Test: Moog Minifooger MF Flange, MF Chorus und MF Delay

24. Januar 2018

Analoge BBD Effekte

Minifooger

Moog Minifooger MF Flange, MF Chorus und MF Delay sind drei analoge Effektgeräte, die mit Bucket-Brigade Chips ausgestattet sind. Diese Eimerkettenspeicher wurden Ende der 60er Jahre entwickelt, um Verzögerungen in elektronischen Schaltungen hervorzurufen. Viele Effekte aus den 70er Jahren nutzen diese Technik, deren warmer, charmanter und unperfekter Klang bis heute sehr beliebt und begehrt ist.

Moog Minifooger MF Flange, MF Chorus und MF Delay


Auf den ersten Blick



Bei den Moog Minifooger Pedalen handelt es sich um Effektgeräte, die für E-Gitarre und E-Bass konzipiert wurden, aber natürlich auch mit Synthesizern und Keyboards verwendet werden können. Insgesamt umfasst die Minifooger Serie sieben unterschiedliche Modelle, von denen AMAZONA.de die übrigen vier – MF Trem, MF Boost, MF Drive und MF Ring – bereits vor einigen Jahren getestet hat.
Den dazugehörigen Artikel finden Sie hier:
AMAZONA.de Test: Moog Minifooger MF Drive, MF Trem, MF Boost und MF Ring

Im Gegensatz zur ersten Generation hat Moog das Design der Minifooger leicht verändert. Die einst schwarze Bedieneroberfläche ist nun mit einer dreieckförmigen, silber-schwarzen Lackierung versehen. Ansonsten sind die folgenden technischen Daten bei allen Exemplaren der Minifooger Serie unverändert gleich geblieben:

Das robuste Aluminium-Druckgussgehäuse, mit 14,4 cm Tiefe, 8,3 cm Breite und 5,8 cm Höhe hat ein Gewicht von rund 0,5 kg. Per 9-Volt-Block oder Netzteil können die Minifooger mit Strom gespeist werden, der entsprechende Anschluss für das Netzteil befindet sich auf der Rückseite. An dieser Stelle sind auch die drei 6,3 mm Klinkenbuchsen untergebracht, zwei davon dienen als In- und Output. An der Dritten lässt sich ein Expressionpedal anschließen, mit dem ein Parameter von jedem Minifooger moduliert werden kann. Da dieser Eingang mit einer Spannung von bis zu +5 Volt arbeitet, sind die kleinen Tretminen auch ohne Probleme mit einem Modularsystem steuerbar.

Der Fußschalter, der im Kontext mit einem Synthesizer wohl eher als Handschalter bezeichnet werden sollte, macht einen äußerst soliden Eindruck und ist mit einer Hard-Bypass-Schaltung bestückt, die ein unbeeinflusstes Passieren des Signals erlaubt, wenn der Effekt nicht aktiv ist.
Auch die Verarbeitung der Potis ist sehr hochwertig, sie besitzen Metallachsen, erzeugen beim Betätigen einen gesunden Widerstand und wackeln nicht. Traditionell werden für die Potis geriffelte Bakelitknöpfe benutzt.
Zu dem Lieferumfang von jedem Minifooger gehört eine 9-Volt Batterie und eine einfache Bedienungsanleitung mit Klangbeispielen und sehr nützlichen Tipps zur Anwendung.

MF Flange

Der Moog MF Flange ist ein äußerst vielseitiger Effekt, der meist recht offensiv erklingt und viel Platz für sich beansprucht.
Mit dem Rate-Regler wird die Geschwindigkeit des dreieckförmigen LFOs (0,03 bis 11 Hz) bestimmt. Die Intensität der Modulation der Verzögerungszeit wird wiederum mit Depth festlegt.
Das Time-Poti ermöglicht eine Einstellung des Delays von 0,34 bis 20 ms und lässt sich bei Bedarf auch extern steuern. Das Feedback regelt wiederum das Resonanzverhalten des Effektes.

Moog MF Flange

Über einen 2-Wege-Kippschalter in der Mitte des Gerätes kann ausgewählt werden, ob das Flanging mit positivem oder negativem Feedback erklingen soll. Das hat auch Auswirkungen auf die Stereo-Funktion des MF Flange, die über einen kleinen Hebel im Inneren des Gerätes aktiviert wird. Mit Hilfe eines Split- oder Insertkabel sind beide Kanäle in der Form nutzbar, dass links und rechts das trockene Eingangsignal jeweils mit positivem oder negativem Feedback wiedergegeben wird. Per Type-Schalter lassen sich dann einfach nur die Seiten tauschen. 

Überraschend groß ist die Spanne des Modulationstempos, wodurch die Vielseitigkeit des MF Flange deutlich wächst. Bei niedrigen Verzögerungszeiten sind Chorus- oder Leslie-ähnliche Klänge realisierbar. Bei einer langsamen Rate-Einstellung erklingt der MF Flange sehr offen, die Modulationen sind sehr flüssig und haben keine starken Schwingungsspitzen. Wird nun die Geschwindigkeit der Modulation erhöht, entstehen zunächst Phaser- oder Vibrato-Effekte und bei noch höherem Tempo etwas kältere, metallisch-resonante Echos mit kräftigen Spitzen.
Wenn der Kippschalter in der unteren Position ist, werden eher Vokal ähnliche Sounds mit regelrecht singenden Modulationen und harmonischen Oktavsprüngen erzeugt, die manchmal fast wie ein Arpeggio zyklisch auf- und abtauchen.

MF Chorus

Der direkte Verwandte des MF-Flange ist der Moog MF Chorus, dessen Klang wesentlich zurückhaltender und subtiler ertönt.
Auch er verfügt über die vier Parameter Rate, Depth, Time und Feedback, die natürlich anders geartet sind als die des Flangers.

Moog MF Chorus

Die Spanne der einstellbaren Verzögerung erstreckt sich von 2 bis 70 mS, der LFO erzeugt ebenfalls eine Dreieckschwingung, die allerdings im Bereich von 0,05 bis 13 Hz liegt und somit etwas höher ausgerichtet ist als beim MF-Flange.
Mit dem 3-Wege-Schalter in der Mitte des Gerätes kann zunächst zwischen einem offeneren, höhenbetonten und einem verdichteten, warmen Chorus mit kräftigen unteren Mitten entschieden werden. Die dritte Position wird als Vibrato bezeichnet, tatsächlich verändert sich dabei nur die Tatsache, dass das Effektsignal und nicht der trockene Anteil zu hören ist.
Die Modulationsgeschwindigkeit lässt sich mit einem externen Signal steuern, während 
die Stereofunktion des MF-Chorus genauso wie die des Flangers funktioniert.

Mit dem Time-Regler können bei kurzen Einstellungen Chorus- und Vibrato-Effekte erzeugt werden. Ab der Hälfte des Regelweges entstehen dann kurze Delays oder Slapback-Echos.
Auch hier beeinflusst das Feedback die Resonanzen und hilft vornehmlich bei der Suche nach der perfekten Schwingung. Wenn der Kippschalter in Position 2 ist, können langsame Modulationszeiten für sehr organische, dunkle Klänge mit viel Wärme sorgen. Diese Einstellung hat einen ausgeprägten Vintage-Charakter, der sich vor allen Dingen durch einen geringeren Höhenanteil auszeichnet.
In der untersten Position lassen sich natürlich nicht nur äußerst weiche Vibrato-Effekte kreieren, die Übergänge zum Chorus und Flanging sind fließend.

Sowohl beim MF Chorus als auch beim MF Flange wurde auf einen Mix-Regler verzichtet, wodurch sich anbietet, die Effekte über einen Aux-Weg einzuschleifen.

MF Delay



In dem MF Delay vereint Moog einen Verzerreffekt mit einem klassischen Echo.
Es verfügt ebenfalls über vier Regler, mit denen die Verzögerungszeit (Time), die Anzahl der Echowiederholungen (Feedback), der Grad der Verzerrung (Drive) und das Verhältnis zwischen trockenem Signal und Effekt (Mix) bestimmt wird.

Moog MF Delay

Im Gegensatz zu dem MF Flange und MF Chorus verfügt das Delay über keinen Stereoausgang. Bei Bedarf kann das Signal der Klangerzeugers natürlich gesplittet werden, um am Mischpult oder in der DAW den trockenen und Effekt behafteten Anteil unterschiedlich im Panorama zu verteilen.
Die Spanne der Verzögerungszeit liegt zwischen 35 und 700 ms, was für ein analoges Echo schon sehr viel ist. Mit dem Feedback-Regler kann das MF Delay bis zur Selbstoszillation gebracht werden, wobei erstaunlicherweise die Pegelzunahme sehr zurückhaltend ist. Somit lassen sich auch extremere Dub-Effekte erzeugen, ohne dass die Lautstärke ständig nachgeregelt werden muss. Leichte Halleffekte sind mit einem kurzen Feedback möglich, ebenso wie einfach Chorus-Klänge. Das liegt vor allen Dingen an den großen Toleranzen der BBD-Chips, die die Echos ständig leicht modulieren und dadurch jede Menge Leben einhauchen.
Das ist nichts für High-End Liebhaber, aber natürlich genau das, was man von einem Eimerketten-Effekt erwartet.

Für einen weiteren, kräftigen Vintage-Vibe sorgt die JFET-Eingangsstufe, mit der sich sowohl leichte Sättigungen als auch angenehme Verzerrsounds kreieren lassen. 
Über den Eingang für ein externes Modulationssignal kann wahlweise die Delay-Zeit oder das Feedback-Level gesteuert werden. Der entsprechende Hebel zum Umschalten des Modulationsziels liegt leider im Inneren des Gerätes. Diese Position ist äußerst unpraktisch, da ein Wechseln der Modulationsziele wesentlich häufiger vorkommt als ein Wechsel von einem Mono- zu einem Stereo-Setup, wie es bei den anderen beiden Effekten der Fall ist.

Das MF Delay hat von den drei Effekten den stärksten Vintage-Charakter, was vornehmlich daran liegt, dass das Echo deutlich weniger Höhen als das Eingangssignal hat. Das ist ein schlichter, aber effektiver Weg, um einem Echo mehr Tiefe zu verleihen und es nebenbei auch gut in einem Mix zu positionieren.
In Verbindung mit der JFET-Eingangsstufe kann das MF Delay extrem schmutzig, warm und dunkel ertönen, wobei dann der Klang bei langen Echos oder der Selbstoszillation schon etwas matschig wird.
Ein großer Wermutstropfen ist leider, dass der Mix-Regler nie zu 100 % das Effektsignal ausblendet, um ausschließlich die Drive-Funktion zu nutzen.

Moog Minifooger MF Flange, MF Chorus und MF Delay

Fazit

Die Moog Minifooger MF Flange, MF Chorus und MF Delay Effektgeräte haben dank ihrer BBD-Chips einen wunderschönen, unperfekten, warmen Analogsound, der jeden Vintage-Liebhaber ansprechen dürfte. Ihre Klang-Modulationen sind enorm lebhaft und organisch, was mitunter auch an ihrer großen Dynamik liegt.
Wie bei Moog üblich, sind die verwendeten Bauteile und deren Verarbeitung äußerst hochwertig. Gegenüber alten Effekten wurden allerdings zwei moderne Vorteile berücksichtig: Alle drei Tretminen sind überraschend rauscharm und mit einem True-Bypass ausgestattet.
Natürlich sind die Moog MF Effekte schon überdurchschnittlich teuer, was angesichts der Verarbeitung und des Klangs aber völlig angemessen ist. Im Vergleich zu manchen Boutique-Effekten sind sie wiederum recht günstig.

Klangbeispiele
– MF Flange und MF Chorus: Yamaha DX7
– MF Delay: Moog Mother-32
– Studer 962
– RME HDSP + Multiface
– Pro Tools (die Klangbeispiele wurden nicht weiter nachbearbeitet)

Plus

  • Verarbeitung
  • lebhafter, warmer Sound
  • Dynamik

Minus

  • MF Delay: Mix-Regler blendet nie ganz das Effektsignal aus
  • MF Delay: Schalter für Modulationsziel im Gehäuseinneren

Preis

  • Moog MF Flange Straßenpreis: 210,- Euro
  • Moog MF Chorus Straßenpreis: 199,- Euro
  • Moog MF Delay Straßenpreis: 203,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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