Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Aktivboxen – die Marktübersicht zu behalten, um eine individuelle Kaufentscheidung treffen zu können, ist eine Herausforderung. Aber es gibt Hoffnung. Warum den Blickwinkel nicht von Mega-Leistung und Schnäppchen-Alarm in eine andere Richtung wenden und als ersten Schritt das zukünftige Anforderungsprofil klar herausstellen? Also: Was will ich, was muss die Box können? Damit lässt sich die verbleibende Auswahl unterschiedlicher Produkte deutlicher schneller überblicken und auch einschätzen.
Inhaltsverzeichnis
Aktiv oder passiv?
Das ist hier nicht die Frage, denn bei der Auswahl einer passiven Box kann der Fokus in Abhängigkeit zum Budget ganz auf die klangliche Qualität gelegt werden. Je überschaubarer der zur Verfügung stehende Investitionsrahmen ausfällt, je mehr Kompromisse sind bezüglich der Qualität einzugehen. Denn: Hochwertige Komponenten gibt es nicht für „Kleingeld“, entsprechend detailreiche und leistungsfähige Wiedergabe von Audiomaterial auch nicht. Was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass jede Lautsprecherbox eines Markenherstellers automatisch die Messlatte so setzt, dass No-Name-Anbieter oder auch die Hausmarken großer Musikalienhändler nicht mithalten können. Schließlich gibt es auch für uns als Produkttester immer wieder Überraschungen hinsichtlich der gebotenen Qualität im Einstiegsbereich von PA-Boxen. Grundsätzlich ist die Relation aus Qualität und Preis aber durchaus eine praxisgerechte Orientierung, trotz der möglichen Abweichungen noch oben und unten.
Deutlich schwieriger einzuschätzen ist das Profil von Aktivboxen, die im eigentlichen Zentrum dieses Praxisartikels stehen. Viele der im Nachfolgenden erwähnten Modelle habe ich im AMAZONA.de Test näher unter die Lupe genommen, um deren Vor- und Nachteile herauszustellen. Es handelt sich hier also nicht um eine Marktübersicht, sondern um Produktbeispiele, aufgrund meiner persönlichen Einschätzung. Das ist ein wichtiger Unterschied, der hier ausdrücklich erwähnt werden soll.
Aktivlautsprecher mit „All-in-Paket“
Ein umfassend mit Funktionen gespickter Allrounder wie die Electro-Voice Everse 8 bietet Merkmale wie Remote-Steuerung, Akku, Effekte, konfigurierbarer Equalizer, Kompressor und DSP-Presets, Feedback-Unterdrückung als auch Ducking. So ein „All-in-Paket“ gibt es nicht für 200,- Euro, entsprechend knapp unter der 800,- Euro Marke liegt der Preis für die Everse 8.
Aber wer braucht eine All-in-Aktivbox wie die Electro-Voice Everse 8 oder der Yamaha STAGEPAS 200? Straßenmusik ist aufgrund des internen Akkus, Bluetooth, Remote-Steuerung und der Mischpultfunktionen sicherlich ein Anwendungsbereich.
Oder von der Stromversorung unabhängige sowie von der Anzahl teilnehmender Akteure überschaubare Musik-, Tanz- oder Theater-Darbietungen, wie sie beispielsweise im Berliner Mauerpark regelmäßig zu beobachten sind. Nicht zu vergessen: Für das Verleihgeschäft sind derartige Aktivboxen als Allrounder ebenfalls interessant, weil praktisch jede Event-Nische damit abzudecken ist (Hochzeit, Gartenparty, Präsentationen …). Aber was ist mit dem klassischen Bluesrock-Trio in der Besetzung Gitarre, Bass und Drums plus zweimal Gesang? Die nutzen selten, wenn überhaupt, die Möglichkeiten des internen Akkus, noch reichen die internen Mischpult-Funktionen der Everse 8 zur Mikrofonierung der Backline. Zudem brauchen sie durch die per Mikrofon abgenommene 22“ Bassdrum ein erweitertes Bass-Wiedergabespektrum, das der Everse 8 Aktivlautsprecher als 2-Wegessystem mit 8“ Bass/Mid-Lautsprecher so nicht bieten kann. Demnach geht das Augenmerk in diesem Fall eher in Richtung einer 2.1-Beschallung.
Moment mal: Aktivboxen mit Akku-Betrieb, ganz anders
Noch eine kurze Ergänzung zum Thema Akku-Betrieb für Beschallungslösungen. Auch ältere Aktivboxen oder auch aktuelle Modelle, bei denen vom Hersteller die Versorgung per internem Akku nicht vorgesehen ist, lassen sich „upgraden“. Die Lösung für ein Setup, bestehend aus Mischpult und Aktivbox, das unabhängig von der kabelgebundenen Stromversorgung agieren kann, lautet „Powerstation“. Bei einer Powerstation handelt es sich um eine tragbare Stromquelle, die speziell für den Einsatz beim Camping, bei der Audiowiedergabe oder Verstärkung oder anderen Outdoor-Aktivitäten entwickelt wurde.
Sie ist in der Regel kompakt, leicht und mit verschiedenen Anschlüssen ausgestattet, um elektronische Geräte wie Handys, Tablets, Laptops, Lampen oder eben Verstärker, Effekte und Mischpulte mit Strom zu versorgen. Auf diese Weise kann ein bereits bestehendes, von der Leistung überschaubares PA-System, nachträglich um den Akku-Betrieb erweitert werden. Mehr dazu in diesem Praxisartikel.
Subwoofer plus Aktivboxen
Jetzt aber: mehr Bass. Eine 2.1-Beschallungslösung (Subwoofer plus zwei Topteile/Satelliten) bietet einige Vorteile, nicht nur aufgrund der erweiterten Möglichkeiten im Bassbereich. Der einzelne Subwoofer ist gegenüber einer Zweierlösung meist im Vorteil, weil in beengten Club-Situationen zwei Subwoofer samt Topteilen selten optimal positioniert werden können (mehr zum Thema Subwoofer ist im „Faktencheck“ vom AMAZONA.de-Kollegen Jörg Kirsch nachzulesen). Im Test gut gefallen hat mir die LD Systems Dave 12 G4X Aktiv-PA, sie gehört zu den rein äußerlich unspektakulären Aktivboxen aus der Dave Modellreihe und steht mittlerweile in der vierten Entwicklungs-Generation, geprägt durch Merkmale wie das integrierte 6-Kanal-Mischpult, interne Effekte, DSP-Steuerung, FIR-Filter und Bluetooth-Kompatibilität. Insgesamt stehen vier Leistungsklassen bis hin zum 2.1-Boliden mit 18“ Subwoofer zur Auswahl.
Die von mir für AMAZONA.de getestete LD System Dave 12 G4X Kompakt-PA bietet einen 12“-Subwoofer inklusive zweier Satelliten mit 6,5“ Bestückung und 1.460 Watt Peak Systemleitung – zum Preis von 1.249,- Euro. Das erwähnte Bluesrock-Trio greift zum Set mit 15“ oder gar 18“ Subwoofer (knapp 2.000,- Euro). So ausgestattet lässt sich auch ein Unplugged-Gig mit Cajon statt Drumset, abgemischt mit den Bordmitteln, ganz ohne externes Mischpult absolvieren.
Ebenfalls einen Versuch wert ist die HK Audio Sonar-Familie. Sie besteht aus drei unterschiedlichen aktiven Topteilen und einem Sub. Neben dem 10er Top Sonar 110 Xi, sind wahlweise mit dem 112 Xi ein 12er Modell und ein 15er (115 Xi) in der Serie beheimatet. Ergänzend bietet der Hersteller aus dem Kalifornien Deutschlands (augenzwinkernde Umschreibung des Saarlands), den Sonar 115 Dub D Subwoofer an. Also insgesamt eine überschaubare „Familie“ – zwei 110er Tops (je 398,- Euro) samt Subwoofer (654,- Euro) kosten in der Summe 1.450,- Euro.
Säulenlautsprecher oder Kiste?
Im Jahr 2023 braucht zu den generellen Merkmalen der seit Jahren populären aktiven Linienstrahler oder Säulen-PAs wenig Grundsätzliches ergänzt werden. Eins sollte klar sein: Linienstrahler sind keine Alleskönner, sondern eine mögliche Beschallungsalternative zu den bekannten Direktabstrahlern. Mein Tipp in diesem Zusammenhang? Die Ausführungen des AMAZONA.de-Kollegen Markus Galla, der in dem Grundlagen-Artikel „Vom Line Array zum Säulenlautsprecher“ nicht nur die konstruktionsbedingten Vor- und Nachteile erläutert, sondern auch Einblicke zur Historie der großen und kleinen „Säulen“ gibt. Ansonsten gilt bei der Frage, ob „Säule“ oder „Kiste“: Erlaubt ist, was gefällt. LD Systems hat mit der MAUI-Produktreihe zur Etablierung dieser Spezies für die Club-Beschallung wesentlich beigetragen. Und auch Bose mischte ganz früh die PA-Branche mit „Stäbchen“ auf. Mittlerweile ist das Angebot gleichermaßen vielfältig wie unübersichtlich. Bei dieser Gelegenheit möchte ich neben den Platzhirschen wie Bose und LD Systems auch die HK Audio Polar-Modelle nicht unerwähnt lassen. Für die Club-Beschallung bietet sich das HK Audio Polar 12 an, es handelt sich um ein aktives Säulen-PA-System, mit dem DJs, Singer-Songwriter, Bands und Event-Moderatoren ihren Sound in kleinen Veranstaltungsräumen und übersichtlichen Live-Locations an die Zuhörerohren bringen können. Das Set besteht aus einem 12″-Subwoofer und einer Array-Lautsprechersäule. In der Säule sind sechs 3″-Mitteltöner und ein 1″ Kompressionstreiber mit CD-Horn untergebracht. Mit seinem montierbaren Spacer bietet das System einen variablen Säulenaufbau, der den Säulenteil auf Kopfhöhe bringt. Ein Mixer für Line-, Mic-, Instrumenten- und AUX-Signale macht die Feinabstimmung eingespeister Signale möglich. Der DSP-Teil der Anlage bietet einen Dreifach-Equalizer mit semiparametrischen Mitten, der drei Hersteller-Presets sowie Klangoptimierungen für Musik-, Sprach- oder DJ-Anwendung mitbringt. Fünf Preset-Plätze stehen außerdem zum Ablegen von User-Presets bereit. Zur Einstimmung auf das Thema HK Audio Polar empfehle ich den Polar 10 Test vom AMAZONA.de Kollegen Axel Ritt.
Und was ist mit einem günstigen Angebot wie der Fun Generation Satmix 2.1 Aktiv-PA? Es handelt sich um eine kompakte Klein-PA für 459,- Euro mit 2.1-Sound, internem DSP und Bluetooth-Funktion (Version 5.0).
Das System besteht aus einem aktivem 10“-Subwoofer mit einer Ausgangsleistung von 300 W RMS (600 W Peak) und zwei passiven 6x 2,75“ Neodym-Satelliten, die je 150 W RMS bieten (300 W Peak). Insgesamt sind sportliche 124 dB SPL laut Herstellerangabe möglich. Aber – hier kommt wieder die oben genannte Preis-Leistungs-Relation ins Spiel: Die Fun Generation Satmix 2.1 Aktiv-PA ist eher als Tipp für Duos interessant (Gitarre/Gesang oder rein instrumental). Das erwähnte Bluesrock-Trio kommt hier bezüglich der zur Verfügung stehenden System-Leistung nicht weiter.
Subwoofer?
Wenn wir schon das Thema akustische Duos oder Trios streifen, die oft mit einer Kombination aus Instrumentalmusik und Gesang unterwegs sind, dann lohnt sich auch der Blick auf die die klassische Kombination zweier Direktabtrahler mit je einem 15er Bass/Mitten-Speaker, die durchaus einen zusätzlichen Subwoofer ersetzen können. Angesteuert über ein kleines (Digital-) Mischpult kann so ein 15er-Paar in vielen Situationen eine gute Lösung sein. Ich setze seit Jahren eine HK Audio CL 152 Aktivbox mit 15er Lautsprecher bei solchen Gelegenheiten ein. Vorgeschaltet wird ein analoges Mackie Pult, gerne auch das Behringer Flow 8 Digital-Mischpult – fertig ist die überschaubare All-in-Beschallung
Voraussetzung – kein Drumset. Perkussion geht immer, aber sobald ein Drumset mikrofoniert werden muss, selbst wenn es nur Bassdrum, Snare plus ein Overhead sind, geht meines Erachtens kein Weg an einer erweiterten Basswiedergabe durch einen Subwoofer (mindestens 12er, gerne 15er oder 18er) vorbei.
Aktivboxen: Keine Lust auf Schnickschnack?
Unser Bluesrock-Trio ist mittlerweile eine Menge herumgekommen und spielt nicht mehr ausschließlich in kleineren Clubs/Kneipen. Ein 16-Kanal-Digital-Mischpult gehört zum Band-Equipment, ebenso passende Aktivboxen für den Monitorsound. Klare Sache, die aktiven Topteile für die Publikumsbeschallung brauchen weder eine Bluetooth-Funktion, noch andere Gimmicks. Sie müssen zusammen mit zwei 18“-Aktiv-Subwoofern einfach laut machen. Eine mögliche Lösung: RCF ART 912-A. Hier geht es zum Test.
Ganz ohne Bluetooth, Remote-Steuerung, integriertem Mixer und programmierbarem DSP setzt RCF auf dezent im Hintergrund arbeitende Features, die nicht nur den Audioalltag erleichtern, sondern auch die Langlebigkeit der Komponenten gewährleisten sollen. Vergleichbar mit ausgefuchsten Assistenzsystemen bei PKW, die erst dann effektiv eingreifen, wenn Gefahr im Verzug ist. Und dieses „Sicherheitskonzept“ ist kombiniert mit bemerkenswerten Leistungsreserven (2.100 W) und erschwinglichem Verkaufspreis von 639,- Euro. Interessanter Ansatz.
Zur aktuellen ART 9er Serie gehören sechs Aktivboxen, konzipiert für Livesound-Anwendungen. Neben der RCF ART 912-A steht als Modell mit 10er Bass/Mid-Speaker die ART 910-A zur Auswahl, des Weiteren die ART 932-A als 12er mit 3“ Hochtontreiber, die ART 915-A (1,75“ Hochtontreiber, vergleichbar mit der 12er), die ART 935-A wiederum mit 3“ Hochtontreiber sowie die ART 945-A mit üppigem 4“ Hochtontreiber und 15“ Bass/Mid-Lautsprecher. Trotz der unterschiedlichen, von RCF entwickelten Bestückung, sind alle Modelle seitens der Ausstattung vergleichbar: die gemeinsame Schnittmenge liegt in der mit 2.100 W (1400/700 W) hohen Leistung bei dazu passenden Werten bezüglich des maximalen SPL um die 130 dB. Ebenso zu den Gemeinsamkeiten der 2-Wege-Boxen mit Polypropylen-Gehäuse zählen drei wählbare DSP-Presets (Linear, Monitor, Boost), ein Endstufen-Design mit Konvektionskühlung sowie M10-Flugpunkte plus 36 mm Boxenflansch.