width=

Blue Box: Moog Polymoog, Analogsynthesizer

13. Oktober 2012

Dave Luces Moog

Moog Polymoog

Der große Polymoog ist heute mehr ein Mythos. Das ist doch das Ding, was immer kaputt ist, welches es in zwei Versionen gibt und ist es wirklich ein richtiger Moog? War er nicht mehr als nur polyphon? Was steckt heute hinter einem Synthesizer wie diesem? Außerdem hatte die Firma Moog eine sehr bewegte Geschichte, viele Besitzer, Manager und Ansätze, wie die Firma weiter zu führen sei und mit welchen Instrumenten dies am besten gelänge.

Die Firma war deutlich länger unter verschiedenen Namen mehr oder weniger Namensspender. So ist der Vater des Polymoog auch Dave Luce und weniger Robert Arthur Moog. Das typische Element, nämlich das Moog-Filter, findet in ihm zwar Platz, ist aber nicht prägend für dieses Instrument. Stattdessen musste es enorm viele Korrekturen erfahren, um schließlich 1975 auf den Markt zu kommen. Größen wie Gary Numan machte den typischen Sound in Form des Flächenklanges in „Cars“ zu einem historischen Markstein. Allerdings sei hier speziell auf das Polymoog Keyboard hingewiesen. Die Preset-Version unterscheidet sich durch Abwesenheit der klangformenden Bedienelemente und hat die gleiche Technologie an Bord und sorgt bis heute für Verwechslungen, denn theoretisch könnte auch das „Keyboard“ die Klänge des „richtigen“ Polymoogs erzeugen, wenn es die entsprechenden Stellglieder hätte.

Auch Kraftwerk zeigten sich mit dem Polymoog, vorzugsweise unter den Fingern von Ralf Hütter. Auch Karl Bartos (Electric Music) ist nicht der einzige, der das Herz des Polymoogs später sogar als eigenständiges Gerät einsetzte, die Resonatoren. Diese gab es seinerzeit von Moog nicht als eigenständiges Gerät, weshalb sich die Kraftwerker einen eigenen Resonator bauen ließen. Einige Selbstbau-Projekte und sogar eine Software (Links unten) sowie das C1610 Modul von Club of the Knobs knüpfen daran an, die Resonatorbank als eigenständiges Gerät zur Verfügung zu stellen. Offenbar hatte auch Korg in Form des PS3100/3300 gefallen an der Idee einer, technisch allerdings anders aufgebauten, Resonatorbank gefunden und diese zwei Jahre später in ihre ebenfalls vollpolyphonen fast 44 Kilo schweren Monstersynthesizer eingebaut. Auch von ihnen gibt es einen Versuch eines Clonings von Synthesis Technology (MOTM).

Es sei darauf hingewiesen, dass nur die Eckdaten „hat ein besonderes Filter und Vollpolyphonie“ die Gemeinsamkeiten dieser beiden Synthesizer sind, die technische Umsetzung ist bei beiden durchaus noch sehr verschieden). Monster? Schaut man sich genau um, so sind gerade diese Synthesizer strukturell nicht sehr komplex aufgebaut. Ihre technische Ausführung hingegen ist enorm aufwendig und eine wahre Materialschlacht, die sich innerhalb weniger Jahre als technisch überholt erweisen wird. Service-Techniker, die sich an diese Synthesizer heranwagen, müssen einen großen Aufwand betreiben, weshalb die Liebe zu einem Instrument dieser Art auch heute wohlüberlegt sein sollte und mit entsprechendem finanziellen Aufwand bedacht werden sollte.

Technische Tricks

Der tatsächlich vollpolyphone Polymoog ist mit zwei Oszillatoren ausgestattet. Die vollständige Polyphonie wird mittels Frequenzteilerschaltung realisiert. In nur sehr wenigen Synthesizern verwendete man dies, jedoch in der Orgeltechnik war es verbreitete Praxis. Die möglichen Schwingungsformen sind Sägezahn, Rechteck oder eine Mischung aus beiden. Im Polymoog gibt es eigentlich nur teilweise Polyphonie bei den nachgeschalteten Elementen. Was jedoch vollständig für jede der 71 Tasten vorhanden ist, sind die VCAs für die Lautstärke. Diese werden über einen Chip erzeugt, welcher zu jener Zeit den neuesten technischen Stand bedeutete.

Ausgehend von 9 Preset-Speichern konnte man ein Grundgerüst eines typischen Genres (z.B. Strings = Streicher) aufrufen. Die Idee war, den gewählten Klang nun anzupassen und nur noch die abweichenden Einstellungen vorzunehmen. Für diesen Zweck gibt es eine Reihe Taster, die die Bezeichnung VAR tragen. Sobald dieser aktiv ist, folgt der Synthesizer wieder den Vorgaben aus dem Speicher für den entsprechenden Baugruppenbereich. Aufgrund hoher Kosten für Speicher, war dies ein ausgefuchstes Prinzip, dieses Dilemma elegant zu umschiffen.

Mischung und Oszillatoren

Ungewöhnlich für einen Synthesizer sind die vielen Fader im Mischbereich, sie zeigen deutlich, dass Oszillatoren, Moog-Filter und Resonatorbank getrennt sind und die Resonatoren selbstverständlich für das ganze Instrument gelten und nicht etwa pro Stimme/Taste vorhanden sind.

Aufgrund der Konstruktion, lassen sich Sägezahn und Rechtecksignale getrennt voneinander in ihrer Oktavlage ändern. Die Rechteckschwingungen können auf 8′ oder 16′ arbeiten, während der Sägezahn eine Oktave darüber bereit steht (4′ oder 8′).

Filter

Zwei Filter kommen im Polymoog zum Einsatz. Der Resonantor besteht aus drei unabhängigen „Filtern“, die in ihrer Stärke, in ihrem Frequenzbereich und ihrer Güte in gewissen Grenzen regelbar sind. Da die Anordnung an ein halbparametrisches Filter erinnert sei erwähnt, dass die Pegel nur positiv arbeiten. Es kann daher nur ein Frequenzbereich verstärkt werden, nicht aber entfernt – deshalb handelt es sich eigentlich streng genommen nicht um ein Filter. Die Bezeichnung Resonatorbank ist daher korrekter als Filterbank. Die Frequenzbereiche sind für den Bass mit 60 – 300 Hertz, für den Vokal- und Formantbereich mit 300 – 1,5 kHz sowie für die Höhen bis 7,5 kHz dimensioniert. Deshalb ist die Wirkung des mittleren Filters auch für das menschliche Ohr am besten wahrzunehmen. Die Vokallaute von „U“ bis „I“ befinden sich weitgehend in diesem Frequenzband. Die Resonatoren sind grundsätzlich statisch, folgerichtig auch nicht spannungsgesteuert ausgelegt. Die drei Filterbetriebsarten Tief-, Band- und Hochpass lassen sich für alle drei Einzelresonatoren gemeinsam festlegen. Die Güte wird vom Hersteller Emphasis genannt, was auch für das zweite Filter gilt.

Dabei handelt es sich um das klassische Moog Filter mit 24 dB pro Oktave Flankensteilheit. Ihm zugeordnet ist eine ADS-Hüllkurve sowie ein LFO mit fester Schwingungsform. Der Filter-LFO hat einen Sample and Hold Regler, der die Zufälligkeit stufenlos hinzumischt anstatt mit einer heute üblichen weiteren Schwingungsform zu dienen.

Lautstärke-Steuerung

Auch für die Lautstärke gibt es eine Hüllkurve. Sie ist etwas ungewöhnlich strukturiert. Sie hat formal eine ADSR-Charakteristik, jedoch wird die eigentliche Release-Zeit über ein angeschlossenes Pedal gesteuert und nennt sich auch auf dem Bedienfeld „Final Decay“. Ohne diese Funktion werden normalerweise die beiden Regler für Decay und Release gleichbedeutend funktionieren. Als große Besonderheit jener Zeit zählt die Steuerung der Lautstärke über die Tastatur. Anschlagdynamik war zu jener Zeit eher exotisch und daher auch ein großes Argument für den Kauf. Diese Dynamik wirkt allerdings absolut auf die Hüllkurve. Deshalb kann mit dem Sustain-Pegel die Dynamikwirkung weiter eingeschränkt und somit indirekt justiert werden. Erstaunlich ist auch, dass sich drei Bereiche auf der Tastatur unabhängig in ihrer Lautstärke einstellen lassen, obwohl es nur einen festgelegten Splitpunkt für zwei Tastaturzonen gibt.

Tonhöhen-LFOs und Split-Konzept

Aufgrund des speziellen Konzepts der Oszillatoren hat man sich tatsächlich auch zwei LFOs für jeweils einen Schwingungsformtyp einfallen lassen. So kann der Rechteckoszillator nicht nur unabhängig stark, sondern auch unterschiedlich schnell mit Vibrato versehen werden. Der Polymoog ist fest für einen Tastaturzonen-Splitbetrieb vorgesehen, weshalb die unteren beiden Oktaven unabhängig von den oberen vier moduliert werden können. Auch das Moog Filter erlaubt eine getrennte Zuschaltung zu dem jeweiligen Tastenbereich. Die etwas verwirrend als „FM“ bezeichnete Modulationsabteilung im Oszillatorbereich, welche zudem mit Upper und Lower beschriftet sind, ist der Hinweis auf diese ungewöhnliche Funktionalität. Die Hauptstimmung wird mittels zweier ineinanderliegender Potentiometer erreicht, während die Verstimmung des Sägezahn-Oszillators von dieser Hauptstimmung über einen weiter innen platzierten Tune-Regler erfolgt.

Nachlese

Wie zu erkennen ist, ist am Polymoog vieles ungewöhnlich umgesetzt. Er ist durchaus ein vollständiger doppeloszillatoriger Synthesizer mit Filter. In Sachen Klangvielfalt muss das Oszillator-Konzept eher als Nachteil zu werten sein. Die ungewöhnlichsten Modulationen werden aber genau durch dieses Konzept erst ermöglicht. Allerdings ersetzt diese sicher keine Synthesemethoden, die mittels zweier Oszillatoren Obertöne erzeugen kann, wie etwa eine Frequenzmodulation im Audiobereich, denn die vorhandenen LFOs sind nicht so schnell, wie es die Bezeichnung FM vermuten lässt (40 Hertz). Allerdings dachte man seinerzeit sicher nicht an besonders außergewöhnliche Klangexperimente bei der Zielgruppe dieses Instruments. Die Tonhöhe wird über das zentral unter den Presetvorwahltasten positionierte Ribbon gesteuert. Dies ist die Entsprechung zum Pitchbender an anderen Synthesizern. Heute sind die meisten Ribbons nicht mehr vollständig zuverlässig und benötigen einen gewissen Druck, um wirklich ausgelöst zu werden. Der Polymoog benötigt speziellen Fußschalter oder eine Ansammlung an Nicht-Original Schwellern und Fußschaltern, um alle Funktionen zu erreichen. Mit ihm wird die Hüllkurvenbetriebsart umgeschaltet. Sie wird denn wahlweise von jeder gespielten Taste ausgelöst oder bei Legatospiel nur ein mal (=Single/Multiple Trigger). Fehlende Taster machen ihn nicht wertlos, denn es sind einfach nur gewöhnliche Schalter. Durch eine reichhaltige Anzahl an Anschlussbuchsen kann man dem Polymoog für Resonator und Moog Filter getrennt ein externes Signal zuweisen. Außerdem lassen umgekehrt auch beide Filter unabhängig extern abgreifen und in jedes andere Audiosystem einschleifen. Damit wäre es sogar für Modularsynthesizer-Besitzer interessant.

Die schon erwähnte Release-Phase der Lautstärkehüllkurve lässt sich über einen Fußschalter aktivieren. Das Glide ist ohne Fußschalter nicht zu aktivieren, sehr wohl aber die Glide-Zeit. Auch Filter und Lautstärke haben einen analogen Steuereingang an der Rückseite. Mit jeweils einer Splitzone kann ein externer Synthesizer gesteuert werden. Allerdings gibt der Polymoog einen Kurzschlusstrigger (S-Trigger) aus, weshalb sich kein aktueller Synthesizer ohne Anpassung auf die Spannungstrigger-Betriebsart (V-Trigger) mit ihm steuern lässt. Technisch ist der Aufwand dafür sehr gering und besteht nur aus sehr wenigen Bauteilen. Es gibt sogar entsprechende Kabel, die mit dieser kleinen Elektronik ausgestattet sind, zu kaufen. Das Gehäuse des Polymoog und Polymoog Keyboards ist wie ein Fender Rhodes extrem geeignet, einem oder zwei Synthesizern Platz zu bieten. Allerdings dürfte kaum jemand den Mut haben, ihn heute noch live aufzustellen, da er extrem schwer und ausladend ist und zudem sich die vielen Steckkarten im Inneren recht schnell lösen können. Einen normalen Transport im Studio übersteht er allerdings schon. Allerdings braucht man zwei Personen, um ihn rückenschmerzfrei zu bewegen.

Das optionale Pedal fasst 7 Stecker zu einem großen Kabel-Strang zusammen. Es beherbergt drei kleine, sowie zwei große Schalter als auch zwei Schweller an den Seiten für die oben beschriebenen Funktionen. Moog nannte es selbst „Poly Pedal“ und erinnert an einen mittelgroßes Gitarren-Effektgerät. Die beiden größeren Fußschalter sind nach Piano-Art für Sustain und Trigger-Mode geformt, während die anderen drei „Stomp-Box“ Schalter sind. Alle Stecker sind große Klinkenformate in Stereoausführung sowie ein sehr spezieller, für heutige Maßstäbe klobig zu nennender, Mehrpinstecker. Kaufen kann man diesen heute nicht mehr. Das Kabelchaos im Inneren des Polymoog ist zwar nicht ganz auf dem Schreckensniveau wie das des Memorymoog. Es dürfte trotzdem manche Techniker ausrufen lassen, dass sie doch lieber einen Prodigy reparieren als dieses aufwendige Monsterschiff. Wer heute einen Polymoog sucht, wird es aber wohl wegen seiner doch speziellen Eigenheiten tun. Dies ist nicht zuletzt der …

Der Sound des Moog Polymoog

Der Klang ist generell verschieden von anderen Moog Synthesizern und sicher nicht mit diesen zu vergleichen. Definitiv kommt der Polymoog auch nicht an die kleineren Klassiker wie Prodigy in ihrer vollen Breite heran. Das ist bis zu einem gewissen Grade kein Problem, denn selbst eine Kaskade aus mehreren Moog Little/Slim Phatty Synthesizern ist für die meisten Anwendungen schon zu fett. Allerdings ist er durch seine Filter-Kombination und insbesondere den Resonator so eigenständig, dass die sahnig-weichen „phaserartigen“ Flächen wie etwa in Numans „Cars“ so authentisch nur auf dem Polymoog möglich sind. mit anderen Synthesizern wäre ein Anbau einer Resonatorbank notwendig oder man müsste eine Kaskade aus Equalizern bemühen, diese zu simulieren. Die Betonung der drei Frequenzbereiche kann mal wie ein Phaser, mal etwas unauffälliger wie eine Andickung des Bassbereichs arbeiten. Es handelt sich um ein vollkommen anderes Konzept und Grundsound. Viele der „Orgel“ Sounds erinnern an Kraftwerk, sobald einige Akkorde gespielt werden und Filter animiert werden. Man wird jedoch oft daran erinnert, dass dieses Instrument Grenzen hat, es ist ein Spezialist, der dafür mit Vollpolyphonie glänzt und einem speziellen Vintage-Charme. Die Demos sollten vorrangig die technischen Behauptungen hier belegen, weshalb sie LFO Anwendungen und Filterveränderungen demonstrieren anhand extrem simpler oder übertriebener Einstellungen, um die Möglichkeiten vorzuführen).

Fazit

Die Möglichkeiten sind nicht unendlich, da es keine bereichernden Verknüpfungen der beiden Oszillatoren gibt (FM, Sync, Ringmodulation), außerdem fehlt auch ein Rauschgenerator. Experimentellen Musikern mag er nur in Verbindung mit weiterem Equipment interessant erscheinen, wie beispielsweise einem Modularsystem. Das könnte über die zahlreichen Anschlussbuchsen die Kernbaugruppen sinnvoll integrieren. Wer es auf die Resonatoren abgesehen hat, kann sich nach einem Nachbau oder dem externen Gerät von Moog umsehen oder selbst den Lötkolben schwingen. Wer dennoch nicht genug bekommen kann, braucht das Original. Danach muss man heute eine Weile Ausschau halten. Die Preise sind nicht grundsätzlich so hoch wie bei den Moog Klassikern, jedoch muss das Gerät stets gut auf Funktion geprüft werden (Ribbon, Dynamik, generelle Funktion wegen der Steckkarten und möglicher Oxidation der Kontakte). Oftmals werden in Anzeigen die Unterscheidungen Polymoog und Polymoog Keyboard nicht immer korrekt genannt, weshalb hier die größte Aufmerksamkeit liegen muss. Das Keyboard ist erheblich günstiger zu bekommen. Wie schon erwähnt, handelt es sich dabei um ein reines Presetinstrument und daher zu eingeschränkt, um wirklich heute von großer Bedeutung zu sein. Allerdings kann man „Cars“ mittels Preset damit spielen. Das ist allemal besser als „Jump“. Es währe auch denkbar, die Bedienelemente nachträglich einzubauen, allerdings wäre auch hier ein Mehraufwand nötig, der sich nur für absolute Fans rentiert. Finanziell wäre es in jedem Falle nicht sinnvoll.

Plus

  • Resonatorbank
  • volle Polyphonie
  • durchaus interessantes Grundkonzept
  • Anschlagdynamik

Minus

  • keine Ringmodulation oder ähnliches
  • anfällig und schwer
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    > Resonator: Formantbereich mit 300 – 1500 kHz

    Auf dem Panel steht eigentlich 1,5 kHz, oder?

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Danke für den super Beitrag. Genau wegen solchen Artikeln lese ich Amazona und natürlich das Synthesizer-Magazin ;-)

    Wann hat man schon selbst Gelegenheit diese Dinosaurier zu sehen und zu hören und dann noch gut darüber informiert zu werden.

    Mehr davon.

    • Profilbild
      moogulator  RED

      Danke, sehr lieb, Daniel.

      Hertzblut,

      so und nun ab zu, Maschinenfest :)
      Ober(heim)hausen. Gestern waren sogar die Diy Synths von Leaf zu hören, fällt richtig auf, wenn mal einer Hardware benutzt..

      so, jetzt los, ab in die Turbinenhalle!

  3. Profilbild
    moogulator  RED

    Auch von mir Danke für Ausmerksamkeit, natürlich ist der Formantbereich bei 15k schon lange zuende, für viele hört der gesamte Hörbereich da bereits auf. Buckelwale und Fledermäuse bedanken sich zusammen mit mir, dem Nullen-Erfinder

  4. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Sehr schöner Bericht über einen meiner unerfüllbaren Träume, ich war eine zeitlang sogar auf der Suche nach ihm. Nachdem mir Großreparaturmonsignore Rudi Linhard aber klipp und klar gesagt hat, dass er so einen nicht restaurieren will (wenn DER das schon mal sagt….), lasse ich es aber beim träumen.

    So viel ich weiss, hatten ABBA das Teil mal im Setup bzw. bei den Studioaufnahmen. Und Saga in ihren Anfangsjahren auch, oder täusche ich mich da?

    Auf jeden Fall „Merci´“ für den interessanten Bericht dieses meiner Meinung nach weit unterschätzten Synthie-Dinosaurier.

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      Goofy

      Oh ja – die Jungs von Saga haben die Kiste wirklich lange benutzt. Und meine Lieblingsband ist bald in Hamburg :-)
      Wär auch mal ’ne Story wert – oder?

      • Profilbild
        Onkel Sigi  RED

        Das wär echt was, sind einfach eine Spitzentruppe, die Jungens.

        Übrigens ist die neue Scheibe sehr hörenswert, hab mir das Ding schon etliche Mal reingezogen. Und Michael Sadler ist nun auch wieder der Sangesmann, ohne ihn ist Saga wie Gurkensalat ohne Gurken. Wer mir aber nach wie vor abgeht, ist Steve Negus am Schlagfell, der hatte einfach den besten Drive.

        (Okay, war jetzt etwas „off topic“……)

        Musikalische Grüße

        Onkel Sigi

    • Profilbild
      studiodragon  

      “ Großreparaturmonsignore Rudi Linhard aber klipp und klar gesagt hat, dass er so einen nicht restaurieren will (wenn DER das schon mal sagt….), lasse ich es aber beim träumen.“

      Lieber Onkel Sigi,
      Man sollte das Träumen nie lassen, mein Freund hatte z.B. auf seinen Polymoog ein totale Überholung ausgeführt, seit dem läuft er wie am Schnürchen.
      Wirklich ein schönes Instrument mit dem man sich sofort in die 70’s versetzt.

      Sonst Merci Mic, wieder ein guter Bericht hier !!!

    • Profilbild
      microbug  

      Richtig, SAGA hatte bis ca. 1984/85 gleich zwei Polymoogs im Einsatz, die später durch Memorymoogs ersetzt wurden (ich hab das im Detail mal im sequencer-Forum geschrieben), daneben gabs auch noch einen CS-80, also gleich zwei Pflegefälle auf Tour :)

      Bei Abba kann man den Polymoog gleich zu Anfang von „Eagle“ an diesem typischen, hohl klingenden Sägezahn-Sound erkennen, den man auch bei SAGAs „Mouse in a Maze“ hört.
      ELO hatten einen, Steve Winwood ebenfalls (zu hören auf einigen Stücken des Soloalbums „Arc of a diver, neben einem Multimoog), der hat damit auch die Synth-Parts von Marianne Failtfulls „Ballad of Lucy Jordan“ eingespielt, was man gegen Ende des Songs an der Melodielinie auch erkennen kann. Gut zu hören ist der Polymoog auch bei Jona Lewie „Kitchen at parties“ (obwohl man auf den Videos u.A. einen Fourvoice sieht) und „Desire“ des Holländers „Future World Orchestra“. Einen der Hauptnutzer des Polymoog, der sogar den Prototypen „Apollo“ zum Testen bekam (es gibt ein Bild im Netz damit) ist Rick Wakeman, man hört ihn auf etlichen Soloalben (z.B. Rhapsodies und Criminal Record) und auf „Tormato“ von Yes sehr deutlich raus.

  5. Profilbild
    Theo M

    Moogulator schreibt: „… Was jedoch vollständig für jede der 71 Tasten vorhanden ist, sind die VCAs für die Lautstärke. Diese werden über einen Chip erzeugt, welcher zu jener Zeit den neuesten technischen Stand bedeutete.“

    Matthias Becker schrieb in seiner Artikel-Serie „Synthesizer von Gestern“ über diesen Chip:

    „… der die Funktionen eines Hüllkurvengenerators, eines Doppel-VCAs und eines 12-dB-Filters in sich vereinigte und außerdem für die Generierung der jeweiligen Wellenform (Sägezahn oder Pulswelle) zuständig war. JEDER TASTE des Polymoog war auf einer separaten Modulator-Board-Platine ein solcher IC zugeordnet, der den KLANG FÜR JEDE TASTE INDIVIDUELL FORMTE, wobei sowohl ATTACK-ZEIT als auch LAUTSTÄRKE und OBERONANTEIL von der Geschwindigkeit des Tastenanschlags abhängig waren.“ (Quelle: KEYBOARDS Heft 6/1988 oder KEYBOARDS-Archiv auf http://www.keyboards.de, Suchbegriff „Polymoog“)

    Was hat es damit auf sich?

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Etwas ausführlicher wird es in „Synthesizer von gestern“ beschrieben. Da der Polymoog lt. Spezifikation mit Frequenzteilern arbeitet, wurde von Dr. David Luce ein Chip entworfen, der allen 71 Tasten eigene VCAs zuordnet und damit die sonst üblichen Einschränkungen verhindern soll, speziell hinsichtlich der von den Musikern gewünschten Klangverschwebungen. Der Entwickler wollte sich mit dieser Methode ausdrücklich von den Orgeln distanzieren, die ebenfalls mit Frequenzteilern arbeiten.

      • Profilbild
        Theo M

        Das mit dem VCA ist klar. Mein Zitat stammt ja aus dem „Synthesizer von gestern“-Artikel. In besagtem Spezial-IC sollen außer einem Doppel-VCA noch ein Hüllkurvengenerator und ein 12-dB-Filter stecken (für jede der 71 Tasten!). Davon ist in Moogulators Artikel aber nichts zu lesen. Das Service-Manual zum Polymoog belegt o.g. Zitat, ebenso die Website http://www.....story3.htm

        • Avatar
          AMAZONA Archiv

          Deshalb hatte ich ja bestätigend aus dem Buch zitiert, nicht aus dem Artikel. Dort wird, insgesamt deutlich ausführlicher inklusive langem Zitat aus US Keyboards Interview mit Dr. Luce, neben den Doppel-VCAs auch die Integration 12 dB Filter beschrieben. Bei Peter Forrest und Julian Colbeck Publikationen steht darüber nichts drin, auch nicht bei Mark Vail, ich wollte ja noch querrecherchieren. Mehr ist also nicht rauszufinden, zumindest aus meinem Archiv.

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen: der Polymoog hat nicht nur pro Taste einen VCA, sondern auch für jede Stimme einen (blöderweise nicht editierbaren) 12dB Filter. Jedes der acht „Presets“ hat eine eigene Filtereinstellung; z.B. klingt das Cembalo (Harpsichord) stark nach Hochpassfilter, das Piano hingegen hat ein Tiefpassfilter etc. Wie gesagt, editieren lassen sich diese Filter nicht, auch finden sich nirgends genauere Infos über ihre Charakteristik, auch nicht im Original Manual.

      Klangliche Wunder darf man sich von diesen Filtern nicht erhoffen: Sie klingen extrem dünn und unterbelichtet. Einfach mal das „Mode“ Signal anhöre… bei Weitem keine klangliche Offenbarung. Und so wird man in der Klangsynthese nur ungern auf die beiden nachgeschalteten Module „Resonators“ und 24db Filter verzichten.

      Selbst habe ich übrigens meinen gebrauchten Polymoog auch auf der Bühne gespielt, was am Anfang auch wunderbar funktionierte (wenn man mal von seinem äusserst starken Rauschen absieht). Irgendwann war aber schluss mit lustig, und die Rechteck Oszillatoren haben sich beim Spielen stumm geschaltet, um tags darauf wieder wie gewohnt zu klingen. Nein, roadtauglich war dieses Instrument leider nicht, was ja äusserst schade ist, da es (gerade in Kombination mit dem Polypedal) geradezu für den Livebetrieb konzipiert ist.

      Und eine Sache möchte ich noch loswerden: die Tastatur des Polymoog spielt sich wunderbar, die Anschlagsdynamik ist erstaunlich sensibel.

      Ein tolles Instrument, leider etwas störungsanfällig…

      • Profilbild
        Theo M

        Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Das Internet macht einem heutzutage die Recherche ja relativ leicht. Man lädt sich einfach das Service-Manual (175 MB) zum Polymoog herunter, das früher nur den Service-Technikern vorbehalten war, und verfügt damit über detaillierte Informationen aus erster Hand. Ich habe mir mal die Arbeit gemacht und aus den insgesamt fast 300 Seiten (!) die besprochenen Abschnitte in einer kleinen 4-seitigen PDF-Datei (280 kB) aufbereitet, die nun jeder von meiner Website herunterladen kann:

        http://www.....ecrets.pdf

        Wie man daraus ersehen kann, verfügen die 8 Presets über eigene Filterboards. Inwieweit sich da manipulierend eingreifen lässt, müsste ein versierter Techniker herausfinden. Jedenfalls dürfte insgesamt jetzt jedem klar sein, wie die Polymoog-Klangerzeugung tatsächlich aufgebaut ist. Das Fachmagazin Sound-On-Sound brachte es bereits 1998 in seinem Polymoog-Test auf den Punkt:

        „The character of each Mode was defined by dedicated chips containing 142 circuits, that Moog described as „Articulators“. These were the 71 amplifiers and 71 filters that shaped the sound generated by the oscillators and thus defined the fundamental timbre of the sound. As a result, the Polymoog offered independent velocity sensitivities, amplitude articulations, and timbral responses for every key, making it genuinely polyphonic in its Preset mode. You had no control over the filter Articulators, but you could bypass them by reducing the gain of the Mode output to zero, and raising the gain of the ‚Direct‘ output. This allowed you to discover — for example — the nature of the high-pass filter in the Harpsichord mode, or the low-pass filtering of the Piano mode.“

  6. Profilbild
    moogulator  RED

    Im Sequencer Forum gab es von Nordcore Lötkurse, den Resonator zu bauen. Hat vielen Spaß bereitet.

    Suchparameter: Nerdlich der Mitte

    *Wo kommt dieser Artikel her? Der ist doch alt.

    ps2: Sind Freunde elektrisch?

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.