Test: MFB-503, Drumcomputer

2. Mai 2008

MFB-503

Nachtrag 31.01.2016: Inzwischen gibt es den Nachfolger zur MFB-503 im Amazona-Test: MFB Tanzmaus

Die MFB-Drumcomputer sind nicht zuletzt aufgrund ihres niedrigen Preises und des handlichen Formates so beliebt. Das gilt sowohl für die alten Tupperware-ähnlichen Kisten aus den 80ern, als auch die Maschinchen, die Manfred Fricke in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat. Sein neuester Drumcomputer mit der numerischen Bezeichnung 503 bleibt in diesen beiden Punkten der MFB-Philosophie zwar treu, hat aber in anderen Belangen nur wenig mit den Vorgängern gemein.

503 - der kleine Wolf im Plastikpelz

503 – der kleine Wolf im Plastikpelz

Die Box

Dem 503 wurde das kleine MFB-Standardgehäuse verpasst, das man auch von Geräten wie Step64, Synth Lite II und den beiden Drummies 502 und KULT kennt. Allerdings unterscheiden sich die Oberfläche und das Bedienkonzept des 503 erheblich von den früheren Modellen. Die Oberfläche wirkt trotz der geringen Abmessungen sehr aufgeräumt. Sofort ins Auge springt das zweizeilige, blau/weiße Display, welches Parameter und Werte für Instrumente, Pattern und Systemfunktionen anzeigt. Die Werte werden mit vier korrespondierenden Endlosreglern eingestellt. Doch hier zeigt sich eine kleine Diskrepanz, denn es gibt fünf Anzeigen, aber nur vier Regler. In der Displaymitte wird jeweils die aktuelle Patternnummer oder das angewählte Instrument samt Speicherplatz angezeigt, die Anwahl erfolgt jedoch über die Steptasten. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, ein fünfter Regler wäre hier schlüssiger gewesen.

Links und rechts vom Display findet man die Start- und Record-Tasten sowie die Menütasten. Mit etwas gemischten Gefühlen erblickt man links oben den On/Off-Schalter, denn der lange Hebel scheint regelrecht zum „dran-hängen-bleiben“ einzuladen. Zum Glück ist der Schalter nicht allzu leichtgängig, aber insbesondere im Live-Einsatz sollte man da nicht zu wild mit den Händen herumwedeln.

Im Gegensatz zum Vorgänger 502 besitzt der 503 sechzehn anstatt nur acht Steptasten. Damit diese überhaupt Platz fanden, wurden kleinere Tasten als beim 502 verwendet. Allerdings entfällt hier das Umschalten zwischen den geraden und ungeraden Steps. Man hat also die seit den TRs gewohnte Lauflichtprogrammierung unter den Fingern. Und obwohl es eng aussieht, kommt man recht gut damit zurande, man erwischt nicht ungewollt zwei Tasten gleichzeitig – normale Finger vorausgesetzt.

Die Rückseite bietet neben MIDI-In und Stereo-Out auch zwei Einzelausgänge für Kick und Snare, damit man sie individuell mischen kann. Sind diese Buchsen verkabelt, werden Kick und Snare von der Summe abgezogen und nur die restlichen Instrumente gehen dann, fest im Panorama verteilt, über den Stereo-Out.

 

Die Sounds

Die Tonerzeugung des 503 ist teils analog, teils auf Samples basierend. Das Drumkit ist dabei aufs Nötigste reduziert: Bassdrum, Snare, Toms, Hihat (open & closed) und Cymbal. Ähnlich wie bei der TR-909 kommen bei Hihat und Cymbal Samples zum Einsatz, während die restlichen Sounds analog erzeugt werden. Alle Instrumente verfügen über Volume, Tune und Decay, dazu kommen dann noch spezifische Funktionen.

Die Bassdrum ist der aufwendigste Sound der 503. Neben der Tonhöhe gibt es auch Pitch, womit die Dauer der Tonhöhenmodulation eingestellt wird. Die Modulationstiefe hingegen ist festgesetzt. Als einziges Instrument verfügt die Bassdrum über eine zweite Displayseite, auf der Attack-Impuls und Drive geregelt werden. Klanglich kann die Bassdrum wirklich überzeugen. Es überrascht, wieviel „Bumms“ aus der kleinen Kiste kommt. Kurze, knackige Bassdrums mit Attack und Drive kommen prägnant und kräftig, für Dance-Tracks genau richtig. Lange Boom-Kicks gelingen ebenfalls recht gut, wenngleich man kein 808-Plagiat erwarten sollte, dafür ist die Wellenform etwas zu rau.

Die Snare klingt sehr eigenständig, obwohl es hier keine außergewöhnlichen Parameter gibt. Der Grundton der Snare kann ziemlich weit gestimmt werden, während der Rauschanteil nur in Lautstärke und Dauer justierbar ist. Ein Filter für das Noise gibt es nicht. Somit ist die Snare zwar im Sound nicht gerade flexibel, aber mit ihrem kompakten Klang erfüllt sie ihre Aufgabe. Sie klingt so wie eine analoge Snare eben klingt, ist jedoch kein TR- oder Simmons-Abklatsch.

Die Toms – nein, eigentlich muss es heißen d as Tom, denn obwohl es drei Tom-Spuren für Low, Mid und High gibt, existiert nur ein Tom auf der 503-Platine. Dieses wird jedoch auf drei Spuren in verschiedenen Tonhöhen angetriggert. Da Toms in der Regel nicht zusammen erklingen, ist das nicht weiter tragisch. Bemerkbar macht sich das jedoch, wenn bei langem Decay 16tel Noten gespielt werden. Dann schneiden sich die Toms gegenseitig ab. Positiv ist, dass alle drei Tom-Kanäle gleichwertig sind, d.h. dass sie alle über den gleichen Tunebereich verfügen, also nicht auf Low, Mid und High eingegrenzt sind. Diese drei Tom-Kanäle sind nämlich im Panorama des Stereo-Outs fest verteilt. Wenn man z.B. das Low Tom als zweite Kick nehmen will, hat man diesen Sound beim Low-Kanal nicht in der Mitte. Aber man kann das Mid-Tom entsprechend tief tunen und so das Problem umgehen.

Die Sample-basierten Instrumente Hihat und Cymbal verfügen jeweils über zwei mischbare Sounds. Beim Cymbal sind das ein Ride- und ein Crash-Becken, die unerkennbar der TR-909 entstammen. Das Decay lässt sich so kurz einstellen, dass man eine Art Hihat erhält, welche man im Stereopanorama als Gegengewicht zur eigentlichen Hihat gut einsetzen kann.

Bei der Hihat gibt es für open und closed eigene Kanäle. Mix gilt für open und closed gemeinsam, hier wird zwischen einem elektronischen und einem akustischen Sound geblendet. Die Samples sind nicht so eindeutig wie die Cymbals einem Vorbild entlehnt. Während Decay für open und closed Hihat getrennt geregelt werden können, gilt Tune für die komplette Sample-Sektion, also beide Hihats UND Cymbal gemeinsam.

Die Rückseite: MIDI-In, Stereo-Out, Snare-Out, Bassdrum-Out, NT

Die Rückseite: MIDI-In, Stereo-Out, Snare-Out, Bassdrum-Out, NT

Der Sound

Bislang waren die MFB Drumcomputer nicht gerade für einen mächtigen Sound bekannt, sie bewegten sich eher auf einer Ebene mit den alten Preset-Drumboxen. Zwar nicht schlecht, aber eben auch nicht so prägnant wie die großen Klassiker. Der 503 schert diesbezüglich aus der MFB-Linie gründlich aus. Vom Grundsound her kann man den 503 durchaus in die Kategorie Jomox XBase09 und Vermona DRM mit einordnen. Ich sage absichtlich „Grundsound“, denn in den Edit-Möglichkeiten steht der 503 dann doch klar zurück, allerdings sind das auch zwei gänzlich andere Preisklassen. Aber was Präsenz und „Druck“ angeht, liefert der 503 durchaus vergleichbare Qualitäten, wenngleich mit eigener Note. Den Unterschied zum Vorgänger 502 kann fast schon als Quantensprung bezeichnen. Eine ähnliche Relation wie TR909 zu TR606 – um mal allgemein bekannte Vorbilder zu bemühen.

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