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Test: Neumann KH 80 DSP, Studiomonitore

25. September 2017

Kleiner Bruder mit mächtig Dampf

Neumann KH 80 DSP

Neumann KH 80 DSP

Der neue Streich aus Berlin namens Neumann KH 80 DSP ist ein aktiver Studiomonitor für das Abhören im Nahfeldbereich. Die deutsche Firma Neumann ist vor allem aufgrund ihrer Mikrofone bekannt, das U87 ist wahrscheinlich das am häufigsten anzutreffende Großmembran-Kondensatormikrofon in professionellen Studios. Mit diesem Meilenstein und einem ständig wachsenden Sortiment hat sich Neumann einen weltweiten guten Ruf erarbeitet.

Das Kürzel KH kommt von keinem anderen Unternehmen als Klein & Hummel. Da beide Firmen mittlerweile zur Sennheiser Gruppe gehören, liegt der Zusammenhang und auch die Kollaboration nicht weit.

Die Neumann KH 120 A Monitore waren somit, als Nachfolger der Klein&Hummel O 110, die ersten im Neumann Sortiment. Trotz des Newcomer-Status beruhte die Entwicklung auf der Erfahrung des übernommenem Unternehmens K&H. Dementsprechend wühlte der Release die Szene auf und man findet das Paar heute sehr häufig in Heim- und Profistudios.

Das A bei den KH 120 steht für Analog, das DSP bei den KH 80 für Digital-Signal-Processing, was spontan auch das größte Interesse bei mir weckte. Leider ist die Steuerungssoftware Neumann Control zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar. Ab September soll diese aber zum Download bereitstehen.

Der Neumann KH 80 DSP-Studiomonitor

Das Testobjekt der heutigen Begierde wird bestens verpackt bei mir angeliefert. Es ist mir tatsächlich noch nie passiert, dass ein Testmodell in einem extra dafür angefertigten Flightcase geschickt wurde. Einen Sorgfaltsmangel kann man hier schon mal nicht anprangern. Ich gehe zumindest mal davon aus, dass hier nicht die übliche Lieferverpackung vor mir steht.

Testmodell im Flightcase

Testmodell im Flightcase

Ausgepackt stehen zwei relativ kleine, für die Größe recht schwere (jeweils 3,4 kg), Monitorboxen vor mir. Das ist bei den Maßen 233 x 154 x 194 mm doch ganz beachtlich. Im Allgemeinen erinnern sie sehr an eine geschrumpfte Version der Neumann KH 120.

Im Zubehör befindet sich ein Kaltgerätekabel, vier Gummifüße zum Aufkleben und ein Quickguide für den Aufbau und ein schnelles Set-up. Die ausführliche Bedienungsanleitung lässt sich von der Neumann Homepage herunterladen, ebenso die Control Software.

Der aktive 2-Wege Nahfeldmonitor Neumann KH 80 hebt sich vor allem durch das DSP von seinem größerem Bruder ab. Die kompaktere bzw. kleinere Bauart lässt aber beiden Raum und erhält somit die Daseinsbestimmung des größeren Modells. Was die kleinen Monitore weiterhin ausmacht, ist die Möglichkeit einer Netzwerksteuerung, der Mathematically Modeled Dispersion™ Waveguide (MMD™) sowie das optionale Montagezubehör. Im Grunde kann er in allen denkbaren Positionen eingesetzt werden. Am ehesten aber wahrscheinlich als zweite Abhöre bei Musikproduktionen. Letztendlich kann man das Boxenpaar aber auch als übliches Beschallungsmedium nutzen, hier entscheidet der Geschmack.

Neumann KH 80 DSP Anschluss

Neumann KH 80 DSP Anschluss

Das lackierte Gehäuse besteht aus Polycarbonat, trotz der Fertigung komplett aus Kunststoff hinterlässt es keinen minderwertigen Eindruck. Der Tieftöner 100 mm (4″) wird von einem Metallgitter gesichert und bekommt eine Leistung von 120 W über die Endstufe. Der Hochtöner misst 25 mm (1″), ist durch ein schwarzes Metallgitter geschützt und wird mit 70 W versorgt, was in der Summe 190 W Ausgangsleistung ergibt. Die Leistung liefert eine neu entwickelte Class-D Endstufe.

Ansonsten sind auf der vorderen Seite noch die zwei Öffnungen der Bassreflexkanäle zu finden, sinnvollerweise nach vorne ausgereichtet, somit steht der Wandmontage nichts im Wege. Das Neumann Logo wurde mit der Kontrollleuchte kombiniert und leuchtet, sogar individuell dimmbar, in drei verschiedenen Farben. „Weiß“ zeigt den normalen Betriebsstatus an, „Rosé“ den Identifikationsmodus und „Rot“ zeigt Limit, Clippen oder einen internen Fehler an.

Auf der Rückseite der Neumann KH 80 ist schon etwas mehr zu finden:

Die Rückseit der Neumann KH 80 DSP

Die Rückseite der Neumann KH 80 DSP

Fangen wir mal von unten an. Hier befindet sich der Netzschalter, mit dem die Aktivbox in den Betriebszustand geschaltet wird. Mit Strom versorgt wird der Nahfeldmonitor nicht wie so oft über einen Kaltgerätestecker, sondern ein Netzkabel (Eurostecker auf Buchse C7), wie man sie zum Beispiel von Hi-Fi-Geräten her kennt. Neben dem Netzschalter befindet sich ein Netzwerkkabeleingang, um die Abhören mit dem Rechner zu verbinden. Eine Kombibuchse XLR/Klinke rundet die Anschlussmöglichkeiten ab. Somit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, würde ich mir bei allen Monitorboxen wünschen.

Standby-Modus

Über den Kühlrippen befindet sich die Schalt- und Regelzentrale der Neumann KH 80. Zumindest die, die ohne Computer und Software möglich ist. Ganz links ist das Setting für den Standby-Modus, im aktivierten Local Control schaltet die Box nach 90 Minuten auf Standby. Sobald sie wieder ein Signal bekommt, benötigt sie 5 Sekunden Zeit zur Reaktivierung. Über den Network-Control-Mode kann man den Standby-Mode individuell angleichen, das geht aber nur über die Software.

Acoustical Control

Dieser Sektor ist für die manuelle akustische Optimierung im Raum zuständig. Es gibt vier verschiedene Einstellungen: Free Standing, Small Desk, Medium Desk und Large Desk. Bei Free Standing ist die Einstellung neutral, daraufhin folgend werden Tiefmitten um 1,5, 3 und 4,5 dB abgesenkt, um Resonanzen zu kompensieren. Mit der Software Neumann Control wird dann in Zukunft ein Eingriff mit acht vollparametrischen Filtern und High- bzw. Lowshelf-Filtern möglich.

Output Level

Der Schalldruckpegel ist über vier Positionen (94, 100, 108, 114 dB) einzustellen. Die Einstellmöglichkeit vom Input Gain variiert zwischen -15 und 0 dB. Hier wird von Neuman empfohlen, über ein Rosa Rauschen einzumessen.

Praxis

Eine Monitorbox mit DSP zu testen, ohne das DSP nutzen zu können, scheint erst mal etwas sinnfrei. Dennoch ist das aktive Boxenpaar ja auch ohne digitalen Eingriff zu betreiben und somit auch schnell aufgebaut. Die Kombibuchse erlaubt einen Klinkenkabel-Anschluss und ist für eine eventuelle Wandmontage gut positioniert. Mal schauen, ob man das kleine Geschwisterpaar der Neumann KH 120 ernstnehmen sollte. Preislich liegen sie mit ca. 150,- Euro pro Stück nicht sehr weit auseinander.

Leider hatte ich die KH 120 nicht direkt zum Vergleich vor Ort, aber ich habe sie schon mal gehört. Der erste Eindruck ist ja oft der Beste, zumal ich im letzten halben Jahr einige Nahfeldmonitore zum Test zu Hause hatte. Und ich muss sagen, ich war begeistert! Bei der physischen Größe geht es sehr tief runter und lässt mich erst mal wenig an Bass vermissen, Respekt. Bei einem Frequenzbereich von 57 Hz – 21 kHz liegen sie erstaunlicherweise nicht sehr weit von den KH120 (52 Hz – 21 kHz) entfernt. Wer da weiter runter will, benötigt sowieso einen Subbass.

Neumann KH-80 DSP

Neumann KH-80 DSP Fakten

Ich lies einige meiner bevorzugten Songs auf den KH 80 laufen. Der letzte Track „The New Wild West“ von Jewels 2001 veröffentlichten Platte „This way“ bietet meiner Meinung nahezu alles, was man in eine gute Pop-Produktion stecken kann. Von der üblichen Besetzung Bass, Schlagzeug, E-Gitarre, Akustikgitarre, Gesang geht es hin zu Streichern, Synthesizer-Sounds wie Flächen, Subbässen und Beats. Das Ganze sehr detailverliebt arrangiert und es gibt viel im Stereobild zu entdecken.

Damit ist fast schon alles abgedeckt, um sich einen realistischen Höreindruck zu verschaffen. Trotzdem empfehle ich jedem, sich auf ein/zwei Tracks festzulegen. Die sollte man zum einen guten kennen und sie sollten über einen gewissen audiophilen Facettenreichtum verfügen. Und los geht’s zum Vergleichhören.

Und es blieb weiterhin erstaunlich. Die Neumann KH 80 DSP klingen auch ohne Eingriff von DSP unglaublich gut für Nahfeldmonitore dieser Größe und Preisklasse. Am meisten begeisterte mich die detailgetreue Tiefenstaffelung und die Transparenz im Stereobild. Dabei klingen sie immer noch angenehm und versprechen längeres arbeiten an Projekten, ohne die Ohren zu früh zu übermüden.

Neumann KH 80 DSP und das UA Apollo twin in Aktion

Neumann KH 80 DSP und das UA Apollo twin in Aktion

Die analoge Klanganpassung erfüllt im angebotenen Maße ihren Zweck und greift sinnvoll ein. Mit der DSP-Option sollte hier kein Wunsch mehr offen sein. Unter 50 Hz geht erwartungsgemäß nicht mehr viel, aber hier sollte man auch schon bei größeren Modellen einen Sub-Bass mit hinzunehmen.

Fazit

Was soll ich sagen. Wenn die Neumann Control Software zum Release der Neumann KH 80 DSP Nahfeldmonitore zur Verfügung gestanden und das gemacht hätte, was sie verspricht, wäre ich wohl nicht drum herum gekommen, den Monitoren ein Best Buy zu geben.

In der Preisklasse und physischen Größe habe ich bisher keinen besseren Monitor gehört. Sie erfüllen für mich jegliche Kriterien, von enormem Bass bis sehr detailgetreuer Transparenz und Tiefenstaffelung. Der Klang ist dabei immer ausgewogen und angenehm. Wenn jemand gerade auf der Suche ist, bekommen diese Abhören meine absolute Empfehlung.

Plus

  • transparente Tiefenstaffelung, ungewöhnlich gut für die Preisklasse
  • im Größenverhältnis sehr gute Basswiedergabe
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 549,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    fritz808  

    ich besitze genelecs, aber die neumanns habe ich mir schon mehrmals angesehen und angehört. wenn cih mit meinen genelecs nicht vollauf zufrieden wäre,m wären die jedenfalls meine erste alternative.

  2. Profilbild
    pytrel  

    Ich frage mich ob es möglich sein wird (wenn die DSP software endlich verfügbar ist) das man über die software einen Hochpass aktiviert für den fall der Kombination mit einen Sub.

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