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Test: Moog Slim Phatty, Analogsynthesizer

9. Oktober 2011

Tastaturlos aber mit Biss

Die Welt der Miniaturisierung macht alles einfacher und transportabler. So wurde auch der Little Phatty und viel mehr das Erbe von Synthesizern wie dem Prodigy oder dem Source in eine kleine rackfähige Schreibtischbox „Desktop“ gebaut und ist auch deutlich kleiner als ein Little Phatty. Wie sich das gehört, hat so ein Gerät heute USB MIDI und Steuereingänge für analoge Signale aus der Modular- und Analogsynthesizerwelt und passt hinter einen Microkorg oder in die Nähe eines Klapprechners und eben auch auf dem Weg zum Gig in ein Rucksack. Übersetzt und überspitzt ist er der kleine Moog zum Mitnehmen.

Obwohl der Little Phatty als Keyboard schon eine Weile auf dem Markt ist, hat man doch bemerkt, dass er durch seine angeschrägte Bedienfront in ein vergleichsweise großes Case muss. Und da ist er, der Slim Phatty für den Moogsound in kleiner Darreichungsform.

Kleiner Muck

Vier Endlos-Bedienknöpfe für vier Baugruppen und eine Displayabteilung zieren seine Front. Die Lautstärke- und Feinstimmung und den klassischen „Werteveränderer“ unterm Display. So hat der schlanke Fette fünf Endlosknöpfe zu bieten. Die Bedienung erinnert an einen moderneren Moog Source, nur dass man LED-Kränze zur Anzeige hat. Besonders kompliziert ist er nicht, man drückt einfach auf den Zielparameter, und dann wird dieser angezeigt. Damit kann man auch die Struktur überblicken. Anders als beispielsweise beim Studio Electronics ATC X, bringt der Einsatz von nicht nur einem Endlosbedienelement die Bediengeschwindigkeit deutlich antreiben.

Auf der Rückseite an diesem angenehm angewinkelten Gerät findet man keine Sparallüren. Ein Kaltgerätekabel, ein Kraftschalter, die drei MIDI-Anschlüsse, vier Eingänge für Spannungssteuerung (Gate, Tonhöhe, Filter und Lautstärke) sind vollständig. Man muss nicht unbedingt MIDI verwenden, was den Bedürfnissen von Misch-Studios (MIDI, USB, Modular, Analogem) sehr entgehen kommt. Zudem gibt es einen Eingang, den Ausgang und eine Kopfhörerbuchse, welche am oberen Teil der Rückseite angewinkelt angebracht sind. Dadurch wird direkt über dem Slim Phatty im Rack keine Zwangsräumung nötig, weil die Kabel nicht passen. Da sind die Hausaufgaben gemacht worden für beide Anwendungen als Standgerät oder im Rack. Der USB-Anschluss ist auch hinten, nur etwas tiefer angebracht. Wie gesagt, ist es ein MIDI-Ersatz. Audio kommt aus dem Klinkenausgang.

Und was macht es?

Im ersten Bereich befindet sich der LFO und die eigentliche Modulationsabteilung, die alternativ zum LFO verwendet werden kann. Wer am LFO dreht, wird sich wundern, so er die alten Moogs nicht kennt. Auch beim Slim werden die Intensitäten der Modulationsabteilung über das Modulationsrad gesteuert. LFO Wirkung gibt es aber auch ohne das Rad. Am Gerät kann man eine feste Intensität einstellen. Das Prinzip mit den vier Schwingungsformen und den vier Zielen ist sehr übersichtlich über LED-Anzeigen gelöst. Filter, Tonhöhe, das Schwingungsform-Morphing aber auch der zweite Oszillator kann als Ziel gewählt werden. Letzteres ist essentiell für Sync-Sounds. Der LFO ist sehr schnell und kann daher auch geräuschhafte und metallische oder nebelige Klänge erzeugen (FM bis 500 Hertz sind möglich, das ist wirklich viel). Die Schwingungsform-Modulation beinhaltet auch die bekannte Pulsbreitenmodulation.

Es leuchtet rot

Die andere Funktion des „LFO Bereichs“ ist eine Modulationsverbindung, die die Filterhüllkurve oder den zweiten Oszillator als Quellen über das Bedienpanel zur Verfügung stellen. Über das Display kann man noch Sample & Hold oder Rauschen als Quelle verwenden. Das ist eine recht geschickte Art, überhaupt noch Rauschen mit einzubringen, jedoch entfällt der LFO dadurch, da der Modulationsbus nun eben für diese Verkopplung verwendet wird. Das kennt der olle Minimoog Nutzer auch noch in ähnlicher Art. Für alle, die das auf der Bühne machen wollen, gibt es für mehr als die sichtbaren Parameter als Controller. Die Frequenzmodulation ist leider nicht vom ersten Oszillator zum zweiten bzw. umgekehrt aufzubauen, denn der zweite Oszillator ist Quelle und Ziel zugleich und moduliert sich daher selbst. Für den für Analoge üblichen Zweck ist es aber ausreichend. Modulieren kann man selbstverständlich auch über den schnellen LFO. Es gibt noch einen eleganten Kniff, den LFO als Minihüllkurve zu verwenden, indem man langsame Geschwindigkeiten verwendet und die Tastendruck-Retrigger-Funktion verwendet, dann kann man beim Spiel zumindest eine AD-Hüllkurve simulieren. Dass Noise und Sample & Hold nicht mit LEDs ausgestattet sind, liegt daran, dass dies nachträglich hinzugefügte Funktionen im Slim Phatty sind. Auch der Arpeggiator kam erst mit einem Update hinzu. Bei Clavia kann man jedoch abschauen, wie man solche Funktionen eleganter nachrüsten könnte. Aber es ist prima, dass es drin ist. Und die „Zufallsmodulation“ via Sample & Hold ist eine spannende Fundgrube für eher ungewöhnliche Klänge. Was wirklich wichtig ist zu wissen, dass man die erwähnte Alternativlosigkeit, zwischen LFO und Modulation wählen zu müssen, übers Menü umgehen kann, denn da kann man noch ein zweites Ziel festlegen, das parallel angesteuert wird. Puh, noch mal Glück gehabt. Aber das ist eben ein Modulationsrouting, zwei wären schöner, aber eine Pulsbreitenmodulation und eine der Tonhöhe für den zweiten Oszillator (Sync-Sounds) ist schon möglich. Im Display steht übrigens Modulationsquelle 5 und 6, was für die Position der LED im Bereich „Source“ steht. Da muss man auch erst einmal drauf kommen. Bei diesen beiden Positionen ist der LFO-Rate Parameter für die Stärke der ersten Modulation verantwortlich, dadurch können diese auch unterschiedlich justiert bzw. über das Modulationsrad gesteuert werden.

Aufzäumen

Die Struktur ist wirklich klassisch. Zwei Oszillatoren laufen durch das „klassischste“ aller Tiefpassfilter, welches die meisten Ohren kennen. Es hat eine Overdrive-Funktion, die nicht so klingt wie die Rückkopplung des Ausgangssignals wieder zurück in das Filter zu bringen. Dies ist vom Voyager bekannt und nicht „offiziell“ als Overdrive angebracht, aber über ein Kabel realisierbar, im Phatty ist es fest eingebaut. Es ist eine „ölig, dezent-bratende“ Anzerrung, welche bei offenem Filter leicht brachial bis übermütig klingt, während das Voyager-Feedback des großen Bruders aus gleichem Hause auch den Sound zum Umkippen bringen kann und nur in einem bestimmten Bereich funktioniert und dort den Klang „andickt“ und auch „chaotischere“ Ergebnisse bringt, wenn man es übertreibt, was auch seinen Reiz hat bis hin zur „Verdrängung“ bestimmter Elemente im Klang durch die sehr starke Rückkopplung. Aber die Slim-Version ist und bleibt eine berechenbare Verdickung und Verbreiterung und klingt subjektiv „schöner“ oder „harmonischer“.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dieter198

    „4 LED-Encodern pro Baugruppe“
    Genau das ist beim Phatty doch nicht der Fall. Es gibt pro Baugruppe genau einen Encoder . Was das bringen soll, habe ich schon bei der Keyboardversion nicht verstanden. Im Normalfall möchte man doch mehrere Parameter in derselben Gruppe.
    Gleichzeitiges Bearbeiten von z.B. Resonanz und Oszilatortuning dürfte hingegen recht selten stattfinden.

    • Profilbild
      mira

      sicherlich vermisse ich manchmal auch die gleichzeitige „Bearbeitung“ in einer Gruppe und mehr Modulationsmöglichkeiten etc. aber die Bedienung geht doch wirklich flüssig von der Hand.

      Es gibt keinen perfekten Synth, aber Moog macht den Einstieg mit dem SP wirklich leicht. Zudem sorgt die „Übersichtlichkeit“ für schnelle Ergebnisse, wer komplexeren Moogsound will, muß eben mehr investieren.

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    Atomicosix  

    Also ich finde es sehr schade das die Firma Moog die Schaltung des Little Phatty nicht um einen Rauschgenerator, noch ein Poti für die Resonanz, mehr Speicherplätze usw. erweitert hat. Sie hat damit eine Chance vertan. Das man die Rackohren extra kaufen muß finde ich sehr ärgerlich. Also doch nur ein „billiger Moog“.

    Vielleicht gibt es eines Tages einen Big Phatty mit erweiterten Eigenschaften.

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      Moderator

      Momeeeent, du kannst, wie im Test steht, das Rauschen indirekt verwenden, zB als Modulationsquelle, so hast du schon eine gute Möglichkeit, das einzubauen – wenn auch nicht „pur“. Das ist schon nett, dass man das nachgeliefert hat. Die Updates waren kostenlos.

      Ich habe mir nach dem Test so ein Teil für Live-Performance besorgt, ist halt super klein und das meiste kann man notfalls von außen steuern. Und ich kaufe sehr sehr selten heute noch was.

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    Thomas Paulsen  

    Super Klangbeispiele die sehr schön zeigen, das der Phatty sehr modern klingen kann. FM und Änderung der Flankensteilheit führt zu sehr interessanten Ergebnissen. Mein Tip ist…Modulationen über Midi vornehmen. Geht z.B. per Monomachine oder Octatrack.

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      Moderator

      so ist es, ist als Electribeuser über Umwege auch möglich. Immerhin kann man dann die FM automatisieren und alles andere – solang man Controller übrig hat. Minimalsets machen etc.

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    Doubletap

    Also auch wenn der Slim Phatty sehr Modern klingen kann, kann er, etwas Übung vorrausgesetzt auch mit klassischen Instrumenten eingesetzt werden- in diesem Klangbeispiel wird er zusammen mit einem cembalo und Pizzicato strings verwendet. Am anfang als Bass der stellenweise die anderen Instrumente fast schon aus dem Klangspektrum verdrängt und am Ende als dezent gefilterter sequencer sound- ich würde meinen Phatty für nichts in der Welt hergeben wollen, auch wenn er fast eine Stunde braucht, bis der 2te Oszillator stimmstabil ist :P

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    AMAZONA Archiv

    Also die Klangbeispiele sind absolut Top.. man kanns nicht anders sagen und da will ich auch niemandem schmeicheln. Würde gern wissen wie die genau gemacht worden sind. Hier verstehen offenbar die Gerähtetester die aktuellen Elektrokunststücke..

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      moogulator  RED

      Wollte nicht unbedingt die klassischen Moogsounds bauen, die man schon kennt. Hier geht es primär um die schnellen Hüllkurven, weshalb meist kurze Decays zum Einsatz kommen und um FM via ModWheel (VCO moduliert VCO) – Bzw. bei einigen Sounds ist es auch das Filter, was per VCO moduliert wird. Ich gebe zu, dass ich sowas oft tue, da ich FM sehr mag. Die Flankensteilheit ist zumeist niedrig, das klingt frischer. Vielleicht gefällit dir genau das. Gesteuert habe ich ihn über eine Electribe, allerdings nur Töne, sonst ist alles manuell. Man könnte hier noch automatisieren und somit den Verlauf noch genauer unter Kontrolle haben. Ich bin sicher, dass die Player unter euch meine Beispiele nicht so toll finden werden, da sie bei mir doch immer in Richtung Synthese „ausreizen“ (und FM sowieso immer) tendieren. Zeigen sollte es aber, dass Perkussives toll klingt und das einfache Synthesizer durchaus spannend klingen können, insbesondere 1-2Pol Filter eine tolle Sache sind. Danke für die netten Worte, es gibt bei anderen Tests auch schonmal andere Haltungen dazu, es gibt nunmal so viele Musikertypen und Stile und Wünsche an Demos bzw. was man selbst erreichen will.

      Im unteren Beispiel ist es der schnelle LFO, im oberen die FM. (Filter FM und OSC FM)

  6. Profilbild
    Klaus Joter  

    Zitat: „……..Flache Filterwirkung begünstigt den nicht ganz so verbrauchten Klang und klingt daher fast schon etwas aktuell……“
    Eine häufig gelesene Formulierung, deren Sinnhaftigkeit ich in diesem Rahmen heftig anzweifeln möchte.
    Wenn ein Sound wirklich gut ist, dann wird er es auch noch in diversen Jahren sein. Z.B. die Oboe gibt es nun seit Jahrhunderten, aber niemand würde ihren Klang mit derartigen „zeitlichen Abnutzungserscheinungen“ bewerten. Wie ein anderer Tester bereits schrieb, kann man den Minimoog neben der C3 (um das Klischee B3 einmal zu ignorieren), dem Rhodes, dem Wurlitzer und Clavinet in der Tat als Musikinstrument bezeichnen. Damit löst man diese Instrumente aus dem „Tagesgeschäft“ der sog. populären Musik, bei der es eben auch darauf ankommt, Trends zu setzen oder zu folgen, was auch in starker Verbindung zu den verwendeten Sounds steht. Aber es gibt daneben diese klassischen Sounds, die derart charakteristisch sind, dass man sie in einem entsprechenden Kontext genau so einsetzen möchte wie sie sind und zwar ungeachtet ihres Alters. Ich denke an Emersons oder Jan Hammers Moogsounds, an Zawinuls 4-voice und 2600 etc. – etc. Kein Musiker käme angesichts dieser Klangqualitäten auf die Idee, sie unter das Verdikt von „verbraucht“ oder „aktuell“ zu stellen.

    Daneben habe ich imTest ein Kriterium vermisst:
    Wie klingt der Phatty denn im Vergleich zum Voyager?

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