Test: ESP E-II RZK-II Burnt, E-Gitarre

28. Mai 2019

ESP E-II RZK-II Burnt - Rammstein für alle!

ESP E-II RZK-II Burnt

ESP E-II RZK-II Burnt

Popularität ist etwas Feines im Instrumentensektor, insbesondere wenn man in einer der erfolgreichsten Bands der Welt spielt. Wenngleich die handwerklichen Fähigkeiten an den sechs Saiten bei Rammstein eher rudimentär gesät sind und mittlerweile der Großteil der Instrumente bei ihren Liveshows von Backing-Tracks per MacBook und Konsorten eingeflogen werden, so entpuppt sich die Stilistik der noch in der DDR gegründeten Kapelle in Form einer Fusion von Metal und 2/4-lastiger Marschmusik als eine der großen musikalischen Blaupausen unserer Zeit. Unzählige Kopisten der zweiten und dritten handwerklichen Liga inklusive der Schaffung einer neuen Musikrichtung namens „NDH“ (Neue Deutsche Härte) zollen dem Einfluss der Band auf die nationale und internationale Szene Tribut. Dass jeder Rammstein Musiker seine eigenen Signature Produkte erhält, erklärt sich von selbst, wobei Gitarrist Richard Kruspe auf eine mehrjährige Kooperation mit der Firma ESP zurückblicken kann, dessen Ableger ESP E-II RZK-II Burnt uns hier zum Test vorliegt.

ESP E-II RZK-II Burnt Vorderseite

ESP E-II RZK-II Burnt

ESP E-II RZK-II Burnt – Facts & Features

Wendet man sich in einem Test in der Regel zunächst den Komponenten Hölzern und Konstruktion zu, so muss man bei der ESP E-II RZK-II Burnt die Reihenfolge etwas abändern. Wie mein Kollege Stephan Güte bereits in seinem Test der ersten Burnt Variante aus dem Jahr 2013 bemerkte, werden jegliche Details des Instruments von der außergewöhnlichen Optik überschattet. Die dreidimensionale Abbildung von blutig vernarbten Schnitten wird nur noch von den aufgeplatzten Brandblasen übertroffen, die sowohl die Decke als auch die Zargen des Instruments in stattlicher Zahl bevölkern.

Inwieweit diese Optik jemandem gefällt oder nicht, muss jeder mit sich selbst entscheiden, ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Richard Kruspe die Idee zu dieser Lackierung bei einer seiner früheren Gitarren gekommen ist, die bei dem Image-gerechten Pyro-Kasperletheater von Rammstein einem Flammenwerfer zu nahe gekommen ist und das Blasen Finish nicht ganz freiwillig von ganz alleine an den Tag gelegt hat.

Losgelöst von solchen Vermutungen kämpft die aufwendige 3-D Optik jedoch mit einem massiven haptischen Problem. Schon als ich den mitgelieferten Koffer öffne, liegen zwei kleine abgeplatzte Lackschichten unterhalb der Gitarre. Die Erklärung ist schnell gefunden. Das martialisch anmutende Finish ist empfindlicher als jede Mimose. Ein kleiner Druck auf eine der Brandblasen und sie platzt auf, einmal kurz mit dem Plektron an einer Erhebung hängen geblieben und der Klarlack löst sich ab. Um so etwas zu vermeiden, müsste das Instrument mit einer millimeterdicken Schicht aus Klarlack zugekleistert werden, was auf jeden Fall zu Lasten des Schwingungsverhaltens ging. Von daher, der Albtraum aller Käufer, Kratzer auf der neuen Gitarre? So what? Im Übrigen, selbst komplett abgelöste Lackschichten würden die allgemeine Optik des Instruments nicht verändern.

ESP E-II RZK-II Burnt Profilansicht

ESP E-II RZK-II Burnt Profilansicht

Die Hölzer der ESP E-II RZK-II Burnt

Den Dreh- und Angelpunkt der Holzkonstruktion bildet der durchgehende Hals aus Ahorn, der dem Instrument, so viel sei vorneweg genommen, trotz des Floyd Rose Vibratosystems ein unglaubliches Sustain ermöglicht. Dieser wurde am Kopfplattenübergang mit einem stabilisierenden Halskragen ausgestattet und im Gegenzug am Halsfuß fließend verrundet. Um das Instrument nicht wie einen Steinberger für Fußgänger aussehen zu lassen, hat man zwei Korpusflügel aus Erle angesetzt, während das Griffbrett aus Palisander besteht und über 24 Jumbo-Bünde verfügt.

Auch die aufgeleimte Decke besteht aus Erle, eine intensiv gemaserte Ahorn-Decke wäre bei diesem Finish wahrlich nur wenig sinnvoll gewesen. Die Mensur der Gitarre beträgt 648 mm und obwohl das gesamte Erscheinungsbild der Gitarre eher ins Zierliche geht, liegt das Gewicht des Instruments bei knapp 4,3 Kilogramm. In Sachen Shaping hält sich ESP sehr zurück, nur die allgemein beliebte „Bierbauchfräsung“ findet Verwendung.

Die Pickups/Hardware der ESP E-II RZK-II Burnt

Um maximale Transparenz auch bei hohen High-Gain zu ermöglichen, wurde auch die RZK-II Burnt mit EMG-Pickups ausgerüstet, in diesem Fall die eher ungewöhnliche Kombination von 2x EMG 81. Für den Batteriewechsel hat sich ESP eine wirklich herausragende Lösung einfallen lassen. Eine Drehvorrichtung mit 9-Volt-Clip auf der Rückseite der Gitarre verbindet schnellen Wechsel bzw. Spannungsmessung der Batterie bei höchster Kontaktsicherheit und vermeidet sowohl langes Schrauben am Elektrikdeckel oder aber Wackelkontakte nebst Polvertauschung bei vielen Klappmechanismen anderer Hersteller. Sofern das System nicht mit Patenten geschützt ist, sollten sich einige Hersteller umgehend mit diesem System vertraut machen.

Obwohl Richard Kruspe es meines Wissens nach nie einsetzt, verfügt die ESP E-II RZK-II Burnt über ein unterfrästes Floyd Rose Vibratosystem, das allerdings in den Up-Bendings in seiner Wirkungsweise vom ESP Arming Adjuster (auch als Black Box bekannt) etwas eingeschränkt wird. Laut Info wird das System lediglich aus „klanglichen“ Gründen verbaut, nicht um es in seiner eigentlichen Funktion zu benutzen. Nun, das wäre das erste Mal, dass man die immer noch leicht Sustain-vermindernde Konstruktion verwendet, um den Klang in eine sonst eher zu vermeidende Klangkonstellation zu verändern. Wie dem auch sei, vielleicht möchte ESP ja einfach mehr Käufer dadurch erreichen. Als Tuner werden einmal mehr Gotoh Mechaniken verwendet, als Regler befindet sich lediglich ein einsamer Volume-Regler auf der Decke. Ein Tonregler? Bei Rammstein?

ESP E-II RZK-II Burnt Rueckseite

ESP E-II RZK-II Burnt Rückseite

Die ESP E-II RZK-II Burnt in der Praxis

Trotz des vergleichsweise hohen Gewichtes hängt die ESP E-II RZK-II Burnt gut am Gurt, will heißen, keine Kopflastigkeit oder unausgewogenes Schlabbern trüben das Bild. Schon trocken gespielt verfügt das Instrument über ein sehr ausgewogenes, absolut gleichmäßiges Klangbild. Ganz in der Tradition des durchgehenden Halses verfügt nahezu jeder Ton über das gleiche Ein- und Ausschwingverhalten. Keine Deadnotes, keine Überpräsenzen, einfach nur ein rundum homogenes Klangbild.

Ja, die Gitarre kann auch clean, aber sind wir doch mal ehrlich, „Le Freak“ mit Nile Rodgers Groove in einer Tanzband mit dieser Gitarre? Das wäre mal ein YouTube Video wert. Wer sich ein solches Instrument zulegt, will nur eins. Powerchords in Drop-D-Tuning über die drei Basssaiten kloppen und auf der Bühne versuchen, die verkürzte Abdämpffahne, die im Studio dank digitalem Editing hart abgeschnitten wird, live so nahe wie möglich zu kommen oder aber die Gitarren direkt von den Backing-Tracks ablaufen lassen.

Allerdings würde man diesem Instrument unrecht tun, sofern man die Gitarre nur auf simples Powerchord Schrubben reduziert. Die hochwertige und sehr gesunde Konstruktion bietet einen gelungenen Powerstrat Gegenpol auf LP-Basis mit immensen Tiefmittenschub. Die Bespielbarkeit ermöglicht auch klassisches Shredding, kombiniert mit einem Sustain, das den Sustainer in der Hals-Pickup Fräsung obsolet macht.

Trotz des überaus druckvollen Sounds matscht das Instrument bei keinem Setup, vorausgesetzt man weiß mit der Klangregelung des persönlichen Verstärkers umzugehen. Insbesondere die EMG-Pickups stellen einen entscheidenden Punkt in der Klangformung dar. Zwar befinden sich viele verschiedene Pickups in den Startlöchern und scheinen in Sachen „heißer Scheiß“ sogar dem Original kräftig ans Bein zu pinkeln, jedoch schafft es bisher noch niemand, die einzigartige Ausgewogenheit der EMG 81 im High-Gain-Bereich zu erreichen.

Letztendlich wird das Instrument aber wohl doch leider nur bei einer der mittlerweile reichlich vertretenen Rammstein Tribute Bands beim Gitarristen Stage left landen, für den die Anschaffung eines solchen Instruments aufgrund der zu imitierenden Optik natürlich Pflicht ist. Eigentlich sehr schade, denn das Instrument verfügt über so viel mehr Möglichkeiten, zumal sich Verarbeitung, Ausstattung und Tonformung in der absoluten Champions-League befinden. Aber wir wissen ja auch, Augen hören mehr und wer mit einem solchen Instrument bei der örtlichen Coverband aufläuft, erschreckt Mutter und Kind und bei der privaten Heavy-Mucke kann man sich während der ganzen Probe über das gerollte „R“ als Provokation anhören.

Vielleicht gibt es aber noch ein paar Sammler, die gerne optisch außergewöhnliche Instrumente in ihre Vitrinen oder an ihre Wände hängen, um sie dann ihren Freunden stolz zu zeigen. In Anbetracht der Wertigkeit des Instrumentes wäre das wirklich eine Schande.

Die Soundfiles wurden mit einem H&K Triamp 3, einer Marshall 4×12 mit Celestion G12T-75 und 2 SM57, die nach der Fredman-Methode positioniert wurden, erstellt.

Fazit

Mit der ESP E-II RZK-II Burnt weiß der japanische Hersteller ein klanglich und verarbeitungstechnisch hervorragendes Instrument in seinen Reihen, das alle Schattierungen des Rock, Hardrock und Heavy Metal exzellent abdeckt. Inwieweit es die Gitarre jedoch schafft, losgelöst vom „Rammstein Tribute Band Pool“ eine eigene Bühnenpräsenz zu entwickeln, bleibt dahingestellt.

Plus

  • Schwingungsverhalten
  • Sustain
  • Verarbeitung
  • Sound

Minus

  • extrem empfindliches Finish

Preis

  • Ladenpreis: 2.799,- Euro
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