Test: Hammond, SK1 & SK2, Orgel

Sounds & Effekte

Wie bereits kurz erwähnt, erhält der Nutzer mit der SK1 nicht nur eine vollwertige Orgel, sondern auch noch einige weitere Klänge aus den Bereichen Piano, E-Piano, Streicher, Brass etc.
Hammond schlägt mit dieser Neuerung eine etwas andere Richtung ein, denn bisher gab es bei Hammond eben nur Orgel pur. Doch zunächst zu dem eigentlichen Verkaufsargument der SK1, den Orgel-Sounds.

Ausgestattet ist die SK1 mit drei verschiedenen Hammond-Typen (Btype 1, BType 2, Mellow), einer Farfisa, einer Vox Continental und einer Pfeifenorgel. Alle Orgeln klingen ausnahmslos sehr gut und bieten eine hohe Authentizität. Mit Hilfe der Zugriegel kann man jeden gewünschten Sounds schnell und intuitiv einstellen, das ist ein klarer Vorteil gegenüber Workstations oder aber auch der Nord C2 Orgel, die leider keine echten Zugriegel aufweist. Egal welchen Orgel-Sound man einstellt, die SK1 klingt gut, und im Zusammenspiel mit der Waterfall-Tastatur macht es einfach Spaß, darauf zu jammen und zu rocken. Das interne Leslie ist gut, kommt aber soundtechnisch nicht an ein echtes Leslie heran. Alle denkbaren Einstellungen wie Amp, Art des Lautsprechers, Speed, Rise Time etc. können eingestellt und auf einem der acht Programmplätze abgespeichert werden. Natürlich bietet die SK1 auch einen Overdrive-Effekt an, der meines Erachtens gerne noch ein wenig aggressiver und dreckiger ansetzen könnte. Weiterhin stehen dem Nutzer noch Vibrato und Chors zur Verfügung. Natürlich lassen sich auch alle Orgel-typischen Parameter wie bspw. Percussion verändern.

Die Extra Voices heißen nicht nur so, denn sie dürfen wahrlich nur als Zusatz angesehen werden. Die Qualität der Pianos und E-Pianos geht in Ordnung, kommt aber bei weitem nicht an die authentischen Klänge der aktuellen und oberen Workstations und Keyboards heran. Bei vielen Sounds fehlt einfach der notwendige realistische Klang. Das liegt vor allem auch an den wenigen Velocitylayern. Manche E-Pianos bieten teilweise nur drei bis vier Layer, was bei der Konkurrenz mittlerweile viel besser und zahlreicher ist. Die teilweise mit in den Sound integrierten Effekte werten das Ganze zwar auf, aber in den meisten Fällen kann auch das nicht 100% überzeugen. In Sachen Realismus versucht Hammond zumindest bei den Streichern nicht zu kaschieren. Hier ist von vornherein klar, dass es nur um synthetische Strings geht. Insgesamt stehen in diesem Bereich sowohl Pianos, Mallets, Blech- und Holzbläser, Pads als auch einige Synth Leads und Effektsounds zur Verfügung. Über den Button Library sollen in Zukunft neue Sound-Updates per USB-Stick nachgeladen werden können. Aktuell bietet Hammond zwar keine an, dies wird in der Zukunft aber sicherlich nachgeholt.

Effekte & Equalizer

Effekte & Equalizer

Als Effekte stehen für die Extra Voices und die Orgel zusammen neben einem 3-Band Equalizer mit durchstimmbaren Mitten noch ein Reverb und ein Multieffekt (Wah, Flanger, Phaser, Chorus, Delay, etc.) zur Verfügung.

Praxis & Extras

Die Bedienung der SK1 ist nach kurzer Einarbeitungszeit relativ übersichtlich und einfach, wozu natürlich auch die neun Zugriegel beitragen. Dadurch dass viele Parameter direkt mit Controllern auf der Oberfläche bearbeitet werden können, entfällt im normalen Betrieb das leidige Menü-Seiten-Suchen, was bei der SK1 durch das kleine Display zusätzlich erschwert würde. Als nettes Feature kann die SK1 über einen USB-Stick auch fertige Playbacks und Songs im WAV- und MP3-Format abspielen. Die wichtigsten Einstellungen lassen sich auf rund 100 User-Patches abspeichern, so dass Favoriten relativ schnell wieder aufgerufen werden können.

Eine mögliche Live-Erweiterung der Orgel wäre sicherlich die Verbindung mit einem Computer. SK1 bzw. SK2 bieten nämlich nebenbei auch noch einige Masterkeyboardfunktionen. So könnte man mit Hilfe von VST-Instrumenten/Computer auf eine Tastatur der SK2 ordentliche Pianos, E-Pianos, Streicher-Sounds legen, die zweite Tastatur fungiert ausschließlich als Orgel und nebenbei über MIDI noch andere Geräte ansteuern, fertig ist das neue Live Setup.

Frontansicht SK1

Frontansicht SK1

Die Hammond SK2 - zweimanualige Ausführung der SK1

Die Hammond SK2 – zweimanualige Ausführung der SK1

Marktüberlick

Klares Augenmerk legt Hammond auch bei der SK1 natürlich auf die Orgel-Sounds. Das kann sie auch richtig gut. Als potentielle Konkurrenten im gleichen Preisbereich kann man sicherlich die Numa Organ von Studiologic oder die VR-700 von Roland heranziehen. Ausstattungstechnisch ähneln sich die drei Modelle, wobei Roland mit Sicherheit die besseren Extra-Klänge wie Piano und E-Piano bietet. In Sachen Orgel hat die SK1 aber hier die Nase vorne. Im höheren Preisbereich gibt es dann noch die Nord C2 Orgel von Clavia oder aber die größeren Modelle von Hammond selbst. Wer zwei Manuale braucht, sollte sich natürlich die größere Schwester SK2 anschauen, die im Grunde die gleichen Funktionen bietet, aber das Ganze auf zwei Ebenen verteilt.

Fazit

Die Hammond SK1 ist eine richtig gute Orgel, die das Leben der Live-Keyboarder bzw. des Organisten erheblich leichter macht. Mit grade einmal 7 kg Gewicht lässt sich die Orgel überall mit hinnehmen, und in Sachen Sound ist die SK1 einfach super. Die zusätzlichen Klänge können leider nicht überzeugen, reichen aber für einfache Einsätze aus. Die neun Zugriegel und die vielen Controller auf der Oberfläche machen eine sehr schnelle und einfache Bedienung möglich. Alles in allem ein super Gerät zu angemessenem Preis.

Plus

  • sehr gute Orgel Sounds
  • extrem geringes Gewicht
  • einfache und intuitive Bedienung

Minus

  • Extra Voices nur Durchschnitt

Preis

  • Hammond SK1
  • UVP: 1.599,- Euro
  • Straßenpreis: 1.549,- Euro
  • Hammond SK2
  • UVP: 2.399,- Euro
  • Straßenpreis: 2.299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Martin Andersson  RED

    Klingt spannend, werde mir diese neue Hammond bestimmt näher anschauen. Dennoch würde ich dem (etwa gleich teuren) Nord Electro 3 den Vorzug geben. Die B3 klingt (gemäß Audiobeispielen) bei beiden Instrumenten sehr edel, doch bei den Pianos kann die SK1 schlicht nicht mit dem roten Schweden mithalten. Bin ehrlich gesagt etwas erstaunt über die schlechte Qualität der Piano Sounds der SK1; wäre wohl besser gewesen, sie gleich wegzulassen.

    • Profilbild
      vssmnn  

      na ich weiss ja nicht, was an dem teil fürs geld so toll sein soll.
      Für weniger gibts es nen Kurzweil, dessen KB3 orgeln klingen meiner meinung nach besser, und man bekommt amtliche pianos + sonstige sounds mit.
      einzig als eyecatcher 2-keyboard köpnnte ich es mir vorstellen.. aber eihentlich schade ums geld

  2. Profilbild
    t.bechholds  AHU

    Danke für den schönen Test !… Die Dinger sind ja aber sowas von häßlich … auch wenn sie gut klingen, au backe. Da noch ein Clavia drunter und man glaubt, man ist zu Gast bei Ken & Barbie !

  3. Profilbild
    Key-Star

    Es lohnt auf jeden Fall, sich näher und ausführlich mit Sk 1 bzw. Sk 2 zu beschäftigen – der Drawbar-Sound spielt auf ganz hohem Niveau, und wenn man sie an ein echtes 147er anschließt, kann sie im Blindtest kaum einer von einer echten B 3 unterscheiden. Und für den kleinen Gig überzeugt im Band-Kontext die Lesliesimulation allemal. Zu den Extra Voices: Es gibt heute ja schon Leute, denen gefällt der Klang eines echten Steinways nicht mehr, weil er anders klingt, als sie es von irgendwelchen Phantomen oder Motiven her kennen, also, die Rhodes-, Wurlitzer- und Clavinetsounds in den Sk 1 und 2 sind wirklich hervorragend – vor allem, sie lassen sich auf der wirklich guten Hammond-Tastatur ohne große Umstellung spielen wie auf den Originalinstrumenten. Also, unbedingt selber testen, am besten an einem Röhrenverstärker.

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      AMAZONA Archiv

      Lässt sich das mit Audiobeispielen belegen?

    • Profilbild
      TiehSsieh

      Hallo, ist schon ein paar Jahre her, aber falls Du das hier ließt, wäre ich Dir sehr dankbar, wenn Du mir sagst, wie ich den 8 Pol Ausgang der SK1 mit meinem 147er Leslie synchronisieren kann!!!!
      Vielen Dank
      TiehSsieh

  4. Profilbild
    pianojazz1

    Da ich sowohl die Clavia- als auch die Hammond-Produkte sehr gute kenne (von meinem Electro III habe ich mich nach zwei Jahren schlagartig verabschiedet, als ich die XK-3c angespielt habe; das Nord Stage spiele ich hingegen als E-Piano seit Jahren), möchte ich auf einige grundsätzliche Schwierigkeiten des Vergleichs der SK1 mit Clavia oder anderen Konkurrenten hinweisen: 1) Hammond-Instrumente verfügen über den besten Orgel-Sound auf dem Markt, im Fall der SK1 nicht nur in Bezug auf Hammond-Sounds, das ist nicht verwunderlich, denn schließlich ist die Hammond die „Mutter“ und die Langzeiterfahrung des Herstellers nicht zu toppen 2) die Hammond-Tastaturen sind unvergleichlich hochwertig und vermitteln ein Top-Spielgefühl, v.a. für Orgelsounds, funktionieren aber wie im Fall der SK1 auch bei anschlagdynamischen Sounds sehr gut 3) die Bedienung mit Zugriegeln ist durch Slides auf Plastikknöpfen nicht zu ersetzen – die Bedienung der Clavia-Orgeln ist zwar möglich, macht aber wenig Spaß und hat nichts mit Hammond-Feeling zu tun 4) Hammond ist nun mit seinen „Light-Produkten“ in direkte Clavia-Konkurrenz eingestiegen und liefert meines Erachtens das insgesamt hochwertigere und wertbeständigere Produkt. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, die Sounds durchwegs von sehr guter Qualität. Der Verweis auf klangliche Abstriche im Vergleich zu Workstations, Wurlitzer oder Fender-E-Pianos, B3s oder Steinway-Flügeln sind unsinnig, da sie nicht dem Konzept des Instruments entsprechen. Wer Hammond spielen möchte, sollte dies auf Hammond-Orgeln tun. Wer ab und zu ein paar andere Sounds braucht, ist mit der SK1 bestens bedient und wem die Qualität noch nicht reicht, dem steht über Midi alles von Soundmodul bis Software-Plugin offen. Die Bedienung des Clavia Nord Electro III mit Minidisplay macht nicht wirklich Spaß, denn für abgespeicherte Sample-Sounds muss man sich Zahlen merken – das erinnert an längst vergangene Keyboard-Zeiten. Problematisch ist zudem die Qualität der Samples – wird hier über die Hammond-Qualität lamentiert, dann sollte auch die äußerst durchwachsene Sample-Qualität von Clavia gesprochen werden. So schlechte Brot-und-Butter-Sounds liefert sonst kein Hersteller, schon gar nicht, wenn er unter der Camouflage eines Edel-Produktes rangiert.

  5. Profilbild
    Goofy

    Klingt nicht schlecht die Kiste – aber die ‚Zugriegel‘ sind der gleiche Lacherfolg wie bei Clavia. Wie soll bei so einer Verarsche denn Hammondfeeling aufkommen. Vom Sound her sind beide Kandidaten meiner Meinung nach auf Augenhöhe.
    Bezüglich der Zugriegel lobe ich mir da meine alte Korg CX-3 aus den 80’ern und meine Viscount DB-3. Klar haben die nicht den ‚originalen‘ Hammondsound, aber mit ’ner Gitarren-Multitretmine und dem Roland RT-20 klingen die Kisten auch ganz OK – jedenfalls für mich. Und der Preis für beide war vor ‚Urzeiten‘ einfach zum ‚Zuschlagen‘.

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