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Test: Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series, Bassgitarre

Ein Rocker zum schmalen Kurs

21. März 2023

Test: Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series, Bassgitarre

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Der heutige Bass verdient den Namen „moderner Klassiker“ wie kaum ein anderer. Wir haben es hier mit einem echten Verkaufsschlager zu tun und entsprechend wird auch mit dem Slogan „Ein echter Rocker zum schmalen Kurs“ geworben. Das wollen wir uns hier mal etwas genauer anschauen. Kann der Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series das Versprechen halten?

Aufbau und Verarbeitung des Harley Benton MB-4

Die Formgebung des Instrument ist eindeutig der bekannte MusicMan, sowohl Body als auch das Pickguard haben das Design. Lediglich die Kopfplatte ist leicht anders, das fällt aber erst bei einem zweiten, genauerem Blick auf. Der Bass wurde komplett in Schwarz gehalten und matt lackiert, für etwas Farbe sorgen lediglich das rötliche Schlagbrett und die Magneten des Pickups. Hier wird also tendenziell eher die härtere Fraktion angesprochen, wobei ein dunkles Instrument eigentlich auf jeder Bühne edel aussieht. Als Korpusholz wurde Linde verwendet. Dieses Material hat in den letzten Jahren zunehmend Einzug in den Bassbau gefunden als Ersatz für klassische Hölzer wie Erle und Esche. Der Hals besteht aus Ahorn und wurde, ganz wie bei seinem Vorbild, auf den Korpus geschraubt. Als Griffbrett wurde Roceacer verwendet, welches ein wärmebehandeltes Ahorn ist. Diesem wurde durch ein thermisches Verfahren der Wassergehalt entzogen, um es stabiler zu machen, gleichzeitig entsteht damit eine dunkle Farbe, welche an Palisander erinnert. Aus den beiden englischen Begriffen Acer für Ahorn und Rosewood für Palisander ist dann die Wortschöpfung Roceacer entstanden. Die Hardware kommt ebenso aus dem Hause Benton und ist, passend zur Lackierung, natürlich auch komplett schwarz.

Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series
Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series
Kundenbewertung:
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Test: Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series, Bassgitarre

Die Verarbeitung des MB-4 möchte ich als durchweg solide und gut bezeichnen. Die Bünde sitzen sauber, ein paar minimale scharfe Kanten sind zu erfühlen, aber nichts, was das Spielen beeinträchtigt. Die Mechaniken laufen leichtgängig und halten die Stimmung, die Regler sitzen gerade und auch bei der Ausrichtung des Sattels zu Saiten, Pickup und Bridge konnte ich keine Umstimmigkeit feststellen. Der Hals ist superfest mit dem Body verschraubt und weist keinen Spalt auf, das passt also alles. Die schwarz-matte Lackierung fühlt sich auch durchweg sauber und fein unter den Finger an, ich finde keine Nasen oder ungleichmäßig gearbeitete Stellen – etwas, das ich schon bei weitaus teureren Instrumenten gefunden habe. Überhaupt fühlt sich der Harley Benton hochwertiger an, als sein Preis es vermuten lässt – und das ist immer ein gutes Zeichen!

Das Spielgefühl auf dem Harley Benton MB-4

Schon beim ersten Anspielen wird klar: Dieser Bass verträgt einiges. Die Saitenlage ist gut einstellbar, superflach ist jedoch nicht ohne ein leichtes Schnarren möglich. Nach etwas Justieren von Halsstab und Saitenreiter hatte ich aber schnell eine gesunde Höhe gefunden, welche sich immer noch angenehm bespielen lässt, aber auch dazu einlädt, etwas härter in die Saiten zu langen. Der Hals hat ein typisches D-Profil und liegt sofort gut in der Hand, hier ist man auf vertrauten Pfaden unterwegs. Im Sitzen wie am Gurt weist der Harley Benton MB-4 keine besondere Kopflastigkeit aus, überhaupt fühlt er sich so an, wie man es von einem MusicMan erwartet und stellenweise habe ich beim Spielen vergessen, dass es sich nicht um das Original handelt.

Test: Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series, Bassgitarre

Das Shaping des Halses ist vor allem für die tiefen Lagen ausgelegt. Hier schmiegt sich der Daumen der Greifhand perfekt an das Holz an, womit man alle Saiten wunderbar erreichen kann. Dies funktioniert auch noch in den mittleren Lagen sehr gut, erst ab dem 12. Bund wird es etwas schwieriger. Das hat zu einem mit dem doch recht kantigem Übergang zwischen Hals und Body zu tun, was aber durch die Bauart bedingt und beim Original nicht anders ist. Dazu ist das untere Horn schnell da und behindert den Zugang zu den hohen Bünden. Als einen Schwachpunkt würde ich das trotzdem nicht bezeichnen, es wurde sich hier einfach an die originale Vorlage gehalten.

Der Grundsound des Basses ist hell und knackig mit viel Attack. Das Instrument schwingt gut durch und entwickelt richtig Punch, ja er pumpt eigentlich aus allen Poren. Das hängt aber natürlich auch mit der Saitenlage und dem Gesamt-Setup zusammen. Für mich spricht dieses Instrument aber die Sprache des Rock und sofort erscheinen mir Bilder, wie ich zur Bandprobe komme, die beiden Gitarristen stolz ihre Türme aus Boxen präsentieren, ich nur lächele und mit dieser Waffe an Bass (und natürlich einem adäquaten Amp) locker dagegen halte. Dem gesunden Attack mischt sich eine gehörige Portion Growl hinzu, welche typisch für Bässe mit Hals und Griffbrett aus Ahorn sind. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass Linde und Ahorn ganz gut zusammenpassen und sich irgendwie in der Mitte treffen. Der Bass klingt spritzig und reich an Obertönen, verliert dabei aber auch nie an Tiefe im Sound. Eine gelungene Kombination!

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Harley Benton MB-4 – Klangbeispiele

Der originale Musicman von Leo Fender war damals einer der ersten in Serie hergestellten aktiven Bässe. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass unser Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series genauso ausgestattet ist, jedoch verbirgt sich der Teufel im Detail. So wurde auf eine aktive Elektronik zugunsten einer Volume/Volume/Tone-Schaltung verzichtet. Man kann also die beiden Spulen im Gehäuse einzeln anwählen und mischen, mit der Höhenblende dann noch entsprechend seinen Sound formen. Eine tolle Idee, um einem passiven Bass mit einem Pickup eine gewisse Flexibilität zu geben.

Hören wir zu Beginn mal in die Grundsounds rein. Folgender kleiner Lick ist mit offener Tonblende in 3 Variationen zu hören. Eimal nur die vordere Spule, einmal die hintere und beide zusammen.

Eindeutig zu hören ist der growlige Grundcharakter, welcher auch durch den Pickup gut übertragen wird. Während die vordere Spule ein wenig mehr in den Mitten schmatzt, bringt die hintere einen knackigeren Ton hervor. Die Unterschiede sind minimal, aber hörbar. Wahnsinn, was so wenige Zentimeter bereits ausmachen. Beide zusammen klingen druckvoll mit leichtem Cut in den oberen Mitten, ohne dass bestimmte Frequenzen überbetont werden. Ich bin begeistert und kann mich mit allen drei Sounds anfreunden. Der Bass behält seinen Charakter und wird minimal in eine Richtung gefärbt, ein tolles Konzept.

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Bringen wir nun mal die Tonblende ins Spiel. Diese greift gut in den Sound ein, weswegen man sie mit etwas Fingerspitzengefühl bedienen sollte. Allerdings lässt sie damit auch viele Variationen zu, hier mal ein grooviges Lick mit geschlossener Blende bei den drei Sounds.

Die Unterschiede zwischen der vorderen und der hinteren Spulen sind bei geschlossener Tonblende nicht mehr so stark ausgeprägt wie zuvor. Klar hört man die unterschiedlichen Anteile der Obertonfrequenzen, ich nehme die Spule Richtung Hals als voller im Ton wahr. Beide Pickups zusammen wiederum sind deutlich druckvoller und knorziger mit nun richtig hervorkommenden Mitten. Generell verliert der Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series nicht so viele Höhen wie andere Bässe, trotz der vollständig geschlossenen Blende bleibt ein gewisser Anteil im Sound vorhanden, was sehr nützlich in der Band ist.

Da wir es hier ja mit einem Rockbass zu tun haben, darf das Plektrum nicht fehlen. Hier finde ich eine Einstellung mit halb offener Tonblende sehr passend, also mit genug scharfen Höhen durch das Pick, die jedoch etwas in Zaum gehalten werden.

Und hier blüht der Bass auf! Auch wenn die vorherigen Sounds mit Fingern natürlich schon ganz gut waren, so hört man hier doch nochmal eine deutliche Steigerung. Das Setup, der Pickup, die Frequenzen, all das passt perfekt zur Spielart mit dem Plektrum. Der Bass röhrt richtig, die Nuancen zwischen den Pickups kommen perfekt durch, ich bin richtig begeistert. Hier hat Harley Benton sein Versprechen gehalten, das ist ein richtiger Rocker, der Spaß macht!

Die coolen Sounds mit dem Plektrum haben mich richtig euphorisch gemacht, so dass ich den Bass noch mal durch ein paar Tube-Amps jagen muss. So habe ich hier unter anderem den wunderbarer Studio Bass Amp des leider verstorbenen Thomas Reußenzehn stehen. Der kleine Käfig ist ein Nachbau des legendären Fender Bassman und extra für das Studio konzipiert. Zwei getrennte Ausgänge mit jeweils Vor- und Endstufenröhre und die Möglichkeit, ihn ohne Box laufen zu lassen, machen ihn zu einer wirklich tollen Waffe für Aufnahmen und besonders zu der unser Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series richtig schön passt. Zum Abschluss ein klein wenig Rock’n’Roll, so wie es sich für solch einen Bass gehört!

Test: Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series, Bassgitarre

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Fazit

Hier wurde gehalten, was versprochen wurde! Der Harley Benton MB-4 SBK Deluxe Series ist ein richtig tolles Rockbass für einen sehr ansprechenden Preis. Eine solide Verarbeitung, eine coole Optik, ein klassisches Spielgefühl und ein wirklich toller Sound, was will man mehr?

Plus

  • coole Optik
  • nahe am Original
  • ausgeklügelte Schaltung

Preis

  • 139,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    calvato

    Verrückt, was man heutzutage für 140€ bekommt!!
    Der Sound ist ja viel knackiger als erwartet und vor allem mit dem Reussenzehn ziemlich nah am Original. Da komme ich doch glatt in´s grübeln, ob ich nicht einfach mal die 5er-Version als Fünft-oder Sechst-Bass nach Hause hole…. :D

    • Profilbild
      a.baykal

      @calvato Ich habe auch gerade gezuckt und musste einem spontanen G.A.S. Anfall widerstehen. Als mir in den Sinn kam, daß ich hier schon ein Dutzend Bässe herum stehen habe, hat die Vernunft, zumindest vorläufig, gesiegt. 🥴😂

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