Test: Moog, Minitaur, Bass-Synthesizer

14. April 2012

Der mini Moog-Taurus

Der neue Moog Minitaur, ein direkter Nachfahre des…

Es ist derzeit schon sehr spannend, was sich beim Analog-Hype so entwickelt. Auch die Firma Moog bildet hier keine Ausnahme und schickt den Moog Minitaur ins Rennen. Der Minitaur ist die Desktop-Variante des viel gerühmten Moog Taurus 3 und wurde demnach als reiner Bass-Synthesizer konzipiert. Der Moog Taurus 3 wiederum ist der Nachbau einer Moog Legende, dem original Moog Taurs 1 aus dem Jahr 1975. Hierzu gibt es einen wunderbaren BLUE BOX Artikel HIER auf AMAZONA.de von meinem Kollegen Marko Ettlich.

…legendären Moog Taurus aus dem Jahr 1975

Ein kurzer Überblick

Der monophone anschlagdynamisch spielbare Moog Minitaur findet in einem schwarzen solide gefertigtem Stahlgehäuse mit den Maßen 21,5cm x 13 cm Platz und passt somit wunderbar auf jeden Schreibtisch und für den Gig in den Rucksack.

Den Strom wandelt ein externes Netzteil auf 12 Volt, und auf der Rückseite findet man neben den 6,3 mm Klinken-Anschlüssen für Audio OUT, Audio IN, Pitch CV, Filter CV, Volume CV, Gate auch MIDI IN und USB. Ein Kopfhörer kann über eine 3,5 mm Klinkenbuchse angeschlossen werden.

Insgesamt stehen 17 Drehregler (Potentiometer) und 4 Taster für die Klangformung zu Verfügung – auf eine Speichermöglichkeit wurde verzichtet. Leider ist auch keine Arretierung des Netzteilsteckers vorhanden, welches beim Liveeinsatz unter Umständen zum Stromverlust führen könnte. Im Studio hingegen sehe ich da keinen Nachteil.

Die Anschlüsse des Moog Minitaur

Die Klangerzeugung des Moog Minitaur

Der Minitaur hat 2 analoge Oszillatoren, die sich mittels eines Tasters zwischen Saw und Pulse umschalten lassen, d.h. SAW ist aktiv, wenn der Taster nicht leuchtet. Gleichzeitig jedoch lassen sich die Schwingungsformen pro Oszillator nicht aktivieren, wobei Saw exakt der des Taurus gemäß Aussage von Moog entspricht.

Der Pegel beider Oszillatoren lässt sich im Mixer unabhängig voneinander regeln.

Leider steht eine Verstimmung nur dem VCO 2 mittels eigenem Regler im Umfang einer Oktave zur Verfügung, was aber im Grunde für den Sinn als Basserzeuger völlig ausreichend ist.

Filter, Hüllkurven, LFO und Glide

Hier kommt das Moog Ladder Filter zum Einsatz, welches über ein etwas größeres Poti für die Cutoff-Frequenz verfügt und einen Regelbereich von 20 Hz bis 20 kHz zulässt. Daneben finden sich Regler für Resonanz und EG-Amount (Einfluss der Hüllkurve auf das Filter).

Als Modulation steht ein LFO zur Verfügung, rechts daneben befinden sich die Hüllkurven für das Filter und den Amplifier. Hier befinden sich jedoch nicht erwartungsgemäß 4 Regler, sondern nur 3. Das Poti für Decay ist hier mit einer Doppelfunktion belegt, welches mittels eines Tasters die Regelung des Release freigibt.

Der LFO regelt einen Frequenzbereich von 0,01 Hz bis 100 Hz und lässt sich per MIDI in der Geschwindigkeit und im Anteil für Oszillator und Filter synchronisieren.

Eine Glidefunktion wurde dem Minitaur selbstverständlich auch mitgegeben, welche mittels eigenem Taster für ON/OFF und Regler für die Intensität ausgestattet ist.

Verarbeitung

Das schwarze Stahlblechgehäuse ist sehr stabil gefertigt, die Potis sitzen fest am Platz und lassen sich gut anfassen und regeln. Alles in allem ist das Gerät sehr wertig verarbeitet.

Klang

Erwartungsgemäß klingt der Moog Minitaur fett und durchsetzungsfähig. Der Sound ist über jeden Zweifel erhaben, die Bedienung ist kinderleicht. So richtig brachial wird es, wenn der 2. Oszillator komplett nach unten gestimmt wird. Der Umfang der Verstimmung beträgt 1 Oktave. Der Minitaur liefert auch mit nur einem Oszillator einen schon sehr durchsetzungsfähigen Sound. Mit dem 2. Oszillator zugemischt geht dann richtig die Post ab. Das gesamte Signal ist völlig frei von Nebengeräuschen und absolut exzellent. Wer also Ausschau hält nach einem druckvollen Basssynthesizer, wird hier gnadenlos fündig. Die Membranen der Lautsprecher haben hier einiges zu tun. Als einziges Manko empfinde ich die Bedienung des Release wie schon im Text vorher erwähnt. Hätte der Hersteller das Gehäuse nur 3 cm breiter geplant, wäre noch genügend Platz für einen separaten Regler vorhanden. Auch hätte ich mir einen EIN/AUS-Schalter gewünscht, dass Gerät ist also immer an.

Software Editor

Es gibt auch einen Editor für Windows und Mac, welcher auf der Website von Moog nach Registrierung des Minitaur kostenlos zur Verfügung steht. Der Editor erlaubt ein recht umfangreiches Editing mit sehr ansprechender und authentischer Benutzeroberfläche. Besonderes Augenmerk sei hier auf kostenlosgerichtet, denn einen Software-Editor für den Moog Little Phatty gibt es ja bekanntermaßen nur gegen Bares.

Der Moog Minitaur Editor

Die komplette Bedienung des Minitaur ist nach Verbindung über USB vollständig am Bildschirm zu realisieren und bietet darüber hinaus auch noch viele zusätzliche Features. So erhält der Anwender hier die Möglichkeit, Patches zu speichern. Darüber hinaus ist auf der Einstellungsebene der Software eine Oszillator-Synchronisation (Auslösung der beiden Oszillatoren zeitgleich) möglich, sowie die MIDI-Synchronisation des LFO für VCF und VCO. Die Synchronisation erfolgt hier per Step, d.h. 1/64, 1/32 usw. Auch lässt sich in dieser Ebene die Lautstärke des Eingangssignals regeln, das Keyboard Tracking des Filters und die Empfindlichkeit der Anschlagdynamik für Filter und Oszillator. Der Umfang des Benders lässt sich hier ebenfalls einstellen. Die Software lag mir zwar nur in einer Beta-Version vor, dennoch lief sie reibungslos auf meinem Windows 7 Rechner, hatte jedoch noch nicht die hervorragende GUI der Endversion. Die Finale Version wird voraussichtlich Ende April erscheinen. Es stehen auch wohl noch diverse andere Features auf dem Plan der Entwickler, wir dürfen also gespannt sein, was da noch alles auf uns zukommt. Der Editor ist übrigens eine Standalone-Anwendung, erfordert keine besondere Host-Schnittstelle und ist mit einer Fenstergröße von ca. 850 Pixeln x 400 Pixeln ausreichend dimensioniert.

Der Moog Minitaur auf YouTube

Fazit

Der Moog Minitaur als Desktop-Variante ist ein guter Wurf des amerikanischen Herstellers und könnte sich zu einem Verkaufshit entwickeln. Die Voraussetzungen bringt er auf alle Fälle mit. Der Minitaur ist zwar als reiner Bass-Synthesizer vorgesehen, aber natürlich kann man ihn auch zweckentfremden und für Sequencer-Läufe oder Leads „missbrauchen“. Die Hüllkurven sind schnell genug, um auch perkussives Material abzufeuern. Die Bedienung ist kinderleicht und schnell zu durchschauen, somit gelangt man schnell zum gewünschten Ergebnis. Auch die Haptik ist meiner Meinung nach besser als beim Little Phatty. Allerdings sind dies auch völlig unterschiedliche Synthesizer, da der Little Phatty doch noch einige Features mehr mitbringt und somit auf eine andere Käuferschicht zielt. Zur Soundqualität des Moog Minitaur kann ich nur sagen: gewaltig.

Insbesondere in Verbindung mit dem Software-Editor ein hervorragendes Gerät, welches keine Wünsche offen lässt. Die Anbindung erfolgt dafür dann über das integrierte USB-Interface.

Sehr positiv ist auch die Möglichkeit, ein Monosignal einzuschleifen und entsprechend mit dem Moog Minitaur zu verbiegen. Den Preis halte ich für angemessen und noch im Rahmen. Sehr schön wäre noch ein hardwareseitiger Taster für die Oszillator-Synchronisation gewesen, welcher aber per Software-Editor zur Verfügung steht und daher keinerlei Manko darstellt. Ich konnte den kleinen Taurus auf jeden Fall während der Testphase lieb gewinnen.

Plus

  • überragende Soundqualität
  • einfache Bedienung
  • exzellente Verarbeitung
  • Audioeingang für externe Signale
  • analoge Kontrollmöglicheiten per CV
  • gutes Konzept
  • kostenloser Software-Editor

Minus

  • externes Netzteil
  • kein Ein/Aus-Schalter
  • kein MIDI Out oder Thru

Preis

  • Straßenpreis: 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mira

    Das/Der Filter klingt anders als bei LP oder Voyager. Hätte gerne noch ein paar Worte zu den Unterschieden in der Klangerzeugung erfahren? Allein der Regelbereich kann’s m.E. nicht sein.

    Sicherlich gibt’s auch Unterschiede bei den Oscillatoren. Alles klingt irgendwie mehr „vintage“.

    Wer weiß mehr?

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      Synthman  AHU

      Das Filter ist in der Tat anders als beim LP, da es beim Minitaur „nur“ ein 24dB 4-Pole Filter ist. Der LP hat ja mehrere Filtertypen im Menü abrufbar. Des weiteren bieten die Oszillatoren des LP eine stufenlose Umschaltung zwischen den 4 Wellenformen. Das kann der Minitaur nicht. Beide Geräte unterscheiden sich definitiv und zielen auf unterschiedliche Zielgruppen. Ich konnte beide Synthesizer miteinander vergleichen und man merkt dem Minitaur seinen Zweck als reiner Basssynthesizer an.

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        mira

        klar, das LP-Filder kann man verstellen, aber ich meinte eigentlich den Vergleich unter „gleichen Bedingungen“.

        Obwohl ich den Minitaur bisher nicht spielen konnte, erzeugt das 24dB Filter m.E. einen anderen Klang (mehr Obertöne) als das LP-Filter in der 24dB Einstellung. Dazu hätte ich gerne noch Informationen, wenn es diese gibt.

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    AMAZONA Archiv

    soviel ich weiß, deckt das Filter des Minitaur einen größeren Frequenzbereich ab (20Hz bis 20kHz während es beim Voyager/Phatty 20Hz bis 12kHz sind)

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    Viertelnote  AHU

    Schade, dass es keine OscSync direkt am Gerät
    gibt. wäre meiner Meinung nach mehr als Pflicht gewesen.

    Ist eine Kaskadierung mehrere Minitaur möglich?

    mfG

    • Profilbild
      Synthman  AHU

      Der Sync der beiden Oszillatoren ist aber im Editor verfügbar und funktioniert auch prima. Zur Kaskadierung: Das konnte ich bisher leider noch nicht in Erfahrung bringen, aber denkbar wäre es. Beim Voyager und den Phattys geht es ja. Ich werde Amos aber diesbezüglich noch mal kontaktieren, da es mich auch interessiert. Sicher ist aber, dass in künftigen Firmwareupdates noch einige Features geplant ist.

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    Bubla

    Gestern einen Minitaur bestellt, bin gespannt darauf und hoffe er kann sich mit seinem Sound gut in meine anderen Geräte eingliedern.

  5. Profilbild
    feelKlang

    Das kein Speicher zur Verfügung steht ist einwahrer Segen, so muss man sich entscheiden und den Klang sofort aufnehmen um den Synth für weitere Projekte zu verwenden.

    Mit Editoren habe ich sehr schlechte Erfahrung gemacht. Sofern der Editor nicht zwingend für das Editieren des Minituar’s notwendig ist, sehe ich da aber kein Problem.

    • Profilbild
      filterfunk  

      Bei aller Begeisterung für das Gerät (welche ich absolut teile): Fehlende Speicherbarkeit geht gar nicht!
      Dass wegen einen paar Euro Mehrpreis auf ein derart essenzielles Feature verzichtet wird finde ich absurd.
      Die Klangerzeugung ist zwar mitnichten kompliziert. Dennoch muss es aber möglich sein, Klänge auf Knopfdruck zu reproduzieren, und zwar ohne Editor.
      Alles Andere ist retro-anachronistisch, und positioniert das Gerät somit in Richtung Freak-Ecke.
      Vielleicht gibt es ja bald einen Bausatz zum Selberlöten, vielleicht wird’s dann noch billiger??

  6. Profilbild
    Steinklopfer  

    Find ich irgendwie schon ein bisschen frech. Für meinen Voyager musst ich die Software einzeln kaufen und jedes einzelne Firmwareupdate getrennt berappen.

    Ich frag mich obs des Ding irgendwie bringt für Voyager Besitzer..hmmm…

  7. Profilbild
    siebener  

    schade – da improvisation mein musikalischer schwerpunkt ist, ist wegen des fehlenden sync-schalters dieses eigentlich doch sehr interessante gerät letztlich inakzeptabel.

  8. Profilbild
    a.jungkunst  AHU

    Ich habe mir nach langem Hin und Her nun doch den kleinen Bullen gekauft, nicht zuletzt, weil ich es leid war, für einfache Bassläufe ein komplexes System nutzen zu müssen.
    Die Demos haben es schon angedeutet, der Minitaur ist ein intuitiv zu bedienendes und (nicht nur) für Freunde des Moog-Charakters ein verdammt gut klingendes Instrument. Es mag für den einen oder anderen bedauernswert sein, dass manche der Funktionen (z.B. Sync) nur per Software erreichbar sind, aber selbst mit den Hardware-Möglichkeiten ist ein großartiges Spektrum an Klängen zu erreichen.
    Als Voyager-Anwender kann ich, wie einige meiner Vorschreiber, nur bestätigen, dass das Filter etwas anders klingt, aber genau so, wie ich es mir als Gegenstück zum neuen Tom Oberheim SEM und in Ergänzung zum Voyager auch gewünscht habe.
    Die Zeit wird es zeigen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass dieses handliche und praktische Gerät wie der SEM-Block zum ständigen Begleiter wird.

  9. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Preis ist bei Thomann auf 499,-€ gesenkt worden. Zudem bietet die Rev.2 des Editors einige wichtige Erweiterungen: Sounds können im Gerät gespeichert und abgerufen werden, Decay und Release beider EGs können unabhängig voneinander eingestellt werden und die CV/Gate-Inputs können auf mehr Parameter geroutet werden. Damit wird der günstigste Moog (abgesehen vom Werkstatt) noch interessanter für mich…

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