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Test: Korg Gadget for Mac, Groovebox & Plug-ins

Ga, Ga, Ga, Gadgets

Es gibt zwei Arten von Gadgets: MIDI- und Audio-Gadgets. Natürlich verstehen alle Gadgets MIDI und können auch komplett per MIDI von außen ferngesteuert werden. Gemeint ist, dass die „MIDI-Gadgets‟ eben nicht mit eigenen Audiodaten beschickt werden können und das schließt die akustischen Gadgets wie Miami, Gladstone, Receive und die Module mit ein.

Skalen pro Gadget

Meistens enthalten die MIDI-Gadgets noch zwei Effekt-Slots, die eine üppige Auswahl von ca. 20 Effekten anbieten. Ob jetzt alle Gadgets aber auf den gleichen Algorithmus von Chorus, Flanger, Delay, Filter, Hall etc. zugreifen oder leichte Variationen davon, vermochte ich nicht festzustellen. Ansonsten ist die Bedienung aller MIDI-Gadgets recht übersichtlich gestaltet und meist auf zwei Seiten verteilt. Auf der ersten Seite ist immer die Klangsynthese, während auf der zweiten Seite die Modulations- und Effektoptionen zu finden sind. Wenn einem also ein Gadget gar zu einfach erscheint, gibt es sicher noch eine zweite Seite.

FX pro Gadget

Wie schön öfters erwähnt, kann jeder Parameter eines Gadgets außer dem Preset-Wechsel im Sequencer automatisiert und per MIDI und MIDI-Learn von außen ferngesteuert werden. Dabei kann jedes Gadget locker 20 Parameter besitzen, bei Bilbao z.B. sogar neun pro Pad. Da sollte man sein MIDI-Mapping schon sehr genau organisieren.

Advanced MIDI

Im Korg Gadget for Mac lassen sich auch, bei Aktivierung der „Advanced‟-Option in den MIDI-Voreinstellungen, für jeden Track sowohl ein eigener MIDI-Controller als auch ein Kanal auswählen, doch wie gesagt wird so was erfahrungsgemäß sehr schnell sehr unübersichtlich. Immerhin ließen sich schon mit einem einzigen MIDI-Controller theoretisch ca. 2000 Parameter automatisieren, doch bestimmte MIDI-CCs sollten jedoch grundlegend nicht verwendet werden, weil das zu Kommunikationsproblemen führen könnte.

Bilbao MIDI-Zuweisung: 16 x 9 Parameter

Die Audio-Gadgets

Die Audio-Gadgets Bilbao, Abu Dhabi, Zürich Rosaria sind in der Handhabung etwas verschieden von den andern Gadgets. Sie kommen zwar auch mit einer Masse an Presets, doch das Besondere an ihnen ist eben, dass sie mit eigenen Samples beschickt werden können.

Bilbao – Sample-Import

Da gibt es Bilbao, den „Mini-Akai-Sampler“ mit 16 Pads. Die Samples für Bilbao können bis zu fünf Sekunden lang sein. Beim Ändern der Tönhöhe eines Samples wird nur die Abspielgeschwindigkeit geändert. Beide Eigenschaften sind wohl Oldschool-Sampling par excellence und wirklich nicht mehr zeitgemäß.

Abu Dhabi – Sample-Import

Ähnliches gilt für Abu Dhabi, den Sample-Loop-Slicer. Hier dürfen sie Samples bis zu zehn Sekunden lang sein, was auch immer noch recht kurz ist. Das geladene Sample wird immer in 16 „Scheiben‟ unterteilt. Die Slice-Marker lassen sich zwar verschieben, aber es bleiben immer 16, die den 16 Pads zugeordnet sind. Es lassen sich jedoch mehrere Marker übereinander legen, womit sich auch weniger als 16 Slices realisieren lassen. Jedes Slice hat seine eigenen Parametersatz inklusive einem Effekt, dessen Parameter über ein XY-Pad gesteuert werden.

Bei Bilbao also auch bei Abu Dhabi werden Programme, also Presets und Samples, getrennt gespeichert. Importiert werden die Samples über den Sample-Ladedialog. Von dort kann man jedes Sample von der Festplatte laden. Das ausgewählte Sample wird dann automatisch in das Benutzerverzeichnis „Musik/Korg Gadget/User Samples‟ kopiert.
Wenn ich „Sample‟ schreibe, dann meine ich auch tatsächlich die Einzahl. Mehrere Samples in Bilbao auf einmal zu importieren, ist nicht möglich und eine reine Fleißarbeit bei 16 Pads. Es ist aber auch nachvollziehbar, denn bei einer Mehrfachauswahl würde es z.B. allein durch die Namensgebung kaum möglich sein zu gewährleisten, dass die Samples auch auf dem richtigen Pad landen. Denn wenn sie geladen sind, lassen sich die Samples nicht mehr auf andere Pads verschieben. Hier wäre eine Drag & Drop-Alternative vielleicht sinnvoll.

Rosario und Zürich

Beide Gadgets erlauben sowohl das Aufnehmen vom Audiointerface als auch das Importieren von Audiodateien von der Festplatte. Der Import-Button ist hier nicht im Gadget zu finden, sondern im Sequencer-Editor. Wahrscheinlich weil die Audiodaten auch im Sequencer dargestellt werden und nicht im Gadget. Ist die zu importierende Datei länger als ein Clip, kann sie auch über mehrere Clips hinweg importiert werden. Das funktioniert auch beim Aufnehmen vom Interface.

Zurich

Da die Aufnahmen ausschließlich mit der Projektdatei gespeichert werden, bekommt man die Daten nur wieder aus Gadget heraus, indem der Track auf Solo geschaltet und dann über den Song-Export der Track exportiert wird. Einen direkten Dateiexport wie bei den Samplern oder DAWs gibt es nicht.

Zurich / Rosario Audioimport

Fairerweise muss man aber auch sehen, dass auch allen anderen Sounds der Gadget auch nur auf diese Weise ihren Weg aus Gadget herausfinden. Diese Konsistenz in der Bedienung ist vielleicht im Endeffekt aber mehr Wert, als diversen DAW-Gewohnheiten hinterherzulaufen, die Gadget eh nicht bedienen kann.

Cross-Clip-Aufnahmen

Leider ist es auch bisher nicht möglich, Aufnahmen von Rosario oder Zürich direkt in Bilbao oder Abu Dhabi weiter zu verwenden. Das geht nur über Track-Export und in iOS besser als auf dem Mac, weil dort keine Schnittstellenalternativen wie AudioShare und AudioCopy auf iOS zur Verfügung stehen.

Rosario – Eingänge

iOS ↔ Mac

Was den Projektaustausch mit der iOS-Version angeht, ist das Ganze leider immer noch nicht sehr weit gediehen. Die iOS als auch die Korg Gadget for Mac können zwar Projekte in der iCloudDrive speichern, doch die User-Samples von Bilbao und Abu Dhabi werden nicht automatisch mit in der Cloud gespeichert. Kurioserweise werden mit den Projekten alle User-Presets mit abgespeichert. Aber die Samples bleiben zurück und müssen stattdessen jedes einzeln in die Cloud hochgeladen werden.

So geschieht das Importieren von Samplesz.B.  in Bilbao einfach über den „Sample‟-Taster. Wenn die Samples aber in der iCloud abgelegt werden sollen werden die Samples beim Hochladen von der lokalen Festplatte  „bewegt‟, also gelöscht anstatt „kopiert‟. Was der Unfug soll ist mir schleierhaft.

Außerdem bereitete das Austauschen der Samples per iCloud mit Gadget zwischen iPad Version 3.0.1 und Mac Version 1.0.2 nur Probleme. Beim Import von Samples über die iCloud in Bilbao und Abu Dhabi stürzte die iOS-App bei jedem Sample-Import ab. Der Datenaustausch über iTunes File-Sharing funktioniert hingegen reibungslos. Einfach die Projektdatei und die Samples ins iOS-Gadget-Verzeichnis legen bzw. auf dem Mac in die User-Verzeichnisse und gut ist.

Gadget – iTunes FileSharing

Unterm Strich zeigen die Audio-Gadgets allesamt deutlich, dass Korg auf jeder Ebene der Audio-integration in Gadget für alle Plattformen noch dringend nachbessern muss! Egal wie gut der Rest von Gadget schon ist, das hier gebotene ist nahezu wertlos!

Export

Da wir gerade beim Export sind, Gadget bietet die Möglichkeit, den Masterausgang, alle Tracks einzeln oder einen bestimmten Track als Audiodatei zu exportieren. Ebenso können die MIDI-Daten als eine MIDI-Datei exportiert werden und seit Ableton mit ihrem Live Set SDK die Runde macht, wurde die Option bisher vor allem im iOS-Bereich dankbar aufgenommen. Vielleicht setzt sich das auch auf dem Desktop durch. Jedenfalls war Korg Gadget die erste iOS-App, die einen Export als Live-Set anbot und nun ist es auch hier meines Wissens die erste Desktop-App, die diese Option unterstützt. Damit öffnen sich für Gadget-Projekte ganz neue Dimensionen.

Ableton Export

Ableton Link

Was hingegen problemlos funktionierte, war Ableton Link. Beim Mac das WiFi aktiviert und schon fanden sich die auf Mac und iPad.

Fazit

Korg Gadget for Mac zu beurteilen, ist etwas kompliziert. Auf der einen Seite muss man sehen, dass Korg Gadget auf den SChultern von Caustic, Beatmaker 1/2 oder NanoStudio für iOS stehen und welche die Pionierarbeit diese beim Thema Mobile Music geleistet haben, aber erst mit Korg Gadget für iOS wurde die Messlatte auf eine ganz andere Ebene gehoben. Das macht Gadget für iOS zu etwas ganz Besonderem.

Auf dem Desktop sieht das hingegen etwas anders aus. Denn vom Funktionsumfang her, verglichen mit ausgebauten DAWs, ist Gadget nicht wirklich etwas Besonders und ob jemand eine reine Groovebox auf dem Desktop braucht, wenn er mit einer evtl. seit Jahrzehnten gereiften und vertrauten DAW arbeiten kann, ist die Frage. Konkurrenten sind allen voran wohl Propellerhead Reason (vor Einführung der Rack-Extensions) und Bitwig. Aber auch Apple Logic mit all seinen hochwertigen mitgelieferten Instrumenten sowie Ableton Live, Numerologie von Five12, Renoise weisen Gadget for Mac funktional auf seinen Platz. So gesehen würde Gadget for Mac kaum über zwei Sterne hinauskommen.

Dass sich sämtliche Gadgets als Plug-ins anderweitig einsetzen lassen, ist jedoch ein immenser Mehrwert und deren Qualität allein ist schon den Einstrittspreis wert, selbst wenn es die stromlinienförmige Arbeitsweise von Gadget kostet. Aber besser die Wahl haben als die Qual – plus 1 Stern.

Die einzige wirklich Qual bei Gadget sind die Unzulänglichkeiten beim Arbeiten mit Audiodaten in den Audio-Gadgets. Hier hat Korg den Ball ins Aus geschossen, verglichen mit dem Rest von Gadget – minus 1 Stern.

Wo Gadget für Mac aber alle Konkurrenten überflügelt, ist der Spaß und der stromlinienförmige Workflow, der auch mit Maus und besonders mit einem großen TFT, die andere Optionen weit unter sich lässt.
Gadget für Mac ist um soviel einfacher, direkter und schneller, da fallen die Limitierungen gar nicht auf. Man kommt in der Software wirklich mit maximal zwei Klicks oder einem Doppelklick überall hin und das kommt dem Kreativfluss extrem zugute. Dass sich die Touchscreen-Bedienung so buttweich auf den auf den Desktop übertragen lässt, hätte ich nicht gedacht. Den Spaß und den Flow, den man beim Komponieren von Musik hat, ist gerade bei Desktop-Software nur sehr, sehr schwer zu finden Allein dafür noch ein Stern mit Sternchen obendrauf!

Zum Musikmachen bietet Gadget alles, was man braucht und nicht weniger – und das ist hier im Gegensatz zu diversen Konkurrenten bedeutend mehr.

Plus

  • Klang
  • schneller Workflow, der nicht der kreativen Inspiration im Weg steht
  • Gadget als Plug-ins verfügbar
  • "menülose" Bedienung

Minus

  • Audio-Integration sehr überarbeitungsbedürftig
  • Gadget-GUI nicht unabhängig vergrößerbar
  • iCloud-Austausch fehlerhaft und unzureichend

Preis

  • 299 USD
Forum
  1. Profilbild
    smile  

    Dein Bericht deckt sich weitestgehend mit meinem Eindruck – ein nettes Spielzeug aber um ernstzunehmend damit arbeiten zu können, bedarf es wohl noch etlicher Updates.
    Manche Gadgets, wie Lexington sind (zumindest auf meinem Macbook) wirklich schwer bedienbar, da zu klein und in Vergrößerung nicht gut aufgelöst.
    Daß man in den Kanaleffekten eine beschränkte Auswahl (also z.B. kein Distortion) hat ist auch unverständlich.
    VST-Einbindung würde hier immens helfen.
    Trotzdem ist das für derzeit 200$ kein schlechter Kauf, da man (wie Du auch ausführst) die Gadgets als VST, AU etc. verwenden kann.
    Btw: Nanokeys Studio funktioniert erwartungsgemäß prima mit Gadget.

    • Profilbild
      Savatage

      Für ein Spielzeug halte ich Gadget nicht, bei SoundCloud gibts ohne Ende Beispiele, was man damit für geile Sachen machen kann. Für mich kommt an den Workflow, Sound und Automation in der Kombination kein anderes Tool heran. Audio ist noch nicht top, richtig, mehr für das Einbinden fertiger Sachen als für Recording und editing. Ich bin mit Gadget auf dem iPad jedenfalls sehr zufrieden und brauche / will eine DAW zumindest im kreativen Prozess nicht mehr.

      • Profilbild
        glain  

        Und Native Instruments haben es bis heute nicht geschafft, Audio ansatzweise zu integrieren.

        Für das IPad und IPhone soll mal endlich jmd einen anständigen Controller mit Audiointerface rausbringen und Batteriebetrieb, so dass ich frei produzieren kann.

  2. Profilbild
    iOwner

    Ich habe mir die Korg Gadget Suite gekauft, weil ich die PlugIns im LogicX verwenden möchte. Das funktioniert richtig gut.
    Ich kann das Paket nur empfehlen. Hier ist jedes Plugin seine paar Euro wert, wenn man das mal hochrechnet. Ich hätte natürlich gerne den iM1 gerne als Vollversion für den Mac gehabt. Schade. Macht aber auch nichts.
    Korg Gadget selbst ist gut sortiert worden auf dem Mac. Ich arbeite jetzt schon mehr als 2 Jahren mit Korg Gadget und finde die Möglichkeit nun mit einem großen Monitor zu arbeiten viel besser. Außerdem mag ich es, wenn ich Backups auf dem Mac und nicht mit dem iPad machen muss. Auf dem iPad gibts leider nichts besseres wie Korg Gadget,um mal schnell einen Synth-Track vorzuproduzieren. Im Punkto Audio leider nicht zu gebrauchen.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Es bleibt ja immer noch die Möglichkeit, dass iPad mit iM1 und Gadget via Audiobus und Studiomuxxe in Logic einzubinden. Was recht unproblematisch ist. Oder die KLC zu bemühen. Soundtechnisch kann ich nur, im Vergleich zur Orginal M1, Unterschiede nur bei den FX feststellen. Und natürlich fehlt der M1 Sequencer. Was dann schon wieder Jammern auf hohem Niveau ist, da ich den für Sequenced Sounds oder Rhythmische Sounds hätte haben wollen. Aber das ist dann iWavestation vorbehalten.

  3. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Mit Version 1.1.0 wurde auch die iWavestation (Milpitas) kostenlos zur Gadgetliste hinzugefügt!

    Und es gitb eine kostenlose LE-Version zum Testen!

  4. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    $149 im Black Friday Sale!!
    +
    V1.5: Monpeilier (iMonopoly) Vancouver (Sampler-Gadget) und Lisbon (Synth-Gadget) wurden kostenlos hizugefügt.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Hi Markus,

      nicht zu vergessen, dass du in der iOS Version via Allihoppa Songs zum remixen herunterladen kannst. ;)

      Das abgefahrenste Gadget ist für mich Lisbon. Dicht gefolgt von Vancouver.

  5. Profilbild
    vssmnn  

    Läuft auch in Gadget:

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    Sale Period
    May 1, (Tuesday) 2018. – May 30, (Wednesday) 2018.

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