Test: Varia Instruments RDM20, Rotary Mixer

8. März 2018

Handgebaut in Switzerland


Was steht rein dem Klischee nach noch mehr für Qualität als „Made in Germany“? Ganz genau, „Handcrafted in Switzerland“. Ich sehe, es lag dir auf der Zunge und ich habe die volle Zustimmung. Dann können wir ja weitermachen und den Varia Instruments RDM20 hier für Aufmerksamkeit sorgen lassen.

Varia Instruments ist ohne Frage bisher nicht in Erscheinung getreten. Nur eine weitere kleine Manufaktur, die Rotary Mixer baut? Ohne Frage, genau so eine kleine Manufaktur. Hinter dieser stecken Simon und Marcel, Techniker, Monteure und Musikliebhaber, die mit Varia Instruments ihre Vision von einem Rotary Mixer in die Tat umgesetzt haben.

Die ganze Geschichte und ein Test des Gerätes kam zustande, als die beiden Jungs einen Besuch in Hamburg machten, der Einladung folgten und den Varia Instruments RDM20 mitbrachten und hier ließen. Leider nicht für immer, aber immerhin lange genug für einen Test.

Begonnen hat alles mit dem Wunsch von Marcel als gelernter Elektrotechniker und Techniker für ein Theater in der Heimat, selbst einmal wieder gefordert zu werden mit einem Projekt. Entstanden ist ein Master-Isolator. Relativ einfach war dann zumindest gedanklich der Weg zum kompletten Mixer, denn, so wie Marcel es nett beschreibt, wenn er den Isolator bauen kann, dann kann er eigentlich auch einen ganzen Mixer bauen. Das war also der nächste Schritt und mit der Zeit entwickelte sich der Prototyp des RDM20. Dieser blieb Prototyp … und blieb Prototyp. An dieser Stelle kam Simon ins Spiel, der dem Protoypen-Zustand ein Ende setze und das Projekt erneut in Schwung brachte.

Varia Instruments

Der Isolator Prototyp. Grundstein des Varia Instruments RDM20

Über Monate wurde getüftelt und der Prototyp verbessert. Einige neue Ideen wurden noch integriert, vor allem aber wurden auserwählt neue Komponenten gesucht, vom Innenleben bis zum Gehäuse. An vielen Punkten wurde man dort lokal fündig, teils, wie die Jungs begeistert erzählten, im wahrsten Sinne „auf der anderen Straßenseite“ der Halle, in der sie Studio und Werkstatt haben.

Man merkt, lokale und kontrollierbare Produktion liegt beiden am Herzen. So stammt das Gehäuse aus dem „Nachbardorf“ von einer Firma, die eigentlich Gehäuse für medizinische Geräte herstellt, der spezielle Druck der Faceplate wird ebenso in der Region gefertigt und für das später noch erwähnte Auflagegewicht/Turntable Weight ist man wirklich auf der anderen Straßenseite fündig geworden.
Manchmal sind die guten Dinge so nah und meist ist mit einem Fertigungspartner im engen Kontakt einfach das bessere Produkt erzielbar.
Einzig die Platinen als zu fertigender Part des Mixers kommen nicht aus der Region, sondern aus Belgien von Eurocircuits.

Varia Instruments RDM20

Varia Instruments RDM20 – ein erster Blick

Gebaut wird der Varia Instruments RDM20 seitdem in Kleinserien von jeweils 10 Stück. Die Wartezeit auf den Mixer „handmade in Bern“ hängt demnach immer ein wenig von der Nachfrage ab – aktuell versuchen die Jungs aber immer zügig ein Modell liefern zu können, auch wenn in jedem davon viele Stunden Arbeit stecken.

Varia Instruments RDM20 – ein erster Blick

Klassisch, nicht klassisch, derartige Aussagen könnten schnell fallen, wenn man von einem Mixer spricht, mehr noch, wenn es sich um einen Rotary handelt. Möchte man sich mit dieser Frage beschäftigen, dann ist der Varia Instruments RDM20 klassisch nicht klassisch.

Zugegeben, es ist ein 2-Kanal Rotary Mixer mit 3-Band Isolator und Master-Isolator, der dahingehend schon einmal nicht funktionell hervorsticht. Er ist jedoch ohne Frage aufgrund einer anderen Eigenart ungewöhnlich. Dafür sorgt der Aufbau beziehungsweise das Gehäuse. Statt eines flachen Mixers erwartet einen eine Mixer-Konsole leicht schräg mit angewinkelt angesetzter Einheit für die Aussteuerungsanzeige und weitere Bedienelemente, ähnlich einer Meterbridge.

Varia Instruments RDM20

Frontview!

Verpackt ist der Mixer in einem schwarzen Metallgehäuse, wirkt unfassbar massiv. Auf die Waage bringt er 3,5 kg, weniger, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Die Faceplate ist aus Aluminium bietet die Grundlage für alle Potis und Bedienfunktionen, die übersichtlich angeordnet sind. Rückseitig befinden sich Ein- wie Ausgänge. Ich liebe es, einfach mal zu schauen, was in ein Gerät reingeht – und was herauskommt. Ohne Funktionen auf der Oberfläche erzählt dies schon viel über das Gerät.

Sehr aufgeräumt präsentiert sich der RDM20 auf der Rückseite. Vergoldete Cinch-Buchsen-Paare für die Eingänge, XLR für den Master-Out symmetrisch, „House L & R“, wie es häufiger angelehnt an den früheren Namen bezeichnet wird. Für das Monitoring geht es raus als Paar von 6,3 mm Klinkenbuchsen und auch ein Rec-Out findet sich in Form von zwei Cinch-Buchsen. Nicht besonders spannend bis dato, doch dann kommen die Inputs.

Zwei Kanäle, man erwartete also vier Cinch-Pärchen. Finden aber tut man sechs. Pro Kanal stehen interessanterweise drei Eingänge zur Verfügung. Wie kommt es? Der Varia Instruments RDM20 bietet nicht nur einen Phono-Eingang pro Kanal, sondern auch zwei Line-Eingänge. Der Grund dafür ist einfach: Die Jungs haben gesagt, dass sie gern das klassische Setup verkabeln wollen, also zwei Plattenspieler und zwei CD-/Media-Player, dazu aber die Chance geben wollen, ein drittes Paar an Zuspielern noch zu verkabeln, ohne dass in anderes Paar abgezogen werden muss. Zum einen vereinfacht das natürlich das Verkabeln, zum anderen ermöglicht es noch mehr Variationen von Setups.

Der RDM20 besitzt ein internes Netzteil, das nach Aussage der beiden Erbauer so mit passiven Kühlelementen bestückt ist, so dass sich der Temperaturunterschied im laufenden Gerät keine klangliche Auswirkung hat.

Auf der Oberseite befinden sich die zumindest haptisch wichtigen Elemente. Große runde schwarze Potikappen, silberner Deckel, silberne breiter Teller unten. Diese Kappen sind definitiv alles andere als klassisch.
Links und rechts außen sind jeweils die Level-Potis, inmitten davon die drei etwas kleineren Potis für die EQs, im Dreieck angeordnet.
Darüber auf der flachen Seite sitzt der Master-Isolator mit drei Bändern.

Varia Instruments RDM20

Doppelter Isolator, Kanal und Master, wie auch die großen Rotary-Potis

Die, nenne wir sie mal, steile Seite bietet ein analoges VU-Anzeigeinstrument, sehr schön im Design eines hervorstehenden schwarzen Gehäuses, massiv wirkend, verschraubt mit vier Schrauben an der Frontplatte. Ein Glühlämpchen beleuchtet dieses milde, ein Varia Instruments Schriftzug sitzt auf jedem Display-Hintergrund. Ich persönlich finde ein analoges Anzeigeinstrument schön, so gemacht wie hier, sogar wunderschön.

Links und rechts des Anzeigeinstrumentes sitzen Kippschalter aus Metall für die Auswahl des jeweiligen Eingangs, Phono 1 oder 2 und Line 1, 2, 3 oder 4. Dazu befinden sich hier vier weitere kleine Potis. Master und Booth-Ausgang sowie Lautstärke für den Kopfhörerausgang und ein dazugehöriger Mix-Regler, als PFL Mix bezeichnet.

Der Rotary Mixer in der Praxis

Übersichtlich gestaltet ist der Varia Instruments RDM20, an der Oberseite wie an der Rückseite. Es gibt also für den Praxistest nicht viel, was in irgendeiner Art und Weise konfiguriert werden muss. Angeschlossen sind parallel zwei 1210er MKII und zwei CDJ-2000NXS2. Dann den Umschaltern an der Stirnseite ist die Quellenauswahl leicht gemacht. Hier die erste kleine Oho-Erfahrung: Der Schalter zur Quellenauswahl ist nicht eingebunden in den analogen Signalfluss, sondern er schaltet lediglich ein kleines Relais im Inneren. Knacken und Co, was Schalter in analogen Signalwegen gerne früher oder später fabrizieren, wird so umgangen. Wer still ist, kann das Relais im Inneren sogar klicken hören. Gute Arbeit, auch wenn es der Außenstehende wohl kaum bemerken würde – solange, bis ein Knacken kommt. Oder, wie in diesem Fall, kein Knacken kommt.

Ein Blick auf die Erdung kann nicht schaden. Rückseitig befinden sich zwei Erdungsschrauben, soweit, so unspannend. Allerdings ist dieser Anschluss nicht nur zu schrauben, sondern zugleich eine Buchse für einen Bananenstecker. Ein Wunsch von Simon, der den RDM20 häufig mitnimmt und daher bei sich daheim regelmäßig an- und abschließen muss. Das geht natürlich mit einem Bananenstecker zum Einstecken schneller, als wenn man jedes Mal die Erdungskabel fummelig anschrauben muss. Selbst wenn diese (noch) einen intakten Gabelkabelschuh haben, ist dies immer eine fummelige Angelegenheit. Wer hat, der kann – soll heißen: Wer seinen Erdungskabeln Bananenstecker (die gibt es auch zum Schrauben, man muss also nicht einmal löten) verpassen möchte, der muss in Zukunft nur noch schnell reinstecken.

Puristisch wie der RDM20 ist, gibt es keinen Gain. Weder vorderseitig noch rückseitig. Dafür gibt es, wie sich im Test herausstellen wird, auch keine Notwendigkeit. Aber von Anfang an einfach mal spielen, anfangen, sich treiben lassen und das Gerät ein wenig kennenlernen. Es ist immer spannend, ob sich ein Gerät von selbst erklärt. Der Varia Instruments RDM20 ist dabei natürlich aufgrund seiner ehrlichen Einfachheit sofort geentert vom Nutzer und kann voll genutzt werden.

Der erste Versuch beginnt direkt mit einer lustigen Panne, noch während die Jungs hier sind. Das Level-Poti ist vorsichtig aufgedreht, der Griff geht nach oben rechts, um den Master aufzudrehen, doch kein Signal ertönt. Dort, wo man normalerweise einen Master-Level erwarten würde, sitzt nämlich die Kopfhörer-Sektion. Master- und Booth-Level sind links. Nun, der Master sitzt links und damit kann man die Lautsprecher auch mit Spannung versorgen. Hat man das einmal verinnerlicht, läuft der Rest wie einstudiert. Die großen Level-Potis liegen super in der Hand, besser ausgedrückt, drehen sich unerwartet angenehm zwischen den Fingern. Vom Gefühl her kein großes Wunder, sind doch die ALPS RK 27 verbaut. Doch auch die Kappen, ungewöhnlich in ihrer Form ohne Frage, sind sehr angenehm, geriffelter Rand, die Finger liegen auf dem unteren Ring auf. Über Kappen wird am Ende aber sowieso immer diskutiert, die Meinungen gehen generell immer auseinander, die Vorlieben sind sehr unterschiedlich.

Die EQs, im Dreieck angeordnet, sind streng genommen drei Isolatoren pro Kanal mit folgenden Crossover-Frequenzen: Bass/Mitten bei 125 Hz, Mitten/Höhen bei 4000 Hz. Folglich als Isolator Full Kill und 9 dB Anhebung bei einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave. Vielen Dank für den Isolator. Einen solchen auf dem Kanalzug zu haben ist immer eine Bereicherung gegenüber einem EQ – auch hier scheiden sich aber die Geister.

Ebenso wie die Level-Potis sind auch die im Master-Isolator verbauten Potis die RK 27. Der Master-Isolator bietet drei Bänder mit einer Flankensteilheit 24 dB/Oktave. Die Crossover-Frequenzen liegen bei 280 Hz und 4200 Hz. Auch hier gilt natürlich Full Kill, die Anhebung maximal beträgt +9 dB.

Viel Raum liegt zwischen allen Potis, trotz der Größe der Kappen. Das Arbeiten wird damit nicht nur angenehm, sondern sorgenfrei. Der Griff zu allen Potis ist leicht, keine Sorgen, dass man andere Potis mit dicken Fingern mitdreht. Da gibt es genügend Gegenbeispiele, bei denen der Send neben dem Trim liegt und dreht man den einen auf, dreht man gleichzeitig den anderen runter, denn der Platz ist klein bemessen. Nicht beim RDM20. Hier ist viel Platz zum Arbeiten, zum Werkeln, zum Drehen.

Haptisch schön ist auch der Griff zur Cue-Taste – in diesem Fall ein Kippschalter vertikal schaltbar am schrägen Bedienfeld zwischen den beiden Anzeigen des VU-Meters.

Varia Instruments RDM20

Kippschalter statt Cue-Tasten

PFL A oder PFL B ist wählbar, natürlich zufahrbar zum Master-Signal anhand des PFL-Mix-Reglers rechtsseitig. Selten habe ich diesen so oft genutzt wie beim Varia Instruments RDM20. Gründe dafür gibt es zwei, praktisch wie haptisch. Zum einen ist die Anpassung des Mischverhältnisses zwischen PFL und Mix auf dem Kopfhörer natürlich durch den fehlenden Gain und kein Kanal-Anzeigeinstrument ein wichtiger Schritt zum Ausgleichen der Signale für die Ohren. Im Mix wird es später ja anhand des Level-Potis gemacht.

Zum anderen ist der Griff dahin wirklich einfach verdammt angenehm. Entzückend könnte man fast sagen, das Herz erfreuend. Ich weiß nicht, ob es einem anderen Nutzer so gehen würde wir mir, aber es gibt einfach Cue-/Mix-Regler, zu denen man ungern greift, weil sie klein sind, schlecht zu drehen beziehungsweise schwierig genau einzustellen. Und es gibt diesen hier – und dieser ist geil.

Varia Instruments RDM20

Phones und PFL-Mix – ungewohnt an steiler Frontseite, aber verdammt angenehm der Griff dorthin

Ein wichtiger Punkt wurde eben erwähnt: Es gibt keinen Gain. Dafür gibt es genügend Headroom, dazu später mehr. Rein haptisch kann dieser Headroom über die Level-Potis genutzt werden. Auch wenn die Skala auf diesen von 7 bis 5 Uhr geht, ist der Nominalpegel bei einer Poti-Drehung bei 2 Uhr erreicht. 2 bis 5 Uhr ist damit Headroom für leisere Platten oder Headroom für den Mix. Ein etwas dickerer Strich auf der Oberfläche markiert den Nominalpegel. Am Ende unterliegt es, so wie es sich gehört, dem DJ und seinem Gehör, bis wohin er spielt.

Der Boutique-Schweizer klingt … gut!

Ein paar technische Daten, die schon einmal eine Grundlage geben können, wie der Varia Instruments RDM20 klingt und warum ein Gain nicht notwendig ist.

Phono wie Line hat der RDM20 einen Frequenzbereich abgedeckt von 20 Hz bis 20 kHz, die Abweichung von der Linearität beträgt maximal +1/-0,5 dB bei Phono, maximal +/-0,5 dB bei Line-Quellen.
Der THD-Wert beträgt unter 0,02 % über das gesamte Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20 kHz und weniger als 0,003 % bei 1 kHz bei Line-Zuspielern. Das Übersprechen beträgt mehr als -60 dB (20 Hz bis 20 kHz, 10 mV RMS links zu rechts) bei Phono, mehr als -70 dB bei Line-Quellen.

Ausgangsseitig lassen sich die Werte ebenso sehen. Kurz zum Master-Out: Impedanz 100 Ohm, THD-Wert unter 0,003 % bei +4 dBu, Signal-Rausch-Abstand 92 dB bei +4dB Nominalpegel. Maximaler Ausgangspegel beträgt +26 dBu symmetrisch, 20 Hz bis 20 kHz, 600 Ohm und unter 0,1 % THD. Der Varia Instruments RDM20 bietet demnach 22 dBu Headrooom nach oben. Damit ist es fast unmöglich, den Mixer zu übersteuern, selbst wenn der Level-Regler auf Anschlag steht, die EQs voll ausgereizt sind und dazu noch der Master-Isolator zum Maximum gedreht wird. Dann läuft zwar das Anzeigeinstrument in den roten Bereich, steht am Ende komplett oben (die Skala geht ja auch nur bis +5 dBu), ein Zerren ist aber auch dann nicht zu hören. Rechnerisch müssten wir dann jenseits der 22 dBu Headroom sein, vielleicht im Peak, knapp darüber. Aber selbst in diesem Zustand, wie gesagt, ist kein Klangverlust hörbar. Ich möchte betonen, ich rede gerade von dem, was man an anderen Mixern als „stehend rot“ bezeichnen würde. Im Test wurde eigentlich „stehend rot“ noch überprovoziert. Klangverlust? Nichts. Absolut nichts zu hören. Beeindruckend und ein Statement für mehr Headroom an Mixern. Klar, man muss damit umgehen können und da die meisten das nicht können, gibt es diesen an vielen Club-Mixern nicht. Sad but true.

Übrigens, genaue Messwerte gibt es nicht nur eingangsseitig und für den Master-Out, sondern auch noch gesondert für den Booth-Ausgang, den Rec-Out und den Kopfhörerausgang. Das nenne ich mal eine umfangreiche Dokumentation und Offenheit zur Qualität des eigenen Produkts.

Bereits den technischen Werten nach kann der RDM20 damit voll überzeugen. Wichtiger ist aber, wie er klingt.

Die Antwort auf diese Frage ist wohl gut beantwortet mit Worten wie „warm“, „druckvoll“, „ehrlich“ und „dynamisch“. Ja, der RDM20 erlaubt ein warmes und druckvolles Soundbild im Raum, welches, gerade auch aufgrund des massiven Headrooms sehr viel Dynamik erlaubt. Kein pressender Sound, wie man ihn von vielen digitalen Mixern kennt, sondern ein Klangvolumen mit Raum für Spitzen.

Die Kanal-Isolatoren arbeiten unaufgeregt im Bereich von völliger Stille bis +9 dB und mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave gibt es hier auch keinen hörbaren Sweep, sondern feines und sauberes Arbeiten.

Varia Instruments RDM20

Wunderschönes Wunderwerk: Der Master-Isolator, geliebt an jedem Rotary

Der Master-Isolator mit 24 dB/Oktave greift hier schon drastischer, jedoch nicht weniger fein und warm klingend in das Klangbild ein, die Flankensteilheit ist halt höher. 9 dB Boost sind auch hier zu finden und erlauben auch auf der Master-Summe, den Sound anzupassen an den Sound der Tracks oder des Raumes, aber auch als Stilmittel im Mix. Die Crossover-Frequenzen sind so gewählt, dass Bass und Kick komplett „gezogen“ werden können, die Mitten gehen bis 4200 Hz, darüber kann man in hohe Frequenzen eingreifen, um auch hier bestimmte Instrumente wie Hi-Hats zum Beispiel zu betonen oder ein wenig abzumildern.

Qualität und Haptik des DJ-Mixers

Qualität und Haptik, ein wichtiger Punkt in jedem Test. Selten jedoch ist es so wichtig wie an hochpreisigen Mixern, ob Dreher oder Schieber. Je einzigartiger das Produkt, um so mehr erwartet man hier jedoch oberste Qualität und ist sicher nicht bereit, Abstriche zu machen, die aus Gründen von Massenproduktion unvermeidbar sind. Dabei kann ich ehrlich zugeben, dass der Varia Instruments RDM20 oben in der Liga der Rotary Mixer spielt. Gehäuse, Auswahl der Materialien und Verarbeitung, alles spricht Bände für die Qualität und Stabilität. Massives Gehäuse, keine hervorstehenden Buchsen, Druck auf der Frontseite, der RDM20 wirkt deutlich stabiler als viele andere Rotary Mixer, die ohne Frage nicht weniger gut verarbeitet sind. Der Stabilitätspunkt aber geht an Varia Instruments. Ähnlich einem 92ers oder Formula Sound FF4.2 oder 6.2 behaupte ich, dass man mit dem RDM20 Bierflaschen öffnen, einen Nagel einschlagen oder den alten Fernseher statt mit einem Hammer bearbeiten kann. Danach anschließen und losspielen.

Haptisch ist der Aufbau sicher gewöhnungsbedürftig durch die angewinkelte obere Seite, beim Spielen kann ich aber sagen, dass ich die Unterteilung in Mixer und Bedienfunktionen, flach und schräg, nicht nur praktisch fand, auch der Griff an der schrägen Seite für zum Beispiel HP-Level oder Mix war irgendwie sexy.

Großartig finde ich den Druck auf der Oberfläche und ich bin mir sicher, damit stehe ich nicht alleine da. Wer mit dem Finger über den Druck fährt, spürt keine Erhebung. Das liegt an der speziellen Druckart. Es wurde nicht auf die Aluminium-Oberfläche gedruckt, so wie es die meisten Hersteller tun, sondern es wurde ein Untereloxaldruck-Verfahren genutzt. Hierbei wird die Farbe nicht auf die Aluminiumoberfläche gedruckt. Im unversiegelten Zustand wird der Druck auf die Aluminiumoberfläche aufgebracht, danach wird die Oberfläche versiegelt. Damit ist der Druck unter der Versiegelung und damit wisch-, kratz- und abriebfest ist und geschützt vor allen Abnutzungen durch die Finger. Dies Verfahren ist selbstverständlich aufwendiger und kostenintensiver, schützt jedoch den Druck auf lange Zeit. Abgesehen davon ist alleine die Produktion auf diese Art und Weise ein Qualitätsmerkmal.

Rein technisch gibt es einige Punkte, an denen die Qualität für sich spricht. Der Druck ist der eine Punkt, das Relais, welches die Eingangsquellen zuschaltet statt einem Signalfluss durch den Schalter oder auch die verbauten ALPS Potis sind verschiedene Anhaltspunkte, dass hier beim großen Ganzen der Funktionen aber auch bei kleinen Funktionen versucht wurde das Beste zu ermöglichen.

Varia Instruments RDM20

Blockdiagramm des Varia Instruments RDM20

Varia Instruments TTW10

Kurze Anmerkung, die nicht direkt mit dem Mixer zu tun hat. Gerade haben Simon und Marcel das zweite Produkt aus dem Hause Varia Instruments angekündigt, auch das hatten die Beiden mitgebracht. Es geht um ein Vinyl-Gewicht, selbst gedreht, aber auch entwickelt. Wer sich fragt, was man daran entwickeln kann, wird beim Blick auf die Unterseite fündig. Hier befindet sich ein Puck für 7-Inches mit großem Lochkreis, der durch den Ausgleich der Luft im Inneren langsam herausrutscht, wenn man das Gewicht waagerecht hält. Die 7-Inch kann aufgelegt werden, das Gewicht darüber und durch leichtes Verschieben der Platte wird der Lochkreis in die perfekte Position unter dem Gewicht gebracht, der Puck rutscht raus und fixiert die Platte. Klingt kompliziert, geht super einfach. Dazu gibt es auf der Unterseite eine spezielle Gummischicht, die auch kräftiges Andrehen der Platte durch das Gewicht erlaubt, ohne dass dieses über die Platte dreht. Idee super und Verarbeitung top! Kostenpunkt rund 77,- Euro pro Stück.

Varia Instruments RDM20

Ab sofort erhältlich: Varia Instruments TTW10

Fazit

Je spezifischer der Mixer, um so mehr steht die Frage im Raum, ob das Gerät zu einem passt. Dabei ist der Varia Instruments RDM20 als 2-Kanal Rotary-Mixer mit dem 3-Band Isolator pro Kanalzug und einem 3-Band Master-Isolator eigentlich noch recht nah am klassischen DJ-Mixer. Handmade in der Schweiz und von außen wie innen erkennbar, dass die beiden Jungs hier definitiv versucht haben, nur die beste Qualität zu verbauen. Handgebaut und alle Geräte sorgsam getestet werden immer nur kleine Stückzahlen in einem Schwung gebaut. Qualitativ wirkt der Varia Instruments RDM20 absolut massiv, aber auch haptisch kann der Mixer überzeugen. Viel Platz zwischen den Reglern, ALPS RK27 Potis, ungewöhnliche, aber griffige Kappen. Die angewinkelte hintere Bedienoberfläche wirkt auch den ersten Blick neu, macht aber mit den dort verbauten Bedienfunktionen absolut Sinn, der Griff dorthin ist auch ein neues und schönes Erlebnis.

Rund 1.900,- Euro zzgl. Frachtkosten und Einfuhrabhaben kostet ein Modell, eine Lieferzeit wird aktuell noch von 3 bis 4 Monaten angeben. Die Zeit ist derweil kürzer, wie die beiden Erbauer verrieten, der Preis allerdings bleibt derselbe. Wie immer ist der Griff zum Rotary kein Günstiger, dennoch ist der RDM20 den Preis wert. Ob der Dreher auch zum eigenen Setup passt, das ist eine andere Frage. Hinter dem, was er funktionell bietet, steckt in jedem Fall sehr gute Qualität.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung und Materialwahl
  • Phono + 2 Line-Eingänge pro Kanal
  • analoges VU-Meter
  • sehr gute technische Daten des Signalflusses, jedes Modell genau getestet
  • 22 dBu Headroom erlaubt nahezu kein Clipping, erst recht kein hörbares
  • Bananenstecker für Erdungskabel (sofern diese auf einen Bananenstecker enden)

Minus

  • Erdungskabel mit Gabelkabelschuh etwas fummelig anzuschrauben

Preis

  • 2.190,- CHF zzgl. Fracht und ggbf. Einfuhrabgaben
Forum
  1. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Top Mixer!

    Ich finde es klasse, dass auch Nischenprodukte und Hersteller mit Herzblut hier Berücksichtigung finden! 
     
    Besonders die Entscheidung, so viel wie möglich lokal zu besorgen finde ich, so seltsam das klingen mag, zukunftsorientiert. 

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED 111

    Als Tontechniker, Musiker, Produzent, der mit der DJ Szene so gar nichts am Hut hat, kann ich mir die Preisgestaltung bei DJ-Mixern gegenüber PA-Equipment meist nicht erklären.
    Aber wenn ich DJ wäre, das Ding wäre gekauft. Herrlich anders und haptisch sicher ein Genuss.

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      AMAZONA Archiv

      Deshalb sagte ich bereits, ein reines Schmuckkästchen. Wer mit sowas auftaucht wird schon mal beachtet, auch von den Frauen. DJ müsste man sein. Für den Kurs gäbe es bei mir eher eine x32.

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    lightman  AHU

    Sicher ein super hochwertiges Teil, sieht auch gut aus, aber mal ehrlich… damit bei ’nem Gig auftauchen? Nee, echt nicht, das wäre mir dann doch zu hipstermäßig, nix für ungut.

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    psv-ddv  AHU

    Die beiden VU-Anzeigen sind exakt die gleichen, die auch von Behringer (Ultragain tube) berwendet werden.
    Made in China, nix Uhrmachertradition und ausserdem zu klein für das Riesenteil. Ziemlich hässlich, wie ich finde. Bei dem Preis für ein Gerät mit vergleichsweise eingeschränkter Funktionalität hätte man sich da mehr Mühe geben können. Schaut doch einfach mal, wie die Landsleute von Nagra VUs bauen.

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      AMAZONA Archiv

      Hahaha stimmt, ich habe gerade eines dieser blöden VU Meter aus meinem alten Behringer raus. Und das ist wirklich unterirdische Qualität, Birnchen ist natürlich defekt ansonsten hab ich Glück dass alles andere noch geht. Ganz anders die Qualität des Digitech VTP 1 da ist alles voll gestopft mit echter Elektronik und die VU Meter sind von anständiger Qualität. Immer wenn ich die Preise bei DJ Rotary Mischern sehe, denke ich an den Rotary Club. Tja wer es hat der hats.

  5. Profilbild
    DJ Ronny  

    Erst mal danke für den Test. Nach einer Nacht schlafen und noch mal lesen und gucken. Habe ich für mich entschieden, das Ding ist hässlich! Das Design erinnert mich an Raumschiff Orion. Das einzige was mir gefällt ist die Anordnung der Klangregelung, schön Platz. Im Gegensatz zu den Anschlüssen, bitte nur einfache Chinch Stecker verwenden. Ich diskutiere nicht gern über den Preis, jedem seine Sache.
    Aber die technischen Daten rechtfertigen den Preis nicht. Diese erreicht man auch mit 0815 guten Bauelementen.

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Danke für deinen Mut ein Produkt generalisierend als hässlich zu bezeichnen.
      Kleine Hilfe: Das Produkt ist nicht hässlich, es trifft nur nicht deinen subjektiven Geschmacksnerv.

      Wo ist das Problem mit den Anschlüssen? Hier werden die absoluten Klassiker im Mixer-Bereich genutzt. Cinch rein, XLR und Cinch raus, Booth per Jack.

      Die technischen Daten sind nicht der alleinig ausschlaggebende Punkt hinsichtlich eines Preises bei einem Produkt. Die Punkte, die ebenso eine Rollen spielen dürften aber im Test mehr als umfangreich beschrieben worden sein. Die Preisgestaltung ist, genau wie das Design, ein Angebot der beiden Erbauer. Möglicherweise ist der Preis für deine persönliche Empfindung zu hoch, andere Nutzer sehen das anders.

      Eine horrende Preisvorstellung, die man objektiv als überzogen bezeichnen könnte ist hier jedoch nicht vorhanden.

  6. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Ich glaube, hier entsteht grade eine neue Produktkategorie: „Livestyle Mixer“.
    Nix können und dabei versuchen gut auszusehen.
    Also quasi die Gentrifizierung der Summierung.

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