Test: IK Multimedia iRig Stream, mobiles Audiointerface

26. Oktober 2020

Kleines Gadget zum Streamen und Digitalisieren

test ik multimedia oRig Stream Aufmacher

IK Multimedia iRig Stream, mobiles Audiointerface

Der italienische Hersteller IK Multimedia stellt inzwischen alles her, was irgendwie mit der Musikproduktion zu tun hat und ist bei uns ein gern gesehener Gast, zumal auch Synthesizer zum Portfolio gehören. Mit am umfassendsten ist sicher die iRig-Serie, die nicht nur bei der Schreibweise auf iDevices hindeutet, sondern alles Mögliche an Zubehör für mobile Gadgets umfasst, ob Keyboards, Mic-Preamps, mobile Gitarrenverstärker oder Mikrofone, es gibt eigentlich für so ziemlich jede Anwendung einen Helfer.

Mit dem iRig Stream gesellt sich ein weiteres Audiointerface hinzu, das beispielsweise auch zum Digitalisieren von Kassetten oder Schallplatten genutzt werden kann und nicht nur das. Schauen wir uns doch mal an, was das iRig Stream so alles drauf hat.

iRig Stream Anwendungsbeispiel

Das IK Multimedia iRig Stream im Überblick

Die optisch ansprechende Verkaufsverpackung enthält das Interface selbst und drei Anschlusskabel für USB Typ-A, Typ-C und Lightning von je 60 cm Länge, so dass es an allem gängigen Equipment direkten Anschluss findet. Das Netzteil PSU 3A ist optional erhältlich und mit 46,- Euro zwar kein Schnäppchen, sorgt aber für ausreichend Strom und lädt das angeschlossene Smartphone oder Tablet gleich mit. Für den Betrieb ist es nicht erforderlich, sorgt aber bei längeren Gigs für eine gewisse Betriebssicherheit. Ansonsten gibt es die kostenlosen Apps iRig Recorder LE für iOS und iRig Recorder 3 für Android dazu. Allerdings werden nur die Grundfunktionen freigeschaltet, alternativ dazu lässt sich natürlich auch die Lieblings-App der Wahl verwenden.

iRig Stream Box

Das Kunststoffgehäuse des auf Line-Zuspieler ausgerichteten Spezialisten ist mit 65 Gramm extrem leicht und 105,5 mm lang, 65,5 mm breit und 44,5 mm dick. Rein gar nicht gefällt mir die Soft-Touch-Oberfläche, ein aus Erfahrung wirkliches Ärgernis. Nach Jahren kann es passieren, dass sich die Weichmacher verflüssigen und man dann ein klebriges Ereignis vorfindet, der Effekt lässt sich durch regelmäßig feuchtes Abwischen noch beschleunigen. Es gibt von diesen Beschichtungen zwar verschiedene und auch welche, die nach Jahren noch in gutem Zustand sind, aber leider wurde ich diesbezüglich häufig enttäuscht. Ein Beispiel ist die Akai MPC Renaissance, deren Seitenteile irgendwann nur noch kleben. Ob es dem iRig Stream ähnlich ergehen könnte, lässt sich bei einem Test zwar nicht feststellen, dazu müsste man es über Wochen in einem verrauchten, schummrigen Club lagern. Tipp: Das Aufbewahren in einer luftdicht verschlossenen Kunststoffdose wird voraussichtlich die Freude am iRig Stream erhalten.

Ebenfalls nicht ganz so schön ist der Mini-DIN-Anschluss, auch als PS/2-Stecker bekannt, der die Anschlusskabel an der Hinterseite aufnimmt. Für schnelles An- und Abstecken wäre USB sicher die bessere Lösung gewesen, aber in den letzten 35 Jahren habe ich auch sehr selten defekte Mini-DIN-Stecker erlebt. Geht dennoch mal ein Kabel kaputt, hilft die Kabelkiste jedoch nicht und man benötigt speziellen Ersatz. Schön sind die Rutschhemmer auf der Unterseite, die das Audiointerface auch auf glatteren Oberflächen sicher an Ort und Stelle halten.

iRig Stream schräg

Ansonsten ist das iRig Stream wirklich sehr gelungen und die Anschlüsse sind übersichtlich um das Gerät verteilt. Vorne beginnt es mit zwei RCA-Cinch-Buchsen, die Signale in Line-Level entgegen nehmen, der zugehörige Gain-Regler nebst drei LEDs für die Aussteuerung befindet sich auf der Oberseite. Er ist zwar griffig, jedoch recht leichtgängig, im Gewühl muss man schon etwas aufpassen, ihn nicht während der Aufnahme ungewollt zu verdrehen. Das kann aber auch Vorteile bringen, beispielsweise ließe sich damit beim Streamen Musik sanft ein- und ausblenden.

iRig Stream links

Auf der linken Seite finden wir die Netzteilbuchse für das erwähnte Zubehör, sowie ein Schiebeschalter für Loopback, so dass sich der Rückkanal des Smartphones mit dem Line-Pegel kombinieren lässt. Ein weiterer dient zum Umschalten auf Mono-Mix, das kann in manchen Fällen nützlich sein. Dabei wird alles summiert, auch das Loopback-Signal.

iRig Stream rechts

Rechts befindet sich mittig eine 3,5 mm TRRS-Klinkenbuchse, die Kopfhörer oder Headsets aufnimmt und zwei Level-Regler für die Mikrofon- und Kopfhörerlautstärke. Diese ragen nicht weit aus dem Gehäuse hervor, sind recht leichtgängig und tendenziell etwas fummelig. Man könnte jetzt darüber streiten, ob eine TRRS-Buchse im Gegensatz zu zwei 3,5 mm Klinkenbuchsen für Kopfhörer und Mikrofon sinnvoll wären, der Vollständigkeit halber hätte IK Multimedia vielleicht einen Adapter von TRRS auf zwei TRS-Klinkenbuchsen beifügen können. Ansonsten muss man sich zwischen dem Kopfhörer und einem Mikrofon entscheiden, alternativ ließen sich auch EarPods oder andere Headsets mit vierpoligem Klinkenstecker anschließen.

iRig Stream mit Anschlusskabel

Die Rückseite nimmt einen der runden Stecker der drei Anschlusskabel auf. Im Prinzip zeigt sich hier sogar ein Vorteil, wenn man das Audio-Interface mit angeschlossenem Kabel verstauen möchte. USB wäre da vielleicht etwas zu fragil, hier habe ich jedenfalls nicht die Befürchtung, dass etwas rausbrechen könnte. Anzumerken ist außerdem, dass die Buchsen von durchschnittlicher Qualität sind und aus Kunststoff bestehen, die Stecker sitzen jedoch fest und sicher im Gehäuse.

Das iRig Stream in der Praxis

Das iRig Stream ist genau genommen eine class-compliant Soundkarte, die überall treiberlos funktioniert. Nach dem Anstecken werden die Audiosignale über das Interface geroutet und die beiden Eingänge auf zwei Kanäle gemischt. Am iPhone funktionierte es daher ohne Probleme, auch an meinem Motorola One Vision mit derzeit noch Android 10 wurde es anstandslos erkannt.

Allerdings scheint unter iOS eine Energiesparfunktion dafür zu sorgen, dass bei nicht aktivierter App das Interface nach einigen Sekunden abschaltet. Um es zu reaktivieren, muss das iPhone Sound übertragen, ansonsten bleibt auch der Line-Eingang stumm. Problematisch ist das jedoch nicht, wenn iRig Recorder LE gestartet wurde, dann lässt sich die Tonquelle überwachen uns einpegeln. Gemäß den typischen Standards für Mobilgeräte kann zwischen 24 Bit bei einer Abtastrate von 44,1 oder 48 kHz gewählt werden, was für den vorgesehenen Zweck ausreicht.

iRig Recorder LE

Der iRig Recorder LE funktioniert ganz gut und ist recht einfach in der Handhabung, jedoch ohne Erweiterungen etwas rudimentär ausgestattet. Da hätte man ruhig noch einiges freischalten können. Immerhin ist es auch möglich, Videos zu drehen, was YouTuber freuen dürfte. In Verbindung mit dem RODE SmartLav+ lässt sich immer und überall schnell ein Dreh starten, auch kann die hintere Kamera bemüht werden.

Etwas störend empfinde ich, dass das Signal zum Monitoring in das iRig Stream zurückgeleitet wird. Schaltet man Loopback ein, entsteht bei hohem Gain ein lustiger Feedback-Effekt. Ist Loopback aus, hört man das Echo im Kopfhörer und kann es nur durch Reduzieren der Lautstärke am iPhone ausblenden. In den Einstellungen lässt sich das Monitoring offenbar nicht abschalten, zumindest habe ich eine derartige Funktion nicht gefunden. Problematisch kann es sein, wenn man Loopback versehentlich aktiviert hat, dann wird das erwähnte Echo mit aufgezeichnet, das übrigens durch die minimale Latenz zustande kommt. Der gesamte Signalfluss scheint analog aufgebaut zu sein, so dass das Loopback-Signal hin und her gewandelt wird. Immerhin ist das Grundrauschen des iRig Stream erfreulich niedrig.

iRig Stream mit Y-Adapter

Noch ein Wörtchen zur TRRS-Klinkenbuchse und einem passenden Adapter auf zwei Einzelklinken, wie hier im Bild zu sehen. Verwendet man ein Headset oder das RODE SmartLav+ mit TRRS-Stecker, kann man es nicht in Verbindung mit solch einem Adapter einsetzen. Dieser erfordert einen dreipoligen Mikrofonstecker, was zur Folge hat, dass das SmartLav+ nicht funktioniert. Hier ist also darauf zu achten, dass man ein Lavalier-Mikrofon mit passendem Stecker oder noch einen Adapter mit TRS-Stecker auf TRRS-Buchse verwendet. RODE hat mit dem SC3 einen solchen im Angebot, oder man greift alternativ zum RODE Lavalier Godas bis auf den unterschiedlichen Stecker technisch identisch ist.

test ik multimedia iRig Stream Oberseite

Im Betrieb stellte ich so etwas wie einen Design-Fehler fest. So ging ich davon aus, dass der Regler auf der Oberseite den Gain des Eingangs und der seitliche Regler das Mikrofon in der Lautstärke verändert. Praktisch wurde das iRig Stream allerdings so beschaltet, dass der Mikrofonregler und übrigens auch der Loopback-Eingang vor dem Gain-Regler im Signalweg eingebunden ist, der sich quasi wie ein Master-Fader verhält. So beeinflusst dieser zusätzlich die Mikrofonlautstärke, was für Voiceover-Anwendungen unpraktisch vor Allem dann ist, wenn die Verstärkung für das angeschlossene Electret-Mikrofon nicht ausreicht. Wenn man schon zwei Regler einbaut, hätte man diese auch getrennt behandeln können. So muss man immer darauf achten, dass selbst bei reinem Mikrofonbetrieb der Gain-Regler auf der Oberseite aufgedreht ist, die drei Aussteuerungs-LEDs geben Gewissheit. Das ist wiederum eine praktische Sache, so dient die blaue LED zugleich als Betriebsanzeige. Die gelbe leuchtet, wenn das Signal laut genug ist, bei Übersteuerung wird zur roten LED gewechselt. Wer das vergisst, kann sich der zugehörigen Beschriftung bedienen, welche die jeweilige Zuständigkeit erläutert. Ein ausführlicheres Levelmeter bietet ohnehin die App und um aus der Entfernung schnell zu sehen, ob das Signal übersteuert, ist das durchaus zweckmäßig. Die Verstärkung für den Line-Eingang ist vergleichsweise hoch, was Zuspieler mit geringem Pegel positiv entgegen kommt.

Grundsätzlich ist das iRig Stream quasi ein Line-Eingang für das iPhone oder auch den Computer, beispielsweise um mal schnell ein Gig aufzuzeichnen oder als DJ seinen Auftritt direkt zu streamen. Zuhause kann es bei der Digitalisierung helfen, um Platten oder Kassetten ins digitale Zeitalter zu retten. Audiorekorder mit dedizierten Line-Eingängen, noch dazu als Einzelkanäle ausgeführt, sind nämlich schon etwas teurer und ich würde das iRig Stream einem Zoom H1n auf jeden Fall bevorzugen. Dabei ist die Klangqualität gut, die Wandler sind rauscharm und die Handhabung entsprechend einfach. Wäre da nicht die Sache mit dem Mikrofoneingang, das schränkt die Nutzung doch etwas ein.

Fazit

Mit dem iRig Stream bringt IK Multimedia ein mobiles Audiointerface mit unsymmetrischen Cinch-Anschlüssen auf den Markt, das obendrein mit einem Headset oder Mikrofon genutzt werden kann. Es ist vorzugsweise dazu geeignet, um Line Level-Signale aufzuzeichnen oder direkt mit dem Smartphone ins Internet zu übertragen. Das iRig Stream ist fast gelungen, wäre da nicht die Soft-Touch-Oberfläche und der Umstand, dass der Mic-Gain nicht unabhängig vom Gain-Regler einzustellen ist. Loopback-Aufnahme und Mono-Mix runden die Ausstattung ab. Ein Audio-Interface für DJs und auch Heimanwender, die unkompliziert Kassetten oder Schallplatten mit dem Smartphone oder Computer digitalisieren möchten.

Plus

  • rauscharm und gute Klangqualität
  • einfach in der Handhabung
  • 3 Anschlusskabel für alle Fälle
  • 24 Bit mit maximal 48 kHz

Minus

  • Haltbarkeit der Soft-Touch-Oberfläche unklar
  • Mic-Gain im Signalweg vor dem Gain-Regler eingebunden
  • Adapter von TRRS auf 2x TRS im Lieferumfang wäre noch schön gewesen

Preis

  • 106,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    [P]-HEAD  AHU

    Entscheidende Frage: Es werden Stereo Signale direkt mit einem USB C Kabel bei Android aufgenommen? Sogar wenn man die interne Kamera App nutzt? Das etwas bei Apple geht, bedeutet nicht, das es problemlos bei Android ebenso funktioniert.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Das ist leider so, aber selbst zur Kamera-API kann man keine verlässlichen Aussagen treffen, weil viele Hersteller diese auf ihre Geräte anpassen oder modifizieren und es auch von der jeweiligen Android-Version abhängt, was funktioniert und was nicht. Ich bin kein Apple-Fanboy, aber beim iPhone weiß man auch serienübergreifend immer, woran man ist und welche blödsinnigen Einschränkungen es gibt. Nur mehr modifizieren, wie Rooten, kann man dafür bei Android.

  2. Profilbild
    Numitron  AHU

    Für das irig Keys i/o verwende ich ein Hama Netzteil zum halben Preis.
    Ziemlich nervig bei ik die propritären anschlüsse.
    Die usbkabel sind auch absichtlich zu kurz um das eigene Zubehör zu verkaufen. Hab mir ein lightningverlängerungskabel gekauft

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