Test: Korg Triton LE, Synthesizer Workstation

30. Oktober 2001

Absolut kein Leichtgewicht

Korg setzt seit Jahren Standards bei den sogenannten Workstations und möchte mit dem Korg Triton LE den leistungsstärksten Synthesizer in seiner Klasse anbieten. Unverbindliche Preisempfehlung für den kleinen Bruder ca. 3.500 DM, für das Sampling Board ca. 600 DM. Ob der Triton Le hält, was er verspricht?

Klangerzeugung und Sampling

Das HI- (Hyper Integrated) Synthesis-System ist eine auf PCM-ROM-Samples basierende Klangerzeugung mit 64 Stimmen im Single Mode und 31 Stimmen im Double Mode. Der Samplevorrat liegt in dem internen 32 MB großen Speicher mit 425 Multisamples und 413 Drumsamples. Das Samplingboard (EXP-SMPL) bietet Mono/Stereo-Sampling in 16 Bit/48 kHz-Qualität und wird mit 16 MB geliefert (max. 64 MB, SIMM 72-pin). Unterstützte Formate sind Akai (S1000/3000), AIFF, WAVE und das Korg eigene Format. Zugriff auf die Sample Libraries erhält man über den SCSI-Anschluss, eigene Sample-Kreationen kann man auf Smart Media Cards ablegen (4-128 MB, 3,3V). Zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten der Samples und Darstellung der Wellenform im Display runden die Sample-Abteilung ab. Eine Besonderheit ist, dass man den Sampling-Eingang zwischen Line- und Mikrofon-Pegel umschalten kann. Ausgangsseitig findet man Stereo L/R und Individual 1&2 Out.

Auftritt und Handling

Der Korg Triton LE kommt wie seine „großen“ Brüder in einem edlen, absolut live-
tauglichen Gehäuse (61 Keys, ca.7,8 Kg und 76 Keys, ca. 9,2 Kg) daher. Durch das 240×64 Pixel große Display navigiert man mit Hilfe der darunter liegenden Tasten F1-F8, INC & DEC, Jog-Dial und den Pfeilrichtungstasten, was in der Praxis sehr gut von der Hand geht und auch live nicht zu unterschätzen ist. Unersetzlich für Live wie im Studio-Setup sind die Echtzeiteingriffsmöglichkeiten. Der Triton Le bietet in dieser Hinsicht einen Joystick, 2 Taster oberhalb des Joysticks und 4 Drehregler. All diese können mit Modulationszielen und anderen Steuerungsmöglichkeiten frei belegt werden (Effektsteuerung, dynamische Modulationen, Programm Parameter, etc.). Weitere Möglichkeiten bieten die 3 Pedaleingänge, Pedal, Switch und Damper. Schön ist auch die Audition-Taste: es wird eine Phrase aus dem jeweiligen Programm getriggert und wenn das Sampling-Board installiert ist, wird das ausgewählte Sample abgespielt. Betätigt man einen der vielen Taster auf der Oberfläche des Triton Le, leuchtet er in einem augenfreundlichen Rot auf – volle optische Kontrolle.

Dual Arpeggiator

Der Korg Triton LE bietet einen sogenannten Dual-Arpeggiator, der es einem ermöglicht,
2 verschiedene Arpeggio-Pattern simultan zur Clock laufen zu lassen. Möglich ist dies auch im Sequencer-Mode des Triton Le. Fein ist noch, dass man zwischen den 2 Arpeggio Pattern mit Hilfe von Keyboard-Split oder Velocity-Switch wechseln kann. Geboten werden neben dem Standardprogramm (UP, DOWN, ALT1, ALT2 und RANDOM) 200 Preset-Arpeggio-Pattern von Drums, Bass und Riffs der verschiedensten Musikstile. Allein 16 Speicherplätze sind für eigene Kreationen vorgesehen und wenn man mehr Platz braucht, kann man die 200 Preset-Pattern überschreiben. Auch für die Wiederherstellung dieser Pattern ist bestens gesorgt – es ist kein Total-Recall notwendig, bei dem einem am besten noch alle eigenen Kreationen, egal ob Sounds, Songs oder andere Einstellungen, ins „digitale Nirwana“ geschickt werden – Klasse J. Der Dual-Arpeggiator ist ein mächtiges kreatives Tool, ob live oder im Studio. Es lassen sich in wenigen Sekunden völlig neue Pattern, Fills und verrückte Sachen machen. Gerade im Zusammenspiel von Dual-Arp und Sequencer sind neue Ideen garantiert. Ich hab’s im Selbsttest probiert … es klappt!

Modes & Sequencer

Der Korg Triton LE bietet sechs sogenannte Modes zum einfacheren Zugriff auf die umfangreichen Möglichkeiten. Da wären der Program-Mode, in dem man auf die Bänke A, B, C, D und G, die sich an die GM-Standard halten, Zugriff hat. In dem Program-Mode werden die Sounds editiert: Oszillator, Filter, Amp, EG, LFO, Effekte und Arpeggiator. Die ersten vier Bänke können vom User überschrieben werden. Im Program-Mode können auch die Multisamples im RAM editiert werden, die im sogenannten Sampling-Mode erstellt wurden. Im Sampling-Mode erstellt man seine eigenen Samples über die auf dem Sampling-Board befindlichen Eingänge (umschaltbar zwischen Mikro- oder Line-Pegel und regelbar über einen Input-Level-Regler).

Das an den Eingängen anliegende Signal kann auch mit den internen Effekten über eine Insert-Funktion verfeinert werden, sehr praktisch z.B. bei Vocal-Sampling. Weiter kann man im Sampling-Mode die Samples umfangreich bearbeiten und hat Zugriff auf die im Media-Mode geladenen Samples. Der Media-Mode dient zum Verwalten und Laden von Samples über den SCSI-Anschluss, Smart Media Card oder dem gerade gesampelten Material. Hier kann man auch die Samples im Korg-, AIFF- oder WAVE-Format exportieren. Ebenfalls kann man hier seine erstellten Songs im SMF-Format abspeichern bzw. exportieren. Enthalten ist auch ein MIDI-Daten-Filter zum Laden und Abspeichern der SMF-MIDI-Files. Dieses Feature macht das Handling von MIDI-Files wesentlich einfacher. Jeder kennt das, wenn ein einziges MIDI-File das ganze Studio-Setup mit Hilfe von Controller- oder Programmwechsel-Befehlen mal so richtig umkrempelt: der Horror bleibt dem User hier erspart. Im Global-Mode werden die Einstellungen vorgenommen, die das ganze Gerät betreffen: Master-Tune, Global-MIDI-Channel, die Erstellung von Drum-Kits, User Arp-Pattern. Die Einstellung der Funktion der Pedale und Switches und das Senden von MIDI-Exclusive-Daten.

Im Combination-Mode kann der User gleichzeitig bis zu acht Programme an der Korg Triton LE auswählen und spielen; das ermöglicht, in ungeahnte Klangdimensionen vorzudringen. Preset-Combinations können aus den internen Bänken A, B und C geladen, editiert und gespeichert werden (384). Der Sequencer-Mode dient natürlich dazu, den internen 16-Spur-Sequencer zu bedienen. Er hat eine Kapazität von max. 200.000 Noten, 200 Songs, 20 Cue-Listen, 150 Preset-Pattern und 100 User Pattern. Eine Master-Spur steht ebenfalls neben den 16 Spuren zur Verfügung. RPPR (Realtime Pattern Play/Recording) ist auch vorhanden, – jeweils ein selbst zusammengestelltes RPPR-Set steht für jeden Song bereit, live unentbehrlich. 16 verschiedene Template-Songs sind im ROM enthalten: vorgefertigte Songstrukturen einzelner Musikstile. Eine Track-Loop-Funktion, Realtime- und Step-Recording in Verbindung mit AMS (Alternate
Modulation) und Dmod (Dynamic Modulation) runden den Sequencer perfekt ab. Der Sequencer ist einfach, schnell und intuitiv bedienbar, Übersichtlichkeit ist garantiert.

Die Effekte der Triton LE

Die interne Effektabteilung des Korg Triton LE bietet 1 Insert Effekt (Stereo In/Out), 2 Master Effekte (Mono In/Stereo Out) und 1 Master EQ (3 Band Stereo). All diese können gleichzeitig genutzt werden. Weiterhin werden 89 Effekttypen geboten, modulierbar mit der Dynamic-Modulation-Function, mit der die Effekt-Modulationen mit der externen oder internen Clock synchronisiert werden können. Die Effekttypen sind weit gefächert und enthalten auch abgefahrene Effekte wie z.B. Stereo-Random-Filter, Talking-Modulator, Stereo-Decimator, Scratch, BPM-Delay, etc. Der Triton Le kann auch als Studio-Effektgerät „missbraucht“ werden. Wenn das Samplingboard installiert ist, können die Sampling-Eingänge mit den Effekten bearbeitet und an die Ausgänge geschickt werden. Die Qualität der Effekte ist beeindruckend und stellt so manches Effektgerät definitiv in den Schatten, schon allein wegen der beschriebenen Dynamic-Modulation-Function.

Der Sound des Triton LE Synthesizers

Der Korg Triton LE klingt genauso wie seine großen Brüder. Wer diese kennt, weiß was ich meine. Der Sound ist Spitzenklasse, nicht umsonst hat Korg seinen Status bei namhaften Musikern aller Couleur. Soundtechnisch ist alles vertreten: von „Brot und Butter Klängen“, aller Art von Akustik-Klängen, Flächenteppichen à la Wavestation, und alles was zwitschert und zerrt. Der Triton Le deckt soundtechnisch einen weiten Bereich aller erdenklichen Musikstile ab. Und das sollte auch so sein bei einer Workstation. Mit der Sampling-Card wird dieses Workstation-Feeling optimal abgerundet. Die Filter (24 dB LPF/12 dB LPF und HPF) packen kräftig zu. Zeitlich gebundene Modulationen sind auch hier mit Hilfe der Alternate-Modulation-Function möglich. Dies ermöglicht „saubere“ Filterverläufe und Modulationen. Demo Song laden, Abhöre an und Augen zu: man glaubt kaum, dass das alles aus einem Gerät kommt!

Unterschiede zu Korg Triton Classic, Studio und Extreme

Wer gerne wissen möchte, um welche Features sich die Korg LE Variante von ihren großen Geschwistern unterscheidet, klickt am besten HIER.

Vorab aber schon einmal eine Comparison Chart der ganzen Korg Triton Familie:

Comparison Chart Korg Triton

Die Korg Triton LE on YouTube

Fazit

Mir fällt aktuell kein Gerät in dieser Preiskategorie ein, das sich mit dem Korg Triton LE vergleichen lassen könnte – außer vielleicht mit seinen großen Brüdern, die sind aber erheblich teurer und stehen deshalb in dieser Klasse nicht zur Auswahl. Das Workstation-Konzept der Tritons geht auch beim Le auf. Einfache Bedienung und schnelle Umsetzung eigener Ideen stehen hier im Vordergrund. Die Live- und Road-Tauglichkeit sind ebenfalls gegeben und die Soundauswahl ist zeitgemäß. Der Triton Le hält was er verspricht. Ich werde in meinem Studio einen Platz für den Triton Le räumen! Eindeutige Kaufempfehlung :-).

Preis

  • Korg Triton LE 3.500 DM
  • Sampling Board 600 DM
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