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Test: Focal Twin6, Midfield-Studiomonitore

Focal Twin6: Zu edel fürs Studio?

26. August 2022
focal twin6 test

Focal Twin6, Midfield-Studiomonitore

Mit der Focal Twin6 teste ich für Sie ein weiteres Modell der Pro Audio Aktivmonitore der französischen Firma Focal – und ich schaue sehr verwirrt auf die Focal Modellpolitik. Denn die Twin6 steht in der Hierarchie über dem Modell Twin6 BE mit Beryllium Hochtöner. Hmm, ach so, den hat die Twin6 auch. Und ist pro Stück mehr als 400,- Euro teurer, obwohl nur 2,5 Wege, während die Twin6 Be ganze drei „vollständige“ Wege hat. OK und weniger Verstärkerleistung hat die Twin6 auch? Dafür wiegt sie 8 kg mehr – pro Stück. Kann man verstehen – muss man aber nicht. Ich gehe der Modellpolitik mal auf den Grund und finde heraus, was es damit auf sich hat.

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Die neue Focal ST6 Produktreihe

Die hier getestete Twin6 gehört zur neuen ST6-Serie von Focal, die als Nachfolger der beliebten SM-Serie platziert wird. Zu den Besonderheiten der neuen Produktreihe gehört, dass diese in Frankreich (und nicht in Fernost) hergestellt wird. Die ST6-Reihe umfasst im Moment drei Produkte: die Twin6, den 2-Wege Monitor Solo6 und den Subwoofer Sub12, der übrigens ein 13″ Zoll Chassis hat.

Focal Twin6, Solo6, Sub12, Studiomonitore und Subwoofer

Focal Twin6: Die Ausstattung

Ich gebe es ja zu: Meine KS Digital C88 Reference scharren schon mit den Membranen. Wenn es um einen Vergleich in der unter 2000,- Euro Klasse geht, dann hat meine recht schmucklose schwarze Madame aus dem Saarland noch jedem Mitbewerber klargemacht, wie ein (fast) perfekter Nearfield/Midfield-Monitor zu klingen hat.

Focal_Twin6_FL

Auf den ersten Blick schindet die Focal schon mal viel mehr Eindruck: Deckel und Bodenplatte mit sehr schönem dunkelroten Echtholzfurnier, abgeschrägte Kanten und ein Design, das sich auch in einem Wohnzimmer gut einfinden würde. Eine Abdeckung gibt es allerdings nicht.

Focal_Twin6_wood

Bin ich bei vielen Herstellern da eher skeptisch, so tendiere ich doch dazu, den Damen und Herren bei Focal da zu glauben. Die überaus positiven Testergebnisse und persönliche Hörerfahrung mit dem Hersteller zeigen, dass man in Frankreich durchaus weiß, was man tut. Der 1,5″ Beryllium-Hochtöner hat seine Qualitäten auch schon mehrfach unter Beweis gestellt. Extrem leicht, extrem steif: Die Focal Inverskalotte gehört anerkanntermaßen zum Besten, was der Hochtönermarkt aktuell so hergibt.

Focal_Twin6_tweeter

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Im Inneren arbeiten drei Verstärker mit jeweils 70 Watt (RMS) für die Tiefmitteltöner und immerhin 50 Watt für den Hochtöner. Auf der Rückseite kann man ein regelbares Highpassfilter (bis 90 Hz), ein LP-Shelvingfilter, ein HP-Shelvingfilter (250 Hz und 5 kHz) und ein parametrischen 160 Hz Filter, der Kammfiltereffekte z. B. mit der Studiotischoberfläche vermeiden soll, schalten und aktivieren.

Focal_Twin6_panel

Dazu eine schaltbare Auto-Standby-Funktion, eine umschaltbare Eingangsempfindlichkeit (+4 dBU oder -10 dbU) und einen Wahlschalter, ob es sich um die rechte oder linke Box handelt. Dazu natürlich der symmetrische XLR-Eingang und zwei Buchsen mit Focus IN und Focus OUT beschriftet, die einen der beiden Tiefmitteltöner abschaltet und man mit der Focal Twin6 so einen kleineren Studiomonitor simulieren kann.

Focal_Twin6_w

Welche Technik steckt in der Focal Twin6?

Der Frequenzgang wird mit 40 – 40.000 Hz (+/-3 dB) angegeben, was schon mal interessant ist. Denn somit ist die Twin6 schon mal kein Tiefbassmonster. Selbst deutlich kleinere Aktivmonitore reichen ja gerne mal bis 30 Hz hinunter (32 Hz bei der KSD C88 Ref). Beim Focus-Modus werden sogar nur 110 – 10.000 Hz angegeben – hier arbeitet der Tiefmitteltöner als Breitbandchassis und der Tweeter wird abgeschaltet. Offensichtlich hofft man bei Focal, dass der Kunde sich für den Subwoofer ST12 entscheidet, wenn es um „mehr“ Bass geht. Die 112 dB maximaler Schalldruck sind OK, wenn auch nicht überragend. Man merkt also schon allein vom Lesen der Daten, wohin die Reise bei Focal mit der Twin6 geht. Auf jeden Fall mal nicht in Richtung Beschallung eines großen Studios. Die Maße der Box sind (H x B x T): 258 x 514 x 344 mm und eine Box wiegt immerhin 22 kg.

Focal_Twin6_down

Die Verstärker für die Tiefmitteltöner arbeiten nach dem BASH-Prinzip, welches die Vorteile digitaler Verstärker (Class-D) mit der herkömmlichen Class-A/B verbindet. Die beiden 6,5″ Tiefmitteltöner mit „W“ Verbundsandwichmembran ermöglichen laut Hersteller eine perfekte Optimierung der Frequenzgangkurve. Und durch den patentierten Übergang zwischen Sicke und Membran (Tuned Mass Damper TMD) werden Verzerrungen auf das Minimum reduziert.

Focal_Twin6_W-Sandwich-Detail

Zitat von der Focal Webseite: „Die einzigartigen Eigenschaften dieser Membran – Leichtigkeit und Steifigkeit – ermöglichen die Kontrolle der Signalübertragungsgeschwindigkeit innerhalb des Materials. Durch die Veränderung der Dicke des Strukturschaums kann die Dämpfung der Membran genau gesteuert werden. Das Ergebnis ist ein transparenter Klang, sehr geringe Verzerrungen und ein hervorragender Phasengang.“

Focal_Twin6_TMD

Im Vergleich zur SM-Serie wurde der Tweeter neu platziert und überarbeitet. Es soll nun zu weniger Interferenzen mit den Tiefmitteltöner kommen, die immerhin bis 10 kHz hinauf spielen können. Genaues zu den Übergangsfrequenzen ist leider nicht zu finden. Von einer 2,5-Wege-Konstruktion spricht man ja gemeinhin, wenn beispielsweise beide Tiefmitteltöner parallel spielen und einer dann nach unten hin ausgeblendet wird (oft sehr flach mit 6 dB/Oktave).

Focal_Twin6_top

Unterstützt wird der Tieftonbereich durch zwei Streaming-Ports, also Bassreflexsysteme, die links und rechts der Tiefmitteltöner als „Large Laminar Ports“ ausgeführt sind. Diese gibt es übrigens bei KSD in der C88 auch – nur auf der Rückseite.

Im Vergleich zur Vorgängerserie SM6 wurde des Weiteren dickere Hölzer verwendet, optimierte Frequenzweichen und die über alles Verzerrungen wurden weiter minimiert.

Die Lautsprecher haben also einen sehr hohen Konstruktionsaufwand, sind extrem wertig gemacht und bieten einige Features, die einem das Studioleben leichter machen. So mag man im Vorfeld die 2.000,- Euro pro Lautsprecher rechtfertigen – wenn es klanglich auch passt!

Focal Twin6 in der Praxis

Ein Wort zum Focus-Mode: Es ist erfreulich, in einem Lautsprecher zwei unterschiedliche Abhören simulieren zu können. Der 6,5 Zöller spielt als Breitbänder überraschend vollständig und man kann mit dieser Funktion durchaus seinen Mix feintunen und optimieren. Die Modi lassen sich mit einem handelsüblichen Fußschalter gut und schnell umschalten.

Die Filter wirken gut hörbar und lassen eine hervorragende Anpassung an das Studio zu. Das 160 Hz Filter konnte ich nicht ausprobieren, da die Speaker bei mir auf eigenen Ständern stehen. Einen Monitor dieser Dimension würde ich auch eher nicht auf dem Studiotisch platzieren.
Die Standby-Automatik funktioniert praxisgerecht und unauffällig und überhaupt gab es im Betrieb keinen Ärger. Rauschfrei, verzerrungsfrei und zuverlässig – nur beste Noten in dieser Disziplin.

Focal_Twin6_studio

Wie klingt die Focal Twin6?

Sie meinen doch nicht ernsthaft, dass hier jetzt ein Verriss der Twin6 kommt, oder? Nein, nicht falsch verstehen: Ich wäre da sehr klar, wenn der Klang nicht passt oder es in der einen oder anderen Hinsicht Probleme gäbe. Aber wir sprechen hier von Focal, einem Hersteller, der wirklich weiß, wie man gute Lautsprecher baut. Noch bevor ich die Speaker angeschlossen habe, war meine Erwartung folgende:

  • Sehr rundes und harmonisches Klangbild
  • Trotzdem sehr detailreich und exakt
  • Tolle räumliche Abbildung
  • Nicht für extreme Pegel geeignet

… und ein Thema, was ich im Studiobereich eigentlich nur von Dynaudio und Focal kenne: Eine Tonalität, die einen klitzekleinen Hauch ins „HiFi-eske“ neigt. Also dieses kleine bisschen zu „schöne“ Klangbild, das einen emotional sehr packt und man eigentlich lieber mit den Speakern Musik hören möchte und dabei die Arbeit vergessen kann. Hier möchte ich auch keine Wertung abgeben, denn hier obliegt es den Vorlieben des Ton- oder Masteringingenieurs, wie er bevorzugt abhören möchte. Der eine braucht diesen Groove und diese transportierten Emotionen zum Arbeiten, während der andere die Klanglupen nutzt, um jede Spur genau analysieren zu können. Ganz wichtig: Wir sprechen hier von Tendenzen.

Focal_Twin6_front

Eine Focal Twin6 ist wirklich kein HiFi-Weichzeichner und auch mit einer KSD C88 Ref. kann man vortrefflich Musik hören. Aber ich denke es ist für Sie, verehrte Leser, wichtig von mit einen Eindruck zu erhalten, welchen Grundcharakter ein getesteter Lautsprecher hat.

Nach kurzer Einspielzeit fallen bei der TWIN6 als erstes die formidablen Höhen auf und nach wie vor halte ich den Focal Beryllium-Hochtöner für den Besten seiner Art. Diese Mischung aus Feinzeichnung und Details ist wirklich allererste Sahne. Es gibt keinen Zweifel, welches Becken geschlagen wird und womit. Ob eine Gitarre mit Bridge- oder Neckpickup gespielt wird. Alle Instrumente, die sich nur durch die Zusammensetzung der Oberwellen unterscheiden, werden glasklar herausgearbeitet. Der Hochtonbereich der Twin6 wirkt nie vorlaut, aber ist stets präsent. Ich kann hier nur ein großes Lob nach Frankreich schicken – selbst Freunde von AMT- oder Bändchenhochtöner werden zugeben müssen: Das isses!

Eve Audio SC4070

Selbstentwickelter Air-Motion-Transformer AMT RS3.1

Am unteren Frequenzende spielt die Twin6 stets präzise und neutral. Kein Nachschwingen, keine Ausdickung: Der Bass bleibt stets präzise, sehr schnell und auf den Punkt. Harte Kicks oder gar elektronische „Tocks“ werden sauber reproduziert. Allerdings geht dies doch hörbar auf Kosten der Tiefe. Magenbebende Bässe bringt die Focal Twin6 nicht – die 6,5 Zöller haben hier trotz W-Sandwich-Membran ihre Grenzen. Dieser Effekt fällt eigentlich nur im Vergleich auf: Die KS Digital C88 mit ihren 2x 8″ Chassis bewegt wesentlich mehr Luft und es kommt wortwörtlich nie (!) der Wunsch nach einem Subwoofer auf. Man bekommt da bei der Focal eher den Eindruck, dass das System erst mit dem Sub12 vollständig ist.

Die Mitten sind bei Focal minimal zurückgenommen – eine Abstimmung, die ich sehr schätze. Nichts nervt mich bei einem Lautsprecher mehr als eine Gesangsstimme, die mit 1 m breitem Mund vor mir steht.

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Ein Peter Gabriel („So“, 1986) darf dem Hörer nicht zu nahekommen und auch Adele („30“, 2021) muss stets detailreich und druckvoll, aber nie zu groß abgebildet werden. So erfreut mich die Twin6 mit einer tollen Breiten- und Tiefenstaffelung bei einem sehr realistischen Raum.

Focal_Twin6_KSD

Wenn ich hier meine KS Digital zum Vergleich heranziehe, dann merkt man deutlich, dass die Hersteller eine unterschiedliche Philosophie verfolgen. Die KSD ist im direkten Vergleich fast schon holographisch, was dem Klangbild aber manchmal seine Natürlichkeit nimmt. Dafür eignet sich die KSD besser für kleinste Platzierungen im virtuellen Raum – sie macht es dem Hörer leichter, sich auf das jeweilige Instrument zu konzentrieren. Hier ist sicher die DSP-Regelung und die Koaxialkonstruktion maßgebend.

In Sachen Neutralität, Transientenwiedergabe und Tonalität spielen die Kontrahenten auf Augenhöhe, nur in Sachen Dynamik wirkt die Saarländerin wuchtiger. Hier merkt man die größere Membranfläche.

Focal Twin6

Focal Twin6

Conclusio

Wow, die Focal Twin6 ist wirklich sehr überzeugend. Als Arbeitsmittel leistet sich der Lautsprecher keine Schwäche, wenn man im Studio mehr Wert auf Musikalität legt. Die C88 wirft im direkten Vergleich ihre DSP-Regelung und die größeren Chassis und die Koaxkonstruktion ins Feld und spielt mit ihrer etwas anderen Abstimmung auf Augenhöhe.

Klar, die KSD C88 Reference ist deutlich billiger, aber sie kann der Focal haptisch und in Sachen Verarbeitung nicht das Wasser reichen: Die hochwertigen Materialien und teuren Einzelkomponenten der Twin6 rechtfertigen den höheren Preis definitiv. Der Fabrikhallencharme der (schwarzen) C88 ist da sicher nicht jedermann Sache. Im Studio machen die Focals viel mehr her. Als Minus bleibt der Eindruck, dass die Twin6 förmlich nach dem SUB12 Subwoofer schreit – erst dann scheint das Konzept der ST6 komplett zu sein.

Focal_Twin6_Sub12

Eine Kleinigkeit in eigener Sache: Nein, ich möchte den Sub12 definitiv nicht testen: Meine Bandscheiben machen ein Kampfgewicht von 58 kg leider nicht mehr mit. Die jeweils 22 kg der Twin6 waren schon ausreichend.

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Fazit

Die neue ST6-Serie von Focal mit der Twin6 wird definitiv ein Erfolg. Hier muss man mit der Lupe nach Schwächen suchen und auch dann kann man den 2,5-Wege-Monitoren allenfalls etwas wenig Tiefgang bescheinigen. In allen anderen Kategorien, wie Ausstattung, Verarbeitung und Klang, verdient die Twin6 die Bestnote. Focal hat es geschafft, einen sehr attraktiven Aktivmonitor zu kreieren, der in kleinen und mittleren Studios zur Höchstform aufläuft und in Kombination mit dem passenden Subwoofer auf große Räume beschallen kann. Sehr gut!

Plus

  • sehr guter, detailreicher und emotionaler Klang
  • sehr gute Verarbeitung mit hochwertigen Materialien und Technologien
  • vollständige Ausstattung mit interessanten Funktionen (Focusmode)
  • angemessener Preis bezogen auf das Gesamtpaket

Minus

  • etwas wenig Tiefbass

Preis

  • 1.999,- Euro (Stückpreis)
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