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Test: Ninja Tune Zen Delay Stereo-Effekt mit VCF

18. Dezember 2019

Die Techno-Geheimwaffe. Wirklich?

Test: Ninja Tune Zen Delay

Test: Ninja Tune Zen Delay

Bei dem Ninja Tune Zen Delay handelt es sich um ein DSP-gesteuertes Stereofilter-Delay, das über eine Röhre und ein analoges Filter verfügt. Das Ninja Tune Zen Delay ist das erste Hardware-Effektgerät des britischen Electronica Labels Ninja Tune. Es entstand aus einer Kooperation mit Ninja Tune, Erica Synth und Ingmar Koch.

Die Geschichte des Zen Delays

Eigentlich muss man der deutschen Bahn dankbar sein. Ein ungewöhnlicher Satz in einem Online-Magazin, das sich mit Musikinstrumenten beschäftigt. Aber ich muss diesen Satz nochmals schreiben, der deutschen Bahn muss man wirklich dankbar sein.

Doch bevor dem Bahnfahrer in diesen kalten Wintermonaten jetzt endgültig der Geduldsfaden reißt, möchte ich diesen Satz erklären. Vor ein paar Jahren saßen Ingmar Koch und Matt Black im Zug und schwadronierten über Musik-Gear. Eine Situation, die vielen von uns bekannt sein durfte, mal im Zug, in der Kneipe, im Studio und natürlich auf dem AMAZONA.de Experience Day tauscht man sich über die neusten Produkte unserer musikalischen Passionen aus. Wenn zwei solche Persönlichkeiten aufeinander treffen, werden Ideen geboren und vergehen, aber das Zen Delay blieb in ihren Köpfen bestehen.

Ingmar Koch ist ein Urgestein der deutschen und internationalen Technoszene, Teil des legendären Duos Air Liquide, Khan & Walker und wer weiß schon wie viel Hunderte Releases und Produktionen seine Handschrift tragen. Er ist  Label-Chef von DJungle Fever, Liquid Sky Mastermind, Synthesizer-Entwicker, Liveact Partyrocker. Mittlerweile ist Ingmar Koch in Portugal beheimatet, wo er seinen Teil zur Klimarettung unternimmt und bis 2027 27027 Bäume pflanzen möchte.

Matt Black ist Teil des britischen Duos Coldcut, oszillierend zwischen unzähligen Pophits und hochambitionierter Electronica. Technologie spielte im Coldcut Universum immer eine große Rolle, so haben sie u. a. das Konzept des scratchbaren DVD-Players mitentwickelt. Mit dem Label Ninja Tune haben sie Acts gefördert und veröffentlicht, die bis heute aktiv und legendär sind. Ninja Tune entdeckte und beherbergt Acts wie Amon Tobin, The Herbaliser, Hexstatic, The Cinematic Orchestra, DJ Food usw. Im Haus Ninja Tune wurde auch die NinjaJamm App geboren.

Test: Ninja Tune Zen Delay

Dieses Zusammentreffen war also für die Idee des Zen Delays verantwortlich. Doch wie setzt man so ein Projekt um? Ein Label zu führen, Schallplatten zu pressen und zu verkaufen ist schließlich ein anderer Geschäftszweig, als ein Effektgerät zu entwickeln. Ingmar Koch schlug vor, seine Freunde von Erica Synths mit ins Boot zu holen und von da an wurde aus einer Idee ein konkretes Produkt.

Erica Synths sind dem regelmäßigen AMAZONA.de Leser und Synth-Nerd natürlich kein Fremder mehr. Sie entwickeln seit Jahren Effektgeräte und hochwertige Synthesizer-Module, komplette Systeme wie das Liquid Sky Dada Noise System, das in Zusammenarbeit mit Ingmar Koch entstanden ist. Auch mit dem Pico System setzen Erica Synths Maßstäbe in der Synthesizer-Welt. Die Instrumente von Erica Synths sind nicht nur hochwertig verarbeitet, sie sehen auch toll aus und klingen unglaublich gut.

Für das Zen Delay hat sich ein Team gefunden, das eine perfekte Symbiose eingegangen ist. In dieser Zusammenarbeit konnte kein weiteres Standard-Delay entstehen, weil alle drei Mitspieler für Innovation und Freude am Experiment stehen. Was ist also das Zen Delay?

Das Ninja Tune Zen-Design

Das Ninja Tune Zen Delay ist einem schwarzen Metallgehäuse untergebracht und erinnert im Design an Erica Synths Effekte, nur ist es in den Ausmaßen größer gestaltet worden. Es wirkt insgesamt sehr hochwertig und edel verarbeitet, bewährte Erica Synth Qualität also. Es ist ein echter Hingucker und der Schriftzug Ninja Tune lässt jeden Electronica-Fan und DJ sofort aufmerken.

Auf dem Zen Delay sind hochwertige und große Bakelit-Regler angebracht. Die Regler sind großzügig auf dem Gehäuse verteilt, dadurch wirkt das Zen Delay sehr aufgeräumt und geordnet. Das zentrale Designelement auf dem Gehäuse ist die Röhre, die aus dem Gehäuse ragt. Sie wird mit einem dekorativen Metallbügel geschützt. Nach dem Einschalten wird die Röhre in einem warmen Orange beleuchtet, was eine atmosphärische Wirkung erzeugt.

Test: Ninja Tune Zen Delay

Bei dem Zen Delay handelt es sich um ein Delay, das über ein Filter verfügt. Veredelt wird das Eingangssignal mit einer Röhre. Sofort fällt auf, dass das Zen Delay als Stereo-Effektgerät ausgelegt ist. Der Kenner weiß, dass die meisten Tretminen und Effekte für Gitarristen entwickelt werden und deshalb meistens für ein Monosignal ausgelegt sind.

Ein Stereosignal ergibt für einen Synthesisten in vielen Fällen mehr Sinn, weil mittlerweile viele Synthesizer über einen Stereoausgang verfügen. Trotzdem kann man natürlich ohne Weiteres seine Gitarre, Bass oder monophonen Synthesizer an das Zen Delay anschließen.

Die Zen Delay Sektion

Die Delay-Sektion ist digital aufgebaut und verfügt über 5 Betriebsmodi. Hier werden Tape, Tape-Ping-Pong, digital Ping-Pong und Crossover ausgeführt. Ich erspare mir nun eine genauere Beschreibung der unterschiedlichen Delay-Modi, weil sie allgemein bekannt sein dürften und genau das machen, was man von ihnen erwartet.

Die Ping-Pong-Delays machen das Signal sehr breit und oszillieren von links nach rechts, dass es eine Freude ist. Der Tape-Effekt ist sehr gut getroffen und fügt dem Eingangssignal den notwendigen Retrotouch zu, man hört das Tape sehr gut eiern. Das kennt man alles und muss auch so sein, um The Edge auf der Gitarre nachzuahmen oder seiner Produktion den notwenigen Lee Scratch Perry Dub Faktor zu verleihen.

Das lässt sich natürlich auch in nackten Zahlen ausdrücken. Das Zen Delay beherrscht 1 bis 5000 ms. Mit solchen Zeiten sind Effekte möglich, die weit über die Möglichkeiten eines klassischen Delays hinausgehen. Mit den besonders kurzen Zeiten erzeugt das Zen Delay Flanger-Effekte und auch Effekte, die an ein Phaser erinnern können. Die Delay-Zeit reicht auch so weit, dass sie sich schon fast in ein Reverb verwandelt.

Test: Ninja Tune Zen Delay

Das Zen Delay erzeugt Effekte, die weit über das hinausgehen, was von einem klassischen Delay erwartet wird. Dadurch wird die Klangpalette des Zen Delay bereichert. 5000 ms sind 5 Sekunden, die über die Delay-Time eingestellt werden können. Aber es geht mehr: Über Tempo-Tap und über MIDI sind Delay-Zeiten von 50 Sekunden möglich!

Es handelt sich um ein Delay, aber eigentlich muss man hier schon von einem Looper reden. Wenn man das Feedback dementsprechend moduliert, wird das Zen Delay nicht mehr verstummen und das Signal kann mit dem Filter und unterschiedlichen Delay-Zeiten immer weiter moduliert werden.

Plugins und andere Harware-Delays neigen dazu, sich in diesen endlosen Feedbacks zu überschlagen, dass nur noch Klangmatsch bestehen bleibt. Nicht beim Zen Delay: Es moduliert brav endlos vor sich hin und man muss sehr extreme Einstellungen wählen, damit es sich überhaupt überschlägt und dann überschlägt es sich aber richtig!

Das Zen Delay wird so zu einer Ambient-Geheimwaffe. Ein Ambient-Liveact ohne Sequencer durchzuführen, ist mit dem Zen Delay jederzeit möglich. Man kann der Endlosschleife immer wieder neue Elemente hinzufügen und so einen abwechslungsreichen musikalischen Ablauf gestalten und das Eingangssignal mit dem Filter und unterschiedlichen Delay-Zeiten bis zur Unkenntlichkeit modulieren. Man kann man sich auch einen Eindruck davon verschaffen, wie ein monophoner Synthesizer wohl polyphon klingen würde. Note für Note ist es möglich, Akkorde zu schichten.

Natürlich beherrscht das Zen Delay auch die typischen Standard-Delays, die man für Surf Rock, Reggae und sonstige Musikstile braucht. Das Zen Delay erledigt auch in diesem Segment anstandslos seine Aufgaben. Der Einfluss des Delays auf das originale Signal lässt sich mit dem Dry/Wet-Regler bestimmen.

Das Delay klingt wirklich sehr musikalisch und fügt sich hervorragend in ein musikalisches Gesamtbild ein. Es ist natürlich immer schwierig, Adjektive zu Rate zu ziehen, um dem Leser einen Höreindruck vermitteln, aber je nach Effektanteil kann das Delay sehr seidig klingen, aber auch sehr brutal. An dem Gesamtklang hat die Röhre mit Sicherheit ihren Anteil und diese wird jetzt die Aufmerksamkeit bekommen, die ihr gebührt.

Die Röhre im Zen Delay

Röhrentechnik hat sich aus rein technologischen Aspekten schon längst überholt, aber sie werden immer noch gerne eingesetzt. Natürlich ist ein Marschall Verstärker ohne Röhren nur schwer vorstellbar und zum anderen behauptet der eine oder andere Musiker, dass dem musikalischen Signal mit einer Röhre Leben eingehaucht wird. Wer schon einen Röhrenverstärker abnehmen durfte weiß, dass die einmalig klingen.

Im Zen Delay zeigt die Röhre ihren Einfluss am Input des Zen Delays. Mit dem Drive-Regler bestimmt man den Einfluss der Röhre auf das Eingangssignal. Und was soll ich sagen: Das Signal wird durch die Röhre veredelt. Das klingt natürlich wie ein vollkommenes Klischee, aber so klingt nun mal keine Transistor- und auch keine digitale Plugin-Verzerrung.

Test: Ninja Tune Zen Delay

Mit dem Drive-Regler wird das Signal angezerrt. Die Obertöne klingen „feiner“, differenzierter und nicht so brutal, wie ich sie von einer herkömmlichen oder digitalen Verzerrung her kenne.

Damit soll keine Amp-Simulation oder gar ein Kemper Amp herabgewürdigt werden. Der Einsatz einer Röhre ist etwas Besonderes und fügt dem Klangmaterial etwas zu, das aufhorchen lässt. Die Zerrung  ist anscheinend ausbalancierter, nicht so grobschlächtig. Unter diesen Umständen kann ich sehr gut verstehen, dass Gitarristen auf Röhrenverstärker setzten, weil sie unvergleichlich klingen.

Da man das Delay und das Filter ausschalten kann, ist es möglich, mit der Röhre das Signal zu veredeln und digitale Klänge zu „analogisieren“. Damit steht dem Zen Delay der Einsatz als Vorverstärker nichts mehr im Weg. An diesem Punkt muss ich den Leser bitten, sich selbst „Ohren“ von den Klangeigenschaften einer Röhre zu bilden.

Das analoge Filter im Zen Delay

Bei dem Zen Delay Filter handelt es sich um ein analoges 24 dB Filter, das als Lowpass-, Bandpass- und Highpass-Filter betrieben werden kann.

Mit den Cutoff- und Resonance-Reglern wird das Filter eingestellt. Das Filter ist zur Eigenschwingungs fähig und kann auf diese Art und Weise verrückte Effektklänge generieren. Im Zusammenspiel mit dem Delay wird das Zen Delay zu seinem eigenen Klangkörper, das man nicht unbedingt mit Klangmaterial füttern muss. Das Filter klingt kräftig und packt ordentlich zu.

Die verschiedenen Filtereinstellungen liefern entsprechende Ergebnisse. Lowpass lässt die tiefen Frequenzen dröhnen und löscht natürlich alles aus, wenn es notwendig sein muss, um den typischen Filterhouse-Effekt zu erzeugen. Highpass und Bandpass klauen dagegen die Bässe, betonen die Höhen und machen das Signal so dünn, dass man die Elektrizität knistern hört.

Auch das Filter besitzt einen edlen Klang. Und mit edel meine ich nicht, dass es besonders sanft, hart oder brutal klingt, sondern dass es einfach den Mehrwert liefert, den man von einem analogen Filter erwartet. Es klingt groß, luxuriös und  fett.

Man hört, dass man sich bei der Entwicklung des Filters Zeit genommen hat, um einen ausgewogenen, musikalischen Klang zu liefern. Selbst wenn man brutal filtert, erzeugt das Filter immer einen sahnigen, stufenlosen Übergang. Die Resonanz kann in extremen Einstellungen kreischen wie ein Baby und erzeugt cineastische Effekte, die man immer mal wieder in das Klanggeschehen rein- und rausdrehen kann.

Dank des Dry/Wet-Reglers ist es möglich, mit dem Filter bestimmte Frequenzen des Eingangssignals zu verstärken. Einfach mal den Dry-Regler auf 50 % stellen, eine Drumloop durchjagen und mit dem Lowpass-Filter die Frequenz der Bassdrum betonen. Sofort entsteht eine Bassdrum XXL, die vollkommen unaufdringlich ihren Job im Hintergrund erledigt und die Wände zum Wackeln bringt. Lustig ist es auch, bei fast voll aufgedrehter Resonanz mit dem Cutoff-Regler zu spielen. Hier kann man wirklich sehr schöne, schon fast tonale Filterfahrten erzeugen und über das Eingangssignal legen.

MIDI und Sync

Test: Ninja Tune Zen Delay

Auf der Rückseite des Gerätes befindet sich ein Temposync-Eingang, was natürlich bei einem Delay sinnvoll ist. Es gibt zwar unzählige viele billige und auch hochwertige Delays auf dem Markt, aber viele von ihnen verzichten auf eine Temposynchronisation.

Eigentlich sollte Tempo-Sync bei tempobasierten Effekten Standard sein. Deswegen nutzte ich bis zum Erscheinen des Zen Delays Hardware-Delays hauptsächlich als Effekt, um einem Track den analogen Touch zu geben. Die rhythmischen Aufgaben habe ich lieber Plugins überlassen. Diese sind mit einem Klick synchronisiert und man spart sich die Einstellung vom Tempo, das mit einer falschen Bewegung sofort zerstört werden kann.

Doch da ist nicht nur ein Sync-Eingang für modulare Steuerungssignale, sondern auch eine MIDI-Buchse und diese lässt mein Herz höher schlagen. Natürlich ist das Zen Delay nicht das einzige Delay auf dem Markt, das MIDI-Sync empfängt. Jedoch nicht jedes Delay ist MIDIfiziert und deswegen ist MIDI immer zu begrüßen. Damit ist es sehr einfach, das Zen Delay in eine moderne Produktionsumgebung einzufügen. Das Zen Delay wird einfach über den MIDI-Anschluss mit dem Computer oder anderem MIDI-Timecode-fähigen Gerät verbunden und das Zen Delay erkennt und empfängt die Signale sofort.

Selbstverständlich gibt es auch Musiker, die lieber das Tempo per Hand eingeben und auch hier haben die Entwickler an alles gedacht und dem Zen Delay eine Tap-Tempo-Taste geschenkt. Klopfen macht auch Spaß. In dem Modus ist natürlich die Genauigkeit des Musikers entscheidend, um Synchronisation im Zusammenspiel herzustellen. Das Zen Delay empfängt die Taps ohne Probleme und rastet auf diese ein.

Das Zusammenspiel von Analog und DSP

Das Delay, das Filter und der Drive der Röhre können ausgeschaltet werden und damit sind alle Effekte unabhängig voneinander verwendbar. So kann das Zen Delay viele Aufgaben erfüllen, die nicht seine primären Aufgaben sind.

So eignet sich die Röhre als superber Vorverstärker, das Filter kann typische Filterfahrten erzeugen und auch als einfacher EQ eingesetzt werden. Das Delay erzeugt  Delays, aber wie wir schon erfahren haben, kann es auf Grund seiner extremen Zeiten eine Vielzahl von unterschiedlichen Delay Effekten erzeugen, wie z. B. einen Flanger. Einzeln betrachtet erfüllen alle Elemente ihren Job hervorragend und eignen sich auch für Routineaufgaben im Studioalltag.

Wie sieht es aber aus, wenn alle drei Elemente miteinander interagieren? Hier zeigt sich, ob die drei Effekte einfach nur lieblos zusammengeklebt wurden oder ob sie miteinander agieren, um etwas Neues zu erschaffen.

Aus dem Zen Delay erklingen feinste gefilterte Delays, die mit der Röhre angedickt werden. Dabei läuft das Eingangssignal zuerst durch die Röhre und wird dann vom Delay und danach von dem Filter verarbeitet. Klassische Filter-Delays sind ohne Probleme möglich und jeder weiß, dass man so sehr einfach Sequencer-artige Verläufe erstellen kann.

Bei extremen Zeiteinstellungen des Delays, die ich Loop-Modus nennen möchte, wird das Zen Delay zu einem Sequencer. Jedes neue Element wird ein Teil des Klangverlaufs und kann durch verschiedene Delay und Filtereinstellungen so weit verändert werden, dass es nur noch sehr wenig mit dem Ausgangssignal zu tun hat.

Test: Ninja Tune Zen Delay

Es vermittelt den Eindruck von generativer Musik. Die Vorstufe der Musik also, die heute durch eine künstliche Intelligenz erschaffen werden kann. Dabei wird das Ausgangsmaterial immer weitergesponnen und findet kein Ende. Das Klanggeschehen hört wirklich nicht mehr auf.

Solo-Musiker können mit einem simplen Setup sehr positive Erfahrungen sammeln, weil mit einem Musikinstrument und dem Zen Delay unglaublich abwechslungsreiches Klangmaterial erschaffen werden kann.

Die Bedienung ist simpel, intuitiv und lenkt nicht zu sehr ab. Die Simplizität der Bedienung rührt daher, dass man als Musiker und Produzent mit Studioerfahrung mit den Parametern des Zen Delays sofort vertraut ist. Die Parameter kennt man von anderen Effekten, aber unter der Oberfläche ticken diese Parameter etwas anders.

Gerade in der Delay-Sektion geht das Zen Delay ins Extrem. Außerdem bekommt man eine Röhre mitgeliefert, die dem Signal Wärme, analoge Verzerrung und einen analogen Touch hinzufügt. Da haben die Entwickler auch Recht: Wer solch einen Effekt auf den Markt wirft, muss der Käuferschaft etwas bieten, was nicht ganz alltäglich ist und seinen Reiz hat.

Meine Recherchen brachten sehr viele Filter und Delays an das Tageslicht, aber keines mit einer Röhre. Aber das Wichtigste: Das Zen Delay klingt unglaublich gut und musikalisch. Es liefert die 10 Prozent, von denen immer die Rede ist, wenn man von professionellem Equipment die Rede ist. Sie sind hörbar und können deswegen den Musiker, der Delays braucht, sehr glücklich machen.

Fazit

Der Autor dieses Textes ist schon seit Jahren auf der Suche nach einem Delay, das seinen Ansprüchen genügt und er hat wirklich vieles ausprobiert. Von billigen bis wirklich sehr teuren Delays war wirklich alles dabei. Aber es ging alles wieder zurück zum Händler.

Die Delays genügten meinen Ansprüchen nicht, weil ich etwas vermisste. Ganz oft war es MIDI-Sync. Ganz oft wurden meine klanglichen Ansprüche nicht erfüllt, weil die hauseigenen DAW-Delays einen besseren Job machten. Meine Delay Plugin-Referenz ist das Soundtoy Plugin. Ein Hardware-Delay musste mindestens so gut sein oder gar besser. Schrottige Delays, bei der Synchronisation und Klang keine Rolle spielte, lieferte entweder Korg Monotron Delay oder das RDH Dub Delay.

Ein edles Hardware-Delay soll mich aber davon abhalten, ein Plugin-Delay zu laden. Diesen Anspruch konnten gerade die teueren Delays nicht erfüllen. Ich brauche keinen weiteren Staubfänger in meinem Studio. Das Zen Delay macht alles richtig und ist ein richtiger Allrounder. Ich werde es sicher nicht nur als Delay nutzen, sondern auch als Filter und natürlich wegen der Röhre als Vorverstärker.

Ich bin vom dem Klang des Zen Delays begeistert: seiner Anschlussfähigkeit, die Art und Weise, wie die Parameter aufeinander abgestimmt sind, dass man alle drei Effekte unabhängig voneinander nutzen kann und dem Signal je nach Gusto hinzumischen kann.

Der experimentelle Faktor des Zen Delays sollte jedem ambitionierten Elektroniker das Herz aufgehen lassen. Die Delay-Zeiten sind einfach der Wahnsinn und lassen mich mit einem fetten Grinsen im Gesicht zurück.

Es ist zu hoffen, dass der Ausflug von Ninja Tune in die Welt der Effektgeräte kein einmaliges Abenteuer bleibt. Hier trifft die Erfahrung von legendären Musikern auf  ausbalancierte Hardware-Entwicklung.

Eine Sache hat mich dann aber wirklich echt genervt, dass ich das Zen Delay nach Abschluss des Testes weiterschicken musste. 

Plus

  • Röhre
  • Filter
  • Delay-Zeiten
  • Zusammenspiel der Effekte
  • MIDI/Sync
  • Verarbeitung
  • Design

Preis

  • 499,- Euro + 21 % MwSt
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    rio  

    Mich würde mal interessieren, ob eins der Delay-Modi bandpassgesteuert arbeitet … das wäre ein „wirkliches“ Killerfeature.

    Gibt es Infos zum Röhren Typ?

    • Profilbild
      Sven Rosswog  RED

      Hallo rio,

      Ich frage wegen der Röhre mal nach.
      Leider weiss ich nicht genau, was du damit meinst, ob ein Delay Modi bandpassgesteuert ist. Erklär mal genauer, was dir vorschwebt.

      Viele grüsse

    • Profilbild
      rio  

      Wenn ich mir die Signalkette im Manual anschaue, liegt der „dry/wet“ hinter dem Filter. Damit könnte man theoretisch sowas machen. Je nachdem was der dry/wet bewirkt. Dazu wäre tatsächlich ein Klangbeispiel interessant.

      @Sven: Vom Prinzip soll der Delay nur auf ein bestimmtes Spektrum zielen – andere Bereiche unverändert lassen. ;)

      • Profilbild
        Sven Rosswog  RED

        Hallo rio,

        Jetzt verstehe ich was du meinst. Solch ein Beispiel wird im Text ja mit dem Lowpass Filter erwähnt indem ich bei einer loop die Bassdrum mit dem Filter angedickt habe. Da muss man natürlich das orginal signal mit dem gefilterten Signal mischen, also mit dem dry wet regler…Das ganze funktioniert somit mit allen Filterarten. Lustig wird es wenn du dann noch die resonanz aufdrehst 😊

        Viele grüsse

        • Profilbild
          rio  

          ja hört sich gut an. Im manual steht, dass der anliegende clock durch 2, 3 und 4 teilbar ist. Aber z.B. ein 3/4 delay würde ich damit nicht hinbekommen – richtig?

          • Profilbild
            dr w  

            per hand schon. ueberhaupt kein thema.
            wir ueberlegen grad ob wir noch ein – zwei schraege delay programme entwickeln – die uebrigens jeder dann in zukunft ganz easy updaten kann per firmware update via audio in ….

            ABER lasst uns erstmal gucken was die anderen user sich so wuenschen und erfahrungswerte sammeln.

            • Profilbild
              rio  

              ok danke für die info. Mit 3/4 delay wäre das teil interessant.

              Z.B. beim Pioneer rmx-1000 kann man 4 Bereiche des Reglers für ein bestimmtes timing („Echo Time“) konfigurieren. Ich fand das schon recht innovativ. Mögliches Timing war: 1/16, 1/8, 1/4, 1/2, 3/4, 1/1, 2/1…

              http://faq.....01B_EN.pdf

              Seite 7.

              • Profilbild
                dr w  

                du kannst alles per hand einstellen. oder per tap button.
                man braucht halt nur ohren.

                  • Profilbild
                    rio  

                    Und falls Ihr auf die Idee kommt den 3/4 divider umzusetzen, gerne auch 3/8, 3/16. Na mal schauen – ich bin gespannt :)

                    grüße,
                    rio

                • Profilbild
                  rio  

                  Mal technisch betrachtet, was der pioneer rmx 1000 mit einer echozeit von 3/4 macht, müsste dies ein 4/4 Takt mit einem Offset von -25% sein. (Was z.b. hier so beschrieben wird: https://bit.ly/2SawKtb).

                  Vom Prinzip wird der Startpunkt des Delays um ein Viertel nach vorn, bzw. 3/4 nach hinten verschoben.

                  Das schafft diesen charakteristischen delay bei Trance.

  2. Profilbild
    Hectorpascal  AHU

    Du bekommst von mir den Preis für fette Klangbeispiele. Die Techno Jam ist genau mein Ding! Womit hast du aufgenommen? Das Delay selber ist über jeden Zweifel erhaben wie vieles bei Erica Synths. Das ganze mal mit einem Black Stereo Delay (20 Sek. Sampling), Fusion VCA und Black Dual VCF zu nachzubauen wäre mal interessant. Da sind wir mal schnell bei fast 1000€ aber dafür Möglichkeiten ohne Ende. Hier der ist jedenfalls ein Schnäppchen!

    • Profilbild
      Sven Rosswog  RED

      Hallo Hectorpascal,

      Danke für die Blumen. Es ist wirklich nur ein simpler Bass aus dem Es1 aus Logic und irgendwelche Drums aus Battery. Einfach ins zendelay rein, über das audiointerface motu audioexpress in logic pro rein. Keine Effekte, keine Compressoren oder eqs. Nur zendelay.

      Das Zendelay rockt ohne Ende!

      Interresante ideen hast du ja. Hau rein 👍😊

    • Profilbild
      dr w  

      klar wurden fuer das zen delay die raeder nicht neu erfunden aber das zusammenspiel der einzelnen parts wurde 3 jahre lang verfeinert. insgesamt wurden 14 prototypen gebaut bis alle (teilweise sehr verwoehnten und somit sehr kritischen) betatester gluecklich waren.

      dh: klar kann man irgendwie soetwas mit bestehenden modulen simulieren (du hast die midiclock noch in deiner aufstellung vergessen) aber der witz liegt ja grad in der reduktion und justierung der einzelnen elemente.

      das ganze soll auch im…. sagen wir mal „leicht angeheiterten“ zustand fluessig bedienbar sein. ohne patchchords. ohne nachzudenken. ohne ins handbuch zu kieken. ohne allzuviele potentielle fehlerquellen zu bieten. ohne dass man helles arbeitslicht braucht um irgendwelche ins und outs zu finden.

      und dabei dann brettmaessikkk klingen mit dickem bass dass die function one oder kirsch audio den boden beben laesst.

      • Profilbild
        Sven Rosswog  RED

        Hallo Dr W.,

        Danke für den ausführlichen Einblick ins Enrwicklungslabor. Der Aufwand hat sich wirklich gelohnt. respekt.

        Viele Grüsse

      • Profilbild
        Hectorpascal  AHU

        Is schon klar! Mir gehen nüchterne Performances ohnehin auf den Senkel, insofern sollte das in der Bewertung stärker mit einfließen. 100% Dope-Approved! Aus der Perpektive mit Sicherheit der „Best Buy“ schlechthin. :) Ne, das Teil rockt, hört man sofort!

  3. Profilbild
    dubsetter  

    alter schwede…
    wat nen teil !

    der preis ist allerdings auch nicht ohne..

    (nicht falsch verstehen,
    ist halt liebhaber hardware)

    • Profilbild
      Sven Rosswog  RED

      Hallo dubsetter,

      Leider wir man so was nie beim Discounter um die Ecke bekommen. Aber wenn bei dubsetter der name wirklich programm ist, kommst du nicht drumherum dir das gerät genauer anzuschauen…..

      Viele grüsse

      • Profilbild
        dubsetter  

        ja

        der name war (ist ) programm….:)

        wirklich ein feines teil.

        vor allem vielseitig einsetzbar
        (könnte ich mir auch gut im aux weg des pultes vorstellen)

        muss mal mit meiner bank quatschen..

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          Sven Rosswog  RED

          Ja, die Zusatzfunktionen sind ein Bonus obendrauf. Ich hab damit nicht gerechnet. Für mich war es auf den ersten Blick ein Filterdelay. Aber jetzt die Aussicht zu haben, einfach mal die ein oder andere Spur einfach ein bisschen Röhrenzerrung zu geben, ohne das Filter und Delay einstreut….oder was filtern, oder nur delayen oder alles zusammen……Du weisst schon, dass die Coldcut Jungs große Dub Fans sind und die neue Lee Scratch Perry auf deren anderem Label On U Sound herausgekommen ist. In dem Teil ist sicher eine gute Portion Jamaica…..immer cool bleiben wegen Kohle, nichts läuft weg…..lieber ein paar Monate sparen.

  4. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Es hat mich auch sofort an Erica erinnert. Das scheint ja eine tolle (preiswerte) Alternative zu sein. Sehr verlockend….

  5. Profilbild
    tomk  AHU

    @Sven
    Interessantes Gerät, absolut keine Zweifel!
    Aber bezüglich deiner genannten Enttäschung würde mich interessieren ob du das Strymon Timeline sowie Eventide H9 auch zurückgehen hast lassen? Immerhin spielen selbige in der genannten Preisklasse, clocken sowohl, und sind … finde ich zumindest, bisher ungeschlagen. Stichwort: Vielfalt!
    Die Röhre lasse ich außen vor, ich brauche nicht in X-Geräten eine Röhre.

      • Profilbild
        tomk  AHU

        Dieses Gefühl hatte ich weder beim BigSky, Timeline, Mobius noch Eventide H9. Ganz im Gegenteil empfinde ich Clock, Presets, Midi CC und App Steuerbarkeit absolut als Studio und Synth kompatibel. Und ja, ich habe ein Auge auf das Zen seitdem ich das erstemal drüber gelesen habe. Wie gesagt interessantes Teil, mir stellt sich eher die Frage des Preis-Leistungverhältnis gegenüber der von mir genannten Geräte in dieser Liga. Ein Auge habe ich persönlich momentan eher auf MN Mimeophon, und immer noch Strymon Magneto. Aber das nur am Rande, bin ja nicht der Junge mit den Geldhosen, da will abgewogen werden!

    • Profilbild
      Sven Rosswog  RED

      Hallo tomk,
      als Autor möchte ich nicht unbedingt jetzt irgendwas bashen. Letztendlich ist es ja immer eine subjektive Entscheidung, warum man sich für die und nicht für das entscheidet. Aber die von dir genanten waren da oder sind im Vorfeld wegen Soundbeispiele und Rezessionen rausgefallen. TC-Electroincs habe ich mir angeschaut und ich war kurz davor über 800Pfund zu investieren und ein S-Cat zu kaufen, weil ich mir auch keine Retromaschinen kaufen wollte. Aber 800 Pfund ist halt echt mal eine Hausnummer für ein Delay, für andere natürlich Peanuts. Das Zen hat meine Erwartung über erfüllt. Mit diesen Delayszeitenm ohne irgendwann im extremen feedback zu landen…Einfach der Hammer auf der Erica Synth Seite sind da videos dazu. Das ist echt wie ein Looper. Und die Bedienung ist so simpel und narrensicher, wie dr.w oben geschrieben hat: auch leicht angeheitert machst da nichts falsch. Ich vermisse das Teil echt Jemand anders hat auch den Vergleich mit Gitarrenpedalen gemacht und genau diese Box kann für ein Gitarrist sein, aber eben auch für ein Synth Freak der sich in den psychedelischen Weiten der Delays verlieren möchte. Und dann steht da Ninja Tune drauf….und jetzt wird es eben auch schon sehr subjektiv, wie oben beschrieben. Wichtig ist was du brauchst, beim Delay hab ich meins gefunden und das RDH Delay behalte ich trotzdem….

      • Profilbild
        tomk  AHU

        Danke dir! Sehe gerade im Manual das Midi nur für Clock gedacht ist, somit keine CC? :(

        Bei allen hörbaren Vergleichen fönt mich das Mimeophon bei weitem mehr weg, ist aber wie immer und überall Geschmacksache! Ich bin absoluter Tom Erbe Fan: https://tinyurl.com/rdlm35r LG

        • Profilbild
          Hectorpascal  AHU

          Das Mimeophon ist schon etwas anders. Sowas kannst du dir in einer Tel-Aviv Afterhour auf Rest-LSD und gutem Ziegenmilch-shake geben. Hypothetisch…..

          • Profilbild
            tomk  AHU

            Oder narrensicher im Suffrausch live im Molloch Berlin am Zen drehen! Sowohl hypothetisch ;)
            (In dieser Preis/Klasse keine Midi CC – KickOff für mich, da hilft auch der Ninja Tune Aufdruck nicht drüber hinweg.)

      • Profilbild
        Larifari  

        Es ging mir eher darum dass ich mir vorstellen kann dass sich das Gerät sehr gut für dub Chords eignet. Und ja, ich find es hat was von den alten Oswald Sachen. Bzw. Rhythm & Sound. Auch wenn’s damals ein RE war.

  6. Profilbild
    Erotiksound  

    Coole Kiste. Wenn da nicht noch das Reminder von Enjoy Electronics wäre, das ich eventuell bevorzugen könnte. Verdammt, was soll ich machen? Steht da noch jemand vor der Entscheidung? ;-)

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