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Test: Mackie EM-91CU+, USB-Mikrofon

Das Update mit dem Plus

11. April 2022
mackie em 91 cu plus test

Mackie EM-91CU+, USB-Mikrofon

Seit Mackie – wie so viele andere – den Podcast-Markt für sich entdeckt hat, bringen die umtriebigen US-Amerikaner ein Produkt nach dem anderen für diese Wachstumssparte auf den Markt. Darunter dann nicht nur Kopfhörer (wie den MC-40 BT) oder spezielle Aufnahmegeräte (wie das Onyx Go oder den M-Caster Live) sowie Bags und  Leuchtringe, sondern natürlich auch Mikrofone, wie die aus der Element-Serie. Dort erschien Anfang 2020 für relativ kleines Geld (66,- Euro) das Großmembran-Kondensatormikrofon Mackie EM-91C, nur wenig später gefolgt vom Mackie EM-USB, Mackies erstes USB-Mikrofon. Einmal auf den Geschmack gekommen, folgte Anfang 2021 dann auch gleich eine USB-Version des EM-91C, das Mackie EM-91CU. Und dieses EM-91CU wurde nun noch einmal verbessert und wird jetzt als Mackie EM-91CU+ angeboten (wer auch immer bei Mackie für die Produktnamen zuständig ist: Leute, daran müsst ihr echt arbeiten. Kein Mensch würde die Billie-Regale kennen, wenn die EM-91CU+ heißen würden). Mit mehr Leistung unter der Haube und mehr Schaltern und Knöpfen. Wirkt sich das irgendwie auf den Sound aus? Sollten Altbesitzer jetzt auf das Plusmodell umsteigen?

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Mackie EM-91CU+

Was ist neu am Mackie EM-91CU Plus?

Mackie ist ja bekannt dafür, dass man sich beim Lieferumfang und den kostenlosen Zugaben nicht lumpen lässt. Aber ist das auch bei einem Mikrofon für gerade einmal 79,- Euro noch so? Oder wird da dann doch brutal der Rotstift angesetzt?

Dass der Karton des EM-91CU+ auf den ersten Blick aussieht wie ein Erste-Hilfe-Kasten, liegt nicht an der dazu identischen Größe, sondern an dem grünen Kreuz hinter dem 91CU. Klar, soll das ein Pluszeichen sein, aber das grüne Kreuz ist nun einmal in über 200 Ländern dieser Welt das gängige Logo für Apotheken. Zum Glück ist dann aber kein Verbandsmaterial in der Kiste, sondern – neben dem Mikrofon selber – noch eine Spinne (außen Gusseisen, innen Kunststoff), leider ohne Reduzierstück für das Gewinde, plus ein USB-Kabel (USB-A auf USB-B) plus zwei Karten mit Codes bzw. Links zu Pro Tools First inklusive der Musician Collection für Pro Tools mit seinen 23 Plug-ins, sowie Waveform OEM (mit 16 weiteren Plug-ins), die Version der DAW, die Mackie, Behringer und ROLI ihren Produkten hin und wieder mit auf den Weg geben. Erwähnenswert sicher auch noch das mehrsprachige gedruckte (!) kleine Handbuch, das vor allem Einsteigern sicher eine Hilfe ist. Für 79,- Euro ist das insgesamt schon sehr ordentlich.

Mackie EM-91CU+

Nein, das ist kein Verbandskasten

Technische Daten des Mackie EM-91CU+

Das Mackie EM-91CU+ist ein USB-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik. Den Frequenzgang gibt der Hersteller mit 30 Hz bis 18 kHz an (EM-91CU: 20 Hz bis 17 kHz), die Empfindlichkeit mit -32 dB +/-2 dB (-34 dB +/-2 dB) und den maximalen Schalldruck mit 132 dB (132 dB). Das Eigenrauschen liegt sowohl beim Plus- als auch beim Vorgängermodell bei 16 dBA, der Geräuschspannungsabstand gleichermaßen bei 78 dB. Augenfälligster Unterschied bei den TechSpecs ist die mit 16 Bit / 96 kHz bzw. 24 Bit /48 kHz gesteigerte Samplerate bei der Plus-Version; der Vorgänger brachte es da nur auf 16 Bit / 48 kHz. Das Mackie EM-91CU+ läuft auf Windows-Rechnern (Windows XP Pro, XP Home, Vista, 7, 8, 10) und auf dem Mac (ab 10.1.11).

Mackie EM-91CU+

Die Spinne aka Shockmount ist mit dabei

Das Mackie EM-91CU+ im Detail

„Built-Like-A-Tank construction for years of reliability” – schreibt Mackie in seiner Produktbeschreibung zum EM-91CU+ (und hat sich den Begriff „Built-Like-a-Tank“ doch tatsächlich schützen lassen und mit einem „TM“ versehen). Auch wenn das vermutlich dann doch ein klein wenig übertrieben ist, macht das USB-Mikrofon tatsächlich einen extrem robusten Eindruck. Der mattschwarze Korpus mit dem markanten grünen Ring ist komplett aus Metall und sieht wirklich extrem unverwüstlich aus; dieses Produkt ist nie in den Auftragsbüchern des Kombinats Plaste & Elaste aufgetaucht. Auch der engmaschige Korb im mattgrauen Alulook ist extrem stabil, den kann so schnell nichts erschüttern. Vom Look und von den kompakten Maßen her (160×44 mm groß und 210 g schwer) ist die Plus-Variante identisch mit seinem Vorgänger. Allein auf der Frontseite hat sich etwas getan: Dort sind jetzt eine Phones-Buchse, ein Mute-Taster zum Stummschalten des Mic-Signals und eine LED (Power & Mute) hinzugekommen. Anders als beim Mackie Carbon, das ebenfalls aus der Element-Serie stammt (die Serie heißt eigentlich offiziell „EleMent“, aber ich weigere mich einfach, dieses hippe „wir schreiben wahllos mal einen Buchstaben groß“- Spielchen mitzumachen) gibt es hier aber keinen Volume-Regler für die Kopfhörer und auch ein Gain-Regler wie beim Mackie EM-USB fehlt. Heißt also, dass man da in beiden Fällen in den Einstellungen am Rechner die benötigten Werte einstellen muss, auch das Direct-Monitoring-Feature des EM-USB fehlt.

Das EM-91CU+ wird mit seinem Gewinde fest mit dem mitgelieferten – und ebenfalls sehr stabilen – Shockmount verschraubt. Am Gelenk der Spinne hat Mackie die Schlitzschraube nun durch eine „Fingerschraube“ (oder wie auch immer man das nennen soll) ersetzt, also durch eine Schraube, die sich dank großer Grifffläche auch ohne Werkzeug anziehen lässt. Wenn jetzt auch noch ein Reduzierstück von 5/8 auf 3/8 mit dabei wäre, wäre die Sache perfekt.

Mackie EM-91CU+

Installation und Klang

Zum Anschluss des EM-91CU+ genügt es, das Mikrofon an einen USB-Port des Rechners zu stöpseln; eine kleine grüne LED auf der Frontseite kündet dann umgehend von der erfolgreichen Kopplung und der Betriebsbereitschaft des Testkandidaten. Danach dann erscheint das USB-Mikrofon als Lautsprecher und Mikrofon in den Audio-Settings (zumindest auf meinem Windows 10 PC). Keine Installationen, keine Downloads – das ist tatsächlich mal Plug & Play.

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Bei den USB-Mikrofonen unterscheidet man grundsätzlich die Modelle mit integriertem Volume-Regler (das sind dann die Mikrofone mit Interface-Funktionalität) und die ohne selbigen. Bei letzteren hat man dann das Problem, dass der richtige Pegel eher Glückssache ist – sofern man das Mikrofon nicht gerade mit einer Software betreibt, die den Eingangspegel regelt. Natürlich kann ich die Empfindlichkeit auch in Windows einstellen, aber erfahrungsgemäß ist die auch bei 100 Prozent immer noch zu gering. Auch beim Mackie EM-91CU+ fehlt ein Gain-Regler. Sind die Aufnahmen trotzdem brauchbar? Und aus welcher Entfernung muss ich einsprechen (bzw. einspielen), um einen guten Klang zu bekommen?

Um das zu testen, habe ich (wie immer) einige Zeilen aus unseren News aus unterschiedlichen Entfernungen eingesprochen. Außerdem habe ich dabei ein wenig mit den verschiedenen Möglichkeiten des Plosivlaut-Killings experimentiert: Mit Popschutz, mit Windschutz, mit beiden oder ganz ohne? Wie viel Schutz braucht das EM-91CU+ und was macht der mit dem Klang?

Ich starte mal mit der Nahdistanz (ca. 5 cm), um den Pegel zu testen und vom eventuell vorhandenen Nahbesprechungseffekt zu profitieren. So ganz ohne Schutz geht es aber nicht, wie man hört, das Mackie EM-91CU+ reagiert sehr empfindlich auf Plosiv- und andere Störlaute:

Aber das war ja auch zu erwarten, da das Mikrofon keinen eingebauten Popschutz hat. Der Klang selber ist aber schön ausgewogen und rund, mit ausreichend Bauch (ohne dumpf zu werden) und der notwendigen Klarheit – gefällt mir gut. Einfach mal einen Windschutz drüberstülpen? Den hat ja jeder noch irgendwo rumliegen.

Schon besser, allerdings immer noch mit kleinen Ausreißern und so nicht „sendereif“. Also Windschutz wieder runter und das Mackie EM-91CU+ hinter einem professionellen Popschutz montiert.

So kommen wir der Sache schon näher. Lediglich bei einigen „P“s ist das noch nicht so ganz sauber. Jetzt ist mein Ehrgeiz geweckt: Das muss doch auch in dieser Nahdistanz hinzubekommen sein. Ich versuche es mit einer Kombination aus Pop- und Windschutz und siehe da (bzw. höre da):

Das hat doch ein schönes Volumen im Bass und präsente Höhen, ohne dass die nun übertreiben würden – nur die Mitten klingen eine Spur dumpf. Allerdings ist diese Nahdistanz nun nicht unbedingt praxisgerecht. Was ist, wenn ich nun auf etwa 10 cm erhöhe? Wie wirkt sich das auf Pegel und auf den Nahbesprechungseffekt aus?

Beim Pegel habe ich etwa 6 dB weniger als eben (also etwa -9 dB), auch die Bässe haben hier natürlich nachgelassen. Kann man das Signal nachbehandeln und den Pegel nachträglich anheben, ohne dass ein Rauschen mit auf die Aufnahme kommt? Antwort: ja.

Das ist die mit Abstand beste Version: Etwas weniger Bass, dafür Klarheit in den Mitten und immer noch sehr schöne Höhen. Damit kann man wirklich arbeiten. Zum Vergleich mal einige andere USB-Mikrofone, die ich in der letzten Zeit hier im Test hatte – ebenfalls aus 10 cm Entfernung und mit nachträglich angehobenem Pegel. Zum Beispiel das Rode NT USB (für aktuell 144,- Euro):

Das Beyerdynamic Fox (149,- Euro):

Oder das Apogee Mic Plus (225,- Euro):

Alle drei setzen mehr auf Mitten und Höhen, klingen dadurch etwas harscher und legen weniger Wert auf ein bassiges  Fundament. Da sind schon deutliche Unterschiede hörbar. Was da am besten gefällt, ist natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Hörgewohnheiten; bei mir steht das Mackie EM-91CU+ mit seinem sehr neutralen, aber trotzdem nicht beliebigen oder gar dumpfen Klang ganz oben.

Aus 20 cm Entfernung liegt der Pegel nur noch bei -17 dB. Das Mackie EM-91CU+ ist also kein Mikrofon, das man auf den Tisch stellt, um dann in geselliger Runde einen Talk aufzunehmen, es verlangt nach Nähe:

Hebt man dann hier den Pegel noch nachträglich an, wird die Aufnahme etwas kälter und hohler, rauscht aber noch immer nicht.

Zum Abschluss noch eine Aufnahme des News-Textes mit einem Nicht-USB-Mikrofon (dem Rode Broadcaster). Und wir stellen fest, dass sich die gar nicht mal so sehr von der Aufnahme Nr. 6 (Mackie EM-91CU+ mit Pop- und Windschutz, 10 cm und nachträglicher Pegelanhebung) unterscheidet. Bleibt eigentlich nur der Nachteil, dass ich den Pegel beim Mackie erst durch nachträgliche Bearbeitung erreicht habe.

Der Kopfhöreranschluss ist – wie gesagt – nicht regelbar und auch nicht dafür gedacht, eine Aufnahme in Echtzeit zu kontrollieren, also kein Direct-Monitoring. Es ist vielmehr ein einfacher Audioausgang, um Aufnahmen nachträglich abzuhören oder das Signal vom Rechner auf die Ohren zu holen. Wobei dort dann halt auch gepegelt werden muss.

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Fazit

Klanglich gibt es nichts zu mäkeln am Mackie EM-91CU+, ist es doch ausgewogen, neutral, rund und rauscharm. Was mangels Gain-Control aber nur in der absoluten Nahdistanz oder – bei größeren Abständen – mit entsprechender Pegelanhebung in der Nachbearbeitung erreicht wird; jenseits der 10 cm Abstandsmarke kommt da nämlich recht wenig an. So wäre das EM-91CU+ für mich im Livebetrieb (vielleicht sogar mit Studiogästen, die ständig die Distanz zur Kapsel wechseln) nicht unbedingt die erste Wahl. Hinzu kommt, dass das Vorjahresmodell EM-91CU aktuell nur knapp die Hälfte kostet – zwar nur mit 16/48 statt der 16/96 (bzw. 24/48) des EM-91CU+, aber ebenfalls  mit einem recht guten Klang. Für Sprachaufnahmen im richtigen Umfeld ist das Mackie EM-91CU+ daher eine gute Lösung, wer dagegen die Gain-Control benötigt, sparen muss und/oder ein „unruhiges“ Recording-Ambiente hat, der schaut sich besser auch mal nach Alternativen um.

Plus

  • gute, solide Verarbeitung
  • guter, ausgewogener und rauscharmer Klang
  • inklusive stabilem Shockmount
  • Mute-Funktion
  • einfache Handhabung
  • Software-Paket

Minus

  • keine Gain-Control
  • kein Volume-Regler für den Kopfhöreranschluss
  • ab 10 cm Abstand lässt der Pegel stark nach

Preis

  • 79,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo M. Steinwachs,

    Herzlichen Dank für den Artikel. Unglaublich was so ein „kleines“ Mikrophon schafft!

    Leider bin ich nicht so der USB Typ für Mikrophone aber sonst ein interessantes Mikrophon. Viele Grüße, Garfield.

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