Test: Korg Karma, Groove-Synthesizer

23. August 2001

Feel your Karma dancing

Part 1:

Korg Karma First Touch

von Max Lorenz

Meiner Ansicht nach ist der KARMA ein weiterere Innovation in der Synthesizergeschichte von KORG. Lang genug hat es schließlich gedauert…..

Musikmesse 2001

Im Dschungel aus Tausenden von Produkten, News und Pseudohighlights geht einem echten AMAZONA-Autor nichts durch die Lappen….Ausgerüstet mit Mini-Disc und Kopfhörer erforschte unser Autor Max Lorenz eines der wichtigsten Messehighlights – den Korg Karma.
Wer nun denkt, das sei in dem Messetrubel doch gar nicht möglich gewesen, der irrt, denn nachdem die abendlichen Pforten der Messe längst geschlossen hatten und die Standwachen bestochen worden waren, herrschte entspannte Rune in der riesigen Halle 9.0, die wie eine Geisterstadt anmutete. Das Rendezvous mit dem Karma konnte beginnen….

Korg Karma

Wer hinter Korgs neuem Synthesizer KARMA („das Schicksal“) eine Workstation zur Realisierung ethnischer Meditationsmusik vermutet, der liegt gänzlich falsch, auch wenn sich der edle Metalic-Look im Raspberry-Teint im Zentrum einer Hindu-Glaubensgemeinschaft sicher gut machen würde.
KARMA – das Wort zum Produkt – ist eine von Korgs beliebten Kürzel-Spielereien. So wenig wie einst Kate mit der MOSS Synthese (Trinity/Triton) und Palmen mit OASIS zu tun hatte, so wenig hat auch KARMA mit spirituellen Hintergründen zu tun.

KARMA steht für „Kay Algorithmic Realtime Music Architecture“.

Stephen Kay ist der Schöpfer von Karma und hoffentlich ein Segen für Korg und die synthesierende-Musiker-Gemeinde, die lechzend auf Innovationen wartet, nachdem von Samplern, Romplern und virtuell Analogen nur noch Kopien der Kopien das Licht der Welt erblicken.

Was ist neu am Karma?

Neues gab es auf der Musikmesse 2001 wieder vieles – was aber an Karma ist neuartig?
KARMA ist grob gesagt ein interaktives Sequenzsystem. Die Noten und Akkorde, die Sie spielen, wandelt der KARMA automatisch in Phrasen und Patterns um. Es geht also weniger um eine neue Syntheseform, sondern vielmehr um eine Automatisierung komplexer Notenabfolgen, die sonst nur Fingerakrobaten verwirklichen könnten. An dieser Stelle bitten wir diejenigen am Ball zu bleiben, die denken, sie könnten nun gelangweilt aussteigen, „..weil es doch Begleitautomaten wie Sand am Meer gibt..“
Falsch verstanden, denn mit einer Tischhupe (und möge diese noch so komplex sein) hat Karma soviel gemeinsam wie Wasser mit Manna. Bevor wir uns mit diesem außergewöhnlichen Feature näher beschäftigen, kurz ein paar Fakten, die belegen sollen, dass KARMA auch als „normale Workstation“ und vielseitiger Synthesizer einsetzbar ist, steckt doch fast eine komplette TRITON Workstation in seinem Inneren.

Der Hindu im Schafspelz

Ob TRINITY, TRITON oder KARMA, allen dreien gleich ist die Klangerzeugung – bei Korg HI-Synthesis-System genannt (High Integrated). Als Ausgangsbasis für die Oszilatoren dient ein mit 32MB Samples gefüllter ROM Speicher (425 Multisamples, 413 Drum Samples), welcher sich über zwei weitere Karten (je 16MB) auf 64MB erweitern lässt.
Das ist angesichts der Erweiterungsmöglichkeiten der jüngsten JV und XV Serie von ROLAND zwar nicht mehr besonders zeitgemäß, man muß aber der Zusammenstellung und der Qualität dieses internen Sample-Rom Speichers bestätigen, dass KORG hier eine exzellente Auswahl getroffen hat und die Klänge durchwegs Studioqualität besitzen.
Die Mischung deckt die bekannten Workstation-Disziplinen Rock, Pop, Ethno und Klassik weitreichend ab. Beim Durchhören konnte ich gegenüber TRITON und TRINITY keine spektakulären Neuerungen entdecken, lediglich die Drumsounds schienen mir den Hörgewohnheiten moderner NO ANGELS Produzenten angepasst worden zu sein. Aber wie schon erwähnt, das soll nicht negativ verstanden werden, denn die Basis-Samples sind hervorragend und dienen als Ausgangsmaterial für ausgefallenste Klangkreationen, dank der vielseitigen Synthesemöglichkeiten des Karmas.
Auch die MOSS Synthese, bekannt aus Prophecy, Z1 und Oasis-PCI Karte, ist für den KARMA erhältlich. Diese Karte, die es bereits für die Trinity und den Triton gab, kann ich jedem Klangtüftler nur wärmstens empfehlen. MOSS ist eine absolut eigenständige Synthese und hat nichts mit dem Abspielen und Filtern von Samples gemeinsam.
VIRTUEL MODELING ist das Zauberwort mit dem man MOSS am besten beschreibt. analoge Synthesizer Imitate vollbringt dieses Board ebenso gut wie etwa ein Nordlead; gezupfte Gitarren und schrille Bläser lassen sich durch aus mit den VL Synthesizern von Yamaha vergleichen und selbst FM-artige Synthesizersounds sind der MOSS Synthese nicht fremd. Also mal ehrlich, wer sich eine Trinity, Triton oder Karma Workstation OHNE MOSS kauft – der fährt einen FORMEL 1 Wagen mit Smart-Motor.

Karma Session auf der Musikmesse 2001

Filter& Effekte

Erste Einschränkungen im Vergleich zur TRINITY gibt es in der Filtersektion. Nur noch drei Filtermodelle (24dB LP, 12dB LP & HP) stehen zur Verfügung – schade! Dafür gehören Korgs resonanzfähige Filter-Algorithmen nach wie vor zum Besten was der Markt zu bieten hat. Echt analoge Filter lassen wir bei diesem Vergleich mal außen vor.
Die Effektsektion gehört ebenfalls zur Fraktion KLOTZEN statt KLECKERN, bietet sie doch zwei Mastereffekte und fünf Insert-Effekte, die auch bei der Verwendung von Stereosignalen nicht reduziert werden. Hinzu kommt ein dreibandiger Master-Equalizer.
Zur Auswahl stehen 102 Effekttypen. Viele der Effektparameter lassen sich in Echtzeit modulieren. Diese Modulatonsverknüpfungen werden natürlich mit den einzelnen Sounds zusammen mit den Effekten abgespeichert und sind dadurch fester Bestandteil der Synthese. Viele der Effekttypen können die ursprünglichen Klänge bis zur Unkenntlichkeit verbiegen und dank ihrer Modulationsmöglichkeiten neue, lebendige Klänge erzeugen. Sie sind sozusagen die Synthese hinter der Synthese.
Auch in dieser Sektion kommt der Tester nicht umhin, den Effekten eine hohe Qualität zu bescheinigen.
Selbst in der Kür lang anhaltender Halleffekte, sind des KARMAS Algorithmen bereit, AB Vergleichen gegen externe Effektgeräte in der Preisklasse über DM 1.000,– standzuhalten.

Des Ghandis Kern

ist leicht zu finden oder treffender gesagt, fast nicht tot zu bekommen, denn der Karma triggert seine Sequenzvielfalt los und produziert brillante aber auch nervtötende Sequenzen ohne Unterlaß, wenn man ihn nicht durch einen Druck auf den OFF Button unter dem linken KARMA Logo, daran hindert.
Puuhh.. das war erst mal geschafft. Die erste Begegnung mit KARMA Sequenzen ist wie die Orchesterprobe von 10jährigen – wild und mit Sicherheit eine einmalige Erfahrung. Was will uns der Tester damit sagen?
Man sollte bei einer ersten Probesession nicht zuviel erwarten, denn Karma überrollt einen zunächst einmal und führt bei vielen Usern von schierer Verzückung bis zu ratloser Verzweiflung.

Der Korg Karma im Detail

Die KARMA Workstation enthält einen 16-Spur Sequenzer, der in den meisten Punkten den Track orientierten Sequenzern vieler Synthesizer ähnelt (200.000 Noten Speicherkapazität, bis zu 200 Songs pro Speicherinhalt mit bis zu 999 Takte pro Song).
Die 16 Spuren können auch auf vorgegebene Phrasen für Schlagzeug und Instrumente zugreifen, hier Realtime-Pattern genannt.
Hinzu kommen die Phrasen, Arpeggios und Patterns, die durch die Karma Funktion erzeugt werden. Den Grundstein für diese Phrasen und Patterns bildet ein GENERATED EFFECT, der mit den Parametern eines KARMA Moduls beeinflusst wird. Diese Effekte sind nicht zu vergleichen mit den Effekten der Effektprozessoren. GE´s sind vielmehr ein vorgegebenes Muster, was aus ihren gedrückten Akkorden werden soll. Sie geben die Notenabfolge und Rythmik vor und sind in 17 Kategorien unterteilt und benannt. Über 1.000 verschiedene GE´s sind fest im internen Speicher, weitere können nachgeladen werden.
Im Program Modus steht ein solcher GENERAED EFECT zur Verfügung. In den Combination/ Sequencer und Song Modi verfügt man hingegen über bis zu vier GE´s. (An dieser Stelle gleich noch mal der Hinweis, dass die generierten Sequenzen eines GE´s auch aufgezeichnet werde können, womit der GE anderweitig Verwendung finden könnte.)
Damit den GE´s richtig Leben eingehaucht wird, lassen sich pro GE bis zu 400 Parameter verändern – allerdings „nur“ 16 davon in Echtzeit. Welche das sind, wie genau diese wirken und welchem Controller sie zugewiesen sind, das legen nun die KARMA Module fest. Jeder GENÄHERTE EFFEKT besitzt also ein übergeordnetes KARMA Modul. Alles Karma oder was?
Im Prinzip hört sich das viel komplizierter an als es ist. In der Praxis sieht das so aus: Man wählt einen x-beliebigen Sound, schaltet das Karma-Modul ein, wählt einen Generated Effekt und hält einen Akkord – schon rappelts im Karton. Dreht man nun an einem der acht Potis auf der linken oberen Gehäusehälfte, verändern sich nicht etwas Filter und Hüllkurven, sondern Notenabfolge, Rythmik, Akkorde und Akzentuierungen. Ist ma n damit nicht zufrieden, öffnet man die Displayseite des Karma-Moduls, ändert die Controller-Zuweisungen oder andere Karma-Parameter und probiert sein Glück auf´s Neue. Wobei auch hier, wie immer im Synthesizer-Alltag gilt: Ausprobieren geht über Studieren.
Haben Sie das Grundprinzip erst einmal verinnerlicht, werden Sie erstaunt sein, auf welche Phrasierungen Sie plötzlich der Karma bringt, wie realistisch eine Gitarre vom Keyboard klingen kann oder wie abwechslungsreiche Portamento und Pitch Effekte ihre Techno-Hook Line zum Leben erwecken.

Ein Blick auf die Hardware

Damit fängt zwar normalerweise ein typischer Synthesizer Test an, aber ich wollte zunächst die Neugierde unserer Leser in bezug auf die Innovation des Karmas befriedigen. Wie inzwischen bei KORG Synthesizern üblich, sitzt der Karma in einem stabilen Metallgehäuse. Neben 4 Audio-Outputs, dem Midi Trio und Anschlüssen für Fusschalter ist mir eine recht unübliche Power-Buche aufgefallen, an die ein externes Netzteil angehängt wird. Für ein Highclass Produkt das für über DM 5.000,– über die Ladentheke gehen soll, ein ziemlicher Lapsus!
Also nicht nur die Tatsache, dass es sich um ein externes Netzteil handelt, sondern dass dies über einen so exotischen Anschluß verfügt, dass sie einen Ersatz sicher nicht im nächsten Elektro-Laden kaufen können.
Hervorzuheben wäre außerdem noch das eingebaute 3 1/2 Zoll Floppy-Laufwerk zur Archivierung aller Daten, auch werden künftig neue GE´s sicher auf Diskette erscheinen.

Positiv anmerken muß man auch die Klappe auf der Oberseite des Gehäuses für weitere ROM Boards. Zwar kann diese Klappe nur zwei ROM Boards aufnehmen, auf der anderen Seite ist dieser Wechsel schnell und bequem möglich. Da haben die Korg Entwickler aus der Not eine Tugend gemacht, Gratulation.

Das 240 x 64 Pixel große, hintergrundbeleuchtete, graphische Display ist zwar nicht berührungsempfindlich wie bei TRITON oder TRINITY – aber dafür auch nie von Schweiß und Fettrückständen überzogen („..war der Schlagzeuger wieder an meinem Touchscreeen???“).

Die Bedienoberfläche ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht komplizierter als einst bei der Wavestation. Echte Syntheisten werden keine Probleme haben. Vermisst habe ich hingegen ein Ribon-Pad. Gerade in bezug auf die vielfältigen Modulationsmöglichkeiten des KARMA wäre dieser Controller eine wahre Bereicherung gewesen.

Vorläufiges Fazit:

Nach einer durchgezechten Messenacht habe ich mein Schicksal klar vor Augen gesehen; eines Tages wird ein KARMA auch in meinem Studio stehen. Schon jetzt möchte ich aber meinem Unmut über den fehlenden Digitalausgang zum Ausdruck bringen, der sich auch nicht nachträglich einbauen lässt. Ebenso das externe Netzteil kratzt etwas am sonst so perfekten Gesamteindruck.

Nur die Programmierung der GE dem Herzstück des Karmas, hätte überschaubarer sein dürfen. Zu schnell verliert man sich im Parameter-Dschungel.

Was kostet der Spaß?

Ist der empfohlene Verkaufspreis von DM 5.290,– für die Grundausstattung gerechtfertigt? Diese Frage möchte ich erst beantworten, wenn der Karmna mal für eine Woche in meinem Teststudio gestanden hat und ich nach sieben Tagen noch genauso euphorisch bin wie nach den ersten fünf Stunden. Innovationen haben ihre Preis und wer einst einen DX7 oder einen VL1 von Yamaha gekauft hat, ist auch nicht viel günstiger weggekommen. Und der KARMA hat allemal das Zeug in dieser Liga mitzuspielen. Meiner Ansicht nach ist der KARMA ein weiterer Meilenstein in der Synthesizergeschichte von KORG. Lang genug hat es schließlich gedauert…..

Part 2:

Korg Karma Test

von Dominik Moser

Karma – Ein Name mit Bedeutung

„Karma“ ist ein Begriff aus dem indischen Sanskrit und bedeutet soviel wie Schicksal. Gleichzeitig ist „Karma“ auch der Namensgeber von KORGs neuester Workstation, die mit einem einzigartigen Konzept überzeugen will. Der nachfolgende Test soll zeigen, ob dem Karma ein gutes Karma beschert sein wird…

Around Karma

Auf den ersten Blick ist der Karma nichts anderes als ein KORG Triton in einem weinroten Plastik/Aluminium-Gehäuse. Die Farbgebung ist für ein japanisches Gerät gewöhnungsbedürftig und erinnert irgendwie an den Access Virus (den ich mir dann aber letztendlich lieber anschaue). Das 61-Tasten Keyboard hinterlässt einen etwas billigen Eindruck, bedenkt man die Preisklasse, in der Karma „zu Hause“ ist (EVK 4990,-DM). 13 etwas zu kleine und wackelige Regler zieren die Bedienoberfläche des Karma. Ein grosses Dateneingaberad befindet sich direkt rechts vom beleuchteten 240×64 Punkte-Display. Neben der obligatorischen Spielhilfe (einer Kombination aus Pitch Bend und Modulationsrad) finden sich nicht weniger als 63 Taster und zwei Schieberegler zur Dateneingabe.

Die Rückseite des Karma ist entsprechende der Preisklasse des Gerätes eher mager ausgestattet: Neben dem Stereo-Ausgang gibt es nur zwei zusätzliche Einzelausgänge, Eingänge für drei Pedale und das übliche MIDI-Trio. Einen dicken Minuspunkt erhält übrigens das externe Netzteil, welches sicherlich viele Live-Keyboarder hörbar aufstöhnen lassen wird und vorm Kauf des Karma abschreckt.

Kopfhörerbuchse und ein Diskettenlaufwerk zum Speichern von Programmen und Sequenzen befinden sich auf der linken Vorderseite, ein aufklappbarer Schacht beinhaltet zwei Steckplätze für Erweiterungskarten. Die „Mechanik“ dieses Faches macht auf mich leider keinen dauerhaft haltbaren Eindruck.

Inside Karma

Im Inneren des Karma arbeitet die Klangerzeugung des KORG Triton. Dabei wurde die Funktionalität das Karma gegenüber seinem „älteren Bruder“ um einiges eingeschränkt. Zwar arbeiten beide Maschinen mit einem grossen Sample-ROM von 32MB, der Karma verzichtet aber auf die Möglichkeit des Samplings. Deswegen besitzt er auch kein SCSI-Interface und keine Steckplätze für RAM-Speicher. Auch digitale Ein- und Ausgänge sucht man vergeblich. Zumindest analoge Eingänge hätte ich mir gewünscht, wenn schon keine Sampler-Funktionen vorhanden sind, vor allem wegen des integrierten Vocoders. Es lassen sich aber wenigstens PCM-Karten mit zusätzlichem Sound-ROM installieren, die aber wiederum weitere Anschaffungskosten nötig machen. Auch die bekannte MOSS-Technologie aus den Korg Synthesizern Prophecy und Z1 steht als (aufpreispflichtiges) DSP-Board zur Verfügung.

Der Karma ist 62-stimmig und besitzt einen heute üblichen 16-fachen Multimode, Combination genannt. Es gibt 768 Combinations und 640 Single-Programme, sowie zusätzlich 256 GM2-kompatible Sounds. Die Multisamples des ROMs decken einen grossen Bereich an Standardklängen ab und klingen meistens sehr hochwertig. Besonders die „Naturklänge“ sind hierbei positiv hervorzuheben. Zusätzlich gibt es noch über 400 Drumsounds. In der Klangformungsabteilung durchläuft das Sample wahlweise einen 12dB Teifpass/Hochpassfilter oder einen 24dB Tiefpassfilter, die beide etwas zu digital klingen. Zwei synchronisierbare LFO und drei Hüllkurven stehen zu Modulationszwecken bereit. Richtig komplexe Klänge sind nur unter Verwendung von Layersounds im Combination-Modus möglich, da im Single-Mode nur zwei Klänge gleichzeitig erzeugt werden können.

Effektsektion

Sehr umfangreich ist die Effektsektion, die schon im Trinity und Triton glänzen konnte. Neben zwei Master-Effekten können gleichzeitig fünf Insert-Effekte eingesetzt werden. Dazu gibt es noch einen dreibandigen EQ. Standardeffekte sind selbstverständlich. Neben Hall, Delay, Chorus und Flanger finden sich aber auch so abgefahrene Effekttypen wie Voice Resonator, Talking Modulator und sogar Vinylknistern. Damit lassen sich die ansonsten eher „braven“ Klänge des Karma etwas aggressiver und lofi-mässiger gestalten. Überhaupt lässt die Effektsektion des Karma fast keine Wünsche offen und ist sehr flexibel, was ihre Verwendung angeht.

Die Karma Innovation

Die eigentliche Neuerung des Karma ist jedoch seine innovative Möglichkeit, gespielte Sequenzen und Phrasen mit einer innovativen Technologie zu analysieren und verändert wiederzugeben. Dazu bedient sich Korg eines Algorithmus, den der Entwickler Stephen Kay sich ausgedacht hat. An dieser Stelle sollte ich auch die eigentliche Bedeutung des Namens „Karma“ auflösen. Der steht nämlich eigentlich für „Kay Algorithmic Realtime Architecture“. Ich will in wenigen Sätzen einmal versuchen zu erklären, was es damit auf sich hat und wie diese Technologie funktioniert.

Der Karma-Algorithmus erzeugt selber MIDI-Daten auf Basis der ihm eigegebenen Noten. Dabei werden nicht nur „starre“ Verläufe erzeugt, wie man es von vielen Arpeggiatoren her kennt, sondern das Ergebnis bleibt immer musikalisch und wird zusätzlich durch Änderungen von Controllerdaten lebendiger gestaltet. Dabei hat der User Zugriff auf die Parameter des Karma-Algorithmus, während des Spielens mittels Reglern und Tastern, ansonsten auch über zahlreiche Display-Menüs. Diese stellen nicht weniger als 400 Zugriffsparameter zur Verfügung.

Was sich hier auf dem virtuellen Papier vielleicht wie ein aufgeblasener Arpeggiator mit Zufallsgenerator liest ist in Wirklichkeit eine sehr flexible und intuitive musikalische Arbeitsumgebung. Alleine schon die Werkspresets offenbaren das gewaltige Potential, welches hinter der Karma-Technologie steckt. Ich habe nach dem ersten Spielen des Karma die Zeit um mich herum vergessen – auf einmal war es dunkel…
Die zahlreichen Combinations zeigen ein grosses musikalisches Spektrum, welches sich durch den Einsatz der Echtzeitcontroller sogar noch erweitern lässt. Vier Chord-Trigger-Taster und acht Regler sind für die verschiedenen Parameter zuständig. So kann beispielsweise schnell die Gewichtung von Rhythmus und Melodieinstrumenten geändert oder ein Shuffle eingblendet werden. Die Möglichkeiten sind wirklich enorm. Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte einfach nur mal die Combination-Presets des Karma anhören und dabei die Echtzeit-Controller bedienen – ich garantiere absolute Faszination.

Im Karma finden sich die „vorgefertigten“ musikalischen Phrasen in den sogenannten Generated Effects (GE), von denen es über 1000 (!) gibt. Stilistisch wird praktisch die komplette Musikgeschichte abgedeckt; von Harfenglissandi über Gitarrenriffs bis hin zu Techno-Arpeggien ist fast alles vorhanden. Dabei lassen sich die GE selbstverständlich beliebig kombinieren und auch mit den verschiedensten Klängen abspielen. Auf diese Weise entstehen wirklich neuartige musikalische Ergebnisse und der ein oder andere wird dem Karma bestimmt dankbar sein als musikalischer Ideengeber. Dabei sind die GE nach verschiedenen Gruppen geordnet: Generated-Riffs erzeugen arpeggioartige Verläufe, Generated-Gated wiederholt nur gespielte Noten nach bestimmten Mustern, Generated-Drum wurde speziell für Schlagzeug- und Percussion-Instrumente geschaffen und Real-Time spielt Phrasen auf Basis der eingehenden Noten und deren zeitlicher Abfolge.

Über das Display des Karma lassen sich die Generated Effects mit zahlreichen Parametern verändern. Die einzelnen Menüseiten hierfür sind leider sehr ineinander verschachtelt, so dass man nach wenigen Seitensprüngen nicht mehr weiss, wo man sich befindet. Spätestens jetzt wünscht man sich eine Software zur Steuerung, da selbst das relativ grosse Display des Karma hierbei schnell an Übersicht verliert. Der Entwickler Stephen Kay hat aber eine entsprechende Software noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Also abwarten!

 

Um noch einmal auf den Karma-Algorithmus zurückzukommen: Eine gespielte Phrase besteht ja generell aus verschiedenen Komponenten: Rhythmik, Akkordfolge, Dynamik der einzelnen Noten und auch der räumlichen Anordnung. Ein GE beinflusst alle diese Komponenten, indem das eigene Spiel analysiert und um eben diese Parameter ergänz wird. Auf dieser Basis entstehen sehr lebendige Phrasen. Eigentlich ist Karma eine Kombination aus Akkorderkennung, die in fast allen „Tanzmusiker“-Keyboards zu finden ist und einer komplexen Veränderung von MIDI-Daten, wie sie beispielsweise Cubase IPS (Interactive-Phrase Synthesizer) bietet. Dabei bleibt Karma jederzeit flexibel und vor allem bedienbar, was seinen Einsatzwert um ein Vielfaches gegenüber den beiden anderen Systemen erhöht.

Ein grosser Pluspunkt des Karma ist, dass die Generated Effects, beziehungsweise alle erzeugten MIDI-Daten auch über MIDI Out ausgegeben werden und in einem Sequenzer aufgezeichnet werden können. Manch einer fragt sich jetzt, warum er den Korg Karma denn braucht, eigentlich würde ja der Algorithmus als Computerprogramm ausreichen, da viele ja genug Klangerzeuger besitzen. Es wäre wirklich sinnvoller gewesen, dass Stephen Kay seine Karma-Technologie an ein Software-Haus wie Steinberg oder Emagic verkauft hätte, so dass eine direkte Integration im Sequenzerprogramm möglich gewesen wäre. Es bleibt auf jeden Fall zu hoffen, dass Korg in dieser Richtung weiterentwickelt und diese Technologie zumindest als Hardware-Gerät ohne Klangerzeugung auf den Markt bringt.

Update Karma Version 2.0

Das kostenloseBetriebssystem Update 2.0 für den KORG KARMA bringt viele neue Funktionen, Möglichkeiten und Verbesserungen für die Workstation und wertet das Keyboard enorm auf. Die 2.0 Version macht das Umgehen mit KARMA noch einfacher und lässt den Musiker mit KARMA noch kreativer werden. Das neue Betriebssystem erweitert die Funktionalität des Sequenzers und aller anderen Betriebsmodi.

Zusätzlich ist es mit der 2.0 Version nun möglich, den KARMA mit der bald erscheinenden KARMA Editorsoftwarezu steuern und so einen riesigen Zuwachs an neuen Möglichkeiten mit KARMA zu erleben. Über den KARMA-Editor ist es noch viel leichter, die KARMA-Funktion zu kontrollieren und zu bearbeiten. Nun ist es möglich, mit KARMA seinen eigenen musikalischen Stil in die KARMA-Produktionen einfließen zu lassen. Alle 400 KARMA-Parameter können mit der Software erstmalig komplett editiert werden. Eigene GE’s können erstellt werden und mit KARMA in Echtzeit benutzt werden. MIDI-Files und jegliche MIDI-Daten können als Basis für die Erstellung neuer GE’s dienen. Der KARMA Editor wird sowohl für Apple Macintosh als auch für PC-Systeme erhältlich sein und voraussichtlich ab Sommer 2002 als kostenpflichtiger Download zur Verfügung stehen.

Neue GE’s und eigene Kreationen

In Ergänzung zu den bereits enthaltenen 1190 GE’s (Generated Effects) der KARMA-Engine, welche für das Generieren der Phrasen und MIDI-Daten verantwortlich ist, stehen nun weitere speicherbare 320 GE Speicherplätze zur Verfügung. Eigene GE Daten können dort in 10 Bänken à 32 Speicherplätze hinterlegt werden. Neue GE Daten können käuflich erworben werden, sind bei ausgewählten EXB-PCM Expansion Boards zukünftig bereits enthalten, oder können mit der angekündigten KARMA Editorsoftware aus Patterns und MIDI-Files selbst programmiert werden.

Fazit

Das Fazit fällt dementsprechend auch zweischneidig aus: auf der einen Seite steht eine neue Technologie, die wirklich innovativ ist und vor allem auch Spass macht, auf der anderen Seite eine Music Workstation, die eigentlich nichts besonderes bietet und obendrein auch noch relativ teuer ist. Es beleibt also abzuwarten, ob den Karma ein gutes „Karma“ erwartet und er den Weg in viele Studios und auf die Bühnen finden wird. Mein Rat an Korg lautet: Diese neue Technologie sollte auch bei einem finanziellen Rückschlag des Karma nicht in der Versenkung verschwinden und auf jeden Fall in Form von Hard- oder Software dem Markt zugänglich gemacht werden.

 

Plus

  • Karma Funktion
  • Erweiterbarkeit
  • toller Grundsound

Minus

  • hoher preis

Preis

  • 5.290,- DM
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