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Test: Korg KR-55 Pro, Drumcomputer

1. Juni 2018

Rhythmus Partner gesucht?

korg kr-55 pro

Als Korg anlässlich der NAMM SHOW 2018 den Prologue Synthesizer vorstellte, war die Aufregung groß. Noch mehr „virtuelles Klatschen“ konnte man hören, als der nächste Kracher angekündigt wurde, der Drumcomputer Korg KR-55 Pro. Denn der Name ließ nichts anderes zu, als dass es sich hierbei um den Nachfolger des 1979 erschienen Korg Rhythm 55 handeln musste. Dazu passt auch die Vintage-Optik, die Korg ihrem neuesten Drum-Sprössling verpasst hat. Etwas Enttäuschung machte sich dann aber schnell breit, als klar wurde, dass es sich hierbei nicht um einen neuen analogen Beats-Boliden handelt, sondern um einen irgendwo zwischen Rock und Pop beheimateten Drum/Percussion-Begleiter. Nun gut, auf der Vintage-Drummachine KR-55 standen auch illustre Namen wie Foxtrott, Bossa und Swing. Was der Korg KR-55 Pro wirklich auf dem Kasten hat, haben wir für euch getestet.

Schöne Optik des Korg KR-55 Pro

Eins muss man Korg lassen, die Optik des KR-55 Pro überzeugt auf ganzer Linie. Quadratisch, praktisch, gut – so lassen sich die Ausmaße des Designs knapp beurteilen. Auch wenn man genauer hinschaut, wird man beim KR-55 Pro nicht enttäuscht, denn das Kunststoffgehäuse mit den abgerundeten Ecken macht einen soliden Eindruck. Zusätzlich zur Abrundung der Ecken hat Korg den Drumcomputer mit Seitenteilen aus Holz verziert. Gepaart mit den ebenfalls auf Retro getrimmten Bedienelementen, ergebt sich letztlich die schöne Vintage-Optik, absolut gelungen.

korg kr-55 pro

Die Bedienoberfläche des Korg KR-55 Pro ist klar sortiert, dank unterschiedlicher Farbgebungen der Buttons ist schnell klar, an welcher Stelle man zugreifen muss, um einen bestimmen Groove, eine Variation davon oder weitergehende Funktionen aufzurufen.

Startet man unterhalb der auf der Oberseite angesetzten Anschlüsse, bietet der KR-55 Pro zunächst acht Potis, wovon die ersten drei für die Eingangspegel des Mikrofonanschlusses bzw. den beiden Line-Eingängen zuständig sind. Die restlichen Potis dienen zur Einstellung der Lautstärke des aktuell laufenden Drumpattern sowie den Reverb-Effekt, den 2-bandigen EQ (Treble/Bass) und die Gesamtlautstärke.

Die 24 gelben Buttons dienen zur Aktivierung des gewünschten Drum-/Percussion-Pattern. Von klassischen 8-Beat-Grooves über Country, Blues, Jazz, Bossa und Samba ist alles dabei. Die acht grünen Buttons, beschriftet mit M1 bis M8, dienen zum Anzeigen der aktuellen Wiedergabeposition des laufenden Rhythmus bzw. hierauf lassen sich Lieblingsrhythmen im bestimmten Tempo zum direkten Aufrufen ablegen.

korg kr-55 pro

Die Sektion darunter bietet weitergehende Funktionen zur Steuerung des Players, des Recorders, zur Einstellung des Tempos sowie globale Funktionen.

Zum Lieferumfang des Korg KR-55 Pro gehören das zum Betrieb notwendige Netzteil, alternativ lässt sich der Drum-Partner auch mit sechs Batterien vom Typ AA betreiben. Das macht bei solch einem Gerät auch Sinn, wird der KR-55 Pro doch vornehmlich im Live-Betrieb eingesetzt, beispielsweise als Sparringspartner für Duos oder Einzelmusiker.

Ein mehrsprachiger Quick-Start-Guide liegt ebenfalls bei, das ausführliche Handbuch bietet Korg als Download auf seiner Website an.

Anschlüsse des Korg KR-55 Pro

Direkt auf der Oberfläche des KR-55 Pro lassen sich ein Mikrofon (XLR) sowie zwei Instrumente mit Line-Level anschließen (Input 1/2). Rückseitig befinden sich der Anschluss für das externe Netzteil, ein Stereoausgang mit 2x 6,3 mm Klinkenbuchsen, einem Aux-In in Form eines 3,5 mm Stereoklinkeneingangs, ein Kopfhöreranschluss – ebenfalls in 3,5 mm Klinke ausgeführt – sowie ein Anschluss für einen Fuß-Controller. Korg empfiehlt hierfür den optional erhältlichen VOX VFS5, über den man beispielsweise den Rhythmus starten/stoppen, Fills triggern oder im Aufnahmemodus die Song-Position bewegen kann. Über eine MIDI-Schnittstelle verfügt der KR-55 Pro leider nicht.

korg kr-55 pro

Praxiseinsatz des Korg KR-55 Pro

Der KR-55 Pro kennt grundsätzlich vier Betriebsmodi: Rhythmusmodus, Aufnahmemodus, Wiedergabemodus und Systemmodus.

Rhythmusmodus

Dies ist der klassische Modus, wenn man den KR-55 Pro als Drums/Percussion-Begleitung einsetzen möchte. Die Vorgehensweise ist denkbar einfach. Gewünschte Rhythmus-Taste drücken, ggf. Tempo per Drehrad einstellen und Play drücken. Jedes Drum-Pattern verfügt über zwei Fills die über die jeweilige Tasten F1/F2 abgefeuert werden können, diese kann man auch als Intro nutzen. Die TAP/END-Taste leitet das musikalische Ende des Grooves ein, läuft kein Drum-Pattern, kann man hierüber das gewünschte Tempo eintappen. Pro Rhythmus stehen zwei Variationen zur Auswahl.

korg kr-55 pro

Neben dem reinen Abspielen der Drum-Pattern lassen sich diese auch verketten. Bis zu 999 Takte lassen sich so vorab programmieren, beispielsweise um einen kompletten Song durchzuplanen. 7 Takte Intro, im achten folgt Fill 1, danach Wechsel von 8Beat1 zu 8Beat2 in Variation 1, nach 16 Takten folgt Variation, eingeleitet von Fill 2. So kann man sich das vorstellen. Maximal 30 solcher Ketten kann der Korg KR-55 Pro speichern.

Der KR-55 Pro bietet auch verschiedene Metronome. Neben unterschiedlichen Taktarten von – 3/4 bis 12/8 ist alles dabei – lässt sich dies auch als Einzähler nutzen, 16 Metronom Sounds bietet der KR-55.

Aufnahmemodus

Sowohl die internen Klänge als auch alles was von außen über die Kanäle Mic, Line-In 1/2, Aux-In zugespielt wird, lässt sich mit dem Korg KR-55 Pro aufzeichnen. Hierfür wird eine SD-Karte benötigt. Das Aufnahmeformat ist fest auf WAV 16 Bit / 44,1 kHz eingestellt, weitere Formate wie beispielsweise MP3 werden nicht unterstützt.

korg kr-55 pro

Hat man einen kompletten Song aufgezeichnet, lassen sich bis zu acht Songmarker setzen. Das Setzen eines Markers ist etwas schwierig, denn da alles im Audioformat ohne Taktangaben o.ä. aufgezeichnet wird, muss man stets an der passenden Stelle der gewünschten Markierung die Set/Ok-Taste drücken. Hat man Marker erfolgreich gesetzt, lassen sich die unterschiedlichen Abschnitte/Bereiche auch loopen. Da die Songs auf der SD-Karte gespeichert werden, lassen sich diese komfortabel auf einen Computer transferieren. Auch der Import von WAV-Dateien ist möglich. Im Overdub-Verfahren lassen sich weitere Spuren/Instrumente hinzufügen.

Wiedergabemodus

Und mit dieser Funktion befindet man sich im letzten der drei Modi, dem Wiedergabemodus. Hier lassen sich nun komplette Songlisten für einen Auftritt zusammenstellen. Diese Wiedergabelisten, wovon maximal 10 intern gespeichert werden können, dürfen jeweils bis zu 24 Audiodateien enthalten, das reicht also für ein komplettes abendfüllendes Programm, ausreichend Speicherplatz auf der SD-Karte für die WAV-Dateien vorausgesetzt. Auch in diesem Modus lassen sich Loops bzw. Wiederholungen setzen.

Systemmodus

Wie der Name bereits erahnen lässt, lassen sich hier alle systemrelevanten Einstellungen vornehmen, so u.a. das Formatieren der SD-Karte oder die Effektzuweisung. Der interne Reverb kann allen drei Eingangskanälen, nur dem Mic oder nur den Line-Eingängen zugewiesen werden.

Klang des Korg KR-55 Pro

Zu guter Letzt ein paar Worte zum Klang des KR-55 Pro. Vor einiger Zeit hatte ich den Boss DR-01S bei mir zum Test und dieser schlägt genau in die gleiche Kerbe wie der KR-55. Basis Drum-Pattern zum Abspielen, die sich als Begleitung von Einzelmusikern wie beispielsweise Gitarristen oder Pianisten oder wahlweise auch kleineren Duos/Combos eignen. Nicht mehr und nicht weniger kann der KR-55 Pro bieten. Klanglich vergleichbar mit den Rhythmusparts eines Entertainer Keyboards (man kann vermuten, dass die Drumpattern aus einem der Korg Entertainer-Keyboards stammen), nur eben ohne zusätzliche Begleitinstrumente wie Bass, Streicher, Bläser oder elektronische Sounds.

Dementsprechend ist auch der Klang des KR-55 Pro mit den Maßstäben des Entertainer-Keyboard-Marktes zu vergleichen und da macht das Produkt eine gute Figur. Nur um aufzuzeigen, was mit aktuellen Entertainer-Keyboards möglich ist, muss man sich diese nur anhören. Denn vergleicht man den KR-55 Pro mit den aktuellen Entertainer-Flaggschiffen von Korg, Yamaha oder Ketron, bieten diese dank Audioloops und live eingespielter Instrumente/Percussion doch eine deutlich größere Authentizität. Preislich liegen dieser aber natürlich Welten entfernt von den 299,- Euro, für die der KR-55 Pro aktuell verkauft wird.

Definitiv schade ist allerdings, dass der KR-55 Pro nur jeweils zwei Variationen und zwei Fills zu bieten hat. Angesichts der Tatsache, dass Korg ausreichend Erfahrung und Soundmaterial sein Eigen nennt, hätte ich hier mehr Klangvielfalt und -auswahl erwartet.

Fazit

Der Korg KR-55 Pro ist ein guter Drum/Percussion-Begleitpartner für Sänger, Instrumentalisten und Duos bzw. kleinere Combos. 24 Drumpattern plus Variationen und Fills werden geboten, diese lassen sich dank vielfältige Wiedergabe, Songmarker und Loop-Funktionen gewinnbringend einbringen. Zusätzlich erlaubt der KR-55 Pro das Hinzufügen bzw. Anschließen von Mikrofonen/Instrumenten, die Signale lassen sich mit Hilfe einer SD-Karte aufzeichnen und für einen Live-Auftritt nutzen.

Plus

  • Optik
  • Batteriebetrieb möglich
  • einfache Bedienung
  • solider Sound
  • Loop-Funktion

Minus

  • nur wenige Variationen, Intros, Endings, Fills
  • keine MIDI-Schnittstelle

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    komabot  

    Bringt endlich die Seite auf Vordermann.
    Bilder und Artikel sind durcheinander.
    Wählt man „Keys“ bekommt man trotzdem Artikel wie „Live Gitarristin bei Alice Cooper“ angezeigt.

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