Test: Eventide Blackhole, Halleffekt, Plugin iOS / Desktop

31. Juli 2019

Eventide Blackhole Hall endlich für iOS

Eventide betrat am 18. Juli die iOS-Szene mit drei AUv3-Plugins aus ihrem riesigen Sortiment. Vorgestellt wurden das UltraTap-Delay, der MicroPitch-Harmonizer aus der H9-Serie und der Blackhole-Massive Reverberater.
Das Blackhole-Gitarrenpedal schrieb Geschichte, die Desktop-Version für MacOS und Windows, die von den Algorithmen inspiriert wurden, wie sie im Eventide DSP4000 und dem H8000 in die Studios gelangten, bietet immer noch die längsten Hallfahnen der Software-Geschichte. Nun dürfen sich die iOS-Musiker über diesen außergewöhnlichen Hall freuen und eine handliche Möglichkeit, ihn mit auf Tour zu nehmen.

Eventide Blackhole - Desktop

Eventide Blackhole – Desktop

Als AUv3-Effekt läuft das iOS-Blackhole sehr gut in einem entsprechenden Host (GarageBand, Cubasis Auria, AUM, Audiobus, Beatmaker 3, Nanoloop 2, apeMatrix), kann aber auch Standalone als Einzeleffekt gefahren werden. Dabei verbraucht Blackhole in AUM gerade mal 9 % DSP-Leistung auf meinem 2015 iPad Pro.

Ein erster Blick auf das Eventide Blackhole iOS

Nun zuerst einmal wecken Regler für die Ein- und Ausgangslautstärke und das Mischverhältnis Vertrauen, Kleinigkeiten, die jedoch immer noch zu oft vergessen werden. Um das Frequenzspektrum des Blackhole weiter in den Griff zu bekommen, gibt es ein Low-Shelf-Filter, das die Frequenzen unterhalb von 350 Hz absenkt oder anhebt und ein Hi-Shelf-Filter, welches dasselbe für die Frequenzen über 2000 Hz bewerkstelligt. Die Filter sind auch resonanzfähig, was über den entsprechenden Parameter kontrolliert werden kann.

Das Handbuch macht dazu keine Angaben, aber es die maximale Anhebung bzw. Absenkung scheint bei 20 dB zu liegen.

Eventide Blackhole - Desktop Neutral

Eventide Blackhole – Desktop Neutral

Eventide Blackhole - Desktop Low-Cut

Eventide Blackhole – Desktop Low-Cut

Eventide Blackhole - Desktop Low-Boost

Eventide Blackhole – Desktop Low-Boost

Eventide Blackhole - Desktop Hi-Cut

Eventide Blackhole – Desktop Hi-Cut

Eventide Blackhole - Desktop Hi-Boost

Eventide Blackhole – Desktop Hi-Boost

Leider werden fast alle Parameterwerte bei Blackhole nur mit abstrakten +/-100-Werten angegeben. Nur das Pre-Delay wird konkret mit max. 2000 ms angegeben bzw. bei der Synchronisation zum Host in Taktmaßen von 1/64 bis 1/1. Das Tempo des Blackhole kann aber auch manuell in BPM angegeben werden oder wenn es ganz ausgeschaltet ist, in Millisekunden.
Dann gibt es noch einen LFO mit Modulationstiefe und -geschwindigkeit. Letztere richtet sich immer relativ nach der Raumgröße bzw. der Länge der Hallfahne. Die 100 % Angabe ist hier also tatsächlich angebracht.

Eventide Blackhole iOS

Eventide Blackhole iOS

Bleiben noch die Regler Feedback und Gravity. Das Feedback wirkt sich auf die gesamte Architektur des Plugins aus und vergrößert die eh schon großen Hallfahnen noch mehr. Besonderes Augenmerk sollte man den beiden letzten Werten 99 – Infinite und 100 – Freeze fallen. „Infinte“ erzeugt unendliche Hallfahnen und erlaubt trotzdem neuen Signalen, noch mit in die Klangstruktur mit einzufließen (wenn Mod Depth oder Mod-Rate auf Null gesetzt sind). Freeze erzeugt auch unendliche Hallfahnen, aber erlaubt keine neuen Eingangssignale.

Features des Eventide Blackhole iOS

Das Zentrum eines jeden Blackholes ist natürlich die Schwerkraft. Gravity reicht von -100 bis +100. Im Plusbereich blendet der Regler von einem kurzen und dichten Delay zu einem sehr langen und weichen Delay über. Im Minusbereich gilt das Gleiche für eine inverse Hallcharakteristik.

Für noch mehr Spielereien sorgt der Ribbon-Controller. Gerade dieser Wisch-Gesten-Controller erlangt auf dem iPad ein völlig neue Dimension und wieder einmal fühlt es sich so an, als wäre ein Plugin endlich dort angekommen, wo es immer hin wollte.

 Dem Ribbon-Controller kann jeder Parameter des Blackhole zugewiesen werden. Das geschieht folgendermaßen. Jeder Regler hat einen weißen Punkt. Das sind in Wirklichkeit die übereinanderliegenden Anfangs- und Endwerte, die mit dem Ribbon durchfahren werden können, d. h. ist nur der Punkt zu sehen, reagiert der Parameter gar nicht auf den Ribbon.
Ist dagegen ein blauer Abschnitt oder gar Kreis um Parameter herum zu sehen, bezeichnet dies den Wertebereich, der mit dem Ribbon durchfahren werden kann. Dies lässt sich für jeden Parameter individuell festlegen.

Dazu gibt es an den Enden des Ribbons zwei Taster. Wird der linke Taster betätigt lässt sich für jeden Regler der Anfangswert festlegen, mit dem Taster auf der rechten Seite der entsprechende Endwert. Die Zuweisung kann dabei auch invers sein, also der Endpunkt vor den Startpunkt liegen, was weitere kreative Möglichkeiten eröffnet. Aber egal wie groß die blaue Zone ist, die Veränderungsgeschwindigkeit verhält sich immer relativ zur Länge des Ribbons. Statische Halleffekte waren gestern.

 Daneben gibt es noch den Freeze-Taster, der neben dem Einfrieren der Hallfahne die Modulationstiefe auf Null setzt und kein weiteres Eingangssignal mehr erlaubt. Die Parameter des Blackhole bleiben dabei aber aktiv.

Der Hotswitch-Taster erlaubt das augenblickliche Umschalten zwischen dem aktuellen und einem vorher festgelegten Zustand. Einfach den Hotswitch-Taster halten, bis er blau blinkt und dann die Einstellungen an den Reglern vornehmen. Mit einem weiteren Tippen wird der Programmiermodus verlassen.

Der Ribbon-Controller und die Taster Active/ Kill, Hotswitch und Freeze sind dabei über MIDI-CC #1 bis #4 steuerbar.

 

Natürlich sind auch die ganzen bekannten Werkspresets aus dem Desktop-Plugin dabei und einen Parameterlock für den Mix-Regler gibt es ebenso wie ein internes sehr gut geschriebenes, deutschsprachiges Handbuch.

Für die Audiobeispiele kamen NI 50s Drummer, Discovery Gamelan und Kontakt Werk-Concert Grand zum Einsatz. Die Drums sind deutlich lauter als die Gamelan- und Piano-Beispiele.

Der Sound des Eventide Blackhole iOS

Was den Klang angeht, so kann ich zumindest bestätigen, dass es wirklich 1:1 wie das Desktop-Plugin klingt! Blackhole ist kein Reverb für alle Tage, sondern eben gerade durch seine enormen Hallräume besonders für Ambient- und Sounddesign und andere Kreativarbeiten geschaffen und kommt daher mehr mit sparsam eingesetzten Klangereignissen voll zur Geltung.

Sicher lässt sich Blackhole auch für normale musikalische Zwecke benutzen, aber darf man hier keine „realistischen“ Hallemulationen erwarten. Cremig, seidige dagegen schon.

Fazit

Das Eventide Blackhole Reverb für iOS erzeugt einen gut klingenden Hall, der selbst neueren Halleffekten noch zeigt, wo es lang geht. Erst bei ganz extremen Einstellungen, die jedoch sowieso schon weit jenseits von dem liegen, was andere zu bieten haben, schleicht sich die eine oder andere metallische Struktur in das Klanggeschehen, das ist aber absolut zu verschmerzen. Warum ist der Blackhole immer noch interessant? Weil es kaum ein anderer Halleffekt geschafft hat, die kreative Lücke zu füllen, die das Blackhole hinterließe, würde es verschwinden und willkommen, Eventide!

Plus

  • Klang
  • Bedienung
  • kreatives Pontential

Minus

  • -

Preis

  • 21,99 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    polycake

    Danke für den Test! Würde die Begrenzung auf Werte zwischen -100 und 100 was mit MIDI zu tun haben, wäre das aber eher ein 7 Bit Wertebereich (also von 0 bis 127 bzw -63 bis 64), oder? Aber gut zu wissen, dass die Parameter steuerbar sind.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Sorry, im Text ist das falsch beschrieben es sind nur der Ribbon Controller, Active (Kill) Hotswitch und Freeze per MIDI steuerbar, nicht alle Parameter des Blackhole.

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