Test: Formula Sound FF2.2L, DJ-Mixer

3. Oktober 2019

Der DJ-Mixer, der neue Maßstäbe setzt für Vinyl-Enthusiasten?

Formula Sound FF2.2L

Formula Sound FF2.2L

Ein Mixer aus dem Hause Formula Sound in Kooperation mit Funktion-One: Schöner kann es kaum werden. Vor einiger Zeit hatten wir den Formula Sound FF4.2R im Test, den 4-Kanal Rotary-Mixer als kleiner Bruder vom FF6.2L und R. L und R, das steht ganz simpel für Line und Rotary, denn sowohl den 6-Kanäler wie auch den 4-Kanäler gibt es als Linefader-, wie auch als Rotary-Fader-Version. Hochpreisig sind beide, rund 2.700 – 2.800,- € für die 4-Kanal-Version (je nachdem ob L oder R), die 6-Kanal-Version liegt bei knapp 3.000,- €.
Wer ein Modell dieser Kooperation vom britischen Mischpult-Bauer und dem Hersteller der bekannten Hornsysteme in Lila-Grau haben möchte, muss also tief in die Tasche greifen. Die logische Nachfolge nach 4 und 6 Kanälen ist natürlich ein 2-Kanal DJ-Mischpult und genau das ist das Formula Sound FF2.2.L. Preislich liegen wir bei rund 2.250,- € für den kleinen Mixer, der weniger Battle-Mixer ist, als gestandener DJ-Mixer der Oberklasse, nur halt mit „nur“ zwei Kanalzügen.

2.250,- € – das ist immer noch eine Stange Geld für einen 2-Kanal-DJ-Mixer, ohne Frage. Dafür wird das Modell aus UK ganz schön liefern müssen. Nachdem der Formula Sound FF4.2 aber längere Zeit auf Platz 1 der Club-Mixer Charts war und erst vom Allen&Heath XONE:96 verdrängt wurde, gehe ich mit einem sehr guten Gefühl in den Test.

Ausgelegt ist der Formula Sound FF2.2L übrigens für Vinyl-Mixing, nicht nur als 2-Kanal-Mixer, sondern primär aufgrund der wählbaren Kapazitäten für den Phono-Input. Wie so häufig bei Formula Sound befinden sich die wirklichen End-professionellen Settings „unter der Haube“.

Formula Sound FF2.2L

Formula Sound FF2_2L – ein erster Blick

Formula Sound FF2.2L – ein erster Blick

Massiv, so wie die größeren Brüder. Der Formula Sound FF2.2L kommt im Stahlgehäuse, massiv. Satte 4,2 Kg bringt der Mixer auf die Waage, bei Maßen von gerade einmal 21 x 35 x 11 cm. Im Setup wird später auffallen: Mit 12 cm Höhe ist er einige Zentimeter höher als die Oberflächen eines Pioneer CDJs oder eines Technics Plattenspielers.

Auf der Rückseite finden wir die Ein- und Ausgänge des schmalen Mixers. Hier gibt es tatsächlich Einiges, was schon darauf hinweist, dass wir hier nicht bei 2 Kanälen und einem XLR-Out bleiben werden. Diesen gibt es natürlich für den Master-Ausgang.

Formula Sound FF2.2L

Ein- und Ausgänge auf der Rückseite

Allerdings geht auch der Booth-Out per XLR raus. Danke. Schluss mit diesem Klinke-Kram, der am Ende bei professionellem Einsatz eh auf XLR endet. Dann gleich richtig und wer lieber mit großen Jacks spielen möchte, der nimmt halt in XLR-Klinke Kabel. Raus per XLR geht es übrigens auch für den Sub-Bass/Mono-Out, der zusätzlich noch zur Verfügung steht, rein geht es per XLR für ein Mikrofon.

Für den Master gibt es zudem noch einen Cinch-Out, ebenso in Cinch-Form einen Rec-Out.

Rein in den Mixer geht es für die beiden Kanalzüge per Cinch, je ein Buchsenpaar für Zuspieler auf Line-Pegel, eines für Plattenspieler.
Bleiben vier 6,3 mm Klinke-Buchsen über. Zwei davon gehören dem Aux-In mit symmetrischem Klinken-Eingang, dem Kanal 3 quasi. Zwei weitere gehören jeweils dem FX Send und dem FX Return.

Der Stromanschluss des FF2.2L erfolgt, im Gegensatz zu den großen Modellen, über ein externes Netzteil. Dafür gibt es rückseitig ein mit dem Gerät fest verbundenes Kabel, welches am Netzteil eingesteckt und verschraubt werden kann.

An der Front des Mixers befindet sich nur ein 6,3 mm Klinkenausgang für den Kopfhörer – schnell erledigt also die Vorderseite. Bevor es an die Front geht, ein Blick auf die Rückseite. Hier gibt es diverse Einstellmöglichkeiten, die man vor dem Einsatz auswählen sollte. Dazu kommen wir später noch.

Schauen wir einmal auf die Oberseite.  Im Gegensatz zu vielen DJ-Mixern befinden sich die Kanalzüge außen.
Hier gibt es einen Wahlschalter für die Eingangsquelle in Form eines LED-beleuchteten Druckschalters, wie alle anderen am Mixer ebenso durchsichtig. Oben befindet sich der Gain, darunter der EQ – volle vier Bänder wohlgemerkt. Als sei das noch nicht genug, besitzt jeder Kanalzug einen Low-Pass- wie auch einen High-Pass-Filter. Separat regelbar, jedoch gemeinsam einschaltbar (pro Kanal).

Formula Sound FF2.2L

Kanalzüge und Metering des FF2.2L

Innen gibt es zwei lange LED-Ketten sowie einige Regler für generelle Einstellungen. Zwei lange LED-Ketten, das erregt meine Aufmerksamkeit sofort. Warum zwei? Ah, ich erinnere mich: Master und Booth. Tatsächlich gibt es ein volles 12-gliedriges Stereo LED-Metering nicht nur für den Master-Out, sondern auch für den Booth-Out. Wow. Unter diesem massiven Metering befinden sich auch direkt die Level-Regler für Master und Booth. Passend.

Formula Sound FF2.2L

Zwei große LED-Meterings, je eines für den Booth-, eines für den Master-Out

Unter den beiden Reglern befindet sich nun rechts die „Kopfhörer-Sektion“ mitsamt dem HP-Level-Regler, Split-Cue-Schalter und dem Cue-/Mix-Regler samt Pre-Schalter. Der Kopfhörer kann also nicht nur mit einem Split-Cue-Signal beliefert werden, sondern das Cue-Signal kann auch noch Pre- oder Post-EQ gesendet werden. Mega, es folgt das nächste Danke. Viele Mixer verzichten leider auf dieses, für einige DJs enorm wichtige, Feature und richten sich offenbar nur auf Fader-Schieber aus, nicht aber auf die, bei denen der Fader kaum eine Bedeutung hat und der Mix komplett per EQ und Filter getan wird.

Formula Sound FF2.2L

Kopfhörer-Sektion, Kanal 3, FX und Crossfader-Settings

Mittig links befindet sich der Level-Regler für den Mikrofon-Eingang samt Cue-Taste, ebenso der Level-Regler für den Aux-In, ebenfalls mit Cue-Taste. Beides kann also auf dem Kopfhörer-Weg vorgehört werden.

Der High-Class DJ-Mixer in der Praxis

Der Formula Sound FF2.2L in der Praxis, das ist echt ein Schlachtschiff – trotz der geringen Maße. Der Teufel liegt im Detail, die Ausmaße hier ebenso. Gehen wir mal mit einem gewissen und soliden Vorwissen in den Test und gehen davon aus, dass jeder erst einmal in der Lage ist, das Gerät anständig zu verkabeln und die Bedienelemente zu verstehen. Sie sind ja auch beschriftet.

Die erste Hürde für den Anschluss eines Plattenspielers mag sein, sofern derjenige Nutzer darüber Bescheid weiß, die Einstellung der Eingangs-Kapazität für den Phono-Input. Dieser ist wählbar in den Stufen 100, 150, 220 und 330 pF.

Formula Sound FF2.2L

Die Unterseite lässt den Zugriff auf die „Profi-Settings“

Damit beginnt das erste Problem, auch für mich muss ich zugeben. Ich benutze ein Ortofon Concorde Club MK2. Für dieses gibt es leider nicht die Informationen, die ich benötige, nämlich die vom Hersteller empfohlene Kapazität. Hätte ich diese, könnte ich von dieser die Kapazität des Kabels abziehen, das sind circa 120 pF für 1,5 Meter Cordial-Kabel und diesen Wert als Richtwert nutzen für die einzustellende Kapazität am Formula Sound FF2.2L. Während nun die empfohlene Kapazität (recommended load capacitance) bei HiFi-Systemen häufig angegeben wird, schweigt sich Ortofon hinsichtlich der DJ-Systeme dahingehend aus. Nehmen wir also mal an, die Kapazität die empfohlen wird, liegt bei 150 – 300 pF, was einem Ortofon 2M Red entsprechen würde, und nehmen davon den Mittelwert, also 225 pF, ziehen die 120 pF für das Kabel ab, dann bleiben 105 pF als rechnerische Kapazität über. Das deckt sich perfekt mit der Faustregel, dass man bei einem MM-Tonabnehmer-System (Moving Magnet) gern mit einer geringen Kapazität starten und den Rest über das Hören herausfinden sollte. So mache ich es auch, Kapazität wird unter dem Mixer also auf 100 pF eingestellt. Später im Test wird sich übrigens herausstellen, dass ich hier an meinem System keine Klangunterschiede feststellen kann zwischen den verschiedenen Eingangs-Kapazitäten. Das mag bei einem hochwertigen HiFi-System und entsprechender Wiedergabe-Technik anders aussehen.

Interessanter und hörbar sind zwei weitere Funktionen speziell für Vinyl-DJs. Auf der Unterseite kann man separat für jeden Kanalzug für den Phono-In einen Rumble-Filter einschalten, ein Hochpass-Filter, bei klassischer Mikrofonie gern als Trittschall-Filter bezeichnet. Dieser beginnt zu wirken bei 14 Hz und unterhalb von 7 Hz entfernt er nahezu komplett jedes Signal. Für alle diese Funktionen gibt es versenkte Druck-Schalter oder Regler, die mit einem kleinen Schraubenzieher eingestellt werden können.

Weiterhin kann der Bass von Stereo auf Mono gestellt werden. Auch dies funktioniert wieder einmal pro Kanalzug, in diesem Fall an der Oberseite des Mixers überhalb des Low-EQs. Im Fall der Mono-Auswahl werden alle Frequenzen unterhalb von 120 Hz Mono-summiert, etwas, was Rückkopplungen z. B. durch die Luft auf den Tonarm deutlich minimieren kann. Da der Frequenzbereich bis zu 150 Hz für das Stereo-Bild nicht relevant ist, hat die Mono-Summierung keine Auswirkungen auf die Stereo-Breite.

Ausprobieren sei hier die Empfehlung, den Rumble-Filter kann man getrost dauerhaft eingeschaltet lassen, die Mono-Summierung kann man auf großen Anlagen beim Soundcheck schon einmal testen, wie sich dies auswirkt.

Diese Fragen muss man sich natürlich nicht stellen, wenn man einen Line-Zuspieler angeschlossen hat. Mit einer Gain-Range von 24 dB (+/- 24 dB) ist das Eingepeln kein Problem, dafür sorgt am Ende das 12-Glieder LED-Metering im Kanal mit einer Range von -20 bis +8 dB.

Also, ab in the mix. Der Formula Sound FF2.2L besitzt im Kanalzug dieselben „Funktionen“ wie die Großen, das heißt vor allem: 4-Band und Filter.

Die vier EQs sind im Gegensatz zum FF4.3R nicht als Full Kill ausgelegt. Die maximale Absenkung beträgt 26 dB, die maximale Anhebung 9 dB. Wirken tun die EQs in den folgenden Frequenzbereichen: Low: von 20 bis 120 Hz, untere Mitten: 120 bis 800 Hz, obere Mitten: 800 Hz bis 4 kHz und die Höhen folglich jenseits von 4 kHz bis 20 kHz. Klingen tut der EQ sehr klangneutral, was natürlich für das Mixen über den EQ sehr angenehm ist.

Zu dem EQ kommen, wie erwähnt, noch die beiden Filter, die zusammen in einem Frequenzbereich von 20 bis 20 kHz arbeiten, einmal als Low-Pass- (20 Hz bis 2 kHz) und einmal als High-Pass-Filter (2 kHz bis 20 kHz). Die Filter haben eine verhältnismäßig geringe Resonanz, heißt, man hört keinen Filter-Sweep, dennoch greifen beide Filter hörbar kräftig und präzise. Ehrlich gesagt, ich finde die Filter großartig.

Formula Sound FF2.2L

HPF und LPF, schaltbar und in jedem Kanalzug

Sie wirken nicht gekünstelt durch natürliche oder gewollte Anhebung an der Cross-Over-Frequenz, sondern einfach ehrlich und subtraktiv, ohne viel Effekthascherei und sind ein sehr sauberes Tool zum Mixen.
Der An- und Ausschalter der Filter ist nicht Nulldurchgang-geschaltet.

Eine wichtige Info für den Kopfhörer-Ausgang: Dieser hat, wie der Master-Out, richtig viel Pegel. Am Regler sollte man also keinen nervösen Finger haben.

Zum Thema Crossfader … ein DJ-Mixer ohne Crossfader ist kein DJ-Mixer. Oder so. Nun, der Formula Sound FF2.2L hat zum Glück einen solchen, auch wenn er definitiv kein klassischer Mixer für einen Turntablisten ist. Eher für den House-Vinyl-DJs und so. Erfreulich leichtläufig ist der Crossfader, für den die Charakteristik rasterlos von scharf bis sanft durch einen Poti eingestellt werden kann: X-Fade Contour. Gutes Ding, der Crossfader kann komplett deaktiviert werden. Das natürlich auf der Rückseite.

Formula Sound FF2.2L

Ein Mixer ohne Crossfader ist kein …?

Eindung externer Effekte: FX-Send und Return

Wie die Großen, so hat auch die 2-Kanal Version des Formula Sound DJ-Mixers eine Effekt-Schleife. Dies nicht als Master-Insert, sondern als kombinierter Send- und Return-Weg. Das heißt, es gibt einen Dry-Wet-Regler, keinen einzelnen Send- und Return-Regler.
Jeder Kanalzug kann in den Send geschickt werden, dazu gibt es einen Druck-Schalter. Formula Sound selbst empfiehlt das Schalten bei Fader-Stellung unten, sicherlich, da das Schicken in den Effekt-Weg selbst bei Dry-Einstellung am Effekt-Gerät zu einer Klangveränderung führen kann. Zudem wird jeder eingeschaltete Kanal in die Schleife geschickt, Pre-Fader allerdings.Formula Sound FF2.2L

Per FX Regler kann dann der Anteil vom Original-Signal zum FX-Signal bestimmt werden, wohlgemerkt, dies gilt für jeden eingeschalteten Kanal! Es gibt nur einen D-/W-Regler!

Das System ist also ein abgespeckter Send- und Return-Weg, funktioniert jedoch einwandfrei. Wichtig ist, dass man ein Auge hat, welchen Kanal man gerade in das Effekt-Gerät schickt.

Noch etwas: Rein und raus geht es per 6,3 mm Stereo-Klinke, nicht wie gewohnt per Mono-Klinke in Doppelformation. In diesem Fall musste ich also den Lötkolben schwingen und ein Y-Kabel löten von Stereo-Klinke zu zwei Mono-Klinke für das Effekt-Gerät. Gut, da ginge auch Mono, aber das ist beim Delay eher unpraktisch.

Aux-In und der Mikrofon-Eingang

Dieser Unterpunkt ist kurz, aber wichtig. Für beide Inputs gibt es auf der Oberseite ein LED-Metering mit zwei LEDs. Beide LEDs sind bi-color und geben mehr Informationen raus, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Blinkt die linke LED leicht, liegt ein Eingangsignal von über -20 dB an. Bei mehr als -7 dB leuchtet die LED vollends. Blinkt die linke LED gelblich, gibt es ein Eingangsignal von mehr als -3 dB, leuchtet sie durchgehend gelb, liegt das Eingangsignal bei mindestens +1 dB. Leuchtet zudem die rechte LED gelb, liegt das Signal bei +4 dB, wird diese Rot, dann liegt das Signal bei +12 dB oder mehr und signalisiert das endgültige Clipping des Eingangssignals.

Formula Sound FF2.2L

Aux-In – genau hinter dem Poti unsichtbar die beiden LEDs des Input-Meterings

Der Aux-In hat dabei maximal 6 db Gain, der Mikrofon-Eingang hat einen maximalen Gain von + 70 dB.
Für den Mikrofon-Eingang gibt es weitere Einstellung auf der Unterseite des Mixers, so zum Beispiel einen Schalter für die Phantomspeisung (18V). Auch gibt es einen Input Gain wie auch einen 2-Band-EQ und zu guter letzt einen Druckschalter, um das Mikrofon-Signal entweder auf dem Booth-Out auszugeben – oder auch nicht.

Auch wenn die Einstellungen des analogen Mixers ein digitales Menü verhindern und damit diese Einstellungen irgendwo in Form von Schaltern und Potis notwendig machen (in diesem Fall auf der Unterseite, nichts neues bei Formula Sound), zeigt sich in diesem Punkt umso mehr die Professionalität des Gerätes und zugleich auch die Liga, in der dieses Gerät mitspielt / definiert.

Der Klang des Formula Sound FF2.2L

Der Formula Sound FF2.2L ist ein voll-analoger Mixer mit höchstem Anspruch an Klang und Qualität. Alleine die Ausrichtung auf unterschiedliche Kapazitäten von Tonabnehmer-System zeigt die Richtung, die hier eingeschlagen wurde. Beste RIAA-Entzerrung und ein Tiefpass-Filter sind noch weitere Indizien.

Der kleine Bruder der beiden großen Vorgänger steht ihnen demnach in Nichts nach und zählt sicherlich zu den am besten klingenden DJ-Mixern, die der Markt im Moment bietet. Der Klang ist kraftvoll, voluminös und warm. Power ohne das komprimierte ins-Gesicht-pressen, was man von andren DJ-Mixern derweil leider ja gewöhnt ist

Ein kleiner Tipp dazu: Der Formula Sound FF2.2 hat einen enormen Ausgangspegel auf Master und Booth (+22 dBu) – und jetzt kommt das große „Aber“: Es gibt rückseitig kleine Stellschrauben, mit denen man die Input-Gains des Line-Inputs pro Kanalzug separat regeln kann. Dreht man hier einfach alles runter, kann man oben machen, was man möchte, hier kommt im Extremfall absolut nichts mehr durch. Wer also bereits hinten gut einstellt, kann schon im Vorfeld dafür sorgen, dass kein Act den Mixer in den roten Bereich bringen kann.

Wo wir gerade beim Thema sind: Man kann den Mixer in den roten Bereich spielen, ohne dass es richtig unangenehm wird. Bei +5 bis +8 dB im Peak merkt man dann allerdings schon den Beginn des Zerrens, bei +8 dB hört man es dann auch auf kleinen Monitoren, dass es im Peak kratzt. Solange man sich aber noch im orangenen Bereich aufhält, ist ein Klangverlust nicht direkt auszumachen.

Wie schon vorher genannt, konnten gerade die Filter bei mir punkten, neutral und sauber arbeitend ohne viel Aufsehen oder besser gesagt, ohne viel Anheben an der Cross-Over-Frequenz. Man hört nicht das Filter arbeiten, sondern man hört, was man hören soll: Nur noch das, was das Filter übrig lässt.

Qualität und Haptik

Formula Sound liefert mit dem FF2.2L ein Modell, welches in allen Belangen dem FF4.2 und dem FF6.2 in Nichts nach steht. Daher erlaube ich mir, einige Zeilen aus dem Unterpunkt aus meinem vorherigen Testbericht des FF4.2R zu übernehmen.

Rein haptisch wird das Testurteil eine schwierige Geschichte – oder eine sehr einfache. Ich für meinen Teil bin mit der Anordnung der Bedienelemente, mit Poti-Kappen, Tasten und dem Widerstand der Potis selbst sehr zufrieden.

Die durchsichtigen Tasten mit den LEDs unter diesen, sind vielleicht auf den ersten Blick ein wenig ungewöhnlich, tatsächlich aber ganz angenehm vom Gefühl her. Gute Sichtbarkeit ist dazu sehr wichtig, gerade bei der Zuweisung der Aux-Wege.

Die Poti-Kappen sind auf den ersten Blick recht ungewöhnlich. Rund, aber oben an der Oberseite nicht abgerundet, seitlich mit einem flachen rauen Muster versehen, um griffig zu bleiben. Weiße Linien an der Oberseite zeigen die Mitte an. In der Praxis erfüllen sie bedingungslos ihren Zweck und wirken dadurch, dass sie aus Aluminium sind, auch qualitativ gut.

Von der Verarbeitung gibt es absolut nichts zu beanstanden, verdammt massiv und durabel wirkt der FF2.2L so, als würde er sogar mutwilliger Gewalt widerstehen. So richtige UK-Qualität – das Gerät wird ausschließlich in Großbritannien produziert.

Formula Sound FF2.2L

Der Größenunterschied im Bild: FF2.2L vs. CDJ-2000NXS2

Fazit

Der Formula Sound FF2.2L reiht sich konsequent ein, in die weit überdurchschnittlich hohe Qualität und Funktionalität, wie man sie von Formula Sound zugegeben aber auch erwarten würde. Nicht nur das, es spielt sich natürlich im Preis wieder. Rund 2.250,- € für einen DJ-Mixer mit zwei Kanälen, das ist Oberliga und wird nur von wenigen anderen Herstellern getoppt. Für den Preis muss natürlich auch abgeliefert werden – und das wird. Den Preis muss der Kunde aber auch komplett bewusst gewillt sein zu bezahlen für ein solches Gerät und das betrifft sicher nur eine kleine Käufergruppe. Nun, zugegeben, auch nur eine sehr kleine Gruppe von Menschen, speziell DJs, kann mit empfohlenen Eingangs-Kapazitäten für Tonabnehmer-Systeme etwas anfangen. Der Formula Sound FF2.2L ist definitiv ein Premium-Produkt, konsequent ausgelegt auf Vinyl-DJs mit höchstem Anspruch, für die der FF2.2L ohne Frage und ohne Zweifel ein sehr gutes Produkt ist. Was der Mixer nicht ist, ist ein Mittelmaß-Battle-Mixer zum bisschen Spielen. Da sprengt er nicht das Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern das Preis-Nutzer-Notwendigkeit-Verhältnis. Wie gesagt, Oberliga mit sehr guten und einigen Funktionen, die (soweit ich weiß) kein anderer Mixer bietet.

Plus

  • sehr gute Qualität, klanglich wie haptisch
  • 4-Band EQ + separater LPF & HPF auf jedem Kanalzug
  • Pre-EQ-Kopfhörer-Weg wählbar
  • Gain-Trim rückseitig einstellbar (für Line-In)
  • Kapazität für Phono-Eingang wählbar / Rumble-Filter für die Phono-Eingänge
  • Bass Mono-Summierbar
  • Effekt-Schleife
  • Aux-In

Preis

  • 2.249,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    mfk

    Es ist eine Freude mit derart scheinbar puristischen Mischpulten aufzulegen.
    Wichtige Einstellmöglichkeiten auf der Unterseite zu verstecken, knackende FX-Schalter zu verbauen und eine Höhe die deutlich über die Höhe eines Plattenspielers hinausgeht sind 2019 ein absolutes No-Go.
    Bei einem Zweikanalmixer macht ein Crossfader für die Cue-Section mehr Sinn. (Siehe Ecler HAK 360)
    Störgeräusche verursachende Schalter hatte ich zuletzt 1998 bei einem Elevator-Eigenmarke-Billigteil.

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Die Höhe ist tatsächlich so eine Sache, alles andere kann ich nicht bezeugen. Wichtige Einstellungen trifft man vorher. Mikrofone checkt man während des Sound-Checks, Rumble-Filter ja oder nein, auch das stellt man vorher ein. Bei vielen DJ-Mixern wäre es derweil aber sogar besser, der Gain und Master-Out wäre an der Unterseite :) Da treffen halt unterschiedliche Ansprüche an die Vorbereitung aufeinander.

      Weder die Filter-Schalter knacken, auch wenn sie nicht Nulldurchgang-geschaltet sind (zumindest erwäht der Hersteller dies nicht). Die FX-Schleife als quasi Master-Insert auf dem Kanal knackt ebenso wenig, aber natürlich würde das Signal bei aufgedrehtem Level beim Einschalten direkt auf den FX-Weg geschickt werden mitsamt der Folge des drastischen Wechsels auf diesen.
      Und das mit dem Crossfader vs. Cue…klassisches Merkmal eines Battle-Mixers ist nun einmal ein Crossfader, that´s the deal.

  2. Profilbild
    DJ Ronny  

    Erst mal danke für den Test. Ich lese hier fast alle Test. Bitte weiter so.
    Zum Mixer fällt mir nicht viel ein. Für das gebotene einfach zu teuer. Technik aus den 90er neu und teuer verpackt. Da gibt es in den Preisbereich einige, die ich besser finde.

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