren kamen die letzten Jahre nahezu flutartig auf den Markt. Irgendwie hat es dieses Modell aber geschafft, die letzten zwei Jahre zu einem Topseller avancieren. Es handelt sich um eine der meistgespielten Heavy-Gitarren überhaupt – woran liegt das? Wir haben uns die ESP LTD Deluxe MH-1000 in ihrer neuesten Ausführung in aller Ruhe angesehen und versucht rauszufinden, woraus die Erfolgsformel dieser E-Gitarre wirklich besteht.

ESP LTD Deluxe MH-1000, Facts & Features

ESP-Gitarren sind eigentlich immer ihr Geld wert – so der gängige Ruf der Marke. Meine persönliche Berührungspunkte mit der Marke haben sich auf das Ben Weinmann Modell und die eine oder andere Siebensaiter beschränkt – tatsächlich bin ich bei Metal-Klampfen auf die Cort KX-Serie oder eben Ibanez ausgewichen. Weshalb? Schwer zu sagen. An ESP selbst hat’s nicht gelegen – manchmal tun es einem bestimmte Modelle einfach eher an.

Test: ESP LTD Deluxe MH-1000, E-Gitarre

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Die LTD-Serie bietet die Modelle der teuren ESP-Serien günstiger an – angefertigt in China und Indonesien, sind sie nichtsdestotrotz bemerkenswert gut verarbeitet und warten mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis auf. Das dürfte einer der Schlüsselpunkte für den kultigen Status der MH-1000 sein – man bekommt richtig was für sein Geld. Ein weiterer Punkt ist die Evertune-Bridge. Gleich vorweg: Für Musiker, die Prog spielen oder in einer Coverband sind, ist dieses konstante Stimmsystem völlig ungeeignet. Die Idee ist hier, unter jeder denkbaren Spielsituation eine stabile Stimmung zu gewährleisten. Auch das leistet die LTD MH-1000 problemlos.

Test: ESP LTD Deluxe MH-1000, E-Gitarre

In Sachen Korpus gibt es keine Überraschungen – Mahagoni mit geflammter Ahorndecke – die „Go-to“-Kombination vieler Heavy-Modelle. Wir haben hier das Modell in Dark-Brown-Sunburst vorliegen – Färbung, Lack, Maserung, all das ergibt eine optisch ansprechende Gitarre, deren optisches Hauptmerkmal das cremefarbene Binding sein dürfte, das sich wie eine Aura sowohl über den Korpus als auch den Hals legt. Ein weiterer Pluspunkt ist der hochwertige Hals – dreiteiliges Ahorn, lackiert, der sich sehr komfortabel in die gefräste Tasche lässt. Ein bisschen breit ist für meinen Geschmack der D-Hals, aber das ist lediglich meiner persönlichen Präferenz geschuldet. Ein 42 mm breiter Sattel grenzt 24 Jumbo-Bünde ein und die abgeschrägte Kopfplatte, die LTD-Serie auszeichnet, lässt mich persönlich immer an Jackson Guitars denken. In Sachen Verarbeitung ist hier wirklich alles top – aber das war bei ESP nie anders der Fall, keine abstehenden Bünde, keine Lackfehler – alles

ESP LTD Deluxe MH-1000 – Hardware & Pickups

Eines der bestimmenden Merkmale der ESP LTD Deluxe ist die Evertune Bridge. Das Thema Steg beschäftigt ganze Foren-Threads – sie wirken sich nicht nur auf Sustain und Stimmstabilität aus, sondern im wahrsten Sinne des Wortes, wie eine Gitarre klingt. Sauber arbeitende Stege sorgen dafür, dass Nebengeräusche beim Spiel quasi nicht existent sind. Bei der Evertune Bridge Typ F ist das Prinzip Stimmstabilität auf die Spitze getrieben worden. Wer diese Gitarre einmal stimmt, muss sie nicht noch mal nachstimmen. Nicht nur das – das Verhalten bei besonders hartem Spiel wird hervorragend kompensiert. Wer bei einer schlechten Bridge zu stark in die Saiten haut, muss sich auf Verstimmungen einstellen. Das ist hier passé – erfreulicherweise. Wie das sein kann? Im unteren Segment der Bridge gibt es ein Gehäuse, das jeden Saitensattel in eine eigene Spirale fasst und so dafür sorgt, dass sämtliche Verschiebungen in Echtzeit kompensiert. Schon äußerst praktisch – vor allem für alle, die es hart mögen.

Test: ESP LTD Deluxe MH-1000, E-Gitarre

Was die LTD Deluxe von den anderen unterscheidet, ist mitunter der Sound der Pickups. Klar, auch hier hat man es wieder mit EMG Pickups zu tun, aber eben nicht die typische 85er- und 81er-Kombination, sondern den krachenden EMG 81 am Steg (der sich an der Position seit jeher schlichtweg bewährt) sowie EMG 60TW am Hals. Die klingen ein bisschen runder und wärmer als die 85er, besitzen aber noch einen weiteren wichtigen Flexibilitätspunkt: Per Push-Pull-Funktion des Potis lässt sich der 60er-Pickup splitten, was sich vor allem bei cleanen, etwas vorsichtigeren Passagen durchaus bezahlt macht. Dreiwegschalter, Tone- und Volume-Potis runden das Ganze ab. Darüber hinaus ist die schwarz verzinkte Hardware der Grover Mechaniken optisch passend. Alles in allem ein perfekt verarbeitetes Rundum-Paket. Markenprägnanz – eine Gitarre, die genau weiß, was sie sein will, nichts allzu Extravagantes, nicht zu martialisch, sodass sich so ziemlich jeder Vertreter der dann doch sehr diffizil aufgestellten Metal-Szene vorstellen kann, mit dem Gerät auf der Bühne zu stehen. Aber ist Metal wirklich das Einzige, was die ESP LTD MH-1000 Deluxe kann? Finden wir es im Praxisteil raus.

Der Sound der ESP LTD MH-1000 E-Gitarre in der Praxis

Wir nehmen die Gitarre nicht mit einem klassischen High-Gain-Amp ab, sondern mit einem echten Allrounder, dem Laney Lionhearts und Shure Mikrofonen, die an die XLR-Buchsen eines Audient Sono Interface geschlossen sind. Ein bisschen Reverb vom Amp ist beigemischt, ansonsten gibt es nur eine leichte Multiband-Kompression in der DAW. Darüber hinaus ist der Sound unangetastet.

Test: ESP LTD Deluxe MH-1000, E-Gitarre

Die grandiose Neuerung der Limited Deluxe ist zweifelsohne der EMG 60TW in der Halsposition und seine Split-Option – dadurch lassen sich der ESP Sounds entlocken, die man bislang nie bei einer ESP hatte. Das Spannende ist hierbei, dass die Sounds trotz allem sehr präsent und rund bleiben – Splitting bringt meistens eine Verflachung des Sounds mit sich, die durchaus gewollt ist. Nicht hier – hier kommt das Glockige, Schneidende in den Sound, ohne dass die Präsenz verloren geht. Auf den anderen Positionen ist der Clean-Sound auch mehr als brauchbar und lässt sich sehr warm und natürlich an.

Crunch – das will heißen, dass ich den Zerrkanal des Laneys erst auf Halbmast und dann absenke. Beim Split-Beispiel sind wir auf 9.00 Uhr Gain – und die ESP LTD klingt nicht wie eine Heavy EMG Gitarre, sondern wie eine Powerstrat – mit ein bisschen Dirt, Dynamik und trotzig klarem Klangbild. Muss schon sagen – die 60er-TW haben es mir angetan. Die EMGs sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sie genug von Saitengeräuschen und Anschlaggeräuschen mitnehmen, was trotz der aktiven Konstruktion für die Spieldynamik durch die rechte Hand wahre Wunder vollbringt. Die EMG Pickups sind trotzdem definitiv starrer als so mancher Seymour Duncan Pickup, den man in einer Schecter findet. Der Grund hierfür ist, dass die ESP und ihre EMGs fast schon „zu perfekt“ arbeiten und dadurch klinisch anmuten, alle Frequenzbereiche gleich klar anschieben und somit eine Dauerfülle im Sound präsentieren, die manchen zu unlebendig vorkommt. Doch für alle mit den entsprechenden Anwendungsbereichen ist das eine Menge wert.

Kommen wir zu Königsdisziplin der ESP LTDs, dem High-Gain. Die größte Stärke und einer der Gründe, weshalb die EMG 81/85 Kombination bei Metal-Gitarristen so beliebt ist, ist, dass ein unmerklicher Midscoop vor allem beim fliegenden Wechsel in die Höhen dafür sorgt, dass der Sound nicht an Präsenz verliert. Die EMGs schieben, drücken, könnten ein bisschen differenzierter bei Akkorden arbeiten – da sind die Fishman Fluence Pickups definitiv ein wenig besser und auch die Seymour Duncans erledigen ihren Job ähnlich gut. Eigentlich wird es Zeit, die Fishmans, EMG 81s und Seymour Duncans in einem Vergleichstest gegenüberzustellen.

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Fazit

Ein zeitloses Brett, was ESP LTD mit der MH-1000 da erschaffen haben. Seit Jahren hält sich das Modell auf den Top-Listen der Heavy-Gitarren und die 2021er-Iteration hat an der einzigen Stellschraube nachgelegt, wo die LTDs geschwächelt haben: Clean-Sounds. Durch das Splitting der EMG 60TWs wird hier eine Natürlichkeit im Klang erreicht, die man eher von Power-Strats kennt. Ansonsten bleibt man dabei: In Sachen Handhabung, Verarbeitung, Spielgefühl und Pickup-Kombination ist die ESP LTD MH-1000 Deluxe nach wie vor die naheliegendste Lösung für jeden Heavy-Gitarristen. Daran wird sich wohl auch erstmal nichts ändern.

Plus

  • Klangbild brachial und warm
  • Split-Funktion verbessert Clean-Sounds
  • grandiose Verarbeitung und Handlung
  • Evertune-System

Minus

  • Grundcharakter eher klinisch

Preis

  • 1.449,- Euro
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