Test: FabFilter Saturn 2, Multiband-Sättigungs- und Verstärker-Plugin

28. September 2020

Das wohl vielseitigste Sättigungs-Plugin?

fabfilter saturn 2 plugin test

FabFilter Saturn 2, Multiband-Sättigungs- und Verstärker-Plugin

Nun hat FabFilter den bereits in 2012 erstmalig veröffentlichten Saturn in neuer Version aufgelegt. Das Distortion-, Amp- und Sättigungs-Plugin brachte erstmalig die Verzerrersimulation in eine flexible Multiband-Umgebung, die sich seitdem hohem Anklang erfreut. Neben den allgemeinen sich daraus ergebenden Vorteilen wie der Möglichkeit, nur gewisse Anteile seines Frequenzspektrums sättigen oder verzerren zu können, ergaben sich auch die generellen Nachteile einer Multiband-Bearbeitung, wie etwa eine unstabile Phasenlage um die Split-Frequenzen der einzelnen Bänder.

Hier hat FabFilter für Version 2 angesetzt und bietet nun eine flexiblere Gestaltung der Crossover-Slopes, die sich nun in Flankensteilheiten von 6 dB pro Oktave bis 48 dB pro Oktave und Band justieren lassen. Des Weiteren lässt sich das ganze Plugin nun auch im neuen Linear-Phase-Modus betreiben, der diese Probleme durch Phasen- und Laufzeitkorrektur eindämmt und das Plugin nun auch für den Einsatz auf der Stereosumme wie in der feineren Klangbearbeitung optimiert. Welche Neuigkeiten der Hersteller sonst noch in den FabFilter Saturn 2 einbringen konnte, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

FabFilter Saturn 2

Der FabFilter Saturn 2 in voller Aktion

FabFilter Saturn 2 – was ist neu?

Neben dem neuen Linear-Phase-Modus und den aktualisierten Crossover-Slopes gibt es nun auch einen weiteren, zweiten per Knopfdruck aktivierbaren High-Quality-Modus. Dieser bietet – neben dem achtfachen – nun auch 32-faches Oversampling und beugt somit auftretendem Aliasing der Analog-Emulation vor.

Faszinierend ist, dass diese Verdreißigfachung der Abtastrate den ohnehin gemessen an den Features sehr seichten CPU-Verbrauch des Plugins nur unbedeutend erhöht, gleichzeitig aber eine merkliche Verbesserung des Effektes herbeiführt. A/B-Tests mit einem Band und denselben Einstellungen zwischen der alten und der neuen Version des Plugins verdeutlichen das mit Nachdruck. Auch auf einem Analyzer betrachtet, macht sich der positive Effekt durch das Fehlen von sich ergebenden Störfrequenzen oberhalb wie unterhalb der Frequenzen des zu bearbeitenden Materials bemerkbar.

FabFilter Saturn 2

Quality = Oversampling. Entweder 8- oder 32-fach am FabFilter Saturn 2 möglich 

Dieser A/B-Test ist überhaupt möglich, weil sämtliche 16 Sättigungsalgorithmen der alten Version in die neue übernommen wurden – allerdings kommen in Version 2 auch ganze zwölf neue dazu, die themenübergreifend an sehr interessanten Punkten ansetzen.

Zum einen ist nun eine Vielzahl an subtileren Klangformungsoptionen in das Plugin inbegriffen. So finden sich im neuen „Transformer“-Reiter drei verschiedene Simulationen von Ein-/Ausgangsübertragern, die allesamt eine sehr leichte mantelartige Sättigung herbeiführen. Diese subtilere Art des Effekts lässt sich ebenfalls durch die neu hinzugekommenen „Subtle“-Optionen für „Tube“, „Tape“ und „Saturation“ herbeiführen.

Auch die ehemals schlank gehaltene „Amp“-Sektion erfreut sich nun vier neuer Verstärker-Simulationen – diese halten deutlich cremigere und gefällige Sounds bereit als deren Vorgänger. „American Tweed Amp“, „American Plexi Amp“ wie „British Rock Amp“ und „British Pop Amp“ sind zwar nicht so flexibel wie entsprechende Amp-Simulations-Plugins, jedoch wurden hier, klanglich klar ausmachbar, auch Cabinet- oder Speaker-Simulationen mit hinzugenommen – diese in sich sind jedoch nicht einstellbar. Durch die jeweilige klangliche Flexibilität der einzelnen Presets und dessen einfacher Einstellung durch die automatische Pegelausgleichung sowie der sämtlichen anderen Parameter zur Klanggestaltung, sind diese im Kontext aber wirklich häufig brauch- und einsetzbar.

FabFilter Saturn 2

Hier ist einiges an neuen Algorithmen dazugekommen

Für Sounddesigner und Elektroniker der anderen Art befinden sich nun auch zwei weitere Klangverfremder im „fx“-Reiter: „Breakdown“ und „Foldback“.

„Breakdown“ simuliert einen Tapestop-Effekt, der sich mit dem Drive-Regler präzise auf der Zeitachse kontrollieren und umsetzen lässt.

Mit „Foldback“ bringen FabFilter erstmals einen Wavefolder in ihr Plugin. Diese kreativeren Effekte sind ebenfalls schon sehr lohnenswert, erwachen aber erst durch die verbesserte Modulationsmatrix so richtig zum Leben, die nun maximal 50 Slots bietet und Modulatoren wie Envelope-Follower, LFOs, X/Y-Pads und das Ansteuern via externer MIDI-Quellen zulässt.

Das Routing auf die jeweiligen Parameter erfolgt via Drag-and-Drop und macht nicht nur kreative Effekte möglich, sondern bietet durch die Echtzeit-Audio-Modulatoren auch tolle Möglichkeiten für Mix-Effekte wie Ducking, kleine Sequenzen oder Transient-Shaping.

FabFilter Saturn 2

Modulationen wann, wohin und wie es einem beliebt, ohne den Überblick zu verlieren am FabFilter Saturn 2

Bedienoberfläche und Aufbau

FabFilter Saturn 2

Kennt man in etwa genauso aus Version 1 des Plugins: Bedienoberfläche am FabFilter Saturn 2

Eines wird sofort klar: Wer sich auf Version 1 des Plugins bereits zurechtfand, kann mit Version 2 sofort loslegen. Bis auf eine grafische Aufarbeitung bleiben Aufbau und Intention des Plugins komplett identisch. Die Visualisierungen bei Routings und Modulationen sind nun allerdings bedeutend informativer und einleuchtender gestaltet. Ein großes Plus: Neben den vier voreingestellten Größen für das GUI sowie einem Fullscreen-Modus ist das Plugin nun auch komplett frei skalierbar.

FabFilter Saturn 2

Bänder-Regelung am FabFilter Saturn 2

Pro Band ergeben sich folgende Möglichkeiten der Einstellung: Ganz links befindet sich ein Dry/Wet-Regler, mit dem sich das prozessierte Signal pro Band hinzumischen lässt. Rechts daneben – ähnlich wie bei einem Gitarrenverstärker oder Minimoog – eine Feedback-Schaltung, mit der sich das prozessierte Signal wieder zurück in den Input loopen lässt. Hier jedoch inklusive rechts daneben positionierter Frequenzauswahl, die festlegt, welcher Anteil des Feedback-Loops hervorgehoben wird.

Dicht gefolgt wird die Schaltung vom rechts danebenliegenden Dynamics-Regler. Dreht man diesen nach links, betont man die Transienten. Die dazwischen befindlichen Signalanteile werden abgedämpft. Dieser Effekt lässt sich so stark „reindrehen“, dass er in kompletter Minusstellung fast einem Gating gleichkommt. Rechts herum gedreht ergibt sich das gegenteilige Szenario: Hier kommt es zu einer klassischen Kompression, die sich bei beherzter Nutzung auch beinahe zu einem Limiting entwickeln kann.

Das Herzstück der Bedienoberfläche pro Band stellt natürlich der große Drive-Regler dar. Nicht auf Anhieb zu erkennen: Der äußere Ring des ansonsten selbsterklärenden Bedienelementes legt, je nachdem ob man sich im L/R- oder Mitte/Seite-Modus befindet, fest, welcher Anteil des Effektes jeweils nach links oder rechts bzw. an die Mitte oder die Seite geschickt werden soll.

Rechts daneben befindet sich ein weicher 3-Band-EQ (pro Band), mit dem sich die durch den Algorithmus erzeugten Obertöne noch etwas kontrollieren lassen, dicht gefolgt von einem „Presence“-Regler, der in etwa einem „Tilt“-Equalizer gleichkommt. Möchte man die Lautstärke der einzelnen Bänder nicht über die hintergründige Multiband-Visualisierung steuern, so kann man das ebenfalls mit dem nachfolgenden „Gain“-Poti erledigen. Dieser hält im Übrigen auch noch einen Panning-Regler für die Summe aus prozessiertem und unprozessiertem Signal-pro-Band bereit.

Der 32-Band-Analyzer der alten Version wich nun einem solchen, wie man ihn auch in anderen aktuellen FabFilter Plugins wie dem Pro-Q3 oder Pro-MB findet. Das Feature für den A/B-Vergleich zweier verschiedener Einstellungen sowie die Redo/Undo-Funktion wurde aus Version 1 übernommen, Ein- und Ausgangslautstärke lassen sich nun in einem dedizierten Reiter präziser einstellen. In diesem Reiter befindet sich auch noch ein weiterer Dry/Wet-Regler, mit dem sich das gesamte prozessierte Signal mit dem Eingangssignal vermischen lässt.

FabFilter Saturn 2

Ebenfalls modulierbar: die frische Pegelsektion im FabFilter Saturn 2

Praxis – Klang und Nutzbarkeit

FabFilter steht für die Simplifizierung von Arbeitsprozessen in Verbindung mit großer Flexibilität und vielen Möglichkeiten. Diesem Prinzip ist man sich treu geblieben, was dazu führt, dass dieses Plugin nicht nur in seiner Verwendung sehr schnell und kreativitätsfördernd ist, sondern auch auf sehr viele Arten und Weisen wirken kann. Ob für generelle Sättigung auf einem Mix oder Drumbus, als Multiband-Kompression mit leichter Tape-Zerre in den Höhen, um Vocals teuer, präsent aber auch rund klingen zu lassen, um einen DI-Bass anzupeppen, um ganze Gitarrensounds zu modellieren oder für eine subtile Sättigung und Multiband-Kompression im Mastering.

FabFilter Saturn 2

Per Knopfdruck aktivierbar: Linear Phase Mode am FabFilter Saturn 2

Natürlich ebenfalls möglich: wilde Modulationseffekte aus allen Richtungen. Sowohl Lo-Fi-Sounds mit Sample-Raten-Reduktion oder Tape-Stop-Pitch-Artigem bis hin zu knarzigen Feedback-Sounds oder Glitch-Artigem ist hier alles drin. Und das Beste ist: Sämtliche Parameter und Einstellungen lassen sich kombinieren und kreativ miteinander verstricken.

Durch die bessere Visualisierung der Modulationseffekte lässt sich der gewünschte Effekt nun noch deutlich präziser und effizienter erschaffen und einstellen. Möchte man beispielsweise nur eine Art Transient-Softening durch Tape- oder Slew-Rate-Simulationen der Übertrager erschaffen, nimmt man sich einen Envelope-Follower, stellt diesen so ein, dass er möglichst schnell reagiert und moduliert damit den Drive-Parameter. Alles, was dazwischen liegt, wird somit nicht prozessiert und bleibt „clean“. Möchte man dieselbe Funktion, aber mit gleichmäßigerem Trigger der Modulation, so nimmt man sich einen Envelope-Generator, der bei Überschreitung des Trigger-Schwellwertes eine einstellbare ADSR-Hüllkurve auslöst, die immer exakt die gleiche Modulation triggert.

Nicht zuletzt auch aufgrund des auf beeindruckende Art und Weise Ressourcen-sparenden Oversamplings lädt der FabFilter Saturn 2 dazu ein, auch einmal beherzter in die Regler zu greifen. Alles, was hier wieder herauskommt, klingt extrem gefällig, es sei denn, man möchte nicht, dass es gefällig klingt. In den Klangbeispielen habe ich versucht, eine große Bandbreite des Möglichen abzudecken – klar ist aber: Hier geht noch viel mehr.

Fazit

FabFilter Saturn 2 bleibt das Plugin, das bei Bedarf über den klassischen Sättigungseffekt hinausgeht. Egal ob es sich um subtile Wärme, eine „Mojo Machine“ oder wilde Sounddesign-Kreationen handeln soll, Saturn 2 bringt einen durch seine einfache Bedienoberfläche schnell ans Ziel.

Die neuen Features der zweiten Version sind allesamt sinnvoll, gut umgesetzt und machen das Plugin präziser und auch subtiler einsetzbar als sein Vorgänger. Für Interessenten des Plugins gibt es eine voll funktionsfähige 30-tägige Demoversion auf der FabFilter Produktseite.

Plus

  • Klang
  • Bedienbarkeit
  • geringer CPU-Verbrauch
  • sinnvoller Aufbau

Preis

  • 126,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  AHU

    Bei dem grossem Statements des Untertitels sollte vielleicht auch noch iZotopes Trash2 nicht ganz unerwaent bleiben. Eine relativ grosse Schnittmenge an Moeglichkeiten und Resultaten gibt es ja schon.
    Aber, waere ich nicht schon besitzer des zuletzt genannten iZotope Produktes faende ich Saturn viel interessanter.

    • Profilbild
      Vincent  RED

      HI nativeVS,

      wohl wahr! Und vor Version zwei habe ich Trash2 auch dem Saturn häufig vorgezogen, weil ich das Gefühl hatte, dass die Splitfrequenzen der einzelnen Bänder dort besser gelöst waren / besser klangen. Außerdem ist der Waveshaper dessen Welle man selbst zeichnen kann super. ;) Saturn 2 hat aber nun deutlich bessere Grenzfrequenzen und ja auch zwei Bänder mehr als Trash zur Auswahl. Bin mal auf Trash3 gespannt!

      Gruß Vincent

  2. Profilbild
    lightman  AHU

    Scheint ja eine brauchbare Software zu sein, sowas darf man nur nicht allzu oft und heftig einsetzen, sonst reist man nach Dröhnland und kommt nicht mehr zurück. :)

    Reaper hat übrigens ein Standard-Plugin namens JS Saturation, das in gewissen Grenzen überraschend gute Ergebnisse liefert.

    • Profilbild
      Vincent  RED

      Hi lightman,

      absolut! Zum Glück gibt es so flexible Möglichkeiten für die Dry/Wet Regelung und A/B vergleiche im Plug. :)

      Gruß Vincent

  3. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Im Bereich „Saturation“ braucht man sich in Deutschland (und anderswo) wohl keine Gedanken machen :o))). Da kann beinahe jede DAW was brauchbares liefern, selbst Freeware bietet teilweise ordentliche Qualität. Saturn 2 hat aber sicherlich die Nase vorn -bei der Flexibilität.

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