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Test: KS Audio microSAT, Kompakt-PA Aktivboxen

28. April 2017

Kleiner, leichter, besser

Die SAT-Anlagen mit einem Subwoofer und zwei Topteilen haben eine lange Tradition im Hause KS Audio. Aktuell ist das Original in der Version 3 mit einem aktiven 18“ Bass, der alle Endstufen und die Elektronik enthält, erhältlich. Dass das Konzept auch deutlich kleiner, leichter und günstiger funktioniert, will die neue microSAT beweisen. Horchen wir der Kleinen mal zu.

Die neue KS microSAT

Konzeption

Die microSAT arbeitet mit einem Sub, in dem ein 12“ Bass-Chassis und die Systemelektronik inklusive der Endstufen verbaut ist. Für die High/Mids kommen zwei kleine Topteile zum Einsatz, die mit einem 8“/1“ Koax-Lautsprecher bestückt sind. Die microSAT ist ein echtes 3-Wege-System, d.h. Bass, Mids und Highs werden aktiv getrennt von verschiedenen Endstufen angefahren. Das hat die Kleine der SAT 3 schon mal voraus, deren Tops werden passiv getrennt.

Für die Gehäuse kommt, wie immer bei KS, Birke Multiplex zum Einsatz, das mit einer kratzfesten Polyurethan-Beschichtung lackiert ist. Die Fronten werden mit einem feinmaschigen Gitter geschützt.


Der Sub CB12

Der Sub, hier von hinten

Hier fallen zunächst das ungewöhnliche Gehäuse und der verkehrt herum eingebaute Speaker auf. Zwar hat das Gehäuse rechteckige Maße mit Höhe/Breite/Tiefe von 436 x 436 x 582 mm, die Form verjüngt sich allerdings nach oben. Das bietet zwei Vorteile. Die Elektronikeinheit ist etwas geneigt und damit besser zugänglich und oben auf Vorder- und Rückseite konnten zwei Handgriffe untergebracht werden. Somit hat man mit den 25 kg des Basses relativ leichtes Spiel. Auf der Oberseite ist ein Hochständerflansch mit M20-Gewinde eingebaut. Die Unterseite ist durch vier breite Füße geschützt.

Etwas seltsam ist der Einbau des Basslautsprechers, er wendet dem Zuhörer den Rücken zu. Da aber Entwickler Dieter Klein sicher nichts ohne Sinn konstruiert, wird es auch dafür eine Begründung geben. Meine Vermutung ist, dass sich so der Bass ungestörter entfalten kann, da keine Teile des Chassis in die Bassreflexkammer ragen.

Der Sub seitlich

Der 12“ Speaker wird von einer 4“ Schwingspule angetrieben und verträgt gigantische 1400 Watt. Zwei große Bassreflexöffnungen in den unteren Ecken unterstützen die Leistungsentfaltung.


Die Tops CX8

Das CX8 Top

Die Mittel-/Hochtoneinheit ist in Wedge-Form ausgeführt und wiegt je 9 kg. Die Front misst 30 x 30 cm, die maximale Tiefe beträgt 21,5 cm. Auf der Oberseite ist ein Klappgriff zum Transport eingearbeitet. Die Unterseite bietet einen Hochständerflansch und die NL4 Speakon-Buchse. Ein zweiter Flansch befindet sich auf der rechten Seite, so kann das Top auch um 90° gedreht verwendet werden.

Die Lautsprecher sind als koaxiales System angeordnet. Der 8“ Treiber besitzt eine 3“ Schwingspule, der 1“ Hochtöner sitzt dahinter und strahlt über ein ovales Horn ab. Damit wird ein Abstrahlwinkel von 120° x 60° erreicht.


Die Amp/Elektronik-Einheit

Der Block sitzt auf der Rückseite und nimmt hier ca. 2/3 des Platzes ein. Die ganze Einheit arbeitet lüfterlos und ohne sichtbare Kühlrippen.

Sechs Endstufen versorgen die Komponenten. Zwei gebrückte Amps versorgen den Bass mit 1400 Watt RMS, zwei Endstufen sind mit 500 Watt RMS für die Mitten und die restlichen zwei mit 100 Watt RMS für die Höhen zuständig.

Ein DSP-Controller mit FIR-Filter sorgt für linearphasige Abstrahlung in den CX8.

Als Eingänge fungieren zwei XLR-Buchsen, die Signale bis +12 dBv verarbeiten. Ausgangsseitig gibt es zwei NL4 Speakon-Anschlüsse zu den CX8 Tops und einen XLR zur Ansteuerung eines optionalen Subs. Dieser ist aktiv und unter der Bezeichnung CB12E erhältlich.

Die Anschlüsse der Elektronik

Das Schaltnetzteil wird über ein professionelles Powercon-Kabel an das Stromnetz angeschlossen. Über eine Powercon-Ausgangsbuchse kann der Strom weitergeschickt werden.

Über drei Drucktaster und ein kleines Display kann der Bass um +/-9 dB angepasst werden. Eine Delay-Funktion ist ebenfalls vorhanden, falls Bass und Tops nicht auf einer Linie stehen. Hier kann der Bass um +/-6 Meter eingestellt werden.

Das Bedienfeld, einfach aber effektiv

Die kleine Anlage kann ein Frequenzspektrum von 44 Hz bis 19 kHz abdecken und mit ihren insgesamt 2600 Watt einen Schalldruck von 128 dB erzeugen. Getrennt wird der Bass bei 120 Hz, zwischen Mittel- und Hochtöner sitzt die Trennfrequenz bei 1200 Hz.


Aufbau

Das ist superschnell erledigt, Plug & Play sozusagen. Strom auf den Bass, Signale vom Pult zum Sub, von da aus mit Speakon-Kabeln zu den Tops. Wichtig ist hier, dass NL4-Kabel benutzt werden, da die High/Mids ja getrennt angefahren werden.

Die Tops können auf zwei Stativen platziert werden oder eine CX8 kann direkt mit Distanzstange auf dem Bass Platz finden. Durch die Wedge-Form ist es auch möglich, die Anlage als edlen Keyboardmonitor zu nutzen.

Durch den einfachen Delay-Ausgleich in Metern lässt sich der Bass auch relativ frei aufstellen.


Einschalten

Beim Anschalten macht sich ein deutliches Rauschen in den Höhen bemerkbar. Das kenne ich von KS Audio so nicht, also wird an dieser Stelle sofort der Vertrieb kontaktiert. Dort wird mir bestätigt, was ich schon vermutet hatte. Meine Testanlage ist der letztjährige Messeaussteller, inzwischen wurde noch etwas Finetuning betrieben, womit auch bei den ausgelieferten Exemplaren das Rauschen entfällt.

Wo ich den netten Herrn schon an der Strippe habe, kläre ich gleich noch einige weitere Fragen ab. Punkt 1 ist die Monokompatilität des Subs. Klar ist, dass das ankommende Stereosignal im Bassbereich mono summiert wird. Was passiert aber bei Verwendung des optionalen CB12E? Nun, auch hier bleibt der Bass mono, was in der Regel einen besseren Wirkungsgrad verspricht.

Meine zweite Frage zielt auf die Schutzgitter ab. Mancher potentielle Nutzer könnte sich an der offenen Struktur stören, die den Blick auf die Speaker ermöglicht. Aber natürlich kann KS hier auch einen Akustikschaum anbieten, ebenso ist die Lackierung in verschiedenen RAL-Farben möglich.

Ab dem Sommer wird übrigens auch ein Schutzhüllen-Set für die Komponenten angeboten. Ein Transportcase für Sub und Tops ist jetzt schon erhältlich.

Sound

Kommen wir jetzt aber zum Wesentlichen, dem Klang der kleinen PA. Hier lasse ich zunächst etwas Konservenmusik durch diverse Stilistiken laufen. Auffällig ist sofort der präsente und präzise Bassbereich, der schön knackig spielt. Auch bei hohen Lautstärken bleibt die Charakteristik erhalten. Erstaunlich ist, wie tief der Sub mit seinem einzelnen 12“ Chassis runter kommt. Dabei steht das Bassfundament schon in nächster Nähe zum Speaker zur Verfügung.

Die Mitten sind sauber zu orten, aber einen Tick zurückhaltender, als ich es vom typischen KS Sound kenne. Dafür ist der Höhenbereich etwas offener und lauter. Hier trägt KS Audio anscheinend seinem Anspruch Rechnung, mit der microSAT den Klang einer guten Hi-Fi-Anlage zu erreichen. Zur Bestätigung packe ich eine meiner KS CPD08 aus und lasse sie gegen die CX8 laufen. Tatsächlich, die CPD08 drückt mehr in den Mitten, ist aber im Hochtonbereich etwas belegter. Nun ist die CPD08 aber auch als Fullrangebox konzipiert, die CX8 aber eindeutig nur als Topteil, das immer mit Bassunterstützung arbeitet, so sind die verschiedenen Charakteristika nicht verwunderlich.

Die microSAT kann für ihre Größe brachiale Pegel erzeugen, die auch im oberen Bereich immer sauber bleiben. Das teste ich mit einigen Musikstücken der härteren Gangart an. Aber auch ruhige, tragende Songs werden sehr gut übertragen, hier zeigt die Anlage ihre gute räumliche Abbildung und die schöne Auflösung.

Nun geht es live weiter, da checke ich zuerst die Sprachverständlichkeit. Diese ist sehr gut, deutlich und artikuliert sind sowohl Sprache als auch Gesang zu verstehen und bleibt auch in den tieferen Bereichen akzentuiert und druckvoll. Hier macht sich das Konzept der microSAT bezahlt, wobei der gesamte für Stimme benötigte Bereich von den Tops übertragen wird. Heutzutage werden für Jobs, die die microSAT erledigen kann, gerne diverse Säulenlautsprecher eingesetzt. Hier erfolgt in der Regel die Trennung höher, der Sub übernimmt also die tiefen Stimmanteile in einem Bereich, in dem er nicht mehr sehr gerne mitspielt. So klingt die Stimme da gerne verwaschen und mit dem typischen Mittenloch belegt. Davon kann bei der microSAT keine Rede sein, sie funktioniert, wie eine gute PA zu funktionieren hat.

Auch etwas Liveband-Feeling will ich der Anlage noch entlocken. Da gerade keine Probe ansteht, behelfe ich mir für Drums, Bass und Keyboards mit dem Yamaha QY70 Music Sequencer und steuere Gitarre und Gesang live hinzu. Hier kann ich durch Drums und Keyboards auch nochmals gut die Stereoortung überprüfen. Das klingt alles wie aus einem Guss, aber ich möchte nun doch noch etwas Liveschlagzeug hören. Dafür wird mein Percussion-/Drumset mit Kick, Snare und 1x Overhead mikrofoniert und an die kleine KS angeschlossen. Meine Cajon Kickdrum drückt, die Snare peitscht, die Becken sind schön da. Also kann der microSAT auch absolute Livetauglichkeit bescheinigt werden.


Wunschdenken

Die microSAT ist ja eine abgeschlossene Anlage. Meiner Meinung nach würden sich die kleinen Tops, die ja schon die entsprechende Form aufweisen, auch sehr gut als Monitoranlage für kleine, feine Darbietungen eignen. Für solche Gelegenheiten setze ich öfters meine CPD08 ein. Diese eignen sich durch die Gehäuseform aber nur bedingt, es muss mit Distanzhölzern gearbeitet werden. Auch sind mir für Monitoranwendungen passive Systeme lieber.

Wäre doch ’ne schöne Wedge …

Deshalb meine Bitte an KS und Dipl. Ing. Dieter Klein: eine kleine Endstufe, vielleicht im 9,5“ Gehäuse, zur Ansteuerung von zwei CX8. Dazu vielleicht zwei Presets für Monitor und Front, dann könnten auch kleine Sprachbeschallungen mit minimalem Equipment bewältigt werden. Wenn dann noch ein Ausgang für den CB12E vorhanden wäre, ist wieder eine vollwertige microSAT am Start, die durch weitere Endstufenblöcke für Monitor oder Delayline erweitert werden könnte.

Fazit

Mit der microSAT gelingt es KS Audio, das Konzept der erfolgreichen SAT Plug&Play-Anlagen aus dem Hause in Größe und Preis an ein Klientel anzupassen, das eben keine großen Säle zu beschallen hat und trotzdem eine hochwertige, einfach zu bedienende PA wünscht.

Dabei kann die microSAT trotz ihren geringen Ausmaßen durchaus laut und bleibt immer klar und differenziert. Durch den breiten Abstrahlwinkel lässt sie sich dabei in den meisten Fällen unproblematisch einsetzen.

Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, der Preis ist nicht gerade niedrig, aber für ein Produkt, entworfen und gebaut in Deutschland, mehr als angemessen.

Plus

  • sehr guter, vollwertiger PA-Sound
  • gute Materialien, perfekte Verarbeitung
  • viele Einsatzmöglichkeiten
  • kleine Transportmaße, schneller Aufbau

Preis

  • Ladenpreis: 2.999,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny  

    Danke für den Test. Technisch bestimmt eine gute Anlage( wenn das Rauschen wirklich weg ist), aber optisch gefällt sie mir überhaupt nicht. Die wirkt irgendwie nicht symmetrisch und damit meine ich nicht nur einen Sub. Aber anderen gefällt sie vielleicht.

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