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Test: EvH 5150 III 15W LBXII, Gitarrenverstärker

7. Juli 2017

Der Eddie für zu Hause

Wem das große EvH Top 5150  mit seinen 100 Watt Leistung zu mächtig, zu schwer oder schlicht zu teuer ist, der hat auch von je her immer die Möglichkeit, auf eine Alternative auszuweichen, ohne dabei jedoch auf den typischen kalifornischen High-Gain-Sound verzichten zu müssen. Die Firma EvH, in den Händen des Fender Konzerns, bietet parallel zu den 100-Watt-Kraftwerken kleine Röhrentops an, die zwar den gleichen Namen tragen, aber mit deutlich weniger Power und Ausstattung erscheinen.

Wenig Power ist natürlich relativ zu betrachten, denn auch 15 Watt Vollröhrenleistung können, eine entsprechende Box vorausgesetzt, immer noch ganz schön viel Kirmes veranstalten. Ob und wie der kleine EvH 5150 III 15W LBXII Radau macht und ob er über den gleichen „Biss“ wie seine großen Brüder verfügt, werden wir im folgenden Test versuchen zu klären.

Facts & Features

Trotz seiner kompakten Maße von 17,8 x 32,5 x 15,9 cm bringt der EvH 5150 III 15W LBXII stolze 7,5 kg auf die Waage. Grund dafür ist zunächst einmal das robuste Metallgehäuse, das mit seiner Oberseite aus Lochblech eher an einen Metallkäfig erinnert. Man kann also von allen Seiten durch das kleine Top hindurchschauen, was dem Abführen der entstehenden Warmluft natürlich nur zugutekommt. Diese Wärme entsteht durch die Röhrenschaltung, die mit fünf ECC83 in der Vorstufe und zwei EL84 für die Endstufe ausgestattet wurde und ebenfalls ihren Teil zum Gesamtgewicht beiträgt. Ganz schön viele Röhren für solch einen kleinen Verstärker, aber eine zweikanalige Schaltung erfordert nun mal auch einen etwas erhöhten Aufwand.

Mit dem Gewicht hat der Transportgriff auf der Oberseite keine Probleme, auf der gegenüberliegenden Seite sorgen vier Metallfüße nach dem Abstellen für einen sicheren Stand. Etwas mehr Stabilität verleiht dem oberen Teil des Gehäuses die typischen „van Halen Stripes“ aus Metall, die als Front, zusammen mit dem EvH-Logo und der Typbezeichnung des Verstärkers, angebracht wurde.

Neben den Bedienelementen auf der Vorderseite gibt es auch auf der Rückseite des kleinen 5150 III 15W LBXII eine erstaunliche Menge zu regeln und zu stecken. Betrachten wir uns ab der nächsten Seite deshalb zunächst das Backpanel des kleinen EvH.

Die Rückseite des EvH 5150 III 15W LBXII 

Die Zeiten, in denen die so genannten „Bedroom-Amps“ nur mit dem Nötigsten ausgestattet waren, sind Gott sei Dank vorbei. Heutzutage möchte man auch zu Hause nur ungern auf Annehmlichkeiten wie etwa einen Effektweg verzichten. Damit kann auch der EvH 5150 III 15W LBXII dienen, die übrige Ausstattung ist ebenfalls nicht zu verachten. So gibt es weiterhin einen Power-Level-Schalter, der die Leistung der Endstufe auf 4 Watt drosselt, einen Anschluss für den (mitgelieferten) Fußschalter sowie einen Regler mit der Bezeichnung „Resonance“. Dieser unterstützt den vierfachen (!) Onboard-EQ mit zusätzlichem Bassschub, sollte man den Verstärker in sehr niedrigen Lautstärken einsetzen und dabei trotzdem nicht auf ein warmes und bassiges Grundfundament verzichten wollen.

Bezüglich der Lautsprecher zeigt sich das kleine Topteil recht anspruchslos und nimmt Boxen mit einer Impedanz von 4 bis 16 Ohm an. Klar, dass die nominelle Leistung von 15 Watt natürlich nur über eine Box mit 4 Ohm Widerstand von der Endstufe abgegeben wird. Ein entsprechender Schalter sorgt hier für die Vorauswahl.

— Lieferumfang —

Den Abschluss auf der Rückseite bilden die Ausgangsbuchse für die Lautsprecherbox, der Anschluss für das Netzkabel sowie der Einsatz für die Schmelzsicherung. Nicht zu vergessen seien noch die beiden Metallschalter für Power und Standby, die bei diesem sehr kompakten Design auf dem Frontpanel wohl keinen Platz mehr gefunden haben. Und das Frontpanel schauen wir uns jetzt an.

EvH 5150 III 15W LBXII – Frontpanel

Sechs Regler mit Chickenhead-Knöpfen bestimmen das Bild auf dem Frontpanel. Zwei davon sind als Doppelpotis ausgeführt, sie sorgen für das Gain und die Lautstärke der beiden Kanäle. Eine üppige Klangregelung, ausgestattet mit Bässen, Mitten, Höhen und einem Presence-Regler sorgt zum Einstellen der gewünschten Sounds. Nimmt man den Resonance-Regler auf der Rückseite hinzu, so besteht die Klangregelung des 5150 III 15W LBXII genau genommen aus fünf Bändern – und das ist für solch einen kleinen Amp schon erstaunlich!

Die Regler für Bass, Middle, Treble und Presence laufen nicht zu weich auf ihren Achsen, dagegen reagieren die beiden Doppelpotis für Gain und Volume recht nervös beim Einstellen. Sie hingegen bieten so gut wie keinen Widerstand beim Drehen und arbeiten zudem nicht besonders linear in ihrem Regelbereich. Speziell bei den beiden Volumepotis kann das zum Problem werden, da zwischen „Totenstille“ und einer Lautstärke „deutlich“ über Zimmerlautstärke kaum ein Millimeter auf der Achse des Reglers vergeht. Bei einer entsprechend großen angeschlossenen Box kann das schon Nerven kosten.

Angewählt werden die zwei Kanäle entweder mit dem mitgelieferten Fußschalter oder aber mit einem Miniswitch. Eine grüne bzw. blaue LED informiert darüber, ob sich der Amp im unverzerrten oder aber im Overdrivekanal befindet. Den Abschluss an der Frontplatte bildet die rubinrote Betriebsleuchte ganz rechts außen und natürlich der Eingang für die Gitarre ganz links, der hier mit „Insert“ beschriftet wurde. Und dort stecken wir die Gitarre nun rein und hören, was der EvH 5150 III 15W LBXII uns bieten kann.

— Das passende Case zum EvH 5150 III 15W LBXII. Leider aber nur optional erhältlich —

Sound & Praxis mit dem EvH 5150 III 15W LBXII Top

Für den Test wurde der EvH 5150 III 15W LBXII an eine H&K GL112 Box mit 12″ Celestion Vintage 30 Speaker angeschlossen. Als Mikro diente ein AKG C3000S, eingespielt wurden die Sounds mit meiner Music Man Silhouette. Schon vom ersten Ton an wird die Handschrift von Eddie van Halen im Sound des 5150 III 15W LBXII mehr als deutlich. Der Amp klingt wunderbar „kalifornisch“ und weich und besitzt eine atemberaubende Dynamik, die jede Nuance der angeschlossenen Gitarre prompt mit einem satten Ton quittiert. Durch die enorm effektive Klangregelung sind eine große Anzahl von verzerrten Sounds möglich, die vom nasalen und singenden Ton bis hin zum Scooped-Metal-Sound reichen können. Und das bereits bei sehr geringen Lautstärken, denn das Resonance-Poti tut sehr gute Dienste und verleiht dem Grundsound des Amps schon bei flüsterleisem Betrieb einen bassreichen und warmen Klang.

Die Gain-Reserven sind schlicht barbarisch, bereits ab der Hälfte des Regelwegs des Gain-Potis steht der Sound bereits sehr gut im Futter. Mit zunehmender Verzerrung steigt allerdings auch das Rauschspektrum, das für einen Verstärker dieser Preisklasse aber immer noch vollkommen in Ordnung geht. So weit, so gut bzw. sehr gut!

Schalten wir nun um auf den Cleanchannel, nach einem Tritt auf den Fußschalter leuchtet die blaue LED auf. Doch nicht nur das, leider begleitet auch ein saftiges Knacken den Schaltvorgang. Das tut es im Übrigen auch beim Drücken des Minischalters am Bedienpanel. Schade, das bringt natürlich einen Minuspunkt ein. Ist der Schreck aber erst einmal verdaut, erwartet den Benutzer ein strahlend klarer, fenderartiger Cleanchannel, der nicht nur mit seinem hohen Headroom glänzt, sondern auch bei voll aufgeregeltem Gain-Poti wunderbar harmonische Crunchsounds hervorzaubert und mit dem EQ weitreichend bearbeitet werden kann. Doch leider hat die Sache einen Haken: Die Charaktere beider Kanäle sind dermaßen unterschiedlich ausgefallen, dass mit einer gemeinsamen Einstellung der Klangregelung keine befriedigenden Ergebnisse zu erzielen sind.

Man muss also nach dem Kanalwechsel immer wieder mächtig korrigieren, um den Overdrivechannel in seinem aggressiven Höhenbild etwas einzufangen bzw. den unverzerrten Kanal für einen strahlenden Cleansound etwas mehr Höhen und Präsenzen zuzugeben. Zu Hause und im Studio ist das kein Problem, beim Liveeinsatz könnte es allerdings zu einem werden. Und auf der Bühne oder im Proberaum kann man den 5150 III 15W LBXII problemlos einsetzen. Die Lautstärke und sein Schalldruck dürften, eine entsprechende Box vorausgesetzt, für erstaunte Gesichter bei den Bandkollegen und beim Publikum sorgen!

Fazit

Der EvH 5150 III 15W LBXII ist die kleine Variante des großen und übermächtigen 5150 EvH-Top und verrichtet seinen Job verdammt gut! Die Handschrift von Eddie ist auch in dieser kleinen, robust verarbeiteten und gut ausgestatteten Metallbox unüberhörbar. Dabei können nicht nur die verzerrten Sounds glänzen, auch der Cleanchannel überzeugt mit einem dicken und glockigen Ton, der erst sehr spät beginnt, in die Zerrung zu gehen. Das tut er aber dann sehr harmonisch und mit einer fantastischen Dynamik, die eben nur eine Röhrenschaltung hervorbringen kann.

Minuspunkte gibt es aber auch, allem voran das Problem mit den völlig unterschiedlichen Charakteren der beiden Kanäle, sodass man immer wieder gezwungen wird, mehr oder weniger starke Korrekturen am ansonsten sehr gut wirkenden EQ vorzunehmen, um beide Kanäle sinnvoll nutzen zu können. Ein weiterer Schwachpunkt ist das Knacken beim Wechsel zwischen den beiden Kanälen, hier wurde wohl auf ein Relais von minderer Qualität zurückgegriffen. Unterm Strich jedoch bleiben die positiven Dinge haften und von daher kann man nur dazu raten, den EvH 5150 III 15W LBXII bei der nächstbesten Gelegenheit einmal anzutesten!

Plus

  • vielseitiger Sound
  • massig Gain-Reserven
  • klasse Dynamik
  • wirkungsvoller EQ
  • integrierter Effektweg
  • robuste Konstruktion

Minus

  • Charaktere der Kanäle erfordern starke Korrektur am EQ nach dem Kanalwechsel
  • Knacken beim Kanalwechsel

Preis

  • Ladenpreis: 555,- Euro
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    Ted Raven  

    „100-Watt-Kraftwerken“
    Schon einmal auf einer Bühne außerhalb der benachbarten Eckkneipe gestanden? „100 Watt“ und „Kraftwerk“ passen nun wirklich nicht zusammen.

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