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Test: KV331 SynthMaster One, iOS-APP / Desktop

Zu den Moog-Filter gesellen sich dann noch die SEM-Style State-Variable-Filter und ein Bite-Filter, das ein Zero-Delay-Feedback-Filter ist, und wie sollte es anders sein, dem MS-20 gewidmet ist.
Die beiden unabhängigen Filter können jeweils noch von LFO 1 oder 2 und gleichzeitig von einer der zwei Modulationshüllkurven beeinflusst werden.

Die beiden Lautstärkehüllkurven bieten auf den ersten Blick zwar nur die üblichen ADSR-Parameter, doch bieten sie zusätzlich über die Icons unter den Reglern, genau wie der Curve-Parameter des Oszillators, eine frei einstellbare Kurve für die Anschlagsdynamik zwischen logarithmisch und exponential. Die Lautstärkehüllkurven verhalten sich funktional identisch mit den Modulationshüllkurven.

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SynthMaster One - LFO

SynthMaster One – LFO

Die LFO-Sektion bietet drei LFOs, die ebenfalls Wavetable-basiert sind und so einige Besonderheiten bereithalten. Als erstes wäre da die Unterscheidung des dritten LFOs als Voice-LFO. Dieser unterscheidet sich von den anderen beiden dadurch, dass er nur von einer einzigen Stimme kontrolliert wird. Der VLFO kann einem globalen oder einem Effekt-Parameter zugewiesen werden. Bei Noteneingaben wird dann die erste erklingende Stimme als Modulationsquelle für die zugewiesenen Parameter des VLFOs benutzt. Ansonsten verhalten sich die drei LFOs aber identisch, mit all den Leckereien wie uni- und bipolare Auslenkung, nicht einem sondern zwei Taktteilern, Startphase oder einem bis zu 32 Samples langem Sample & Hold. Das ganz natürlich auf Wunsch synchron zum Takt.

KV331 SynthMaster One

SynthMaster One – Routing

Im Routing-Fenster kann der Signalpfad von den Oscs zum Verstärker in semimodularer Weise zwischen getrennt, parallel oder seriell umgeschaltet werden und einzelne Klangmodule an- und abgeschaltet werden.

Synthmaster One - Arp und Verwaltung

Synthmaster One – Arp und Verwaltung

Was so unscheinbar als „Arpeggiator“ bezeichnet wird, hat tatsächlich mehr mit „Sequencer“ zu tun. Elf Abspielmodi, von dem üblichen Arp-Leiern über Akkorde bis zum Sequencer machen Laune. Die Maximal 16 Schritte sind super einfach zu handhaben. Ein Tippen setzt die Note und ein vertikales Streichen legt die Notenlautstärke fest. Taster für Slides (Portamento) und gehaltene Note sind am Fußende des Sequencers aktivierbar. Auch umfangreiche Einstellungen zur Notenlänge, Anschlagsdynamik, wie z. B. „Step + Note“ oder „Step x Note“, sind vorhanden. Es macht wirklich einen Riesenspaß, mit dem „Arp“ zu experimentieren.

Synthmaster One - Arp und Modi

Synthmaster One – Arp und Modi

Leider lassen sich die Sequenzen nicht gesondert abspeichern, sondern nur zwischen den Presets kopieren, wie im Übrigen alle Einstellungen der verschiedenen Sektionen, um dann mit dem Preset komplett abgespeichert zu werden. Das empfinde ich zwar nur als einen rudimentären Ersatz für einen Parameter-Lock, ist aber machbar.

KV331 SynthMaster One

Synthmaster One – FX

Im derselben Sektion befindet sich auch die Effektkette. Von den 13 Effekten können sechs gleichzeitig aktiv sein und es gibt auch ein 16-Band-Vocoder. Dabei dient ein Oszillator bzw. Audioeingang als Carrier und der andere als Modulator.

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Der Vocoder des KV331 SynthMaster One ist allerdings nicht ganz so einfach zu handhaben, weil er eben Teil der komplexen Signal- und Modulationskette des Synthmaster One ist. Wie im Audiobeispiel zu hören ist, äußerst sich hier ein Problem beim „Anspringen“ der Attack-Hüllkurve. Da war noch irgendwo eine versteckte Modulation im System, die ich nicht gefunden habe – kann aber auch an den MIDI-Daten gelegen haben.

Synthmaster One - ModMatrix

Synthmaster One – ModMatrix

Die letzte große Sektion ist die Modulationsmatrix mit 12 Slots. Neben MIDI als Modulationsquelle gibt es auch solche Modulationsquellen wie Zufall oder Keytrack und natürlich die LFOs und Hüllkurven. Als Ziel kann so gut wie jeder Parameter des SynthMaster One gewählt werden.
Zusätzlich gibt es zwischen Quelle und Ziel aber auch noch den Slot „Via“, der den Modulator moduliert, also z. B. LFO2 x MIDI-CC 10 modulieren das Ziel. Damit lassen sich recht komplexe und vor allem lange oder gar nichtzyklische Modulationen erzeugen.
Dabei wird die Modulationsauslenkung durch einen dunkelgrauen Ring um den entsprechenden Parameter herum angezeigt.

Synthmaster One - ModMatrix - Via

Synthmaster One – ModMatrix – Via

Was den Klang angeht, ist der KV331 SynthMaster One absolut überzeugend. Im Test zum großen SynthMaster wurde streckenweise ein dünner Klang kritisiert. Das traf vielleicht auf bestimmte Synthesearten der großen Version zu, aber hier ist davon nichts zu spüren und selbst in dieser stark abgespeckten Version bietet der SynthMaster One immer noch eine Klangvielfalt, die einen in die Knie zwingen kann. Aber immer ein wenig mit einem Retro-Charakter.

Synthmaster One - Settings

Synthmaster One – Settings

Was es an Kritik am SynthMaster One gibt, ist in erster Linie das fehlende Handbuch. Man kann zwar alle Parameter-Funktionen aus dem PDF-Handbuch zur großen Desktop-Version fischen, aber das ist recht umständlich und selbst dort größtenteils nicht richtig erklärt. Ein eigenes, besser geschriebenes Handbuch für den SynthMaster One wäre sehr wünschenswert, ansonsten tappt man bei manchen Funktionen doch arg im Dunkeln.

KV331 SynthMaster One

Synthmaster One – Mircotuning

Dann wäre da der fehlende Parameter-Lock zumindest für die Lautstärke und den Arpeggiator und zuletzt wäre da noch das Design der Benutzeroberfläche. Ich finde die Farbgebung ziemlich dröge und uninspiriert bzw. uninspirierend. Zudem kann man nicht behaupten, der SynthMaster One würde die Besonderheiten einer Touchscreen-Oberfläche auch nur annährend ausschöpfen. Hier spürt man deutlich, dass man es hier mit einer Portierung eines Desktop-Plugins zu tun hat, das mit der Maus bedient wird. Die Bedienung ist funktional – okay, das war’s dann aber auch. Da die iOS- und die Desktop-Version sehr wahrscheinlich auf dieselbe Code-Base zurückgreifen, wird man diesbezüglich auch nicht mehr erwarten dürfen. Das kann man als problematisch ansehen, muss man aber nicht.

Bei den Audiobeispielen schwankt der Peak zwischen -6 und  -3 dBFS.

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Fazit

Trotz des schlichten und nur funktional übertragenen Designs auf den Touchscreen und des fehlenden Handbuchs ist der KV331 SynthMaster One ein Synthesizer, der begeistert, wenn auch immer mit einem gewissen klassischen (bekannten) Flair. Die Klangmöglichkeiten sind umfassend, der Klang absolut überzeugend und einer der Wavetable-Synthesizer, die einen absolut organischen Klang haben. Der Arpeggiator macht unglaublich viel Spaß und die Einsetzbarkeit als Effekt gibt es noch obendrauf. Von der ersten Note an bekommt man dieses „Elektro“-Feeling, das selbst potentiell bessere Synthies nicht immer hinbekommen.
Zusammen mit der Unterstützung sämtlicher Konnektivitätsprotokolle gibt es für den SynthMaster One keine Grenzen. Unter dem Strich der Must-Have-Synth 2018 für alle iOS-Musiker und ein verdienter 2. Platz in unserer iOS-Charts.

Plus

  • Klang
  • Interkonnektivität
  • MPE
  • Audioeingang

Minus

  • kein eigenes Handbuch
  • uninspirierte Farbgebung
  • nur funktional auf den Touchscreen angepasst

Preis

  • 21,99 Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Coin  AHU

    Hatte das KV331 Synthmaster als VST Plugin getestet.
    Das Filter klang ganz gut, macht es auch Selbstoszillation mit.

    Aber das ABER – die Oszillatoren bzw. der Grundklang ist mir zu dünn.
    Wenn man vorher einen Hardwaresynth gehört hat, wie ich letztens
    den neuen Yamaha MODX, wird man von den Softwaresounds nicht befriedigt.
    Siehe Besipiel „Bells“

    Diese Kritik möchte ich nicht allein an diesem Synth richten,
    sondern generell an alle Software-Synths.
    Bitte bringt mal besseren Sound auf die Rechner.
    Bitte Bitte

    • Profilbild
      mdesign  

      sorry, nicht ganz richtig. wenn du einen guten software-synth über schlechte wandler – zB eine schlechte soundkarte – abhörst, klingt das unbefriedigend. auch am ipad ist der kopfhörerausgang nur die halbe wahrheit. digital über einen amtlichen wandler hört man, was die software wirklich kann. und das ist in vielen fällen beeindruckend.

      der synth one ist ein toller synth. hab ihn gekauft, weil ich auch den synthmasterplayer aus gleichem hause seit langer zeit mag. auf meinem ipad pro 10.5 mit ios 12 gibt es allerdings den einen oder anderen crash. hoffe, das gibt sich noch.

        • Profilbild
          AMAZONA Archiv

          Hmm… was willst du da hören? Deinen subjektiven Eindruck wird dir der Eine bestätigen, der Andere nicht. Markus weist ja darauf hin, dass es sich bei dem o.g. Beispiel auch nur um einen digitalen Synth handelt. Im Prinzip hängt es hier nur von zwei Faktoren ab. Der Klangsynthese und den Wandlern. Das isses auch schon. Habe übrigens auch NOCH das Focusrite Scarlett 8i6, und kann deine Eindrücke in Sachen Softsynths so nicht unterschreiben. Eigentlich müsste ich seit gestern schon das 18i8 haben. Klingel kaputt, liegt nu bei der Post.

          • Profilbild
            Coin  AHU

            Hör Dir mal das Soundbeispiel „Bells“ vom Synth One an
            und vergleiche das mit dem Soundbeispiel „Bells“ vom MODX.

            Wenn der MODX auch „nur“ Software ist,
            müsste man solchen Sound doch auch mit nem Plugin hinbekommen, oder ?
            Ich mein, der Synth One will ja nicht analog klingen,
            sondern ist auch als ein digitaler einzuordnen.
            Damit haben wir wieder die Gemeinsamkeiten.

            Also auch mit besseren Wandlern
            hört sich der Synth One dünn an.

            • Profilbild
              AMAZONA Archiv

              Jetzt machst du aber doch den speziellen Vergleich zwischen Synth A und B und machst dazu eine Pauschalaussage.
              Den Vergleich könntest du auch so unter Hardwaresynths oder reinen Softsynths untereinander anstellen. Da wirst du eigentlich keine Pauschalaussagen treffen können.
              Habe den jetzt hier nicht angetestet. Aber hier vergleichen wir schon einen Wavetabler mit einem FM/AWM Synth. Schwierig pupierig. Da wäre es vielleicht sinnvoller, einen FM Sound von der Yamaha Schleuder zu nehmen und dem einen entsprechenden Sound von einem FM Softsynth gegenüberstellen. Hier haben wir einen Äpfel/Birnen Vergleich.
              Zu dem Bells Vergleich…. hier macht definitiv die Synthese einen Unterschied. Habe zwar jetzt nur hier reingehört, aber dem 8 Operatoren FM Synth sind per se mehr Möglichkeiten im Obertonbereich gegeben. Da MUSS der Vergleich hinken.
              Also, wenn Bells Vergleich, dann definitiv mit einem FM Synth oder einem guten Physical Modeling Synth. Da fallen mir z.B. spontan die Bellsounds vom Pianoteq Modartt ein. Klingen auch sehr gut.
              Wenn Dich aber ein Hardwaresynth mehr inspiriert, dann leg dir einen zu. Musikmachen spielt sich ja auch zwischen den Ohren ab und ist eine haptische Sache. Alles, was einen da subjektiv weiter bringt, zählt.

            • Profilbild
              Markus Schroeder  RED

              Nun, ist ja die Frage was für Bells man haben will? Allein vom der Namesgebung eines Patches her sollte man keine Rückschlüsse ziehen.

              Das ist ja nur ein winziger Ausschnitt der Möglichkeiten und wenn ich ein Glöckchen haben will, hift mir eine Aufnahme vom Kölner Dom wenig.

              Dem ungeachtet kann es ja durchaus sein, dass der MODX besser klingt und die Oszies des SMO schwächeln. Mir hat der Klang des SMO sehr viel Spass gemacht.

              :)

              • Profilbild
                AMAZONA Archiv

                Hätte gerne die Black Bells in Karate und Mikado. ;-)

  2. Profilbild
    Coin  AHU

    Sorry Welle, das geht mir jetzt doch zu weit.
    Ich bin dafür dieses Thema per PN,
    oder einem geeigneten Thread zu diskutieren.

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