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Test: Native Instruments UNA CORDA, Piano Plug-In

24. August 2016

The Art of Noise

Una Corda 2

Nach The Giant beglückt uns Native Instruments mit einer weiteren klaviertechnischen Rarität: Una Corda ist das digitale Replikat des gleichnamigen Pianos des innovativen Klavierbauers David Klavins aus Thübingen. Der Name ist selbstredend Programm: das Una Corda erzeugt sämtliche Töne mit nur einer Saite pro Taste. Der Grund, dies einmal etwas anders anzugehen, ist ein rein klanglicher Natur.

Das Una Corda Piano von Klavins

Seit Beginn des Klavierbaus vor knapp zweihundert Jahren war die Lautstärke ein erklärtes Ziel, damit sich ein Flügel überhaupt als Soloinstrument von einem Orchester klanglich abheben kann. Dieses Grundprinzip ist bis heute gleich geblieben. Die großen Klavierbauer üben sich mehrheitlich in Traditionspflege. Eine dieser beinahe sakrosanten Traditionen betrifft die Besaitung: Klaviere und Flügel besitzen jeweils eine Saite für die Bässe, zwei in der Tenorlage und ab der Mittellage drei – pro Taste, versteht sich. Der Saitenzug ist extrem hoch, was wiederum einen stabilen Rahmen aus Gusseisen bedingt. Ausserdem treten stets leichte Verstimmungen auf, da die drei Saiten einer Taste niemals exakt auf der selben Frequenz und Phasenlage schwingen. Doch dies nimmt man gerne in Kauf, schließlich soll das Instrument ja laut genug sein.

David Klavins, Klavierbauer aus Thübingen, geht einen anderen Weg und stellt mit dem Una Corda ein Instrument vor, das sein volles Klangpotential bei niedrigen Lautstärken entfaltet und deshalb pro Taste in allen Lagen nur eine Saite hat, die zudem vergleichsweise dünn und wenig gespannt ist. Ihr Ton ist merklich klarer und sauberer, was auch mit der reduzierten Masse und den daraus resultierenden Schwingungseigenschaften zusammenhängt.

Auch äusserlich hebt sich das Una Corda mit seinem gelungenen Industrielook ab, wobei auch hier gilt: Form follows function. Der Verzicht auf ein Gehäuse, kommt in erster Linie der Akustik zu Gute und dem Gewicht zugute, das mit knapp 100kg vergleichsweise tief ist. Das Una Corda ist vor allem bei experimentellen Pianisten beliebt, da es sich sehr leicht präparieren lässt.

Una Corda 3

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    k.rausch  RED

    Diese Sample Library des Una Corda ist völlig genial, der Sound hat nur entfernt was mit einem Klavier zu tun und das ist in diesem Fall gut so. Allerdings sind die Samples einem Physical Model weit unterlegen, was die Modifikationen angeht. Denn gerade die sind es, die bei den drei angebotenen Grundklängen interessant sind. Pianoteq hat daher die Nase deutlich vorne. Es wäre eher der doppelte Spaß, würde vom Una Corda ein Physical Model gemacht werden. Weil hier keine Audio Tracks eingebunden sind, sollte sich jemand bei Interesse mal die auf der Produktseite bei NI anhören. Die sind sehr gelungen.

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      Luis Miehlich  

      Ich hab ein bisschen mit Una Corda gearbeitet und kann zustimmen: klingt wirklich wunderbar. Allerdings denke ich, wenn man (komplett) auf physical modelling umsteigen würde, ginge eines (zumindest für mich) wichtigsten Merkmale von Una Corda verloren, nämlich die vielen Hammer, Hintergrund und pianisten-geräusche verloren. Man könnte auch über eine Kombination aus samples und pm nachdenken, dann wären wir beide zufrieden ;)

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Die Klangbeispiele sind jetzt auch online.
      Du hast natürlich Recht, dass Physical Modeling noch viel mehr Möglichkeiten bietet als Sampling.
      Ich denke, dass Native Instruments versuchte, das Una Corda möglichst naturgetreu abzubilden, und da ist Sampling durchaus eine sinnvolle Technik.
      Für mich hat diese Software sehr viel Eigencharakter. Eine große Inspirationsquelle.

  2. Profilbild
    hztirf

    Der Wunsch nach diesem Instrument (= dem Original) wird immer größer, ich fürchte, es wird nur für die digitale Ausgabe reichen.

  3. Profilbild
    donmalteaushb  

    Ich muss wirklich mal meine Begeisterung zum Ausdruck bringen: Ich bin ein großer Amazona-Fan, aber noch nie haben mich Klangbeispiele so überzeugt wie hier! Vielen Dank, einfach wunderbar!!!!

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Oh, danke für die Blumen. Das freut mich natürlich sehr. Ich hatte selbst auch meinen Spaß daran, und es ist schon erstaunlich, zu welch‘ kreativen Höhenflügen diese Software animiert. Die Klangbeispiele sind nichts weiteres als spontane Impros (mit Ausnahme der drei Clips „Pure“, „Felt“ und „Cotton“, bei denen ich dreimal dieselbe Midispur verwendete, um die klanglichen Unterschiede zu betonen.)

      Für mich sind freie Impros ein guter Gradmesser für die Qualität eines Instrumentes, da ich so ganz direkt spüre, ob mich ein Instrument inspiriert.

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