Test: Mackie EM-89D dynamisches Gesangsmikrofon

26. März 2020

Robust, gutklingend, preiswert

Test: Mackie EM-89D dynamisches Gesangsmikrofon Test: Mackie EM-89D dynamisches Gesangsmikrofon Test: Mackie EM-89D dynamisches Gesangsmikrofon

Immer mehr Hersteller streben ein Vollsortiment an. Alles aus einer Hand, lautet die Devise. Wie das geht, zeigt Yamaha seit vielen Jahren: Instrumente, Mischpulte, Lautsprecher und weiteres Bühnenequipment sollen dem Kunden ein möglichst breites Spektrum für seine musikalischen Aktivitäten bilden. Nur Mikrofone waren lange Zeit Spezialisten vorbehalten. Das hat sich in jüngster Zeit geändert. Nach Behringer ist es nun auch für Mackie an der Zeit, den Mikrofonmarkt für sich zu erobern. Mit dem Mackie EM-89D möchte man den Musikern für die Bühne ein ordentliches Werkzeug für einen günstigen Preis in die Hände geben. Grund genug, sich das einmal genauer anzuschauen.

Mackie Philosophie

Mackie hat schon immer nah an den Bedürfnissen der Musiker agiert. Die Produkte sollten eine hohe Fertigungsqualität besitzen, flexibel sein und professionelle Features auch für kleinere Bühnen zu einem guten Preis nutzbar machen. Wer kennt nicht die Mischpulte, mit denen sich Mackie einen Namen in der Branche gemacht hat? Die Mischpulte Mackie CR1604, Mackie 1604 VLZ und Mackie 1202 VLZ gehören wohl zu den erfolgreichsten Kleinmischpulten am Markt und das Konzept wurde oft kopiert. Es waren die kleinen Details, die diese Mischpulte so beliebt gemacht haben. Mackie hat das später weitergeführt: Die 8-Bus Mischpulte standen in vielen Home- und Projektstudios und sind dort zu einem Quasi-Standard geworden, der unzählige der damals gerade erschwinglich gewordenen digitalen Recorder wie Alesis ADAT oder Tascam DA-88 mit Signalen versorgt hat. Die Lautsprecher der SRM-Serie sind ebenso in die Geschichtsbücher eingegangen und werden ebenfalls bis heute kopiert. Nun sind es also Mikrofone und auch hier macht man bei Mackie keine Kompromisse. Guter Klang und gute Verarbeitung sollen der Maßstab der neuen Mackie Element Mikrofonserie sein.

Mackie_EM-89D_Element-Serie

Mackie Element Series Microphones

Das Wort Element kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Grundstoff“. Jeder kennt das Periodensystem der Elemente aus dem Chemieunterricht. Die Elemente sind Grundlage allen Lebens. Die Bezeichnung für eine Mikrofonserie könnte besser nicht gewählt werden, denn auch in der Schallübertragung steht die Schallwandlung per Mikrofon am Beginn der Übertragungskette. Hier muss schon alles stimmen, denn Fehler, die hier bei der Wandlung gemacht werden, lassen sich später nur schwer korrigieren und bestimmen maßgeblich den Gesamtklang. Mackie schickt derzeit drei Vertreter der Element-Serie ins Rennen:

Das Mackie EM-89D ist ein dynamisches Mikrofon für die Bühne. Das Großmembran-Kondensatormikrofon Mackie EM-91C hat im Studio seinen Platz, während das USB-Kondensatormikrofon Mackie EM-USB sich bei Mobile-Recording, Podcasting und Streaming besonders wohlfühlt.

Allen Mikrofonen ist gemeinsam, dass sie sich in einer heiß umkämpften Preisklasse positionieren, in der sich viele Billighersteller tummeln, deren Produkte nicht selten einen zweifelhaften Ruf besitzen. Doch auch namhafte Hersteller wie Sennheiser, AKG, Shure oder sE Electronics haben in der Preisklasse unter 100 Euro gute Mikrofone am Start.

Mackie EM-89D

Das Mackie EM-89D wird in einer Pappschachtel im typischen Mackie Design geliefert. Im Inneren befinden sich gut verpackt das Mikrofon, eine Tasche, das Datenblatt, eine Klemme und ein XLR-Kabel. Eine ganze Menge für ein Produkt, das im Handel für 69 Euro zu haben ist.

Mackie_EM-89D-Verpackung

Mackie_EM-89D-Lieferumfang

Lieferumfang des Mackie EM-89D: Mikrofon, Klemme, Kabel, Tasche, Datenblatt

Schon beim ersten Anfassen merkt man, dass jeder, der Mackie Qualität erwartet, diese hier auch bekommt. Das Mikrofon ist recht schwer und liegt sehr gut in der Hand. Es ist formschön gestaltet. Das matt lackierte Gehäuse fühlt sich gut in der Hand an. Der typische Mackie „Running Man“ und der grüne Element-Schriftzug zieren gemeinsam mit der Produktbezeichnung den Mikrofonschaft. Zwischen Schaft und Korb ist ein Ring im Farbton Grün-Metallic eingelegt, der sich nach Abschrauben des Metallkorbs entfernen und austauschen lässt. Es ist zu vermuten, dass Mackie hier eine farbliche Kodierung der Mikrofone vorgesehen hat. Allerdings ist das derzeit noch Spekulation, da ich im Handel derzeit noch keine passenden Ersatzringe finden konnte. Möglich ist das allerdings. Der Mikrofonkorb verfügt seinerseits im unteren Drittel über einen Ring, der über Abflachungen verfügt. So kann das Mikrofon nicht vom Tisch rollen. Das habe ich schon mal bei einem anderen Hersteller gesehen. Ein schneller Blick in die von mir über Jahre verfassten Testberichte zeigt, dass die Bühnenmikrofone V3 und V7 von sE Electronics über ein fast identisches Design verfügen. Interessant.

Formschön, stabil und gut klingend – das Mackie EM-89D

Unter dem Mikrofonkorb kommt eine sauber verarbeitete dynamische Kapsel zum Vorschein. Der Mikrofonkorb verfügt über eine Schaumstoffeinlage.

Technische Daten des Mackie EM-89D

Die dynamische Kapsel des Mackie EM-89D verfügt über eine Nierencharakteristik. Der Frequenzgang ist mit 50 Hz bis 16 kHz angegeben. Die Empfindlichkeit beträgt laut Datenblatt -52 Dezibel (±3 dB, 0 dB=1 V/Pa@1 kHz). Die Ausgangsimpedanz beträgt 600 Ohm.

Erster Klangeindruck

Das Mackie EM-89D macht klanglich eine gute Figur. Es besitzt eine sehr deutliche Präsenzanhebung. Das kommt der Sprachverständlichkeit sehr zugute. Allerdings sollte man einen Sprechabstand größer als fünf Zentimeter wählen, denn das Mikrofon schiebt durch einen sehr ausgeprägten Nahbesprechungseffekt sonst extrem die Bassfrequenzen nach vorne. Ein einzelner Zentimeter mehr oder weniger entscheidet darüber, ob die Stimme sehr klar und weit vorne klingt oder durch Bassmulm negativ ergänzt wird.

Für den Test dynamischer Mikrofone und den Klangvergleich nutze ich stets andere, mir gut bekannte dynamische Vertreter. In der Regel sind dies mein altehrwürdiges Shure SM58 (mittlerweile 33 Jahre alt!) und ein Sennheiser e945, das seit einigen Jahren mein Lieblingsmikrofon auf der Bühne ist.

Der Vergleich mit dem Shure SM58 zeigt, dass die Präsenzanhebung des Mackie EM-89D die Stimme weiter nach vorne schiebt. Bei gleichem Besprechungsabstand zeigt auch das Shure SM58 seinen sehr ausgeprägten Nahbesprechungseffekt. Es klingt durch die etwas weniger starke Präsenzanhebung aber auch leicht mumpfiger als das Mackie EM-89D. Nun der Vergleich mit dem Sennheiser e945. Das Sennheiser e945 bietet selbst bei geringen Besprechungsabständen keinen so ausgeprägten Nahbesprechungseffekt wie die beiden anderen Kandidaten. Das fällt sofort auf und hört man lange ein Shure SM58 oder Mackie EM-89D vor dem Hörvergleich mit dem Sennheiser e945, könnte man meinen, dass die Stimme damit nahezu dünn klingt. Das ist aber eher dem Gewöhnungseffekt zuzuschreiben. Das Sennheiser e945 klingt extrem klar und präsent. Die Stimme steht immer sehr weit vorne und kann sich auch in einem dichten Mix gut durchsetzen. Hinzu kommt sein hohes Ausgangssignal, sodass am Mischpult nur wenig Verstärkung nötig ist. Dass hier große Unterschiede bestehen, zeigte sich auch bei den Vergleichsaufnahmen, die ich mit allen drei Mikrofonen gemacht habe.

Genutzt wurde Logic Pro X mit einem iConnectAudio 2+ Interface. Aufgenommen wurde immer der gleiche Ausschnitt aus einem alten Spiritual. Alle Signale wurden komplett unbearbeitet aus Logic ausgespielt, lediglich der Pegel wurde mit dem Gain-Plugin angepasst. Es gibt keinen Low-Cut, keinen EQ und auch keinen Kompressor. Der Besprechungsabstand war bei allen Mikrofonen gleich: zwei bis drei Zentimeter vom Mikrofonkorb entfernt, also typisch für eine Bühnensituation, bei der ein üblicher Abstand von Lippenkontakt bis drei Zentimeter reicht, um möglichst viel „Gain before Feedback“ zu bekommen.

Irgendwie kommt mir der Klang des Mackie EM-89D bekannt vor und auch die Form habe ich schon einmal gesehen. Doch woher nur?

Messungen

Um mich nicht nur auf subjektive Aussagen zu verlassen, wurden noch einige Messungen aller drei Vergleichsobjekte durchgeführt. Natürlich ist es in einem Arbeitszimmer zuhause nicht möglich, Messungen durchzuführen, die einer Frequenzgangmessung in einem schalltoten Raum mit hochwertigem Messequipment standhalten könnten. Führt man aber Vergleichsmessungen unter exakt gleichen Bedingungen durch, lassen sich die Hörerlebnisse gegebenenfalls untermauern. Auch ein Vergleich mit den Messkurven der Hersteller ist möglich, denn diese sind in der Regel stark geglättet.

Die Messungen wurden im Abstand von circa 30 Zentimeter vor einem Studiomonitor (Event 20/20) durchgeführt. Gemessen wurde auf Achse zwischen Hochtöner und Woofer. Als Interface kam  das iConnectAudio 2+ Interface zur Anwendung, das auch für die Vergleichsaufnahmen verwendet wurde. Gemessen wurde mit Room EQ Wizard. Zunächst wurde das Interface im Loop-Verfahren gemessen, um dessen Verhalten durch ein Kalibrierungs-File anschließend aus dem Messergebnis herauszurechnen. Da bei einer Messung in den eigenen vier Wänden die Reflexionen des Raumes, die fehlende SPL-Kalibrierung und auch der Lautsprecher, bei dem es sich nicht um einen Breitbandlautsprecher handelt, die Messergebnisse beeinflussen, ist es müßig, im Frequenzschrieb Details analysieren zu wollen. Deshalb ist es sinnvoll, eine starke Glättung vorzunehmen, so wie es auch die Hersteller im Datenblatt tun. Nun lassen sich schon eher Aussagen treffen und das Gehörte mit dem Gemessenen vergleichen.

Mackie_EM-89D-Vergleichsmessungen

Vergleichsmessungen: Das Mackie EM-89D im Vergleich mit dem bewährten Shure SM58 und dem Sennheiser e945

Die Messergebnisse sind keine große Überraschung und bestätigen auch das, was man hört. Durch den größeren Messabstand, der aufgrund des verwendeten Mehrwege-Lautsprechers nötig ist, spiegelt sich der Nahbesprechungseffekt der einzelnen Mikrofone nicht in den Messungen wider. Im übrigen Frequenzbereich liegen das Mackie EM-89D und das Shure SM58 nahezu gleich auf. Ab 6 kHz zeigt sich beim Mackie EM-89D allerdings noch einmal ein Boost. Das Sennheiser e945 ist noch präsenzstärker als das Mackie EM-89D, was dem Klangeindruck entspricht.

Doch verwandt? Mackie EM-89D und sE Electronics V3 im Vergleich

Nach dem ausführlichen Hörtest, dem erneuten Anhören der Aufnahmen, der eigenen Vergleichsmessung mit den anderen Kandidaten und dem Verschriftlichen der Ergebnisse bleibt das Déjà Vu-Erlebnis bestehen. Das Mackie EM-89D habe ich schon einmal gehört und gesehen. Vielleicht nicht genau dieses Mikrofon, aber die Verwandtschaft. Eine Suche im Gedächtnis und meinem Archiv an von mir getesteten Mikrofonen fördert ein Ergebnis zu Tage: Als freier Fachautor bin ich neben AMAZONA.de seit vielen Jahren für das Magazin „Tools 4 Music“ tätig. Für die Ausgabe 04/2017 hatte ich drei Mikrofone von sE Electronics getestet. Begleitet wurde der Test von Messungen im schalltoten Raum von Johann Fraunhofer. Einer der Testkandidaten war das sE Electronics V3.

Mackie_EM-89D-sE-Electronics-V3-Vergleich

Konkurrenz mit fast identischen Werten, ähnlicher Optik und gleichem Preis: Das sE Electronics V3 wurde von mir für die Tools 4 Music getestet und erinnert stark an das nun getestete Mackie EM-89D

Zu dessen Sound habe ich damals Folgendes geschrieben:

„Für den praktischen Test ziehe ich zwei mir gut bekannte Vergleichsmodelle heran: das Shure SM58 (mein Modell „lebt“ seit 30 Jahren) und mein oft genutztes Sennheiser e945, welches im Prinzip mein Referenzmodell für alle Tests dynamischer Mikrofone darstellt. Die Messergebnisse sind in der Praxis nachvollziehbar. So hat die Stimme im Nahbereich viel Fundament, für mich zu viel, weshalb der Low Cut bei 120 Hz eine gute Erfindung ist. Jetzt passt es. Dies gilt wohlgemerkt für Lippenkontakt bis zu einem Abstand von 3 cm. Darüber hinaus sinkt der Nahbesprechungseffekt und bei etwa 10 cm kann der Low Cut etwas tiefer ansetzen, 80 Hz reichen jetzt. Im Vergleich mit dem SM58 fällt sofort auf, dass die Stimme beim V3 präsenter ist. Sie steht vorne im Mix mit sehr guter Sprachverständlichkeit […]“

Vergleicht man nun das Messdiagramm vom Mackie EM-89D mit dem vom sE Electronics V3, kommt man zu folgendem Ergebnis:

Mackie_EM-89D-sE-Electronics-V3-Vergleich

Herstellerangaben von Mackie und sE Electronics in der Gegenüberstellung

Ob das nun ein Zufall ist oder nicht, überlasse ich dem Leser. Bei so vielen Mikrofonen am Markt gibt es natürlich immer Ähnlichkeiten, klanglich wie optisch. Doch interessant ist es allemal. Und schön ist, dass es keines der beiden Mikrofone schlechter macht, sondern bei exakt identischem Preis und auch identischem Handling dem Kunden die Wahl lässt. Besser geht es doch eigentlich gar nicht, oder?

Fazit

Mackie landet mit ihrem ersten Kandidaten aus der neuen Element Mikrofonserie gleich einen Volltreffer. Für 69 Euro Straßenpreis bekommt man ein gutes Bühnenmikrofon, das sich auch vor etablierten Konkurrenten nicht verstecken muss. Das Mikrofon ist sehr robust verarbeitet und übersteht auch einen Sturz unbeschadet. Ich prophezeie eine ähnliche Halbwertszeit wie bei einem Shure SM58. Das Mackie EM-89D bringt so schnell nichts um. Der Klang? Absolut rocktauglich. Optik? Prima. Preis? Heiß. In der Preisklasse ein No-Brainer.

Plus

  • Preis
  • Verarbeitung
  • Klang

Preis

  • 69,- Euro
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