Blue Box: Moog Taurus 1, Bass Pedal Synthesizer

18. Oktober 2008

Moog Taurus 1

Vorwort der Redaktion:

ca. 2 Jahre nach diesem Blue Box Report, veröffentlichte Moog mit dem Moog Taurus 3 einen Clone ihres Klassikers. Dieser wurde ebenfalls von Marko Ettlich ausführlich getestet und mit dem Original verglichen. 2012 folgte die Miniaturausgabe des Taurus 3 in Form des Moog Minitaur.

The deepest bass ever …

In den späten 70er Jahren sah man nicht selten bei einigen Musikgruppen so ein seltsames Pedal auf der Bühne, das ab und an von dem Bassisten oder dem Keyboarder zum Einsatz gebracht wurde. Dieses, ein bisschen an eine Schuhputzmaschine erinnernde Gerät, ist grundsätzlich nur für eine Sache bestimmt: für den Bassss!

Manch einer mag sich jetzt denken: Ja gut, einen fetten Bass kann mein Minimoog oder Little Phatty auch erzeugen. Na klar kann er das! Aber ich bin mir ganz sicher, wer diesen unglaublich drückenden Taurus-Sound erst einmal über eine gute Anlage gehört hat, wird seine Meinung auch ganz schnell ändern. Doch mehr dazu später.

Ich möchte vorweg unbedingt darauf hinweisen, dass es sich in diesem Bericht ausschließlich um den Moog „Taurus 1“ (Model 205A) handelt. Es scheint oft ein bisschen Verwirrung bezüglich der zwei Taurus Modelle zu geben. Der „Taurus 1“ ist das erste Modell, und wenn man über den typisch, fetten Taurus Sound redet, dann ist von diesem Gerät die Rede. Bei dem Nachfolgemodell, dem Moog „Taurus 2“, handelt es sich um nichts anderes, als um einen Moog Rogue Synthesizer, der an Stelle der Tastatur mit einem externen Stummelpedal ausgestattet wurde. Klanglich haben die beiden Modelle wirklich kaum etwas gemeinsam. Der „Taurus 2“ ist nicht annähernd in der Lage, den kraftvollen Sound zu liefern, für den der „Taurus 1“ zur Legende geworden ist.

Meinen ersten (Hör-)Kontakt mit dem Moog „Taurus 1“ hatte ich schon vor vielen Jahren. In meinem CD Regal finden sich einige Silberlinge aus der Glanzzeit von Genesis, Marillion oder Asia.

Als Synthesizer-Freak hat man ja oft die komische Angewohnheit (und wie ich schon häufig gehört habe, geht das zum Glück anderen auch so), jeden Song zu analysieren, mit welchem Instrument dieser oder jener Sound eingespielt wurde.

Ein ganz besonderer Klang stach auf diesen Scheiben beharrlich heraus: ein immer pulsierender, abgrundtiefer Basssound, der die Gläser auf dem Regal regelrecht zum Wackeln brachte. Dieser bombastische Sound hatte es mir fortan angetan. Auf dem Platten-Cover las man manchmal etwas von einem Moog-Taurus -Basspedal. Ich konnte mir bis dato noch nichts darunter vorstellen, was es nun mit dem Teil auf sich hat. Im Internet gab es nur spärliche Informationen und Klangbeispiele überhaupt nicht. Auf einem alten Genesis Video konnte ich dann das erste Mal den „Taurus 1“ in Aktion sehen und war fortan begeistert von dem Gerät.

Rückansicht des Taurus 1

Das Problem war nur, woher bekommt man so ein Teil? Wie meine Recherche ergab, wurden von dem Gerät nur relativ geringe Stückzahlen gebaut. Eine lange Suche begann, aber glücklicherweise ergab sich dann irgendwann doch ein Kauf, und fortan zählt der „Taurus 1“ zu meinen absoluten Favoriten für extrem bassige Sounds. Meine Nachbarn „lieben“ das Teil ebenso! ;-)

Die Geschichte des legendären Moog Taurus

Ursprünglich wurde das „Taurus 1“-Basspedal im Jahr 1975 als Bestandteil des legendären „Moog Constellation Systems“ entwickelt. Dieses riesige Synthesizersystem sollte ursprünglich als Konkurrenzprodukt zu Yamahas GX-1 auf den Markt gebracht werden, kam aber niemals über den Prototypen-Status heraus. Bestandteil dieses riesigen Synthesizer-Systems war der monophone Lead-Synthesizer „Lyra“ (ging nie in Produktion), der „Apollo“, der Prototyp des Polymoogs, und letztendlich der „Taurus 1“, der die Basssounds beisteuern sollte. Den Prototypen dieses Systems, jedoch ohne „Taurus 1“, hatte Keith Emerson für eine Zeit lang in seinem Besitz. Heute soll es sich in Calgary/Kanada befinden. „Taurus 1“ und Polymoog erfuhren dann später noch ein paar kosmetische und konzeptionelle Veränderungen und wurden dann als eigenständige Geräte vermarktet.

Die Fußtaster zum schnellen Umschalten der Funktionen

Was die wenigsten wissen: der Moog „Taurus 1“ wurde nicht von Bob Moog entwickelt, sondern von Dave Luce, der unter anderem auch für die Entwicklung des Moog Polymoog verantwortlich war. Er nahm das fette 24dB 904A Tiefpass-Filter aus dem großen Moog Modular System und entwickelte eigenständig das „Taurus 1“-Basspedal. In Produktion ging der „Taurus 1“ dann von 1975 bis 1981 und wurde 1982 vom Nachfolgemodell dem „Taurus 2“ abgelöst. Heute zählt der „Taurus 1“, neben dem Minimoog und Moog Modular, zu den einflussreichsten Instrumenten, die die Firma Moog hervorgebracht haben. Wenn man mit dem Minimoog den typischen Lead-Sound in Verbindung bringt, so steht der „Taurus 1“ für „den Bass“, an den sich alle anderen messen müssen. Es gibt bis heute kein Instrument, das diesen Sound auch nur annähernd nachstellen kann. Somit erklären sich auch die hohen Gebrauchtmarktpreise, die für einen gut erhaltenen „Taurus 1“ gezahlt werden.

Äußerlichkeiten

Der 13 kg schwere „Taurus 1“ ist von seinen Ausmaßen her ein ganz schöner Brocken und macht einen sehr soliden Eindruck: Ausgestattet mit einem 1-Oktaven Stummelpedal (C-C) und einem sehr robustem Metallgehäuse, in dem sich gut geschützt die Klangerzeugung befindet. Die Ecken sind mit blanken Metallschienen besetzt, was die Robustheit noch weiter verstärkt. Die Seitenflächen sind dem damaligen Schönheitsideal entsprechend mit dunklem Holzfurnier versehen.

Seitenansicht mit Holzfurnierverkleidung

Direkt auf dem Gerät befinden sich zwei Fußschieber- mit „Filter“ und „Loudness“ bezeichnet. Mit dem Loudness-Schieber lässt sich so die Lautstärke unabhängig vom eingestellten Preset schnell anpassen, während man mit dem Filterschieber die Filtereckfrequenz verändern kann. Die Fußschieber wirken auf alle Sounds (Presets und den Variable-Sound) gleichartig. Das ist praktisch, denn so kann man ohne sich groß zu bücken, den Sound schnell anpassen oder verändern.

Direkt über den 13 Pedalen befinden sich Fußtaster zum direkten Anwählen der Preset-Sounds und für weitere Funktionen. Eine kleine rote LED zeigt an, ob die jeweilige Funktion gerade aktiviert ist. Der mit „Glide“ bezeichnete Taster schaltet die Portamento-Funktion ein, „Decay“ wirkt wie ein Release on/off-Schalter, und mit „Octave“ lässt sich die Tonhöhe eine Fußlage höher schalten.

Hier werden die Taurus-Presets ausgewählt

Auf der linken Seite befinden sich die 3 Taster für die legendär gewordenen Preset-Sounds (Taurus, Tuba und Bass) und ein Taster, der mit „Variable“ bezeichnet ist. Drückt man diesen Taster, so kann man selbst einen Sound (das so genannte Programmed Preset) erstellen. Dies geschieht mit den 11 Schiebereglern, die sich hinter der Plexiglasklappe verbergen. Hier hat man mitgedacht, denn so sind die Fader gut vor Staub und Nässe geschützt. Auf der Rückseite befinden sich der Mono Audio-Ausgang, der Haupt-Lautstärkeregler, der Netzanschluss und der Umschalter 115/220 Volt.

Innereien

Eigentlich ist der „Taurus 1“ ja nichts anderes, als ein monophoner Synthesizer der auf Basssound spezialisiert ist. Hier gibt es keine extravaganten Funktionen, wie Oszillator-Sync oder Crossmodulation, ja nicht einmal eine Rauschgenerator ist vorhanden. Aber wozu auch? Die Richtung ist vorgegeben, es geht darum, tiefte, fette Sounds zu liefern. Dennoch lassen die verschiedenen Einstellungen auch Sounds zu, die man den Taurus nicht unbedingt zuschreiben würde. Die Klangbeispiele zeigen dies auch.

Blockschaltbild des Taurus 1

Blockschaltbild des Taurus 1

Die klangliche Basis liefern zwei kräftige VCOs, die einen breiten, sägezahnähnlichen Basisklang haben und in ihrer Fußlage gemeinsam über 3 Oktaven (LOW entspricht der Fußlage: 16, MID: 8 HI: 4) geschaltet werden können.

Das Mischverhältnis beider Oszillatoren lässt sich mit dem B-Mix-A Regler bestimmen,. Über den Oszillator-B-Frequenz-Regler lässt sich der zweite Oszillator gegenüber dem ersten bis zu knapp über 1 Oktave grob verstimmen. Das Feintuning beider VCOs zueinander übernimmt der „BEAT“ Poti. Mit diesem Regler lässt sich leicht ein schön pulsierender Klangteppich einstellen. Die Einschwingzeit des Klanges (Attack) lässt sich von 5 bis zu 560 Millisekunden ebenso einstellen wie das Substain- Level. Der Decay- Regler wirkt auf die Ausklingzeit (Release) nach dem Loslassen des Pedals (Ausklingzeit 50 Millisekunden bis 2.8 Sekunden).

Natürlich kann man auch die Filtereck-Frequenz (Cut-Off) und Filter-Resonanz unabhängig von einander regeln. Die Resonanz reicht bis weit in Selbstoszillation des Filters hinein und lässt den Taurus bei Bedarf ordentlich pfeifen. „Contour-Amount“ bestimmt, wie stark der Einfluss der Filterhüllkurve auf das VCF ist. Einstellen lässt sich die Filterhüllkurve nur in der Einschwingzeit (Attack) und zwar von 5 bis zu 56 Millisekunden und in der Abfallzeit (Decay) von 50 Millisekunden bis zu 2,8 Sekunden bis zur Erreichung der eingestellten Filter Cut-Off Frequenz. Auch wenn die Filterhüllkurve nur über zwei veränderbare Werte verfügt, reicht dies aber für die meisten Anwendungen durchaus aus – vor allem kommt man so viel schneller zum Ziel. Die Glide-Zeit lässt sich in der „Programmed Preset“ Sektion ebenfalls bestimmen.

Anzumerken ist, dass diese Einstellungen (außer „Beat“ und „Tuning“) keinen Einfluß auf die 3 Preset- Sounds haben, sie wirken ausschließlich auf den „Variable“ Sound. Zu guter Letzt lässt sich mit dem Tune-Regler die Gesamtstimmung des „Taurus 1“ an den übrigen Gerätepark anpassen.

Ganz hervorragend ist auch, dass der „Taurus 1“ keine Aufwärmzeit benötigt. Viele analoge Synthesizer benötigen eine gewisse Zeitspanne, um ihre Tonhöhe endgültig zu halten. Der Grund liegt darin, dass der oft in analogen Synthesizern verbaute Exponential-Konverter einen bestimmten Temperaturfaktor hat, der sich nach dem Einschalten des Gerätes bei zunehmender Erwärmung immer etwas verändert. Ist die endgültige Betriebstemperatur dann erst einmal erreicht, bleibt das Gerät „in Stimmung“. Das ist beim „Taurus 1“ anders. Da dieser im Gegensatz zum Minimoog lineare VCOs verwendet und deshalb ohne Konverter auskommt, benötigt er auch keine Aufwärmzeit.

Innenansicht des Taurus 1

Innenansicht des Taurus 1

Aber warum besitzt der „Taurus 1“ lineare VCOs und der Minimoog exponentielle? Das liegt daran, dass für einen Basssynthesizer nur eine einfache Oktavschaltung benötigt wurde und keine Modulationenhilfen, wie Pitch- Bend und Modulations-Räder erforderlich waren. Man kann den „Taurus 1“ sofort einschalten und drauf losspielen.

Bullenstarker Klang

Wer den „Taurus 1“ noch nie über eine gute Anlage gehört hat, kann sich kaum ein Bild von der ungeheuren, klanglichen Kraft machen. Am besten, man hört den Sound über gute Kopfhörer ab oder man benutzt zusätzlich zum Lautsprechersystem einen Subwoofer. Normale Hifi-Boxen sind meistens nicht in der Lage, das volle Frequenzspektrum, besonders in den tiefen Lagen, hörbar zu machen.

Der extrem wuchtige Klang des „Taurus 1“ resultiert aus einer besonderen Kopplung zwischen Filter und Verstärker. Diese Wechselstromkopplung bewirkt, dass der Bassanteil bei der Frequenz von 20 Hz angehoben wird.

Natürlich hat auch das ausgezeichnet klingende Filter einen entscheidenden Anteil am fetten Klang des „Taurus 1“. Dieses klassisch aufgebaute 24dB Tiefpassfilter fand schon im großen Moog Modular System Verwendung und zeichnet sich durch einen extrem lebendigen Klang aus. Es greift kraftvoll zu und färbt den Klang sehr stark.

Die Fader sind durch die Plexiglasklappe gut geschützt

Werden beide VCOs auf gleichem Niveau eingestellt und leicht gegeneinander verstimmt, ist das Ergebnis ein herrlich schwebender und in den tiefen Lagen leicht pulsierender Klang. Ich kenne keinen Synthesizer, der in der Lage ist, diesen Sound so zu reproduzieren. Ich habe mehrmals versucht, den Taurus-Sound mit dem Minimoog nachzubauen, aber es funktioniert einfach nicht. Den Klangcharakter in den mittleren Frequenzen bekommt man noch ganz gut hin, aber was nicht gelingt, ist das tiefe Klangfundament.

Die Moog Taurus 1 Presets

Wenn man vom Taurus-Bass-Klang spricht, meint man damit fast immer das berühmte „Taurus-Preset“. Dieser Klang ist ein Sound-Klassiker, ja fast schon ein Klischee. Viele ROM-Synthesizer und Sample-Librarys beinhalten mindestens ein Taurus Preset, ohne aber bezüglich Authentizität an das Original heranreichen zu können. Der Klang des „Taurus-Presets“ schwillt langsam mit einem immer stärker werdenden „Knurren“ an, wobei ab dem Lautstärke-Maximum die Obertöne durch das Filter erst leicht und dann mit zunehmender Dauer immer stärker beschnitten werden, bis nur noch ein tiefes, pulsierendes Grollen übrig bleibt. Dieses Grollen lässt regelrecht die Wände wackeln und geht in den Körper ganz tief rein. Wer vor Jahren die Gruppen Asia, Marillion (Loreley-Konzert), Saga oder erst kürzlich The Police und Genesis bei ihrer Tour live gesehen hat, weiß wovon ich rede. Mit ganz großer Sicherheit lassen sich so auch Nierensteine zertrümmern… ;-)

Hier kann man selbst Hand anlegen…

Das „Tuba-Preset“ ist ein simpler 1 VCO Bass-Sound ohne großartige Filtermodulation und zeigt, wie viel Power schon ein einziger Taurus-VCO hat. Da nur ein VCO zu hören ist, gibt es hier auch keine Schwebungen. Der Sound klingt noch besser, wenn man ihm etwas Chorus oder Delay beimischt.

Das dritte vorhandene Preset trägt den Namen “Bass“. Dieser Sound schwingt sehr schnell ein und fällt nach kurzer Zeit wieder auf Substain-Level ab. Er eignet sich gut für schnell gespielte, sequenzerartige Sounds.

Prominente Klang-Beispiele

Ich habe vor einiger Zeit eine Liste zusammengetragen, wo man den „Taurus 1“ recht gut heraushören kann:

Genesis sind sicherlich die prominentesten Taurus Benutzer. Selbst auf ihrer letzten Welttournee waren zwei „Taurus 1“ Basspedale mit von der Partie und wurden auch sehr ausgiebig benutzt.

Songs wie „Los Endos“, “Turn It On Again“ ,”Tonight, Tonight, Tonight”, “Squonk” , “Dance on a Volcano”, “Mama”, “Abacab”, “Supper’s Ready”, “Firth of Fifth”, “The Cinema Show” und das wunderschöne “Afterglow” wären ohne den brummenden Bass-Sound nicht denkbar.

Phil Collins benutzt den Bass des „Taurus 1“ noch in dem Song „I Don’t Care Anymore“ – hier ganz selten mit den Händen gespielt.

Das ehemalige Genesis Mitglied Steve Hackett setzte dem „Taurus 1“ als dominierendes Instrument in dem Song „Clocks“ ein klangliches Denkmal. Hier ebenfalls mit den Händen dargestellt.

Weitere Verfechter des „Taurus 1“ sind The Police. Auf ihrer diesjährigen Tour hatten sie auch den „Taurus 1“ dabei. Zu hören ist er unter anderem in den Songs „Don’t Stand So Close to me“ und „Walking on the Moon”.

Ganz bekannt ist der brummende Taurus-Klang am Anfang von „Where The Streets Have No Name“ von U2.

Hier nur kurz aufgezählt:

  • Rush in den Songs “Tom Sawyer” und “Sub-Divisions”
  • Asia in den Songs “Go”, “Don`t cry” und “Only time will tell”
  • Marillion unter anderem in den Songs “Kayleight”, “Pseudo Silk Kimono” und “Warm Wet Circles”

Weitere Benutzer des „Taurus 1“ sind Saga, 10CC, Yes, J.M. Jarre, Led Zeppelin, Motley Crue und und und …

Problemfälle

Die größte Herausforderung: Woher bekommt man so ein Gerät? Sicher ist: Es wurden nicht viele „Taurus 1“ -Pedale gebaut, und deshalb werden auch nicht scharenweise auf dem Gebrauchtmarkt angeboten. Ab und zu sieht man ihn mal bei ebay.com, aber dann meistens zu irrwitzigen Preisen und mehr oder weniger lädiert.

Die 13 Pedale des Taurus 1

Der derzeitige Gebrauchtmarktpreis schwankt zwischen 2.000-3.000 Euro, kann aber durchaus noch höher sein. Wer bereit ist, diesen hohen Preis zu zahlen, weiß aber sicher, was er tut.

Geräte in gutem und vor allem funktionierendem Zustand zu finden, wird nochmals ungleich schwieriger. Man muss bedenken, dass das Pedal schon viele Jahre auf dem Buckel hat und mitunter schon mehrmals die Besitzer wechselte. Werden die guten Stücke mit auf Tourneen genommen, leiden sie oft sehr unter der Beanspruchung. Man sehe sich nur die „Taurus 1“ Basspedale von Genesis an. Sie erfuhren schon mehrmals kosmetische Veränderungen und bekommen immer mal wieder einen neuen Anstrich.

Das Bedienfeld mit den großen Fußschiebern

Der „Taurus 1“ ist wirklich robust gebaut, hat aber eine große Schwachstelle: Die Kontaktleiste an den Pedalen ist – da unten offen – ungeschützt Staub und Feuchtigkeit ausgesetzt und kann bei Verschmutzung nicht mehr richtig funktionieren. Erklingt ein Ton beim Durchtreten des Pedals ungleichmäßig oder gar nicht mehr, so ist immer der links davon liegende Pedal-Kontakt dafür verantwortlich. Mitunter genügt es, das Pedal mehrmals zu betätigen, aber manchmal reicht das nicht mehr aus. Dann ist der Zeitpunkt da, wo man um eine sorgfältige Reinigung der Kontakte nicht mehr herum kommt. Dies sollte man aber lieber einen Fachmann überlassen, der sich damit auskennt. Selbst herumdoktern kann oft mehr Schaden verursachen. Auf keinen Fall darf man Kontaktspray benutzen! Es verschlimmert das Problem nur noch und kann die Kontakte irreparabel zerstören.

So sieht der Taurus 1 von unten aus

Des weiteren können die bräunlichen Pedalkappen ziemlich schnell abbrechen. Sie bestehen aus sprödem „Bakelite“-Material und sind wirklich empfindlich gegen grobe Stöße. Diese Pedalkappen sind nur schwer zu bekommen. Hier sollte man immer sehr sorgfältig mit umgehen.

Die Plexiglasklappe über der „Programmed Preset“ Sektion ist nur lose eingesteckt und fehlt deshalb oft. Ohne diesen Schutz sind aber die Schieberegler Staub und Nikotindunst ausgeliefert, was ihnen auf Dauer sehr zusetzen kann.

Wer sich für den Kauf eines „Taurus 1“ ernsthaft interessiert, sollte am besten das Gerät vorher ausgiebig testen und alle Funktionen sorgfältig prüfen. Die Schieberegler sollten leichtgängig und ohne Kratzen zu bewegen sein und die Pedale ohne Verzögerung und Nebengeräuschen die Töne auslösen. Ansonsten können hohe Folgekosten entstehen.

MIDI? Gibt es natürlich nicht, noch nicht einmal CV/Gate -Anschlüsse. Mir ist bis dato kein Anbieter bekannt, der ein MIDI-Nachrüstset für den „Taurus 1“ im Programm hat.

Nur auf das Nötigste beschränkt – die Anschlüsse zur Außenwelt

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Schuhwahl eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Ideal sind vorne spitz zulaufende Schuhe mit harter Sohle. Mit breitsohligen Schuhen ist es sehr schwierig, die Pedale einzeln zu treffen oder die Fußtaster zu schalten. Also besser gleich noch den Kauf von ein paar neuen Schuhen mit einplanen.

Alternativen

Ich sage es gleich am Anfang: Es gibt keine ernsthafte Alternative, die den „Taurus 1“-Klang zu kopieren vermag, nicht mal annähernd.

Das Nachfolgemodell, der „Taurus 2“, ist im Grunde nichts anders als ein Moog Rogue mit externem Stummelpedal anstatt der Tastatur. Der Klangcharakter ist ein ganz anderer und er kommt nicht annähernd an die Kraft und Tiefe des „Taurus 1“ heran. Der „Taurus 2“ wird deshalb längst nicht so hoch gehandelt wie sein Vorgänger, ist aber auch ziemlich selten zu finden. Ein Sammlerobjekt ist er auf jeden Fall…

Der Moog Source wird nicht selten als „Taurus 1“-Ersatz benutzt, denn er ist in der Lage, sehr tiefe Bass-Sounds zu erzeugen. Trotzdem ist das klangliche Resultat auch nur annähernd mit dem „Taurus 1“ vergleichbar.

Weiterhin benutzen einige den Waldorf Pulse, um den Taurus-Klang auf der Bühne zu kopieren. Der Pulse ist mit seinen drei analogen Oszillatoren bekannt für seine fetten Bassounds, aber es fehlt ihm an Wärme und Lebendigkeit im Klangbild. Der Filterklang ist auch ein ganz anderer.

Und dann möchte ich noch der Vollständigkeit halber die Taurus Software erwähnen, die es als Freeware im Netz gibt. Ich habe großen Respekt vor den Programmierern solcher Software, die sie dann auch noch kostenlos zum freien Download anbieten. Aber ganz ehrlich: mit dem Original- Taurus Klang hat das nicht viel zu tun. Kann ja auch nicht!

Der Moog Taurus 1

Wie gesagt „The Police“, „Genesis“ und einige andere haben den „Taurus 1“ immer noch auf ihren aktuellen Tourneen im Gepäck. Und das hat nichts mit Prestige oder Nostalgie zu tun, sonst würden sie ja auch ihren Minimoog, Oberheim oder ARP einpacken. Es liegt einzig und allein am unvergleichlichen, nicht zu kopierenden Klang des Moog „Taurus 1“ Basspedals.

Der Moog Taurus on YouTube

Hier eine Video aus meinen RetroSound-YT-Kanal:

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Klasse! Endlich mal dem Taurus eine lange Textstrecke gegönnt! Sogar die mp3s kommen über entsprechende Speaker korrekt, wenn auch der wahre Rumms wirklich boxende Boxen braucht. Schade dass es Moog bislang noch nicht zu einem Voyager-Taurus hingerissen hat.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Dank dir Klaus :)
      Ja das habe ich mir auch gedacht, als ich mit dem schreiben des Artikels begonnen habe. Die bisherigen Informationen im Netz über den Taurus sind bisweilen ziemlich dürftig. Sicher es ist ein Liebhaber-Gerät aber wenn schon, dann richtig ausführlich.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja hallo,
    das ist ja mal ein schönes Feature über ein viel zu oft übersehenes Instrument.
    Zum Taurus I fällt mir nur „Don’t stand so close to me“ von The Police ein, da hört man dieses Teil sehr deutlich.
    Rushs Tom Sawyer dagegen dürfte, nach allem was ich sehen konnte, von Geddy Lee auf einem Minimoog gespielt worden sein (also der Sweep am Anfang).
    Schöne Sounds. Moog eben.

    LG Dietmar

    • Profilbild
      microbug  

      ich korrigiere mich, denn das war Unsinn, der Sweep zu Anfang von Tom Sawyer ist ein Taurus 1, der von Alex Lifeson bedient wird, sieht man sehr schön in einem der Live-Videos von damals:)

      Gruß, Dietmar

      • Profilbild
        moogist  

        Der Sweep vom Anfang stammt vom Oberheim OB-X. Auf „Tom Sawyer“ höre ich kein Taurus-Pedal.

  3. Profilbild
    n-Orb

    Hallo Marko,

    wirklich toller informativer Bericht !!
    Und die Soundfiles machen das ganze noch anschau-und-hörbarer … Sehr Gut !!
    Leider hätte ich Deinen Artikel hier vorher lesen sollen … Du hast auf jeden Fall Post im Mehlfach ;)
    weiterhin frohes musiklisches Schaffen
    Norbert

  4. Profilbild
    AlterSack

    Ich kenne die Sounds von Rush dieser beiden Platten sehr gut. Bei Tom Sawyer kommt das wirklich schön klassisch analog. Klingt aber eher wie 2 Filter die da zu gehen, als wenn jemand eine Oktave geift. Wenn doch monophon dann vermute ich liegt das mal an einem Delay. Was man so auf Videos sieht muss auch damals nicht unbedingt der Studiorealität entsprochen haben.
    Aber egal, das ist nicht so wichtig. Was ich Kommentieren will: Erschlagt mich, aber ich finde den Sound auf den hier gezeigten Aufnahmen überhaupt nicht fett, eher ziemlich durchschnittlich.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Die Aufnahmen sind vielleicht etwas suboptimal aufgenommen. Extrem wichtig ist natürlich auch die Abhöre und die ganze Kraft wirklich zu spüren.

  5. Profilbild
    actionjaxon

    Von HollowSun gibt seit einiger Zeit ein Moog Taurus NKI für den NI Kontakt. Die Demo klingt sehr gut. Kostenpunkt:25 Euro. Für volle Nutzbarkeit braucht man aber zwingend Die Vollversion Vom Kontakt.

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