Test: Marshall Hanwell Anniversary Edition, Hi-Fi-Verstärker

16. April 2013

Edler HiFi-Sound für Marshall-Freaks!

Nachdem ja nun der Marshall Kühlschrank als perfekter Ablageort für gekühlte Getränke aller Art seinen Weg in den Proberaum oder das heimische Wohnzimmer gefunden hat, fehlt ja nur noch die akustische Untermalung zum perfekten Genuss! Und auch diese sollte natürlich stilecht rübergebracht werden, was sowohl den Sound, als auch die Optik betrifft. Marshall geht diesen Weg des Merchandisings konsequent weiter und präsentiert seit Kurzem mit dem Hanwell Anniversary Edition eine mobile Verstärkereinheit, welche aber mit einem Marshall Amp im eigentlichen Sinne nicht mehr viel zu tun hat – abgesehen von der hübschen Retro-Optik natürlich. Viel mehr handelt es sich bei diesem Gerät um einen mit vier Lautsprechern bestückten HiFi-Verstärker, welcher sich mit den unterschiedlichsten Audioquellen füttern lässt und nur limitiert erhältlich ist. Wir haben uns daher schnell mal so ein Teil für einen genauen Amazona-Test zukommen lassen!

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— Marshall Hanwell Anniversary Edition —

Hanwell?

Bevor mir mit der genauen Betrachtung des Marshall Hanwell Anniversary Edition beginnen, eine kurze Erklärung über den Hintergrund dieses Modellnamens. Jim Marshall betrieb ursprünglich einen Drumshop in der Hanwell Lane im Londoner Bezirk Ealing, in welchem er auch seinem ersten Marshall Amp das Leben einhauchte. Das ist nun gut fünfzig Jahre her und Grund für Marshall, sich mal in einem ganz anderen Sektor zu bewegen. Oder eben aber, um den Fans ein nettes Spielzeug zu bescheren. Obwohl Spielzeug der Sache bei Weitem nicht gerecht wird – und damit ab zum eigentlichen Test.

Facts and Features

Klein, stark und schwarz präsentiert sich der Hanwell Combo schon gleich nach dem Entpacken aus seiner ebenso schwarzen Kunststoffumhüllung. Für die eher zierlich ausgefallenen Maße von 435 x 193 x 297 mm besitzt der Zwerg immerhin ein Gewicht von 10, 5 kg. Ein Tragegriff und/oder seitliche Griffschalen, wie man sie fast schon intuitiv bei Marshall Produkten erwartet, finden sich am Gehäuse nicht. Dafür wirkt aber die Verarbeitung sehr solide und hochwertig, fast so, wie man es von einem Marshall englischer Fertigung erwartet.

Doch der Marshall Hanwell Anniversary Edition stammt von einem ganz anderen Fleck der Erde, nämlich China. Tut aber nichts zur Sache, die Verarbeitung kann auch bei einem genaueren Blick weiter überzeugen, wenn auch nicht immer die besten, oder besser gesagt dem doch recht stolzen Preis angemessenen Werkstoffe verwendet wurden. So besteht der Marshall Schriftzug auf der Frontbespannung aus recht dünnem und zerbrechlichem Kunststoff und auch das auf der Oberseite versenkt im Gehäuse angebrachte Bedienpanel wurde nicht aus Metall, sondern aus lediglich Gold gefärbtem Kunststoff gefertigt.

Forum
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    ctrotzkowski  

    Die größte Konkurrenz zu diesem Gerät kommt m.E. nicht aus dem HiFi Lager, sondern von Marshall selbst, ohne dass man bei Nostaligie-Optik, Sound oder Leistung Abstriche machen müßte.

    Ich habe einen Marshall AS100D, der als Spezialist für die Verstärkung von Akustik-Instrumenten die gleiche Wattzahl auf die Waage legt, das aber
    – bei wesentlich besserer Ausstattung / Flexibilität (5 Eingangskanäle, 2x Klinke, 2xXLR inkl. Phantom, Chincheingang, AUX-Send/Recv, FX)
    – bei deutlich geringerem Preis (ca. 630€)
    – wertigeren Materialien (z.B. Bedienplatte aus Metall)

    Um auf der Gartenparty laute und angenehm klingende Mucke beizusteuern oder im Proberaum mal schnell den Track vom Handy laufen zu lassen, nutze ich das Teil gut und gerne – es ist aber darüber hinaus natürlich ein echtes Arbeitstier für die Bühne, das Aufgrund seiner Anschlüsse auch für kleinere Standup-Auftritte locker reicht. Also weit, weit mehr das dieses „Hanwell“ Merchandising Ding….

    Allein im Vergleich zum AS100D kann die die drei Sterne des Tests somit nicht nachvollziehen – der Schriftzug „Hanwell“ im Branding ist das m.E. niemals wert…. ;-)

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      Stephan Güte  RED

      Hallo ctrotzkowski,

      ich kenne den AS-100 D nicht, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass ein eigentlich zur Instrumentenabnahme hergestellter Amp ähnlich gute Klangergebnisse wie der Hanwell liefert. Das Teil hat einen unglaublich sauberen und druckvollen Bass, einen sehr guten und feinfühligen EQ und eine sehr gute räumliche Stereoabgabe, trotz der eng zueinander platzierten Speaker. Aber klar … limited ist nun mal limited. Und da setzt der Kopf oft aus, auch wenn die Brieftasche jammert.

      Hör ihn dir einfach mal an :)

      Stephan

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        ctrotzkowski  

        Hallo, Stephan,

        ich schätze, es läuft immer mal wieder auf den klassischen Dissenz hinaus zwischen „Aficionados“ vs. „Realos“. Ein echter Marshal Fan wird denn wohl die drei Sterne für diesen Gral als gerechtfertigt ansehen, wo hingegen nüchtern betrachtet Preis-Leistung z.B. durch ein Pärchen Aktivboxen (oder eben HiFi-Krempel) deutlich übertroffen würde – egal wie gut er klingen mag.

        Ich persönlich respektiere natürlich die Meinung von Fans einer Marke oder Sache – bei Vergleichbarkeit herstellenden Testergebnissen wie diesem würde ich hingenen einen eher nüchternen Blick auf Preis/Leistung bevorzugen. Hätte das Teil denn auch dann drei Sterne, wenn es bei dem Preis z.B. von Behringer käme? (jaja – die bauen bestimmt auch irgendwann Kühlschränke).

        Ich würde auch nicht behaupten, daß der Marshall AS100D konkurrenzlos und ohne jeden Makel wäre (z.B. ist der Tragegriff eine fehlkonstruierte, aber zum Glück verzichtbare Sollbruchstelle, und jeder Marshall-Fan wird sofort sagen: He, der klingt ja überhaupt nicht nach einem Marshal-Amp, sondern völlig clean!), ich stelle aber fest, daß sein Klang insb. in der Rolle als Stereo-Musikschleuder auf Outdoor-Parties und in der Band schon mehrfach bewundert wurde, obwohl das eher seine Nebenrolle ist, denn mit Gesangs-Mikrofonen, Akustik-Instrumenten oder (Achtung, Frevel!!!) hinter einen Vox (!) Tonelab ST macht’s mit ihm richtig Spaß; daher fühlte ich mich stante pedes dazu verführt, Deinen Dreisterne-Apfel mit meiner NochNixSterne-Birne zu bewerfen (zumal sie ja immerhin aus der gleichen Plantage stammen).

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    AMAZONA Archiv

    Mal sehen wann Marshall sein erstes Fastfood Restaurant eröffnet, fände ich eine bessere Idee.

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