Test: Harley Benton SC-Custom Active WH, E-Gitarre

26. Juni 2018

In Weiß und ganz schön heiß!

 Harley Benton SC-Custom Active titel

Heute richten wir unseren Blick mal auf das untere Ende der Preisskala bzw. auf den Markt der Einsteigerinstrumente und werfen einen Blick hinüber zum Musikhaus Thomann und deren Eigenmarke Harley Benton. Unentwegt lassen die „Thomänner“ unter diesem Label in Fernost Musikequipment produzieren und darunter gibt es wohl nichts, was es nicht gibt. Egal, ob PA-Anlagen, Mikrofone, Netzteile, Stimmgeräte, Pflegemittel, Ukulelen, Effektgeräte, Verstärker oder Bässe und Gitarren – das Sortiment hält fast alles für den Musiker bereit, der jeden Cent vor dem Ausgeben schon zweimal umdrehen muss. Oder aber für den Einsteiger, dessen erstes musikalisches Abenteuer möglichst nicht in einem finanziellen Fiasko enden soll. Nun erreicht unsere Redaktion mit der Harley Benton SC-Custom Active wieder mal einer dieser „Preisbrecher mit sechs Saiten“, bereit für einen genauen Check. Legen wir gleich los!

Harley Benton SC-Custom Active Front

Harley Benton SC-Custom Active – Facts & Features

Einige Stratkopien der Thomann-Hausmarke haben wir ja bereits getestet, von daher ist es heute mal wieder an der Zeit, sich ein Singlecut-Modell vorzunehmen. Grob gesagt könnte man bei der Form des Korpus der SC-Custom Active schon von einer Les-Paul-Kopie sprechen, allerdings wirkt das Design doch deutlich frischer als die der traditionellen Paula, so wie man sie kennt. Wer jetzt glaubt, schon auf den ersten Blick bei einer derart günstigen Gitarre (für unser Testmodell werden schlappe 229,- Euro aufgerufen) offensichtliche Mängel sofort zu erkennen, der sieht sich ganz schnell getäuscht. Abgesehen von winzigen Schleifspuren am Hals-Korpus-Übergang wurde die weiße Hochglanzlackierung vorne und hinten absolut sauber auf den Mahagonikorpus aufgetragen und zugleich mit einem cremefarbenen Binding auf der Decke eingefasst. Das Finish unseres Testinstruments ist schlicht und einfach weiß, vom Hersteller als „WH“ in der Produktbezeichnung benannt, erhältlich ist das Instrument aber auch in Schwarz bei identischer Ausstattung.

Überraschend gute Verarbeitung!

Das Binding setzt sich auch an den Rändern des Griffbretts fort und umschließt sogar die Kopfplatte, deren Design mittlerweile sehr ausgewachsen erscheint: Früher wirkten die Kopfplatten der Harley Benton E-Gitarren eher so wie die von Westerngitarren, doch das hat sich nun ganz offensichtlich zugunsten eines sehr modernen Designs geändert. Die dunkle Farbe sowie die Struktur des Griffbretts könnte darauf schließen lassen, dass hier Palisander verwendet wurde. Aber nein, der Hersteller hält sich hier natürlich an die Vorgaben des Artenschutzabkommens CITES und verwendet ein wärmebehandeltes Ahorn als Basis für die 22 Bünde, die nicht nur für ein Instrument dieser Preisklasse hervorragend eingesetzt und an ihren Kanten abgerichtet wurden. Es sind selbstverständlich Bünde im Jumbo-Format, deren Oberflächen zudem perfekt poliert wurden und es von daher ohne schabende Geräusche von Anfang an zur Sache gehen kann.

Fette Trapez-Inlays aus Perlmutt dienen zur Orientierung auf dem Griffbrett – und natürlich auch ein wenig als Show. Die Qualität von „Mother-of-Pearl-Inlays“ sollte man an dieser Stelle jetzt nicht gerade erwarten, aber das gebotene Geglitzer geht so schon durchaus in Ordnung. Viel wichtiger als die optischen Finessen ist da noch die Qualität des 42 mm breiten Sattels zu bewerten – auch hier alles bestens, nichts steht über oder behindert die Greifhand irgendwie beim Bespielen der tiefsten Lagen. Erwähnt werden sollte noch, dass der Sattel nicht nur sauber für jede Saite gefeilt wurde, sondern auch aus Grafit besteht und somit gegen eines der Hauptprobleme in Bezug auf die Stimmstabilität einer Gitarre an dieser Stelle schon mal vorgegangen wurde.

Doch das ist noch nicht alles, denn zur weiteren guten Stimmung der Gitarre tragen ganz sicher die sechs Mechaniken bei, die kein Geringerer als Grover für die SC-Custom Active beisteuert! Wenn man überlegt, welche Qualität die Mitbewerber in dieser Preisklasse zum Teil abliefern, dann kann man wieder nur staunen und sich wundern, wie die Thomänner so etwas für diesen Preis zur Hölle hinbekommen! Die Tuner arbeiten reibungslos, während der Testdauer gab es überhaupt keine Probleme mit der Stimmung der Gitarre, und wenn mal etwas korrigiert werden musste, dann in kleinem Rahmen und ziemlich stressfrei, denn alle sechs Mechaniken laufen sauber und ohne Aussetzer auf ihren Achsen.

Harley Benton SC-Custom Active Grover Tuner

— Da sitzen doch tatsächlich Grover-Tuner an der Kopfplatte! —

Den übrigen Teil der Hardware bilden der Steg und das Tailpiece, in das die Saiten eingefädelt werden. Beide Bauteile wurden, wie die komplette Hardware der Harley Benton SC-Custom Active, schwarz lackiert. Dazu gehören die Mechaniken genau so wie auch die mitgelieferten Security-Locks, mit denen der Gurt und die Gitarre eine fast unlösbare Verbindung eingehen.

Harley Benton SC-Custom Active – Elektronik

Der Name in der Produktbezeichnung verrät es bereits: Bei unserer Testgitarre haben wir es mit einem Modell mit aktiver Pickup-Bestückung zu tun. Der Hersteller verwendet schon länger u.a. Pickups bzw. Elektronik von Roswell, einer noch jungen Firma mit Fokus auf die Ausrüstung von Low-Budget-Instrumenten, aus deren Bereich unser Testinstrument mit seinen knapp über 200,- Euro Verkaufspreis ja zweifelsfrei stammt. Zwei aktive Humbucker von Roswell sitzen also an Steg und Hals, angesteuert über einen Dreiwegeschalter und geregelt über separate Volume- und ein gemeinsames Tone-Poti. Das Reglertrio macht einen soliden Eindruck und durch die aufgesteckten Metallknöpfe sind alle drei schnell und sicher zu greifen. Der Dreiwegeschalter kann da in Sachen Qualität nicht ganz mithalten, ich habe in dieser Preisklasse aber schon ganz andere Kandidaten erlebt. Und sollte er dennoch mal zu Bruch gehen – die Zubehörindustrie freut sich über Umsatz und bietet für wenig Geld gleichwertigen oder auf Wunsch auch besseren Ersatz.

Gespeist wird die Elektronik über einen 9-Volt-Block, der auf der Rückseite in einem Fach mit Schnellverschluss seinen Platz gefunden hat. Dieses Fach ist zugleich das Einzige, das nicht versenkt im Holz eingesetzt wurde. Die beiden anderen, der Zugang zum Elektronikfach und das für den Dreiwegeschalter, besitzen hingegen eine versenkt eingesetzte Abdeckung aus Kunststoff. Dieses kleine „Komfortminus“ wird jedoch durch die hintere Fräsung des Cutaways und die so beliebte „Bierbauchfräsung“ locker wieder wettgemacht. Das zeigt die Praxis – und dazu kommen wir ab der nächsten Seite.

Harley Benton SC-Custom Active rear

— Harley Benton SC-Custom Active Rückseite —

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wer braucht denn clean Klang? Geiles Brett! Könnte mich zur unvernünftigen Verhalten verführen. Hab aber schon zu viel Klampfen. Trotz geiles Ding!

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wird die in Südkorea gebaut? Dann kaufe ich sie heute nicht! ;-)

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      Codeman1965  

      Wäre aber schön:
      Dann würden wir sie vielleicht mit ’nem „Mitleids-Abschlag“ für ’nen Hunni kriegen… :-)
      Ansonsten scheint das ein recht annehmbarer Prügel zu sein, obwohl HB schon wesentlich schickere Lackierungen angeboten hat…

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