Test: Moog Taurus 3, Bass Pedal Synthesizer

24. April 2010

Legendäres Bass-Pedal in Neuauflage

Wiedergeburt einer Legende…

Vor knapp zwei Jahren schrieb ich einen Artikel über den Moog Taurus 1 und mein Resümee damals lautete: Es gibt keine echte Alternative zu dem abgrundtiefem Sound dieses Bass-Monsters. Wer den echten Taurus Sound, bekannt von Genesis, Rush, Marillion, Asia, The Police oder YES  wollte, der musste sich erst einmal auf eine lange Suche begeben. Funktionierende Geräte waren nur noch sehr spärlich auf dem Gebrauchtmarkt zu finden und daraus resultierte der exorbitante Preis, den man für das gute Stück auf den Tisch legen durfte. 2500-3500 Euro musste man schon für einen funktionierenden Taurus 1 locker machen.

Moog Taurus 3

Der Moog Taurus 1 wurde von 1975-1981 gebaut und zählt neben dem Minimoog und dem Moog Modular zu den einflussreichsten Instrumenten für die damalige Musikkultur, welche die Firma Moog hervorgebracht hat. Taurus steht für den BASS überhaupt. Eine echte Synthesizerlegende wie Minimoog oder Moog Modular. Aber in diesem Bericht soll es ja um den neuen Taurus 3 gehen. Wer sich für den Taurus 1 noch mehr interessiert, den möchte ich auf den entsprechenden Artikel hier auf Amazona.de verweisen.

Taurus 1 und Taurus 3 Seite an Seite

Ich weiß nicht was die Firma Moog letztendlich dazu bewogen hat einen Nachfolger zu entwickeln. Waren es die stetig steigenden Gebrauchtmarktpreise oder der Wunsch einiger Kunden nach einem neuen Taurus? Fakt ist, dass die Idee für einen Taurus Nachfolger schon im Jahre 2006 während der NAMM-Musik-Messe in den USA entstand. Die Frage war nur, würden die Leute so ein Gerät überhaupt haben wollen und auch kaufen? Was machte den Taurus 1 so beliebt und schließlich so teuer? Das Risiko einen Flop zu entwickeln war nicht gerade unerheblich. Man war sich einig, dass der Nachfolger die gleichen, hervorragenden Klangeigenschaften wie das Original haben sollte und in ein zeitgemäßes Setup integrierbar sein musste.

Linksseitiges Bedienpanel mit Fußschaltern zur Anwahl der Presets

Die Zeit verging und aus der Idee reifte der erste Prototyp heran. Vor knapp einem Jahr wurde dieser dann erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und erntete gleich viel Lob, vor allem für den Mut der Firma Moog sich an so ein Nischenprodukt zu wagen. Natürlich gab es auch anfängliche Skepsis. Viele wünschten sich lieber einen neuen, polyphonen Synthesizer im Stile eines Memorymoog, als ein „aufgewärmtes“ Basspedal. In einschlägigen Foren im Internet wurde viel diskutiert.

Nun, wie es scheint wurden die ersten 1000 Taurus 3 der Limited- Edition bereits verkauft und der Mut scheint sich auszuzahlen. Vor einigen Tagen war nun auch der erste Taurus 3 in Deutschland auf der Frankfurter Musikmesse zu sehen und jetzt steht er bei mir zum Test. Da ich den alten Taurus 1 auch hier habe und mir dessen Klang mehr als vertraut ist, muss sich der Neue nun einer sehr kritischen Bestandsaufnahme unterziehen.

Rückseite des Taurus 3

Äußerlichkeiten

Der Taurus 3 übertrifft mit seinen gut 20 kg Lebendgewicht den Taurus 1 noch um ganze 7 kg. Der freundliche Postbote von DPD ächzte ziemlich und fragte mich: Warum er heute die ganz schweren Pakete hätte?  Darauf hatte ich auch keine passende Antwort, aber das Gerät ist schon ein ganz schön schwerer Brocken und mit dem zusätzlichen Gewicht des optional erhältlichen Gig-Koffer sicher nicht gerade rückenfreundlich. Das Pedal übertrifft auch in der Größe den Taurus 1 um einige Zentimeter. Insgesamt macht das Gerät einen sehr robusten Eindruck und das ist gut so, denn bei Gigs geht man nicht immer zimperlich um. Die Holzverkleidungen an den Seiten stechen gleich ins Auge und unterstreichen den Vintage-Charakter des Taurus 3.

Beleuchtetes Control Wheel mit Status LED Leiste

Das 1-Oktaven-Stummelpedal (13 Pedale, C-C) ist von unten geschlossen, sodass Schmutz und Fremdkörper nicht in das Gehäuse eindringen können. Neu ist auch, dass die Pedale anschlagdynamisch spielbar sind und Midi On/Off Befehle senden können. So lässt sich das Pedalboard auch unabhängig von der internen Klangerzeugung als Midi-Pedal zur Ansteuerung externen Klangerzeuger benutzen. Das ist ganz prima und stand auf der Wunschliste vieler Nutzer.

Ein weiterer Blickfang sind die beleuchteten Fußräder für Lautstärke und Control/ Modulation. Die mit der Frequenz des LFO`s pulsierenden Wheels sind nicht nur optisch ein echter Hingucker,  die Beleuchtung werden alle zu schätzen wissen, die auf einer dunklen Bühne oder im düsteren Kämmerlein performen müssen. Das Control-Wheel besitzt zusätzlich sogar noch eine LED Status-Lichtleiste zur besseren Übersicht. Diesem Control-Wheel können verschiedene Parameter zugewiesen werden, um den Klang in Echtzeit verändern zu können.

LCD Display und Bedienpanel

Das Bedienpanel des Taurus 3 ist sehr übersichtlich aufgebaut und man findet sich nach ein paar Minuten Einarbeitung gut zurecht. Das zweizeilige beleuchtete LCD-Display zeigt immer den gewählten Preset-Sound und den jeweils angewählten Parameter an. Unter dem Display befinden sich die, offensichtlich vom Little Phatty ausgeliehenen, beleuchteten Buttons zum Abspeichern der editierten Sounds und zur Auswahl der Programm-Modes. Der Taurus 3 hat einen Master-Mode für die Grundeinstellungen und einen Preset-Mode für die Sounds. Dazu aber später mehr.

Mit dem Endlos-Encoder (Value) direkt unter dem Display lassen sich die gewählten Parameter verändern und die Sounds auswählen. Das Rädchen hat einen eingebauten Druckschalter, mit dem sich die Presets durchsteppen und im Master-Menü Einstellungen vornehmen lassen. Mit dem Select-Level-Button kann man zwischen dem oberen und unteren Programmbereich hin und her schalten, denn die Buttons in der Oszillator/LFO und Filter/Arpeggiator-Sektion sind doppelt belegt. Ist „Upper“ für Oszillator und Filter ausgewählt, dann leuchten die Button-LED´s rot, während diese bei LFO und Arpeggiator gelbbraun funkeln. Übersichtlicher geht es kaum.

Seitenansicht mit den Anschlüssen

In der Oszillator Sektion auf dem Bedienpanel kann man die Grob und Feinstimmung von Oszillator 2, die Oktavlage beider Oszillatoren, das Mischverhältnis der Oszillatoren, die Glide-Zeit sowie die Parameter der Lautstärke Hüllkurve verändern. Die LFO Sektion kontrolliert die LFO Wellenform, die Frequenz und die Wirkung auf Oszillator oder Filter. Der LFO lässt sich natürlich auch syncen. In der Filter-Sektion lassen sich die Cutoff-Frequenz, die Filter-Resonanz, die Wirkung der Filter-Hüllkurve sowie die Hüllkurven Zeiten verändern. Ist „Lower“ ausgewählt, kann man die Arbeitsweise des internen Arpeggiators bezüglich des Abspielmusters, der Wiederholung, des Oktav-Bereichs und der Latch-Funktion beeinflussen.

Die Aus- und Eingänge des Taurus 3 sowie die Netzbuchse und der On/Off-Schalter wurden an der linken Seite des Gerätes angebracht. Hinten wäre mir persönlich zwar lieber gewesen, aber man wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Hier findet man die beiden unbalancierten, monophonen Audio-Ausgänge mit HI-Z und LOW-Z bezeichnet zum Anschluss an einen externen Verstärker oder Mixer. Weiterhin gibt es hier drei CV-Ins für Tonhöhe, Filter und Lautstärke zur externen Steuerung, zum Beispiel durch ein Expressions-Pedal und ein Gate In (+5 Volt)  zum externen Antriggern des T3. Der Taurus 3 hat natürlich auch Midi-In-und Out Buchsen sowie einen USB-Midi-Anschluss. Beim alten Taurus gab es ja noch kein Midi, eine Nachrüstung ist aber grundsätzlich auch hier möglich.

Die Anschlüsse des Taurus 3

Die acht Fußschalter über dem Pedalboard sind für die schnelle Kontrolle der wichtigsten Funktionen zuständig. Die LED´s zeigen den jeweiligen Status an. Hier lassen sich auch die Presets anwählen. Neben den legendären Taurus 1-Presets (Taurus, Tuba und Bass) hat sich auch ein neuer Preset-Sound mit dem Namen Taurus III dazu gesellt. Dieser ersetzt das Variable Preset des Taurus 1. Mit dem Bank-Taster lassen sich die 13 Speicherbänke (A-M) durchsteppen. So kommen wir auf die 52 internen Speicherplätze im T3 (4 Sounds x 13 Bänke). Lustig ist, dass man bei blinkender Bank-Taste die Bänke auch mit dem Pedalboard durchlaufen kann.

Fußschalter zur Anwahl der Presets

Der Transpose/PGM-Taster hat eine Doppelfunktion. Zum einen lässt sich das Pedalboard in Halbtonschritten einstellen und zum anderen lassen sich hier für die Taster Glide, Decay und Octave alternative Funktionen (LFO Tap Tempo, Arpeggiator Tap Tempo, Note Latch On/Off) einstellen. Ist der Transpose/PGM-Taster nicht gedrückt, dann kontrolliert der Glide-Taster den Portamento-Effekt, der Decay-Taster  die Ausklingzeit des Sounds, und mit dem Octave-Taster lässt sich der Sound eine Oktave höher schalten.

Innere Werte

Der Taurus 3 lehnt sich konzeptionell stark an sein Vorbild Taurus 1 an, wurde aber um einige Bereiche (LFO, Midi, Arpeggiator, Abspeichern von Sounds) erweitert bzw. ergänzt. Der neue T3 wurde wie sein Vorgänger als analoger, monophoner Bass-Synthesizer konzipiert. Nach dem Einschalten kalibriert sich das Gerät in den ersten Sekunden. Alle LED´s leuchten dazu kurz auf. Das sieht schon ein bisschen spektakulär aus.

Den klanglichen Rohstoff liefern zwei kräftige analoge Oszillatoren, die jeweils eine Sägezahnwelle generieren. Die VCO´s haben einen Tonumfang von 5 Oktaven. VCO A ist der Masteroszillator und zu diesem kann VCO B grob und fein verstimmt werden. Beide Oszillatoren lassen sich in den Fußlagen 32`, 16`, 8` registrieren und in beliebigem Mischverhältnis zueinander mischen. Die Einschwing-, Halte- und Ausklingzeit ist regelbar.

Oszillator/LFO Sektion

Der Klangmix durchläuft einen klassischen 24dB/Oct-Moog-Tiefbassfilter. Eckfrequenz und Resonanz lassen sich natürlich einstellen. Die Filter-Hüllkurve besitzt die Schalter Einschwing- und Ausschwingzeit und ist in ihrer Wirkung auf den Filter regelbar.

Neu hinzugekommen ist der LFO für Modulationseffekte. Nicht weniger als vier verschiedene Wellenformen (Rechteck, Sägezahn, Dreieck, Ramp) sind auswählbar. Die LFO Geschwindigkeit ist im Bereich 0,01 bis zu 100 Hz regelbar und kann durch das Control-Wheel oder durch die Tap-Tempo-Funktion beeinflusst werden. Die Modulationen können auf die Tonhöhe wie auch auf den Filter wirken. Des Weiteren ist es möglich, den LFO extern zu Midi-Clock zu syncen oder völlig frei laufen zu lassen.

Filter/Arpeggiator Sektion

Ein weiteres, herausragendes Feature des Taurus 3 ist sein interner Arpeggiator. Dieses Feature würde ich mir in meinem Taurus 1 auch wünschen. Arpeggiatoren sind mehr als eine nette Beigabe, sie können vielmehr ein unerlässlicher Inspirationslieferant sein. Ich muss schon sagen, dass mit dem Arpeggiator des T3 so richtig Freude aufkommt. Der Arpeggiator des T3 ist einfach aber sehr funktionell aufgebaut. Neben den gängigen Mustern Up und Down kann man mit Order beliebige Muster eingeben. Für diese Muster kann der Oktav-Bereich sowie der Abspielmodus verändert werden. Die Sequenz kann einmal durchlaufen und dann stoppen, sie kann vorwärts und rückwärts abwechselnd abgespielt werden oder ständig wiederholt werden. Mit der Latch- Funktion läuft der Arpeggiator durch auch wenn kein Pedal gedrückt wird. Die Geschwindigkeit des Arpeggiators  ist natürlich einstellbar und kann auch über Midi-Clock gesteuert werden.

Blockschaltbild der Klangerzeugung

Blockschaltbild der Klangerzeugung

Dem Taurus 3 hat man umfangreiche Midi-Funktionen mit auf den Weg gegeben. Hier muss der Vorgänger von 1975 natürlich passen. Wie schon oben genannt kann man das Pedalboard  auch zur Ansteuerung externer Midi-Klangerzeuger missbrauchen. Ich möchte hier nicht auf jede einzelne Midi-Funktion eingehen, aber so lässt sich u.a. die Klangerzeugung von den Pedalen abtrennen und als Midi-Expander benutzen. Midi-Befehle können über die DIN-Anschlüsse oder über den USB-Anschluss in und aus den Taurus 3 gelangen. Es ist auch möglich, z.B. einen weiteren Taurus 3 oder Voyager mit dem letzten OS zu einem duophonen System oder mehr zu stacken.

Über 30 Jahre liegen dazwischen…

Selbsterstellte Sounds oder Bänke können über Sys-Ex extern gespeichert und natürlich können Soundbänke von außen im Taurus 3 abgelegt werden. Die Firmware lässt sich extern sichern und bei Bedarf updaten. Falls das System aus irgendeinem Grund mal durcheinander geraten sollte, schafft die Factory-Restore-Funktion Abhilfe. Eine umfangreiche Kalibrier-Funktion rundet den Systembereich ab. All diese Midi-System-Funktionen stellt man im Master-Mode des Taurus 3 ein. Neben den Midi-Funktionen kann man hier auch das Gesamttuning, die Trigger-Modies, weiterreichende Pedal- und Arpeggiator-Funktionen und alle Systemeinstellungen programmieren.

Und jetzt die Frage aller Fragen. Wie ist er nun?

Erfüllt der Taurus 3 die hohen Erwartungen?

Als langjähriger Taurus 1-Besitzer und großer Fan dieses Instruments war meine Skepsis anfangs sehr groß, ob der neue Taurus 3 die hohen Erwartungen bezüglich des einzigartigen Klanges erfüllen kann. Bislang gab es absolut keine Alternative für den gewaltigen Klang des Originals. Der extrem wuchtige Klang des Taurus 1 resultiert aus einer besonderen Kopplung von Filter und Verstärker. Diese Wechselstromkopplung bewirkt, dass der Bassanteil bei der Frequenz von 20 Hz angehoben wird.

Ein weiteres Merkmal des Taurus 1  ist, dass das Bassfundament immer das gleiche Niveau behält. Es kann hier keine Phasenauslöschungen wie z.B. beim Minimoog geben. Werden beide VCO`s auf gleichem Niveau eingestellt und leicht gegeneinander verstimmt, ist das Ergebnis ein herrlich schwebender und in den tiefen Lagen leicht pulsierender Klangteppich. Es gib keinen Synthesizer, der in der Lage ist, diesen Sound so zu reproduzieren – auch nicht der Minimoog. Eine gute Anlage ist natürlich Voraussetzung, um die Kraft des Gerätes voll auszuspielen. Nicht wenige vermuteten hinter dem Äußeren des Taurus 3 „nur“ einen „Little Phatty“-Synthesizer mit Stummelpedal. Die Buttons und die aluminiumfarbene Rückseite erinnern schon etwas an den „kleinen Fettsack“ aus eigenem Hause….

Taurus 1 & 3 Rücken an Rücken

Ich habe mir die letzten Tage sehr viel Zeit zum Testen genommen und habe den Sound analysiert und verglichen. Da ich den alten Taurus 1 direkt daneben stellen und über die gleiche Anlage abhören konnte, ergab sich für mich folgendes Resultat.

Angewählter Preset Modus

Der Sound des Taurus 3 ist extrem kraftvoll und sehr bassig, ganz identisch zum Taurus 1 ist der Klang allerdings nicht. Selbst wenn man das Volume-Wheel nur ein Viertel aufdreht tönt ein mächtiges Grollen aus den Boxen, dass die Teller und Tassen im Schrank zum Klappern bringt. Das Gerät hat eine extreme Power und kann bei Bedarf noch lauter eingestellt werden als der Taurus 1.

Die Presets Taurus, Tuba und Bass klingen nicht ganz so wie bei meinem Taurus 1, hier muss man noch etwas nachregeln, um in die Nähe der Original-Sounds zu kommen. Zum neuen Taurus III-Preset habe ich natürlich keine Vergleichsmöglichkeit. Die Auswahl interner Sounds ist teilweise recht gut gelungen. Neben verschiedensten Bass-Preset-Variationen finden sich hier einige Reso-Bässe, Sequenzer-Bässe, LFO modulierte Sounds und sogar ein paar Lead-Sounds die eher für den Moog Voyager typisch sind.

Wünschen würde ich mir noch einen Bankloader/Software-Editor zum Verwalten/ Editieren der selbst erstellten Sounds und Arpeggiator-Muster.

Soundliste der Taurus 3 Presets

Soundliste der Taurus 3 Presets

Insgesamt klingt der Taurus 3 für meine Ohren etwas sauberer/cleaner und weniger rau und wild als der Einser. Auch das tiefe pulsierende Grollen im Sustain drückt beim Einser bei gleichem Pegel noch einen Tick mehr. Der Filtersound ist auch ein klein bisschen anders und erinnert mich an den Moog Source. Die klanglichen Unterschiede werden aber erst dann offensichtlich, wenn man beide Geräte nebeneinander stellt.

Den Taurus 3 zeichnet ein edler und kraftvoller Klang aus, der den Namen Moog zu Recht trägt. Ohne Zweifel hat es Moog geschafft, eine Alternative zum Vintage-Taurus 1 auf den Markt zu bringen. Ausgerüstet mit Midi, Arpeggiator, LFO und einem viel größeren Funktionsumfang bekommt man einen modernen Taurus für sein Geld. Der alte Taurus 1 ist auf dem Gebrauchtmarkt kaum noch zu bekommen und dann nicht selten defekt. Er ist ein Liebhabergerät.

Taurus 3

Ob man nun seinen eigenen Taurus 1 abstoßen sollte? Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich werde es jedenfalls nicht tun, denn ich hänge sehr an der alten Kiste. Der alte Taurus 1 hat diesen Vintage-Charme, der neuen Geräten einfach fehlt.  Das verhält sich in etwa so wie vom Minimoog zum Voyager.

Wer einen sehr gut klingenden Bass-Synthesizer für Stage und Studio sucht, der sollte den neuen Taurus 3 unbedingt einmal anspielen.

Vorerst kann man sich ja anhand der Klangbeispiele einen ersten Eindruck vom bullenstarken Klang machen. Alle Beispiel- Sounds wurden ohne externe Effekte aufgenommen.

Moog Taurus 3 on YouTubo

Hier zwei Videos aus meinem RetroSound-YT-Kanal:

Und hier ein direkter Soundvergleich zum original Moog Taurus 1

Plus

  • sehr guter, kräftiger Sound
  • sehr robust gebaut
  • gut durchdachte Bedienung
  • gutes Preis/Leistungsverhältnis

Minus

  • Anschlüsse an der Seite
  • ziemlich schwer (durch massive Bauweise) und schlecht zu transportieren

Preis

  • 1995 $
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    filterfunk  

    Grundgütiger….ich dachte eigentlich, ich hätte nun wirklich keinen Bedarf mehr an Bass-Sounds, aber das Teil klingt derart oldschoolmäßig fett und charakterstark! Analoge Urgewalt. FEEEETTTT!

  2. Profilbild
    a.jungkunst  AHU

    Beim Abhören der Klangbeispiele hatte ich auch das Gefühl, dass ein Taurus 3 einen Taurus 1 genau so wenig ersetzen kann wie ein Voyager den Minimoog. Der Taurus 3 macht den Eindruck eines tollen Instruments, keine Frage, und wer so etwas braucht, der sollte nicht zögern. Aber sofern der vom Autor erwähnte Vintage-Charme sich auf den Grundcharakter des Klangs bezieht, unterschreibe ich dieses Statement sofort.

  3. Profilbild
    t.kopper  RED

    Der T1 hatte linear arbeitende (also V/Hz) Oszillatoren. Deshalb erzeugt der Regler mit BEAT RATE im Schaltplan benannte Verstimungsregler eine konstante Verstimmungsfrequenz über den ganzen Tonumfang. Ein langsame Schwebung ist auch eine Oktave höher noch immer langsam, und nicht wie bei den meist üblichen exponentiellen Oszillatoren doppelt so schnell. Der Regler wurde deshalb in der Anleitung des T3 mit einem Umfang von ±50 cent angegeben. Ein musikalisches Cent ist aber eine relativer Wert. Ein Cent in einer tiefen Oktave ist eine viel geringere Frequenzabweichung als in einer höheren.
    Hier das Moog Patent des originalen Tauruas mit seinen linearen Oszillatoren:
    http://www.....=3,991,645

    Auf der Musikmesse habe ich als aller erstes genau dieses mit der konstanten Schwebung ausprobiert und war enttäuscht. MoogMusic schreibt auf ihren Seiten zum T3:
    „… I began an exhaustive study into every aspect of the Taurus 1 sound engine: measuring, listening, analyzing, and most importantly, trying to get inside what I consider the “soul” of the instrument. …“
    Komisch, einen Aspekt haben die nicht bemerkt, oder es war wohl einfacher so manches vom LittlePhatty zu übernehmen. Ich würde gerne mal die analogen Platinen der beiden vergleichen.

    Aber nichts des so trotz: so wie der Moog Voyager die Minimoog Klänge nicht alle reproduzieren kann, so ist der T3 nicht identisch zum Original. Aber trotzdem würde ich ihn gerne hier haben.

    Aber man darf halt nicht alles glauben, was uns die Firma MoogMusic da erzählt. Und wer hat schon das original und den neuen Zuhause so wie Marko.

    Der Artikel und die Beispiele gefallen mir sehr.

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      AMAZONA Archiv

      Danke Till für die Aufklärung.
      Das erklärt dann auch die Unterschiede im Klangbild, die ich selbst festgestellt habe.

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      monokit  

      Man sollte aber die neuen Moogs auch nicht schlecht reden, was gern bei solchen Vergleichen hängen bleibt bei manchem Leser. Ergo…man könnte auch sagen…ein Minimoog kann nicht wie ein Voyager klingen, weil ihm ein paar Features fehlen. Ebenso wie der Taurus 1 nicht wie der 3er klingen kann, weil ihm ein paar Features fehlen.

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        AMAZONA Archiv

        Von einen Schlechtreden des T3 kann bei diesem Test ja überhaupt gar keine Rede sein. Der neue Taurus besitzt hervorragende Klangeigenschaften und neue Features, die der erste Taurus einfach nicht hat. So steht es im Test geschrieben und deshalb gab es von mir ein „Hervorragend“. Mehr geht ja nicht. Das ändert aber nichts daran, dass beide Geräte unterschiedlich klingen und der T3 den T1, bezogen auf den Grundsound, nicht 1:1 ersetzen kann. Das soll hier ja kein Wettbewerb sein! Jeder muss sich sein eigenes Bild machen. Ich kann nur Beispiele aufzeigen. Die bisherigen Reaktionen auf den Artikel und auf die Demos zeigen wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Die einen mögen den Klang des T1 mehr, die anderen bevorzugen eher den T3. Und das ist doch völlig ok so.

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          bigdeadi

          Dass der T1 mit V/Hz arbeitet, weiss sogar ich als Laie. Das war ja der Grund warum der T1 als einziger Moog immer Stimmstabil lief. Das ist wirklich sehr Schade, dass das nicht mit übernommen wurde.

          Bei den Vergleichen der Preset Sounds, fallen einem wirklich deutliche Unterschiede auf. Allerdings muss ich sagen, dass mir z.B. der Taurus Sound auf dem T3 besser als auf dem T1 gefällt. Umgekehrt verhält es sich mit der Tuba, die gefällt mir beim T1 besser.
          Eines haben aber beide Tauren gemeinsam, ordentlich Druck und deshalb freu ich mich immer noch auf den T3!

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Sehr guter Bericht! Die klanglichen Unterschiede zur Urversion sind aber doch recht stark.

    Irgentwie beschleicht mich aber das Gefühl das das Filter bei den T1 Presets etwas tiefer eingestellt ist (die T3 Presets klingen viel „klarer“). Kann es vielleicht sein das das Filter des hier verwendeten T1 nach den ganzen Jahren nicht mehr ganz richtig gestimmt ist?

    MFG
    Dennis

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      AMAZONA Archiv

      danke
      Der Taurus 1 war vor ca. zwei Jahren zur Wartung bei R.Linhardt und funktioniert einwandfrei.

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        AMAZONA Archiv

        Danke für die Info! Dann ist der klangliche Unterschied also tatsächlich so groß. Trotzdem klingt der T3 natürlich klasse.

        MFG
        Dennis

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          AMAZONA Archiv

          Ja, der klingt sehr gut und zum Nachbarn ärgern ist der T3 auch Klasse ;)

          Der Klangcharakter ist nur nicht identisch. Welchen man letztendlich bevorzugt, ist wie immer reine Geschmackssache.

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        AMAZONA Archiv

        moin – vielleicht ist die kalibrierung bei den
        neuen tauren unterschiedlich – bei meinem
        voyager war es nicht optimal bei kauf.
        ich muß mal meinen techniker fragen, ob man
        beim voyager die möglichkeit zum phasenstarren
        starten der oszilatoren wählbar nachrüsten könnte. meinen voyager würde ich nicht mit einem mini tauschen – gerade wegen des
        moderneren klangs – für mehr obertöne gibts
        ja jetzt den neuen sem von T.Oberheim

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Hier ist noch ein anderes Video. Es zeigt ausschließlich die 3 Preset Sounds Taurus, Tuba und Bass sowie ein selbst programmiertes Variable Preset mit Filter-Resonanz. Die YT Soundqualität ist natürlich nicht berauschend.
    http://www.....PZ3N8p_96M

  6. Profilbild
    Antoni

    Ich habe meinen Taurus 3 nunmehr seit ca. 3 Jahren und plane inzwischen das gute Stück zu ersetzen. Klanglich ist der Taurus gut, auch die Robustheit schlägt positiv zu Buche.

    Negativ:
    sehr schwer
    kein XLR-Ausgang
    das Pedal nimmt auf kleineren Bühnen viel Platz weg
    Die großen Räder für Volumen und Filter sind nicht wirklich brauchbar
    Die Bedienung ist umständlich

    Ich werde versuchen, das Pedal mit einem Midi-Controller und einem Tablet-Computer zu ersetzen… mal sehen, ob das klappt

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