Test: Harley Benton Guitar Kit, PRS, E-Gitarre

13. Oktober 2020

Bastelspaß für erfahrene DIYler

Harley Benton Guitar Kit Bild 1

Das Harley Benton Guitar Kit im PRS-Style

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, sich eine E-Gitarre selbst zu bauen? Natürlich wäre dies ein extrem schwieriges Unterfangen, wenn man alle Teile (Korpus, Hals, Elektrik, Hardware etc.) von der Pike selbst anfertigen müsste. Hier setzen die E-Gitarrenbausätze von Harley Benton an, in denen alle benötigten Teile vollständig geliefert werden und man „nur noch“ die Brocken zusammenschrauben muss. Im Angebot des Herstellers sind etliche bekannte Modelle wie Les Paul, SG, ES-335, Telecaster, Stratocaster und auch jene Variante, die wir im heutigen Workshop beim Zusammenbau begleiten werden. Unsere PRS Custom 24 Kopie wäre bei Bedarf auch in einer „non Tremolo-Variante“ zu haben. Die Preise, die für die Bausätze aufgerufen werden, sind tatsächlich erstaunlich gering (von ca. 70 bis 110 Euro), sodass der interessierte „do it yourself-er“ sich mal ein Wochenende Zeit nehmen könnte, um einen Testballon zu starten und das gewünschte Gitarren-Projekt selbst fertigzustellen. Die Lackierung oder Behandlung mit Öl, Wachs, Ballenmattierung etc. muss natürlich selbst vorgenommen werden, da das Holz vollkommen unbehandelt ist.

Die entscheidenden Fragen lauten: Funktioniert diese Geschichte nun zuverlässig und sind die Ergebnisse zufriedenstellend? Dem werden wir heute auf den Grund gehen, damit ihr wisst, was man von einem solchen Kit erwarten darf. Da ich in der Vergangenheit bereits einige DIY-Workshops auf AMAZONA.de veröffentlichen durfte und meine eigenen Gitarren (wenn nötig) unter anderem auch selbst neu bundiere, Modifikationen vornehme und mich mit Gitarren-Elektrik recht gut auskenne, wurde mir dieses Projekt ans Herz gelegt. Es geht los.

Harley Benton Guitar Kit – Facts & Features

Geliefert wird unser PRS-Style Kit in einem relativ kleinen und festen Pappkarton. Inkludiert sind alle für die Gitarre benötigten Teile inklusive Korpus, Hals, zwei Humbucking-Tonabnehmern und einem Vibratosystem mit Messerkantenprinzip, das auf zwei Bolzen gelagert wird. Im Lieferumfang befinden sich auch drei Inbusschlüssel zur Einstellung der Halsspannung, der Höhe der Bolzen und der Saitenreiter und zwei bebilderte Anleitungen (deutsch und englisch), die recht genau die einzelnen Arbeitsschritte dokumentieren. Sogar ein Klinkenkabel (von mäßiger Qualität) ist dabei. Erfreulich ist, dass die komplette Elektrik bereits verlötet ist. Die Tonabnehmer werden mittels kleiner Plastikschuhe zusammengesteckt. Letztendlich braucht man nur einige wenige Werkzeuge, die da wären:

Gute und vor allen Dingen passende Schraubendreher in diversen Größen

Gabelschlüssel diverser Größen oder besser eine Ratsche mit passenden Steckschlüsseln

Gutes Schleifpapier (Körnung 240, 320, 400, 1000, feine Geigenbauerstahlwolle etc.) insbesondere, wenn man das Instrument vorher noch lackieren oder für ein anderes Finish vorbereiten wollte.

So kommt der Bausatz ins Haus:

Harley Benton PRS Karton

Das Harley Benton Guitar Kit – PRS-Style

Öffnet man ihn, kann man die „Brocken“ und die weiteren Teile beäugen:

Harley Benton PRS Bausatz offen

Der geöffnete Karton

Geboten wird eine „PRS Custom 24 Kopie“ die Kopfplatte besitzt die typische „Harley Benton Form“, die bei Bedarf natürlich auch mit einer Stichsäge der Kopfform einer PRS angeglichen werden könnte. Dies sollte dann natürlich zu Beginn passieren, bevor man sich der Montage der Mechaniken widmet. Der Hals wird geschraubt. Sicherlich könnte man, wenn das zusammengebaute Projekt zufriedenstellend funktioniert, den Hals auch nachträglich zusätzlich leimen, wenn man über das geeignete Werkzeug (passende Schraubzwingen, Schraubstock etc.) verfügt. Man sollte damit aber warten, bis man sichergehen kann, dass alles 100%ig passt und gut funktioniert.

Schritt 1 – Hals

Der erste Schritt ist (nach einer Überprüfung der Vollständigkeit der im Handbuch aufgeführten Teile) die Montage der sechs Mechaniken an der Kopfplatte. Dazu werden die Mechaniken eingesetzt und zunächst mit den kleinen Schrauben relativ locker fixiert. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass der exakt passende Schraubendreher zur Verwendung kommt. Hat der Schraubendreher zu viel Spiel, „verkrotzt“ man schnell die Schrauben. Mit der Hand und etwas Gefühl geht dies evtl. sicherer, als wenn man gleich zum Akkuschrauber greift.

Harley Benton PRS Hals 1

Mechaniken teilweise montiert und noch mit blauer abziehbarer Folie geschützt. Der Hals wurde angesetzt, die Schnittstelle befindet sich am ersten Bund.

Das fertige Ergebnis sieht so aus:

Harley Benton PRS, Kopf

Fertige Montage der Mechaniken

Die Verarbeitung des Halses ist mehr als ordentlich. Die 24 Bünde sind recht fett und hoch und wurden frei von Mängeln weiterverarbeitet (entgratet, abgerichtet und poliert). Der Hals besitzt ein angenehmes Profil, ein weißes Binding ziert die Halskanten.

Harley Benton PRS Elektrikfach

Der Hals fühlt sich sehr angenehm an. Das Profil ist weder ein „flacher Flitzefinger“ noch ein „Baseballschläger“ und sicherlich kompatibel mit den Wünschen der großen Mehrheit der Gitarristen. Die Halskanten erforderten noch eine kleine Korrektur. Ich glättete mit einer entsprechenden Feile die Bundkanten, um diese an einigen Stellen von scharfen Kanten zu befreien. Dies war bereits nach einer Minute erledigt.

Schritt 2 – „Hochzeit“

Als Nächstes wird der Hals mit dem Korpus verschraubt. Dies geschieht mittels der Halsplatte aus Chrom und vier fetten Holzschrauben, die sich eher bescheidener Qualität erfreuen. Die Bohrungen der 4-Punkt-Befestigung wurden leider nicht vollständig präzise gebohrt. Auch sind zwei der dafür zum Einsatz kommenden Schrauben zu lang und kommen unterhalb des Hals-Pickups zum Vorschein. Man sieht dies später zwar nicht, aber es störte mich dennoch. Besser zwei der vier dafür vorgesehenen Schrauben vorher absägen oder mit einem Dreml und einer kleinen Flexscheibe auf die benötigte Länge kürzen. Der Hals sitzt aber beim Einsetzen schön straff und hat keinerlei Spiel. Dies ist sicherlich wichtig.

Harley Benton PRS Body

Der Korpus des Harley Benton Guitar Kits im PRS-Style

Schaut man sich den Korpus an, stellt man fest, dass es hier reichlich Möglichkeiten zur Optimierung gäbe. Einige kleinere Unsauberkeiten sind hier zu bemängeln, denn die Halstasche ist nicht gerade optimal gefräst worden. Auch Reste von Klebern sind anzutreffen. Mit etwas Schleifpapier und Geduld könnte man sicherlich ein sauberes Ergebnis erzielen. Das Binding um den Korpus wurde sauber verklebt.

Harley Benton PRS Halstasche

Hier bleibt Raum fürs Nacharbeiten wie das Schleifen und Entfernen der Kleberückstände

Schritt 3 – Bolzen des Vibratosystems

Nach dem Anbringen der „Kralle“ für die Federn des Vibratosystems (in der Federkammer) werden die beiden Bolzen für die Aufhängung des Vibratosytems eingesetzt. Laut mitgelieferter Anleitung sollen diese mit einem Gummihammer eingeschlagen werden. Ich persönlich hätte diesen Arbeitsschritt sicherheitshalber mit einer großen Schraubzwinge erledigt, unter der man zur Vorsorge vor Kratzern auf der Decke noch ein Tuch o. ä. unterlegt. Leider wurden die Bohrungen für die Bolzen minimal zu groß gebohrt, sodass diese ohne jegliche Kraftanstrengung in den Bohrlöchern verschwinden. Beide Bohrlöcher wurden zudem auch noch etwa 2 mm zu tief gebohrt, sodass die Bolzen nicht plan mit dem Korpus abschließen, wie dies laut Anleitung sein sollte.

Also musste nachgebessert werden. Ich legte in jede Bohrung einige Stücke von 2 mm dicken Zahnstochern. Alternativ könnte man sich im Baumarkt auch einen passenden Rundstab aus Holz besorgen und eine schmale „Scheibe“ davon absägen, um sie als Unterlage unter die Bolzen zu legen (kleben), damit diese wieder das gewünschte Niveau erreichen. Von Vorteil wäre sicherlich auch, die Bolzen mit Pattex Stabilit o. ä. einzukleben, damit diese richtig fest in den Löchern sitzen und absolut kein Spiel mehr haben. Ich habe dies genau so gemacht und kann das empfehlen. Ein wackliges oder nicht 100%ig stabiles Vibratosystem wird sicherlich keine gute Stimmstabilität erreichen.

Tipp des Autors:

Klebte man die Hülsen ein, sollte man die Inbusschrauben vorher sicherheitshalber ausdrehen, damit diese nicht mit den Bolzen verkleben. Die Schrauben regulieren ja auch die Position des Vibratosystems, somit auch die Saitenlage, deshalb muss sichergestellt sein, dass diese beweglich bleiben.

Schritt 4 – Vibratosystem installieren

Sitzt die Kralle und die Bolzen des Vibratosystems, kann dieses eingehängt werden. Dann erfolgt das Einsetzen der Federn und Einführen in die kleinen Löcher des Vibratoblocks. Ich installierte zunächst drei Federn, da dies bei meinen Strats mit 0.010er Saiten erfahrungsgemäß gut funktioniert. Sind die Federn eingehängt, erfährt das Vibratosystem eine gewisse Stabilität. Natürlich kippt dieses aber zunächst nach hinten ab, da ja noch keine Saiten aufgezogen wurden, die das Vibratosystem dann letztlich in die Waagrechte bringen sollten.

Schritt 5 – Pickups einbauen

Kommen wir zum Einbau der Tonabnehmer. Diese sind bereits in einen cremefarbigen Rahmen eingesetzt, d. h die kleinen Federn und schmalen Schrauben zum Fixieren des Pickups wurden bereits eingesetzt. Die Bohrlöcher des Rahmens des Steg-Pickups sitzen perfekt, was man vom Hals-Pickup nicht behaupten darf. Leider wurden die Bohrlöcher für den Rahmen des Halstonabnehmers nicht perfekt gebohrt, diese sitzen nämlich allesamt  1-2 mm zu nahe am Hals. Also musste ich den cremefarbigen Rahmen etwas abschleifen, um die Löcher nicht neu zu setzen, was sich bei einem gewünschten Abstand von ca. 1-2 mm sowieso nicht wirklich lösen ließe. Man hätte die Löcher auch mit etwas Holzleim und Zahnstochern zunächst wieder verschließen können, um anschließend neue Löcher zu bohren. Dieser Aufwand schien mir allerdings zu hoch, deswegen schliff ich den Rahmen „halsseitig“ etwas ab und konnte dann die vorhandenen Bohrlöcher nutzen. Hier sieht man den liegenden Rahmen, dessen Bohrbild noch nicht mit den Löchern der Decke übereinstimmt.

Harley Benton PRS PU Rahmen

Wie man sieht, sitzen die vier Bohrlöcher falsch oder der Rahmen ist „zu groß“ und muss etwas schmaler gemacht werden

Ist der Rahmen in der Größe korrigiert, kann dieser nun festgeschraubt werden. Das Kabel mit den Klemmschuhen wird vorher durch die entsprechende Bohrung gesteckt und kommt am Elektrikfach wieder heraus. Sitzen beide Tonabnehmern in ihren Kammern und ist die Elektrik (Potis, Toggleswitch und Buchse) montiert, erhalten wir dieses Zwischenergebnis:

Harley Benton PRS Body fertig

Der Rahmen des Halstonabnehmers wurde etwas abgefeilt, sitzt nun korrekt, wurde aber noch nicht mit dem Korpus verschraubt

Schritt 6 – Elektrik

Die Elektrik ist erfreulicherweise so vorbereitet, dass jegliches Löten obsolet wird. Das wird sicherlich einige von euch erfreuen. Als erstes wird die Buchse in das Loch in der Zarge eingesetzt. Diese sollte auch mit einem Steckschlüssel gut mit der kleinen verchromten Buchsenplatte verschraubt werden. Anschließend werden die beiden Potis und der Toggleswitch montiert. Von oben werden dann die Unterlegscheibe und die Mutter aufgesetzt und fest, aber nicht mit zu viel Gewalt mit dem Korpus verschraubt. Merke: Nach fest kommt ab.

Harley Benton PRS ohne Löten

Elektrik mit Volume- und Tone-Poti, Buchse und 3-Wege-Toggleswitch bereits vorbereitet. Kein Löten erforderlich dank des Stecksystems. Dieses findet mittlerweile häufiger Einzug in die Elektrikfächer mancher Instrumente.

Hat man alles installiert, die Muttern der Potis, des Toggleswitches und der Buchse (besser mit einem Steck- oder Gabelschlüssel) festgezogen, sieht das fertige Elektrikfach dann so aus:

Harley Benton PRS Elektrikfach

Elektrik fertig montiert. Natürlich sollte man die Kanten der Fräsung mit Schleifpapier noch etwas glätten, damit sie sich handschmeichelnd anfühlen.

Das schwarze Erdungskabel muss noch Kontakt mit den Saiten bekommen, deswegen ist letztlich doch ein Lötkontakt (aber wirklich nur einer) erforderlich. Dieses Kabel verläuft vom Elektrikfach durch eine kurze Bohrung in die Federkammer und wird dort auf der Kralle verlötet. Hier sollte auf eine sehr gute Lötverbindung geachtet werden.

Schritt 7 – Finetuning

Sind dann auch die Saiten aufgezogen (die aus dem Niedrigpreissegment stammen), geht es um diverse Einstellungen, die unbedingt erforderlich sind, um das Instrument gut spielbar zu machen und es zur Abgabe eines möglich guten Sounds zu befähigen. Beginnen wir zunächst, das Vibratosystem zu justieren.

Vibratosystem optimal einstellen.

Hier kommt es darauf an, nach dem Saitenaufziehen und Stimmen der Gitarre die Kräfte so auszutarieren, dass die Kraft der Federn in der Federkammer und der Zug der sechs Saiten das Vibratosystem exakt in die Waagrechte zu bekommen. Man kann also mit der Anzahl der Federn oder der Position der Kralle „spielen“, um sich an das optimale Ergebnis heranzutasten.

Höhe der Pickups einstellen

Die Pickups können mithilfe der kleinen Schrauben im Rahmen in der Höhe justiert werden. Ein Abstand von ca. 3 mm zu den Saiten sollte fürs Erste gute Ergebnisse bringen.

Saitenlage einstellen

Mit den beiden Schrauben in den Bolzen und den kleinen Inbusschrauben in den Saitenreitern wird die Höhe der Saitenlage eingestellt. Auch hier muss man sich an ein optimales Ergebnis langsam herantasten. Wird das Ergebnis nicht zufriedenstellend, muss man sich damit anfreunden, zuerst den Sattel vom Gitarrenbauer nachfeilen lassen.

Bundreinheit einstellen

Natürlich muss die Gitarre zunächst auch bundrein eingestellt werden, damit sie in allen Lagen präzise intoniert. Wie das funktioniert, wird hier beschrieben, da mein geschätzter Kollege Stephan Güte diesen Vorgang in einem AMAZONA.de Workshop bereits ausführlich beschrieben hat.

Stimmstabilität

Eine gute Stimmstabilität hängt von einigen Faktoren ab. Das Feilen der Sattelkerben gehört hier an die Poleposition. Da ein befreundeter Gitarrenbauer mir diese Arbeit abnahm, kann ich von einer akzeptablen Stimmstabilität berichten. Die Zweipunktaufhängung erlaubt eine relativ große Auslenkung und somit auch die Möglichkeit, „Divebombs“ vorzunehmen. Ein frisch zusammengebasteltes Instrument muss sich auf jeden Fall erst mal „eingrooven“, egal ob mit oder ohne Vibratosystem.

Ist man mit den Einstellungen und der Stimmstabilität zufrieden, kann als letzten Schritt die Federkammerabdeckumg aus schwarzem Kunststoff mit sechs kleinen Schräubchen festgeschraubt werden.

Handling des fertiggebauten Instruments

Ist alles eingestellt, kann man sich dem Probespiel widmen. Die Gitarre ist mit nur 3,2 kg angenehm leicht und kommt ausgewogen auf den Knien zu liegen. Die Bespielbarkeit ist gut, wenn man sich genügend Zeit für die optimale Einstellung genommen hat.

Das Endergebnis des fertigen Bausatzes könnte dann etwa so aussehen, es fehlen nur noch die Saiten und das Finetuning.

Harley Benton PRS Body fertig

Der fertige Bausatz, noch ohne Saiten

Harley Benton Guitar Kit, PRS Style – Sound

Jetzt mal „Butter bei die Fische“, wie klingt das Teil nun in der Realität? Sicherlich kann man beim Schülerkurs, der für dieses Kit zu berappen ist, keine Wunderdinge erwarten. Die Hoffnung, dieser Bausatz hätte viel mit einer amerikanischen PRS Custom 24 aus der Core Serie gemein, wäre etwas zu blauäugig. Die Einzelteile wie Tonholz, Elektrik und Pickups, Hardware wie Schrauben und Vibratosystem stammen natürlich nicht aus dem „obersten Regal“, dennoch macht das Gerät Spaß und ist auch vernünftig zu bespielen. Vorher sollte man mit dem fertiggestellten Bausatz noch beim Gitarrenbauer vorsprechen, denn die Sattelkerben sind im „Werkszustand“ noch nicht tief genug gefeilt, um eine gute Saitenlage zu erreichen. Dieses Geld sollte man unbedingt noch investieren, denn dann kommt man in den Genuss eines gut zu bespielenden Instruments.

Hören wir uns zunächst die klaren Sounds an:

Der Klang kann sich sicherlich mehr als hören lassen. Verschaffen wir uns kurz noch einen Eindruck über den Hals-Pickup, auch hier darf man mit der Dynamik und dem Klang sicherlich zufrieden sein.

Kommen wir zu den verzerrten Sounds. Hier ist der zweite Kanal meines Peavey Classics und der Steg-Pickup aktiv, die Verzerrung ist etwas heftiger als „crunchy“:

Schließlich hören wir noch einige bluesige Licks des Hals-Pickups:

Reißt man den Amp weit auf, verhalten sich die Tonabnehmer bei verzerrten Sounds mit viel Gain leicht mikrofonisch und neigen zum Pfeifen. Hier könnte ein Wachsbad helfen, wie dies unter anderen auch der gute Eddie Van Halen (der traurigerweise kürzlich verstarb) gerne gemacht hat. Dies ist aber nur von mutigen und behutsamen Bastlern ohne Schaden zu verrichten. Wir werden demnächst einen DIY-Workshop auch zu diesem Thema veröffentlichen.

Zusammenfassend kann man berichten, dass das Endergebnis unseres Workshops zufriedenstellt. Bei einem Projekt wie diesem sollte man auch immer mit einigen unvorhergesehenen Dingen rechnen, aber hier waren keine besonders schwierig zu lösenden Probleme anzutreffen. Es ist sicherlich befriedigend, letztlich ein schönes und gut spielbares Instrument zu erhalten, das man selbst zusammengebastelt hat. Gestalterisch bieten sich natürlich unzählige Möglichkeiten, das Instrument noch weiter zu personalisieren.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Harley Benton Guitar Kit, PRS Stil – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Der Harley Benton Guitar Kit ist eher relativ erfahrenen Bastlern ans Herz zu legen, da es hier und da etwas nachzuarbeiten gibt. Schön ist, dass keinerlei Lötarbeiten mehr notwendig und nur Kleinigkeiten zu „fixen“ sind. Wer gerne bastelt, wird sicherlich viel Spaß an der „PRS Custom 24“ haben, da sie im Ergebnis recht gut klingt und sich auch gut bespielen lässt.

Plus

  • Bastelspaß
  • Sound
  • Preis

Minus

  • Löcher für die Bolzen minimal zu groß und 2 mm zu tief, beide Bolzen haben Spiel
  • Löcher für Hals-Pickup-Rahmen nicht präzise gebohrt
  • Hardware von keiner guten Qualität

Preis

  • ca. 100,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Ian Son  

    Ich habe die Variante ohne Vibrato gekauft und gebaut.
    Die Pickups habe ich durch welche von EMG ersetzt, die Brücke mit einer von Duesenberg und die Mechaniken habe ich auch upgegradet.
    Es ist ein sehr feines Instrument geworden.
    Das einzige, was genervt hat, war die Grundierung auf dem Corpus. Ging schlecht runter und roch nach Tankstelle. Ok, ein Wurmloch war auch drin 😉
    Habe dann Osmo-Landhausfarbe in Anthrazit draufgestrichen in mehreren Lagen. Das hat eine schöne, gleichmäßige Oberfläche ergeben.

    • Profilbild
      Codeman1965  

      Das Schöne an diesen „Billig-Kits“ ist ja, daß man für ’nen schmalen Kurs die Möglichkeit bekommt, sich überhaupt mal mit dem Selbstbau auseinanderzusetzen.
      Nachbearbeitung, so wie Du andere Hardware und Lack draufzugeben usw…

      Wenn’s nicht gut läuft, geht die Welt nicht gleich unter.
      Und wer dann Blut geleckt hat, kann immer noch auf höherwertige Bauteile „upgraden“.

      Von daher haben diese Kits durchaus ihre Daseins-Berechtigung…

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