Test: Moog Sub Phatty, Synthesizer

7. August 2013

Phatty tiefergelegt

Mit dem Moog Sub Phatty bereichert die amerikanische Instrumentenschmiede Moog Music die Familie der „Phatty“-Synthesizer um ein weiteres Mitglied. Auf den ersten Blick fallen folgende Eckdaten auf: monophon, kompakte Bauweise, kleine Tastatur und ein Regler für jede Funktion. Letzteres war, ebenso wie der nun vorhandene Rauschgenerator, offenbar von vielen Kunden gewünscht. Was das bringt – und vor allem wie das klingt – beleuchtet der folgende Testbericht.

Hardware

Im Lieferumfang befindet sich neben dem Instrument auch ein Kaltgerätekabel, eine ausführliche Anleitungen auf Deutsch und Englisch, ein Poster mit Übersicht über die Funktionen sowie ein wenig Merchandising-Material einschließlich eines Puzzles.

Form- und Farbgebung des sehr gut verarbeitete Metallgehäuses mit geschwungener Linienführung, Gummiseitenteilen und Anti-Rutsch-Füßen erinnert an den Little Phatty Stage, ebenso die bekannten Moog-typischen Knöpfe, Taster und Regler. Deren Bedienung fühlt sich gut und wertig an, das anschlagdynamische 25-Tasten-Keyboard in Standardgröße spielt sich angenehm. Nach dem Einschalten kontrastiert der beschriftete silberne Metallaufdruck des Frontpanels mit gelb leuchtenden und blinkenden LEDs.

Anschlüsse

Ein Kopfhörerausgang nebst passendem Lautstärkeregler befindet sich ebenfalls auf der Frontplatte, die restlichen Anschlüsse sind auf der linken Seite untergebracht. Diese sind  Ein-/Ausschalter, Kaltgerätebuchse, USB, MIDI In/Out, Line-Ausgang, externer Audioeingang, sowie ein Gate-Eingang und drei CV-Eingänge: Tonhöhe (Pitch), Lautstärke (Vol), und Filter. Auf Ausgänge für Steuerspannungen muss man leider verzichten.

Anschlüsse

Konzeption

Im Gegensatz zu den anderen Sprösslingen der „Phatty“-Familie, die mit wenigen Reglern, dafür aber einem Display mit umfangreicher Menüstruktur ausgestattet sind, bietet der Sub Phatty eine oldschool-mäßige denkbar reduzierte Bedieneinheit und direkten Zugriff auf jeden Parameter. Zumindest auf den ersten Blick, denn tatsächlich existiert eine Vielzahl versteckter Einstellungen – aber dazu später.

Über eine Matrix lassen sich gerade einmal 20 Presets speichern und aufrufen, ohne ein Display gibt es natürlich auch keinen moderner Schnickschnack wie Benennungen solcher Patches. Der USB-Eingang dient ausschließlich der Ansteuerung, quasi wie ein MIDI Ein-/Ausgang.

Alle Regler sind digital mit der Syntheseeinheit verbunden, d.h. sie können auch (z.B. MIDI) Steuerdaten senden und empfangen und entsprechend Parameter automatisiert werden. Dafür stehen fest zugeordnete MIDI-Controller zur Verfügung.

Überblick

Es kommt die klassische subtraktive Synthese zum Einsatz:

Front

Herzstück der Klangerzeugung sind zwei stimmstabile Oszillatoren, die stufenlos zwischen Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Puls überblendbar sind, sowie einen Rauschgenerator, alle mit frei wählbarer Intensität. Oszillator 1 verfügt zusätzlich über einen stufenlos zuschaltbaren Rechteck-Suboszillator; Oszillator 2 lässt sich zu Oszillator 1 synchronisieren.

Dann folgt das bekannte resonanzfähige 24-dB Tiefpassfilter, das als Besonderheit einen mit „Multidrive“ beschrifteten stufenlosen Verzerrregler besitzt.

Luxuriös ist die Hüllkurvensektion, es gibt je eine vollständige ADSR für Lautstärke und Filtereckfrequenz.

Noch interessanter macht das Ganze ein LFO mit den Modulationsquellen Dreieck, Rechteck, Sägezahn auf, Sägezahn ab, Sample&Hold (Zufall) sowie die Filterhüllkurve, und den stufenlos in ihrer Einwirkung einstellbaren Modulationszielen Tonhöhe, Filtereckfrequenz und Oszillator-Schwingungsform.

Signalpfad

Komponenten

Nun aber der Reihe nach:

Über den „Activate Panel“ Taster schaltet man im „Presets“-Bereich zwischen Echzeiteinstellung und Patches um. Letztere kann man mittels einer 4×4 Matrix auswählen.

Panel_Links

Im „Pitch“-Block werden eingehende MIDI-Daten angezeigt, es lässt sich die Gesamtstimmung beeinflussen, die Glide- (Portamento-) Geschwindigkeit konfigurieren und die Gesamt-Oktav (ausschließlich für die Tastatur, nicht externe Daten) wählen.

Der „Modulations“-Abschnitt erlaubt die Einstellung der LFO-Geschwindigkeit (mit maximal 1000 Hz bis weit in den hörbaren Bereich), die Wahl der Modulationsquellen und -ziele und die Tiefe der Einwirkung. Letztere ist wiederum abhängig von der Einstellung des Mod-Wheels, d.h. wenn es ganz nach vorne gedreht ist, wirkt der LFO nicht, und ganz nach hinten gedreht dann maximal.

Die Wirkung des LFO bzgl. Pitch kann auf Oszillator 2 beschränkt werden, wodurch weitere Möglichkeiten für Sync-Sounds eröffnet werden.

In der „Oscillators“-Sektion sind die Oktavwahlschalter (16′ bis 2′) und die stufenlose Verstimmung von Oszillator 2 (+/- 7 Halbtöne) erwähnenswert.

Panel_rechts

Das Filter bekam für seine Eckfrequenz angemessenerweise den größten Knopf spendiert und darf stufenlos von 20 Hz bis 20 kHz gedreht werden. Der Einfluss der Filterhüllkurve auf die Einsatzfrequenz ist positiv und negativ einstellbar, ebenso die Wirkung der Tonhöhe auf das Filter.

Nach den „Envelopes“ kommt noch der „Output“ mit Lautstärkereglern für Line- und den dort befindlichen Kopfhörerausgang.

Verdeckte Parameter

Was dem Benutzer ohne einen Blick ins Handbuch wohl für immer verborgen bliebe, weil sich sowohl Frontpanel als auch mitgeliefertes Poster darüber ausschweigen, ist die Tatsache der Existenz einer Unzahl verdeckter Parameter. Vielleicht ist es passend für ein Gerät mit der Bezeichnung „Sub“ (also gewissermaßen „unter der Haube“), macht aber die zunächst so einfach und nachvollziehbar erscheinende Bedienung dann doch so richtig schön umständlich. Zur Einstellung dieser Parameter ist nämlich ohne ein Display die Kenntnis von über 40 Codes, die mittels der Matrix realisiert werden, zwingend. Und ob und welche Parameter verändert wurden, lässt sich auch nur feststellen, indem man die Codes einzeln überprüft. Warum so etwas im Zeitalter spottbilliger Displays für nötig gehalten wurde, erscheint rätselhaft. Die offizielle Begründung lautet, dass man Einsteiger nicht zusätzlich verwirren wollte.

Die „Sub“-Parameter des sogenannten „Shift-Mode“ sind unter anderem zusätzliche Stufen der wohl digital realisierten Hüllkurven, die Lautstärke des externen Eingangs, diverse Stimmungsoptionen der Oszillatoren zueinander, das Verhalten von LFO (Wirkbereich auch variabel) und Glide, die Umschaltung des Filters auf 1, 2, 3 oder 4 Pole, die Wirkung von Velocity (Tastendruckgeschwindigkeit) auf Parameter, Hüllkurven-Trigger-Verhalten, Sync, diverse MIDI-Einstellungen (z.B. auch Synchronisierung des LFO zur MIDI-Clock) usw.

Sehr interessant, gerade auch für Sync-Sounds, ist die Möglichkeit, die Phase der VCOs bei jedem Tastendruck neu zu starten.

Praktisch bedeuten die verdeckten Parameter folgendes: Möchte man z.B. beide Hüllkurven von Legato (Standard) auf Multitrigger umstellen, muss man erst über eine Tastenkombination in den Modus für versteckte Parameter umschalten, dann durch eine neue Tastenkombination erst die eine Hüllkurve auswählen und über eine bestimmte Keyboardtaste umschalten, anschließend das Gleiche für die andere, dann Modus verlassen. Wenn man das irgendwann für alle Parameter im Kopf hat geht es sicher recht zügig, allerdings hat man auch dann immer noch keine Möglichkeit, den aktuellen Stand anzeigen zu lassen.

Genaue Beschreibungen der verdeckten Parameter finden sich zum Glück im Handbuch, herunterzuladen bei:

http://www.moogmusic.com/products/phattys/sub-phatty#downloads-tab

Es ist durchaus denkbar, dass in Zukunft durch Updates noch mehr verdeckte Parameter hinzukommen.

Rückseite

Klang

Nach dem Anschließen macht sich der Sub Phatty zunächst angenehm durch die völlige Abwesenheit von Nebengeräuschen bemerkbar. Der Output ist ausreichend laut.

Nachdem ich einige Zeit mit dem Gerät verbracht hatte, war mir ein wesentlicher Kritikpunkt aufgefallen: Das Instrument schien keine sauberen Töne zu erzeugen, sondern immer etwas angeschmutzt, verzerrt zu klingen, auch mit dem Multidrive Regler auf Minimalstellung. Ein Blick ins Handbuch verschaffte dann aber Klarheit (in jeder Hinsicht): Die Regler im Mixer gehen bis 12, und ab der Mittenstellung (also 6) wird der Filtereingang (separat pro Oszillator) zusehends übersteuert. Man tut gut daran, den „alle-Regler-auf-Anschlag-Impuls“ zu unterdrücken, denn dann gibt es sehr schön saubere Sounds:

Der Rauschgenerator liefert allerdings selbst bei sehr leiser Einstellung kein wirklich sauberes Signal, sondern kommt immer ziemlich verzerrt rüber. Ab etwa der Hälfte der Lautstärkeskala wird die Verzerrung dann sehr deutlich hörbar.

Der charakteristisch ausgeglichen-solide Moog Sound ist auch beim Sub Phatty deutlich vorhanden. Die wichtigen Mitten sind angenehm ausbalanciert und unaufdringlich, der Tiefbassbereich ist nur leicht beschnitten. Im Vergleich zum Little Phatty scheint in den Höhen etwas mehr zu passieren, trotzdem klingt auch der Sub noch deutlich bedämpft.

Die Hüllkurven sind eher zahm geraten und auch etwas statisch, bieten aber recht gute Definition. Auch wenn sich aufgrund des vorhandenen Noise Generators Perkussionsklänge anzubieten scheinen, ist der Sub Phatty dafür in meinen Ohren nicht unbedingt erste Wahl.

Vom Grundklang her macht der Sub Phatty zwar keine Vintage Klassiker oder Modularsysteme überflüssig, ich würde ihn aber soundmäßig über dem Little Phatty und vielen Mitbewerbern einordnen. Es lassen sich sehr schöne schwebende, brizzelnde, organische, bei Bedarf aber auch böse und derbe Sounds erzeugen.

Die klanglichen Möglichkeiten sind dank Suboszillator, Oszillator-Sync, Noise, Drive und auch den diversen Einstellungen „unter der Haube“ (z.B. Veränderung der Filter-Pole) äußerst vielfältig.

Performance

Der Echtzeitzugriff auf die wichtigsten Parameter ist großartig, live wie im Studio. Auch die externe Steuerung aller Einstellungen erlauben wenige andere Geräte. Ein passender Editor/Librarian – also eine Software zur externen Bedienung – ist in Arbeit.

20 Presets mögen für eine Live-Performance ausreichen, im Studio ist das aber zu wenig. Backups über MIDI/USB sind daher Pflicht. Gleichfalls kommt der Bedroom-Producer mit 25 Tasten vielleicht noch aus, jedoch wird bereits der durchschnittlich virtuose Livemusiker dies als massive Einschränkung wahrnehmen. Sollte wie beim Little Phatty später ein günstigeres tastenloses Gerät folgen, wäre das vermutlich für viele die bessere Wahl.

Wheels

Über die Problematik der verdeckten Parameter ist bereits alles gesagt.

Lob verdient Moog für das gewohnt gute Handbuch, welches abgesehen von der Bedienung des Geräts auch ausführliche technische Erklärungen bezüglich Synthese beinhaltet. Probleme bereitet bei nicht völlig optimalen Lichtverhältnissen das Finden der richtigen Anschlüsse, die „Beschriftung“ hebt sich lediglich im Kunststoff etwas ab, da wäre mit etwas weißer Farbe schon viel gewonnen.

Vermisst habe ich die Möglichkeit, einen Sinus als Modulationsquelle auszuwählen, der noch etwas natürlicher als das Dreieck klingt. Das bieten viele andere natürlich auch nicht. Angesichts der Vielzahl an Reglern wären ein paar CV-Ausgänge auch sehr schön gewesen, aber irgendwo muss natürlich Schluss sein.

Fazit

Mit dem neuen Synth macht die „Phatty“-Familie klanglich einen Schritt nach vorne. Regler für alle wichtigen Parameter, Suboszillator, Rauschgenerator sowie ein Drive-Regler für das Filter stellen sinnvolle Neuerungen dar. Unter der übersichtlichen Oberfläche finden sich darüber hinaus eine Vielzahl von Einstellungen, die sehr weitgehende Möglichkeiten der Klanggestaltung eröffnen. Die leichte Zugänglichkeit der wesentlichen Parameter erkauft man sich allerdings durch Handbuchpflicht und komplizierte Tastenkombinationen bei den versteckten Einstellungen. Wer sich davon nicht abhalten lässt, wem die Klänge des Sub Phatty zusagen und 25 Tasten ausreichen, bekommt ein hochwertig verarbeitetes Instrument mit großem Soundpotenzial.

Plus

  • Moog Sound mit umfangreichen Möglichkeiten
  • Echtzeitregler für die wichtigsten Parameter
  • hochwertige Verarbeitung
  • sehr gutes Handbuch

Minus

  • kaum Presets
  • Bedienung verdeckter Parameter umständlich und nicht selbsterklärend
  • Beschriftung der Ein-/Ausgänge schlecht lesbar
  • Rauschgenerator klingt auch bei niedriger Lautstärke verzerrt

Preis

  • Straßenpreis: 979,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mira

    die Bedienung der versteckten Parameter könnte verbessert werden + eine Oktave mehr Tastatur aber der Klang aufgrund des Deutsch-Filters ist großartig, der wiegt die Kritikpunkte ebi weitem auf.

  2. Profilbild
    Marco

    Wie Du auf 20 Presets kommst, ist mir schleierhaft. Es sind nur deren 16. Sind aber definitiv zu wenige.

    Bzgl. Noise würde ich via Moog Forum die aktuellste Firmware einspielen. Das Noise wurde verbessert.

    Mit dem bald erscheinenden Editor (siehe Moog Forum) sind die verdeckten Parameter per Mausklick einstellbar – klar, für die Live Bedienung nach wie vor umständlich. Ein Display dazu wäre einiges besser.

    Die Beschriftungen für die Eingänge sind in der Tat sehr mühsam.

    Was im Bericht nicht erwähnt wurde: der erscheinende Editor kann sowohl als Standalone als auch Plugin (VST, AU) in der DAW benutzt werden. Letzteres ist v.a. für MIDI Automationen IMHO recht nützlich.

    Gruss
    Marco

    • Profilbild
      Marco

      Was ich noch vergessen habe zu erwähnen: mit dem Editor ist es möglich, Presets auf der Festplatte zu speichern, d.h. man kann dann „unendlich“ viele Presets speichern und v.a. relativ leicht sharen.

      Für mich als Synthi Neuling ist ein Feature des Editors ebenfalls noch cool: der Random Button. Damit werden alle Parameter per Zufall eingestellt und man entdeckt u.U. so Sounds, die gerade ich als Neuling wohl nicht so schnell gefunden hätte. Leider wird auch die Lautstärke, Tranpose, Eingangsauswahl und Keyboard-On/Off zufällig festgelegt, was dann eher wieder mühsam ist. Vielleicht wird das dann noch geändert.

  3. Profilbild
    moogist  

    Ein interessanter Test. Leider wird nicht erwähnt, dass lediglich zwei vorhandene Tastatur-Oktaven für einen SPIELENDEN Live-Keyboarder möglicherweise zu wenig sein könnten und dieser Umstand den ganzen Synth ziemlich unproportioniert aussehen lassen.

    • Profilbild
      g.scherer  RED

      Doch, auf Seite 7 steht es:

      „Gleichfalls kommt der Bedroom-Producer mit 25 Tasten vielleicht noch aus, jedoch wird bereits der durchschnittlich virtuose Livemusiker dies als massive Einschränkung wahrnehmen. „

  4. Profilbild
    Rookie2

    Hallo Gregor,
    danke für den guten Test und die schönen Klangbeispiele (besonders Nr. 1 ist s e n s a t i o n e l l !)
    Würdest Du uns verraten, durch welches Delay und welchen Hall der SubPhatty da läuft?
    Danke und Gruss
    Rookie

    • Profilbild
      g.scherer  RED

      Hi Rookie,

      danke! :-)
      Leider kann ich die Effekte nicht mehr rekonstruieren, Hall war sicher was Lexicon-mäßiges, Hard- oder Software. Bzgl. Delay sollte jedes beliebige Pingpongdelay diesen Sound hinbekommen.

      VG
      Gregor

  5. Profilbild
    don_looney  

    Ich habe den SubPhatty mit dem Editor in Cubase 8 laufen und es funktioniert super.
    Kann alle Patches speichern laden, ist perfekt.
    Sehr guter analoger Synth.
    Kaufen !!

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