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Test: Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG, Bassgitarre

Ein Shortscale für alle Fälle!

7. Februar 2023

Test: Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG, Bassgitarre

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Wir schreiben das Jahr 1966. Der Fender Precision Bass wie der Jazz Bass haben sich innerhalb eines Jahrzehnts einen festen Platz in der Musikindustrie erarbeitet. Firmengründer Leo Fender hat sein Unternehmen bereits verkauft, wirkte jedoch weiterhin als Berater mit, um ein neues Modell zu entwickeln. Ziel war es, ein gutes Instrument für Einsteiger zu entwerfen, preislich günstiger als seine großen Brüder und mit einer verkürzten Mensur auch verstärkt das junge Publikum anzusprechen. Heraus kam der Fender Mustang Bass, ein an den Preci angelehnter Bass, der schnell Kultstatus unter den Bassisten erlagen sollte. Bill Wyman von den Rolling Stones oder Alan Lancaster von Status Quo machten dieses Instrument populär und beliebt, was sich bis heute nicht geändert hat.

Aufbau und Verarbeitung der Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG

Unser Testinstrument ist ein Nachbau des legendären Fender Mustang Basses. Harley Benton gehört zu den beliebtesten Marken im Einsteiger-Segment und dürfte, was Preis-Leistung angeht, nahezu unschlagbar sein. Die Deluxe-Serie hebt sich innerhalb der Produktlinien nochmals von den anderen Bässen ab und kann mit einigen tollen Feautures aufwarten. Unser Instrument hört auf den Namen MV-40 und weist die typischen Merkmale des Mustangs auf: eine an das Original angelehnte Form, die kurze Mensur und eine klassische Vintage-Optik. Letzteres stach mit beim Auspacken des Basses sofort ins Auge und ließ mich schmunzeln. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meinen Fender Deluxe Preci neu lackieren lassen in genau der gleichen Farbkombination wie der MV-40. Das Surf Green sieht in Kobination mit dem Pickguard samt weißem Binding einfach nur scharf aus!

Test: Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG

Zwei Brüder beisammen: Der Harley Benton MV40 und mein Fender Custom Deluxe!

Die verwendeten Hölzer sind eine Kombination aus klassischen Elementen und neuen Einflüssen. Wie beim Original wurde Erle für den Korpus und Ahorn, um genau zu sein kanadischer Bergahorn, für den Hals verwendet. Das Griffbrett aus Lorbeere ist etwas Neues, sieht optisch aber dem Palisander nicht unähnlich. Als Pickups finden wir einen Precision Bass Splitcoil und einen Jazzbass Singlecoil der Firma Roswell. Hochwertige Mechaniken von Gotoh an Kopfplatte und Bridge runden das stimmige Gesamtbild ab.

Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG
Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG
Kundenbewertung:
(4)

Die Verarbeitung ist durchweg gut. Der Hals sitzt super in der Tasche, die Bünde passen alle, es sind keine scharfen Kanten zu finden. Die Bridge sitzt perfekt in der Linie zum Hals, alle Mechaniken laufen leichtgängig und halten die Stimmung. Auch die Lackierung wurde tadellos ausgeführt, Nasen sind nicht zu finden und die Farbe wirkt je nach Lichteinfall heller oder dunkler. Was hier für den geringen Preis geboten wird, ist wirklich beeindruckend.

Test: Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG

Bespielbarkeit der Harley Benton Bassgitarre

Ein Shortscale zeichnet sich durch eine kleine Mensur aus, also einer geringeren schwingenden Saitenlänge. In der Praxis macht es das Instrument kleiner, den Hals kürzer und lässt die Bünde enger zusammenrücken. Unser Harley Benton MV-4 hat einer 30er-Mensur, was genau 762 mm sind. Den Unterschied zum einem klassischen Longscale mit 34er-Mensur merkt man sofort. Der Bass ist wunderbar klein und kompakt zu spielen, was vor allem für die linke Hand sehr entspannend ist. Läufe und Licks kommen fast von alleine, in den hohen Registern ab dem 12. Bund muss man schon aufpassen, nicht zwei Bünde auf einmal zu erwischen. An die geringeren Abstände hat man sich aber schnell gewöhnt und entsprechend Spaß macht es, über das Griffbrett zu flitzen. Einen großen Anteil daran hat der für diese Preisklasse außergewöhnliche tolle Hals. Das D-Profil schmiegt sich perfekt an den Handrücken an, man spürt das Holz unterm Daumen und hat das Gefühl, dass die Hand förmlich ans Griffbrett gezogen wird. Ich bin in diesem Thema ja sehr verwöhnt, da ich einige tolle Bässe zu Hause habe, welche bei mir im Profi-Alltag auch gut zum Einsatz kommen. In diesem Punkt braucht sich der Harley Benton aber nicht vor den fast zwanzig mal so teuren Bässen zu verstecken, ich bin extrem begeistert.

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Der kleine Body hängt ohne besondere Kopflastigkeit ebenso angenehm am Körper. Das etwas engere Stringspacing lässt sich gut spielen und schnell hat man sich an das Instrument gewöhnt. Die Saitenlage war von Werk aus sehr gut eingestellt, nicht super flach, aber tief genug, um ohne Aufwand greifen zu können. Für Fingerstyle und Plektrum quasi ideal, lediglich das Slapping funktioniert hier nur bedingt, auch ist die old-school Fingerstütze im Weg. Allerdings ist solch ein Bass auch definitiv nicht für solch eine Technik ausgelegt, daher kann man ihm das nur bedingt ankreiden. Insgesamt lässt sich der Harley Benton MV-4 gut bespielen und fühlt sich weitaus hochwertiger an als sein eigentlicher Preis.

Sound der günstigen Fender Mustang Kopie

Trocken angespielt hört man sofort bekannte Klänge. Erle, Ahorn und Rosewood ist die wohl am häufigsten verbaute Kombination an Hölzer und unser Griffbrett aus Lorbeer kommt dem sehr nahe. Ein gesunder Attack mischt sich mit Tiefmitten und einer leicht nasalen Note, die wohl etwas zur Mensur gehören, aber auch von den nagelneuen D’Addario EXL kommen kann. Eine kurze Mensur sorgt für mehr Punch und Druck im Anschlag, der wiederum aber auch schnell beim Ausklingen verschwindet. Diesen speziellen Sound muss man mögen, er kann in der Band Vor- und Nachteile haben, aber das weiß man in der Regal ja vorher, wenn man sich für einen Shortscale entscheidet. Unser MV-40 klingt in jedem Fall wie ein typischer Vertreter seiner Art und schwingt über alle Lagen und Register gut durch, ohne dabei eklatante Deadspots aufzuweisen.

Direkt ins Interface gespielt, bekommt das Instrument eine neue, scharfe Note, welche auf die verwendeten Pickups zurückzuführen ist. Schade, das passt eigentlich nicht zum Bass, hier hätte ich mir mehr Tiefe und Wärme im Ton gewünscht. Da man diese auch nicht einzeln anwählen kann, haben wir zusätzlich immer die spezielle Charakteristik der P/J-Kombination am Start. Hier fehlt mir ein wenig klangliche Vielfalt, auf Anfrage bei Harley Benton versprach man mir, einen 3-Wege-Schalter in der nächsten Charge nachzurüsten. Wie dem auch sei, aktuell besteht nur die Möglichkeit, mit der Tonblende den Klang zu formen, hier ein paar Beispiele in verschiedenen Einstellungen:

Auf solch einen Bass gehören für mich ja eigentlich Flatwounds. Diese konnte ich aber leider nicht auf die Schnelle aufziehen, allerdings habe ich das Instrument mal durch verschiedene Preamps gejagt und geschaut, was man noch so alles herausholen kann. Eine tolle Kombination habe ich mit dem Tube-Preamp Goliath von WRA und der MP-40 von Tech21 gefunden, welchen ich hier auch schon getestet habe. Die Kompression der Röhre nimmt die scharfen Frequenzen des Pickups, der leichte Overdrive tut dem Gesamtsound gut und schon sind wir in den 60ern angekommen.

Test: Harley Benton MV-4MSB Gotoh SFG

Ausblick

Auch nach dem Test lässt mich der Harley Benton MV-40 gedanklich nicht los. Eine grandiose Optik, eine gute Verarbeitung und tolle Bespielbarkeit machen diesen Bass wirklich interessant, auch für mich als Profi. Jedoch ist der Sound nicht das, was ich von einem Shortscale Mustang Style erwarte, der Bass klingt auf seine Art gut, aber ist irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch. Wer jedoch Zeit und Muße hat, etwas zu basteln (und natürlich auch was investieren möchte), könnte einiges mehr herausholen. So bräuchte das Instrument einen neuen Satz Pickups wie z. B. diese hier. Dazu einen 3-Wege-Schalter mit beliebigem Einbau auf dem Pickguard. Natürlich darf ein Satz Flatwounds für Shortscale Bässe nicht fehlen, das könnte dann solch ein Satz LaBella sein. Natürlich würde man hier mehr als die Summe des Instruments investieren, allerdings darf man solch eine Sache dann auch nicht ganz wirtschaftlich sehen, sondern auch als Projekt, das Spaß macht. Und wenn dann ein Instrument herauskommt, das klanglich hohen Ansprüchen genügt, kommt man unterm Strich immer noch deutlich günstiger weg, als mit einem hochpreisigen Mustang Modell. Letzten Endes sind das aber alles nur Spielereien, wer einen guten und günstigen Shortscale Bass sucht, macht mit dem Harley Benton MV-40 definitiv alles richtig.

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Fazit

Hier gibt es viel Bass für wenig Geld. Mit der neuen Serie aus dem Hause Harley Benton werden Maßstäbe gesetzt, was Preis/Leistung angeht. Der MV-4 ist ein klasse Shortscale Bass mit toller Optik, guter Bespielbarkeit und einem brauchbaren Sound für einen unverschämt günstigen Preis. Wer etwas Zeit und Muße für ein paar Modifikationen mitbringt, kann hier noch viel mehr herausholen. Aber auch ohne weitere Arbeiten macht dieses Instrument viel Spaß und bereichert jede Bass-Sammlung.

Plus

  • tolle Vintage-Style-Optik
  • gute Verarbeitung
  • schöner Hals
  • hochwertige Bauteile

Minus

  • Pickups nicht getrennt anwählbar

Preis

  • 229,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    sartus

    Moin, mich würde interessieren wie sich dieser Bass zum CLASSIC VIBE ’60S MUSTANG von Squier verhält. HB macht ja durchaus gute Instrumente von denen ich auch ein Paar besitze, jedoch habe ich die Erfahrung gemacht das ich bei den etwas besseren Squiers etwas mehr für mein Geld bekomme.

  2. Profilbild
    janschneider

    Da hier in den HB-Tests des öfteren die gute Verarbeitung der Instrumente lobend erwähnt wird u d ich diesbezüglich schon andere Erfahrungen gemacht habe (u.a. eine Akustikgitarre, die eigentlich einen Neck-Reset gebraucht hätte, um eine halbwegs akzeptable Saitenlage zu erreichen): Kann es sein, dass ihr Tester da besonders ausgewählte und vielleicht auch mit extra Aufwand eingestellte Testexemplare erhaltet? (Was natürlich nicht unbedingt HB-spezifisch sein muss, das kann natürlich immer sein, wenn zB ein Vertrieb weiß, dass ein Instrument für einen Test bestimmt ist…)

    • Profilbild
      Sven Blau AHU

      @janschneider Die Vermutung habe ich auch schon länger. Alle HB-Gitarren, die ich bisher in den Händen hielt, waren allesamt miserabel im Werkssetting, Verarbeitung war auch keinesfalls immer top.

      Mit zB Squier habe solche Erfahrungen nicht gemacht.

      Zum Test: Ich finde diese Kopie in vielen Details einfach nicht gelungen, das fängt vom Design an und hört beim Sound auf. Für nur wenig mehr greif ich da lieber zu nem Squier Mustang Bass, da hab ich wenigstens das Originaldesign. Ein paar Investitionen sind aber auch dort sicher nötig.

      • Profilbild
        lambik

        @Sven Blau „Für nur wenig mehr greif ich da lieber zu nem Squier Mustang Bass, da hab ich wenigstens das Originaldesign.“ Genau! Ich finde zum Mustang Bass gehört der kleine Splitpickup.

        Selbst bei Fender gibt es einige Mustangmodelle mit P/J-Pickupkombination, was ich immer ein wenig „strange“ finde. Die haben aber wenigstens einen 3-Weg-Schalter. Wie kommt man denn auf die Idee, einen Bass mit zwei Pickups auszustatten, ohne die Möglichkeit zu haben, diese separat oder in Kombi oder zumindestens per Poti blendbar zu machen ?? Naja, soll ja ggf. bei der nächsten Charge kommen.

      • Profilbild
        janschneider

        @Sven Blau Nun ja, ich hatte auch mal eine Squier zum testen, den habe ich auch wieder zurück gegeben, weil die Bünde am hals ziemlich überstanden und unangenehm scharfkantig waren. Kann also auch passieren.
        Ich bin ja durchaus Fan von den Sire Bässen (die ja hier auch des öfteren hoch gelobt wurden). Ausstattung und insbesondere Verarbeitung imho über dem Preisniveau. Natürlich aber auch nicht für 230€ zu haben. Alles für nix geht halt nicht.

  3. Profilbild
    Windrat

    Sicher nicht der schickste Bass der Welt. Als Bastelgrundlage aber sehr interessant – gerade um den ein oder anderen Pickup auszuprobieren.

  4. Profilbild
    Naris Sebastian Stolz RED

    Ob die Testinstrumente vom Hersteller oder Vertrieb gesondert eingestellt werden, kann ich leider nicht sagen. Ausschließen würde ich es nicht, ich denke es ist nur natürlich das man versucht sein Produkt in einem gutem Licht zu präsentieren. Und wenn es bei einem Instrument machbar ist, dann geht es auch bei anderen mit ein wenig Zeit und Arbeit.

    Ich denke hier ist auch der Knackpunkt zu suchen: In der Preisklasse müssen Abstriche gemacht werden und die können je nach Instrument kleiner oder größer sein. Ob man weniger Streuung bei Squier ht würde ich bezweifeln, die Mehrkosten im Unterschied zum Nachbau von Harley Benton, Sire, etc… kommen eher durch die Lizenz zustande.

    Grüße Sebastian

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