Test: ESP Eclipse QM TEASB Duncan, E-Gitarre

24. Mai 2020

Les Paul und mehr!

Manche Testinstrumente scheint ein Hauch des Besonderen zu umgeben. Ich halte also die ESP Eclipse QM TEASB Duncan in meinen Händen und sowohl die Optik, als auch ein paar schnodderig dahin gespielte Akkorde lassen vermuten, dass es sich um ein ganz besonderes Instrument handelt. Ich bin gespannt.

Die Konstruktion der ESP Eclipse QM TEASB Duncan

„Schon wieder eine Paula Kopie“ höre ich bereits die ersten Nörgler sagen und ja, man kann den Fakt nicht von der Hand weisen, das Instrument ist tatsächlich bis auf wenige Details, welche aus Sorge vor der Anwaltsarmada aus Nashville geändert wurden, eine ganz klare Kopie eines der größten Trademarks im Bereich der E-Gitarre. Doch halt, einige Punkte scheinen nicht mit dem großen Vorbild überein zu stimmen. Das schauen wir uns einmal näher an.

ESP Eclipse QM TEASB Duncan Test

Fangen wir doch einmal mit den typischen Merkmalen einer Les Paul an, z. B. dem Korpus, welcher erwartungsgemäß aus Mahagoni gefertigt wurde. Laut Internet Recherche ist der Korpus „chambered“, sprich, es wurden Ausfräsungen im Korpus vorgenommen, um das Gewicht zu reduzieren. Im Regelfall bin ich kein Freund dieser Maßnahmen, zumal Gibson mit dieser Aktion in den letzten Jahren mächtig auf die Nase gefallen ist, da sich das Resonanzverhalten bei den Instrumenten dieser Bauweise deutlich verschlechterte. Bei der ESP Eclipse QM TEASB Duncan hingegen kann man dieses Verhalten nicht fest stellen, zumal das Instrument immer noch knapp 4 kg auf die Waage bringt. Ohne die Aushöhlungen wären wir wahrscheinlich in den guten, alten frühen Achtzigern angekommen, wo eine Paula gerne über 5 kg auf die Waage brachte. Ich liebe diese Hinkelsteine, aber das ist ein anderes Thema.

ESP Eclipse QM TEASB Duncan Test

Rueckseite

Im Normalfall würde jetzt ein ebenfalls aus Mahagoni gefertigter, geleimter Hals auf der Bildfläche erscheinen, was aber mit dem Maserungsverlauf des Halsfusses überhaupt nicht zusammen passt. Und tatsächlich, das Instrument basiert auf einem durchgehenden, dreiteiligen Hals, welcher jedoch durchgehend in einer Tasche sitzt, so dass der Boden der ESP Eclipse QM TEASB Duncan noch ca. 1,5 cm durchgängig vorhanden ist und nicht wie bei vergleichbaren Instrumenten, die Korpusflügel komplett angeleimt wurden. Der Korpus ist übrigens einteilig, sofern es der Maserungsverlauf vermuten lässt. Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Konstruktion ist ein geradezu unfassbares Sustain, dem auch die Ausfräsungen des Korpus nichts anhaben können.

Eine weitere Besonderheit der ESP Eclipse QM TEASB Duncan ist das Shaping des Korpus, welches den Spielkomfort gegenüber den harten Kanten einer Paula im Bauchfettbereich deutlich erhöht. Als Decke kommt eine außergewöhnlich schöne, zweiteilige bookmatched Ahorndecke Marke „Wölkchenahorn“ zum Einsatz, welche je nach Einfallswinkel des Lichtes eine geradezu dreidimensionale Auflösung zulässt. Selbige Optik wurde auch auf der Oberseite des Headstock fortgeführt. Das Griffbrett wurde aus Ebenholz gefertigt und bietet die klassische kurze Mensur von 24,75 Zoll / 629 mm mit 22 Bünden der Marke JESCAR FW57110 XJ Stainless. Um die Stabilität des Halses gegen den berüchtigten „Schädelbasisbruch“ gegenüber des Sattels aufgrund der kontruktionsbedingten Schwächung durch den Trussrod zu erhöhen, wurde der klassische „Knubbel“ am Übergang zur Kopfplatte hin angelegt.

ESP Eclipse QM TEASB Duncan Test

ESP Eclipse QM TEASB Duncan – Korpus

Als Griffbrett Markierungen kommen geschwungene Block Inlays zum Einsatz und um die Herkunft der sonst hauptsächlich in Japan gefertigten nochmals zu unterstreichen, wurde im 12. Bund die Schriftzeichen „ESP USA“ eingelassen, was auch den ambitionierten Preis von ca. 4.200 € erklärt. Auch an der Hardware wurde nicht gespart, sondern es wurden neben Locking Mechaniken von Sperzel als Bridge / Tailpiece die z. Zt. sehr angesagten TonePros T3BT Locking TOM mit T1Z Locking Tailpiece verwendet. Die Gurtpins wurden einmal mehr von Schaller gestellt, die entsprechenden Gegenstücke für den Gurt liegen dem Instrument bei. Ob im Jahr 2020 immer noch die Knochen toter Tiere als Sattel herhalten müssen, muss jeder für sich selber entscheiden.

Als Pickups wurden Seymour Duncan Pickups verwendet, leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, welches Modell verwendet wurde. Aufgrund des Preissegments könnte es sich um Alnico Pro-II Humbucker handeln, diese Aussage ist aber lediglich geschätzt. Das Instrument verfügt über 2 Volume- und einen Tonregler, wobei letzterer als Push/Pull Variante vorliegt und die Humbucker wahlweise auf Single Coil schaltet. Dem Instrument liegt ein Formkoffer der gehobenen Klasse bei.

ESP Eclipse QM TEASB Duncan Test

Der Headstock

In der Praxis

Ich gebe zu, es gibt nur selten Augenblicke wo ich als Tester ins Schwärmen gerate, noch bevor das Instrument überhaupt am Verstärker angeschlossen wurde, aber hier haben wir mal wieder einen solchen Fall. Es ist unglaublich, was für ein Sustain das Instrument schon auf dem Trockendock liefert. Ob Einzeltöne oder Akkorde, die extrem schnelle Ansprache und das schier endlose Ausschwingverhalten zieht mich sofort in seinen Bann, zumal meine persönlichen Hauptinstrumente mein Leben lang entweder Les Pauls oder vergleichbare Instrumente wie z. B. meine aktuellen Framus Panthera Custom Gitarren waren, respektive sind. Selbst wenn man die billigsten Fernost Pickups auf diesem Instrument verbauen sollte, dürfte es schwer fallen, den hervorragenden Grundklang des Instrumentes zu versauen.

ESP Eclipse QM TEASB Duncan Test

ESP – Tuner

Die Bespielbarkeit der ESP Eclipse QM TEASB Duncan wurde wie auch die Gewichtsreduzierung einmal mehr Richtung „Komfort“ getrimmt, sprich das Halsprofil wurde zu einem „Thin U“ hin optimiert, was der Bequemlichkeit des Instrumentes deutlich entgegen kommt. ESP hat diesen Ansatz wirklich schlau in die Tat umgesetzt. Im Normalfall wirken ein massiver Korpus und ein entsprechend „fleischiger“ Hals auf das Sustainverhalten des Instruments ein. Wenn die Konstruktion allerdings schon ein dermaßen hochwertiges Schwingungsverhalten an den Tag legt, kann man zu Gunsten der Handhabung noch einige Holzfasern am Instrument entfernen.

Bereits die Werkseinstellung des Instruments ist so gut durch geführt, dass man nichts nachjustieren musste. Als Saitensatz wurde ein 10er Standard (010 – 046) aufgezogen, welcher dem Instrument gut zu Gesicht steht. Überhaupt bin ich der Meinung, dass klassische Gitarrentypen mindestens mit einem 10er Satz ausgerüstet sein sollten, die Dynamik und das Volumen danken es einem. 009 o. ä. sollte dem Floyd Rose Dive Bomb Lager vorbehalten sein.

Ich war gespannt, ob die ESP Eclipse QM TEASB Duncan den hervorragenden, unverstärkten Sound auch über den Lautsprecher transportieren kann und erlebte die eine oder andere Überraschung. Um ehrlich zu sein, die namenlosen Seymour Duncan Pickups können meines Erachtens die bauliche Qualität nicht ganz halten, was mich umso mehr wundert, da ich immer ein großer SD Fan war. Sowohl der Hals- als auch der Bridge Pickup bieten ein deutlich strafferes Höhenbild als man es im Allgemeinen von einer LP Kopie erwartet. Das Ergebnis ist nicht schlecht, bietet allerdings im Humbucker Modus ein vergleichsweise „bissiges“ Klangbild. Ob einem dieser Grundklang gefällt ist reine Geschmackssache, von daher möchte ich auch jeden interessierten Musiker bitten, sich ein eigenes Bild zu machen.

Was mich hingegen nicht überzeugte, war die Single Coil Schaltung der Pickups. Natürlich liegt die Ausgangsleistung eines Single Coil Pickups im Regelfall unter der eines Humbuckers, was hier jedoch an Leistung verloren geht, ist schon frappierend. Gefühlte 50% des Signals bleiben auf der Strecke und hinterlassen nicht nur einen deutlichen Lautstärke Abfall, sondern leider auch ein damit einhergehendes, dünnes und spitzes Klangbild, welches der Qualität des Instrumentes nicht gerecht wird.

Es wird ohnehin wohl niemand auf die Idee kommen, mit einem Instrument dieser Bauart in eine Chic Tribute Band einzusteigen, aber in diesem Fall treffen meines Erachtens verschiedene Punkte aufeinander, die einem hochwertigen Single Coil Betrieb im Wege stehen. Die Holzauswahl, die kurze Mensur und die etwas unglückliche Pickupwahl lassen diese klangliche Erweiterung nicht wirklich glänzen. Von daher wäre es zu überlegen, ob man diese Schaltung nicht gänzlich ad acta legt, zumal der verminderte Schaltungsaufwand dem allgemeinen Klang des Instrumentes zugute käme.

Ansonsten überzeugt die ESP Eclipse QM TEASB Duncan mit den bereits erwähnten Schwingungseigenschaften auf ganzer Linie. Der Soloton schwingt sehr schön aus und kann insbesondere im Crunch und Lead Bereich ordentlich punkten. Höhere Verzerrungsgrade bis hinauf in den High Gain Bereich sind machbar, gehören aber nicht unbedingt zu den Paradedisziplinen der ESP Eclipse QM TEASB Duncan.

Die Soundfiles wurden mit einem Hughes&Kettner Triamp MKIII, einem Marshall 412 Cabinet mit Celestion G75 T Speakern und 2 Shure SM57 aufgenommen.

ESP Eclipse QM TEASB Duncan Test

Im Einsatz

Fazit

Mit der ESP Eclipse QM TEASB Duncan bietet der japanische Hersteller ein Instrument der schwingungstechnischen Spitzenklasse an. Das Sustain und das allgemeine Schwingungsverhalten sind von höchster Qualität, die Verarbeitung makellos, die Optik ansprechend.

Je nach verwendetem Einsatzgebiet sollte der Kunde unter Umständen die Pickups auf seinen persönlichen Geschmack hin prüfen, welche keineswegs schlecht, aber im Gesamtkontext sehr speziell klingen.

Plus

  • Sustain
  • Verarbeitung
  • Hardware

Minus

  • Single Coil Pickup Sound

Preis

  • ca. 4.200 €
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Joerg  

    ESP baut, auch unter dem Label LTD, sowieso verdammt gute Gitarren.
    …aber bei dem Preis bin ich raus :-)
    Dennoch ein sehr schönes Instrument, das Begehrlichkeiten weckt

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