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Test: Gibson Les Paul Standard 2014, E-Gitarre

10. Juni 2014

Alte Liebe rostet nicht!

Gibson Les Paul Standard 2014. Nur wenige aktuelle Instrumentenhersteller können auf eine ähnlich lange Historie zurückblicken wie die Firma Gibson. Das von Orville Gibson im Jahre 1894 gegründete Unternehmen blickt nunmehr auf eine 120-jährige Geschichte mit allen nur vorstellbaren Ups and Downs zurück, die die Musikindustrie zu bieten hat. Dabei erstreckt sich das Spektrum von der Tatsache, dass für die ca. zweitausend Les Paul Standard, die zwischen 1958 und 1960 gebaut wurden, nach wie vor eine halbe Million Euro und mehr auf den Tisch gelegt werden, bis hin zu der dunklen Seite Anfang der Achtziger, als der damalige Inhaber Norlin teilweise sogar Astlöcher in den Instrumenten verbauen lies, nur um, losgelöst von jeglichem Qualitätsanspruch, das Maximale an Profit aus dem Unternehmen zu pressen.

Nichtsdestotrotz gelang es dem Unternehmen im Laufe seiner Geschichte, vier Korpusklassiker zu erschaffen (Les Paul, SG, Explorer, Flying V), die zusammen mit den Fender-Protagonisten Stratocaster und Telecaster die Basis für nahezu 99% aller Instrumentenformen ergibt. Um das oben genannte Jubiläum entsprechend zu zelebrieren, hat Gibson für das laufende Jahr einige Klassiker neu aufgelegt, jedoch nicht ohne diese teilweise mit einem haptischen und elektronischen Facelifting zu behandeln. So auch geschehen bei der zum Test vorliegenden Gibson Les Paul Standard 2014, die über allerlei interessante Detaillösungen verfügt, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

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Ob Lester William Polfus sich im Jahre 1952 jemals hätte träumen lassen, dass sein Signature-Modell bis zum heutigen Tag zusammen mit der Stratocaster der Inbegriff des Rock’n’Roll werden würde?

Front

— Die Gibson Les Paul Standard 2014 —

Konstruktion

Auch wenn in den Achtzigern gerne einmal Ahorn als Halsholz verwendet wurde, die Les Paul bleibt das Paradebeispiel für eine Mahagoni Grundkonstruktion mit Ahorndecke zwecks Höhenanteil. Die wurde auch bei der Standard 2014 so gehalten, hier in Form eines einteiligen, mit Zapfen- und Stechverbindung eingeleimten Mahagoni-Halses nebst einem zweiteiligen Mahagoni-Korpus, zuzüglich einer ebenfalls zweiteiligen Ahorndecke der Güteklasse AAA.

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Kollegen der alten Schule kennen einhergehend mit der Holzwahl natürlich auch das klassische Manko der Les Paul Konstruktion. Auch wenn einer gerne einmal mit Paulas um die fünf Kilogramm Marke eine flotte Sohle aufs Parkett legt, so litten viele Paula-Player unter dem kräftigen Gewicht, das zwangsweise mit der Konstruktion einhergeht. Um dies zu vermeiden, arbeitet Gibson nunmehr mit einem laut Firmenangaben optimierten Chambering Verfahren namens Moder Weight Reliefs, das mehr Grundblock stehen lässt, die Resonanzeigenschaften erhält und eine Gewichtsersparnis von 500 Gramm an den Tag legt. So kommt unser Testinstrument auch „nur noch“ auf ein Gewicht von ca. 3,7 Kilogramm.

Top

— Gibson Les Paul Standard 2014 – Top —

Weitere Veränderungen an den Standards ergeben sich auch bei der Analyse des Griffbretts. Das Palisander Griffbrett verfügt über 22 Medium Jumbo Frets, die zwecks geringerer Abnutzung mit dem kältetechnischen Cryogenic Verfahren behandelt wurden. Des Weiteren handelt es sich um Undercut Frets, was das Binding unter den Bünden platziert und eine spätere Neubundierung im Gegensatz zu früheren Modellen deutlich erleichtert.

Der nächste Aha-Effekt offenbart sich auf der Rückseite der Kopfplatte des Instrumentes, die ein von Tronical entwickeltes System namens Min-Etune beherbergt. Das System offeriert 18 verschiedene Stimmungen, die mechanisch an die Stimmmechaniken übertragen werden und ist zurzeit State-Of-The-Art, wenn es um automatische Tuning-Systeme geht. Einen Link zum ausführlichen Testbericht findet ihr am Ende dieses Artikels.

Tronical

— Tronical System —

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Danny Who  AHU

    Hallo Axel, danke für den Test. Auch ohne jemals eine Gitarre gespielt zu haben, aber das Gerede vom Holz scheint unter Euch das selbe Problem wie bei den Hifi-Leuten der Kabelklang zu sein.

    Es gab kürzlich eine veröffentlichung, in der in epischer Breite nachgewiesen wurde, dass die Holzart den m.E. absolut geringsten (zumeist überhaupt nicht wahrnehmbaren) Einfluss aller Komponenten auf den Sound hat. Die Nummer ist reine Autosuggestion und Blindtests macht auch niemand.

    Besprochen wird das ganze hier ab Minute 31:
    http://300.....-von-clean

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Und im Bezug auf den von dir oben genannten Podcast, ich kenne die jungen Berliner Buben um Tim Pritlove von ihren IT Podcasts und schätze ihre fachlichen Fähigkeiten im Bereich Netzwerk, PC und Datenkommunikation im allgemeinen sehr. Ich habe sogar einige ihrer Podcast abonniert, da ich in diesem Fachbereich immer wieder Einiges von ihnen lernen kann.

      Wenn jetzt aber einer der Jungs als Gegenbewegung zur Techno-lastigen Informatik Szene zur Gitarre gefunden hat und einen Heidenspaß daran hat, sich mit archaischen Prinzipien wie z.B. der Röhrentechnik auseinander zu setzen, ist da im Prinzip nichts gegen zu sagen.

      Wenn man aber seinen musikalischen Erfahrungsschatz in Sachen Gitarren-Akustik primär aus dem Rezitieren von Wikipedia Artikeln zieht und die persönliche Live-Performance Erfahrungswerte sich auf 2-3 Instrumental-Liveshows lokalen Jugendclub beschränken, wäre ich sehr vorsichtig, wenn es um Publizierung empirischer Werte geht.

      Ich würde es ja auch nicht wagen, denen irgendetwas über Objective C zu erklären … ;-)

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Hallo Danny,

      der Einfluss von Kupferkabel oder vergoldeten und von schwedischen Jungfrauen bei Vollmond linksgedrallten Kabeln wird überbewertet. Es gibt im Rhein Main Gebiet auch noch Händler die einem sauerstoffreies Kupferkabel in 16^2 andrehen wollen für 125€ lfd Meter . Wenn man Gitarre und Hifi unbedingt vergleichen will, kommt man nicht um den chaotischen Systembegriff nicht herum. Und da hat Axel schon recht, wenn er anführt das identische Modelle zu komplett verschiedenen Klangergebnissen führen können, weil es hier eine Interaktion gibt. Und die ist nicht linear, somit sind wir beim chaotischen System und das Verhält sich etwas anders. Und das kann ein geübter Gitarrist beherrschen und ausgleichen.

      Siehe auch hier, weniger populärwissenschaftlich https://hps.hs-regensburg.de/~elektrogitarre/
      zum Röhrenverstärker findest du dort auch nochmal Literatur https://hps.hs-regensburg.de/~elektrogitarre/Zollner_GB_Roehrenpraktikum.pdf

      Grüße

  2. Profilbild
    Axel Ritt  RED

    Hallo Danny

    weisst du, ich kenne diese Abhandlungen seit Dekaden. Immer wieder wird von nachrückenden Generationen die Relevanz der einzelnen Komponenten eines akustischen Instruments (ja, auch eine E-Gitarre ist ein akustisches Instrument) in ihrer Wertigkeit in Frage gestellt was aber nichts am Fakt an sich ändert.

    Fakt ist, die Variation eines Bauteils wie z.B. des Pickups ändert den objektiven Klang eines Instruments massiver als die Wahl des Holzes. Fakt ist aber auch, dass 2 identische Instrumente, einmal z.B. aus hochwertigem Ahorn, einmal aus hochwertigem Mahagoni gebaut, sich völlig unterschiedlich im Bezug auf das Schwingungsverhalten, Attack, Dämpfungen und Resonanzen verhalten, sprich der Klang der beiden Instrumente ist völlig verschieden.

    Der wichtigste Punkt ist allerdings die Interaktion der verschiedenen Komponenten untereinander, denn daraus resultiert die Spielfreude des Musikers und DASS! ist der eigentliche Punkt worum es geht. Man kann also auch nicht von gut oder schlecht sprechen, es geht immer nur um die persönlichen Referenzen.

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