Test: Novation Launchpad Pro MK3, USB-Pad-Controller

13. März 2020

MIDI-Controller mit Sequencer

test novation launchpad pro mk3

Novation Launchpad Pro MK3, USB-Pad-Controller

Erst vor wenigen Wochen stellte Novation die neuen Launchpad Modelle Launchpad Mini MK3 und Launchpad X vor. Nun setzt das britische Unternehmen die beliebte Serie fort und präsentiert das neue Pro-Modell mit dem offiziellen Zusatz MK3. Offiziell heißt das neue Modell allerdings nur Launchpad Pro, eine MK2 Version hatte es davor ohnehin nicht gegeben.

Im Jahr 2009 startete das erste Launchpad noch als reiner Clip-Abspieler für Ableton Live. Seitdem hat sich viel getan. Das ursprüngliche Launchpad Pro wurde im Jahr 2015 veröffentlicht und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Mein Kollege Thilo Goldschmitz hat erst vor Kurzem die neuen Modelle Launchpad Mini MK3 und Launchpad X getestet. Der Bericht kann hier gelesen werden. Die Basis-Features treffen auch auf das Launchpad Pro zu. Darüber hinaus gibt es einige Pro-Features – allen voran einen Standalone-Sequencer – die es hier in diesem Bericht zu lesen gibt.

Das neue Launchpad Pro orientiert sich optisch am gleichen Design wie bei den beiden genannten Modellen. Ich finde es sehr gelungen, es wirkt schlicht, aufgeräumt und modern. Alle Tasten sind nun eckig, beim Vorgänger waren die Funktionstasten rund. Zusätzlich zum Modell X besitzt das Pro Modell mehr Funktionstasten. Alle Tasten verfügen über RGB-LEDs, so dass unterschiedlichste Farben auf jedem Pad dargestellt werden können.

Novation_Launchpad_Pro

Flaches Gehäuse – die Rückseite des Launchpad Pro

Anschlussseitig verfügt das Launchpad Pro über eine USB-C-Schnittstelle sowie 3 Klinkenbuchsen für MIDI In und zweimal MIDI Out. Die Klinkenbuchsen sind aufgrund der flachen Bauform des Gehäuses notwendig. Die entsprechenden Adapter von Klinke auf MIDI-DIN liegen dem Gerät bei. Ebenso ein Netzteil für die Spannungsversorgung im Standalone-Betrieb.

Das Gerät macht einen stabilen Eindruck. Die Pads fühlen sich sehr gut und wertig an. Sie bieten ausreichend Haftung, damit die Finger nicht abrutschen. Gleichzeitig kann man mit den Fingern schnell über mehrere Pads gleiten. Die Triggerpads sind anschlagsdynamisch und verfügen über Aftertouch.

Obwohl ich als reiner Tastenmensch auf einem „Pad-Klavier“ zunächst mal halbwegs orientierungslos bin, fühlen sich meine Finger auf den Pads erstaunlich wohl. Die Pads haben einen angenehmen Abstand zueinander und lassen sich gut und ausdrucksstark spielen. Die Anschlagsdynamik und Aftertouch lassen sich am Gerät an das eigene Spielgefühl anpassen.

Launchpad Pro Installation

Die Einrichtung des Launchpad Pro geht recht einfach vonstatten. Das Gerät meldet sich am Mac und PC als Mass Storage Device (MSD) an, wie ein externes Laufwerk. Über den Laufwerksordner gelangt man online auf eine Einrichtungsseite von Novation. Hier werden die ersten Schritte zur Nutzung abgefragt und Tutorial-Videos bereitgestellt.

test Novation_Launchpad_Pro

Launchpad Pro im Session Mode

War das Launchpad früher vornehmlich für Ableton Live geeignet, hat sich das mittlerweile geändert. So habe ich z. B. Plugins unter Logic Pro X vom Launchpad Pro aus steuern und spielen können.

Session Mode

Seine große Stärke spielt das Launchpad aber weiterhin unter Ableton Live im Session Mode aus. Das Gerät ist ja ursprünglich auf diese Software zugeschnitten. Das Launchpad Pro findet sich direkt nach dem Start von Live einsatzbereit vor und kann als 8×8 Cliplauncher und Fernbedienung für die DAW genutzt werden.

Wie schon in der Vergangenheit können einzelne Clips sowie komplette Szenen gestartet und gestoppt werden. Mit den seitlichen Pfeiltasten navigiert man schnell durch große Live-Sessions.

Das Launchpad Pro zeigt auf dem 8×8 Grid die entsprechende Clip-Farbe aus Live an. Clips können vom Launchpad heraus z. B. gelöscht, dupliziert oder quantisiert werden. Lautstärke-, Panorama- und Send-Regler einzelner Spuren können ebenso gesteuert werden wie Solo, Mute und das „Scharf“-Schalten vor der Aufnahme.

Novation_Launchpad_Pro

Launchpad Pro im Einsatz mit Ableton Live

Auch Devices innerhalb von Live können vom Launchpad gesteuert werden. Dabei steuert es die 8 Macro-Controller einer Device, jeweils mit einem vertikalen 8-Pad-Fader. Für meinen persönlichen Geschmack ist diese Art Steuerung nicht ausreichend präzise und schnell genug. Ich bevorzuge zur Regelung z. B. eines Filter-Cutoffs oder einer LFO-Frequenz lieber Potis, Rotations-Encoder oder Fader.

Die Capture-MIDI-Funktion ist wie schon im Launchpad X vorhanden und ist die Fernsteuerung der entsprechenden Funktion in Live. Capture-MIDI erlaubt es, die zuletzt gespielten MIDI-Noten nachträglich zu einer Aufnahme umzuwandeln und in einem Clip abzulegen.

Note und Chord Mode

In den beiden Modi Note und Chord geben die Triggerpads MIDI-Noten aus und es lässt sich musizieren. Die Pads lassen sich auf unterschiedliche Notenskalen einstellen. Ein besonderer Modus rückt alle Pads einer Tonleiter zusammen, sodass im Prinzip immer der „richtige“ Ton getroffen wird. Dies ist nicht nur für ungeübte Musiker erfreulich. Auch als erfahrener Tastenmensch hilft diese Funktion, um schnell zu musikalischen Ergebnissen zu kommen.

Novation_Launchpad_Pro

Launchpad Pro im Chord-Mode

Der Note-Mode erkennt unter Live automatisch, wenn eine Drum-Spur erzeugt wird und wechselt in ein entsprechendes 4×4 Drumgrid.

Am meisten Spaß hat mir der neue Chord-Mode gemacht. Auch hier stehen alle Pads in musikalischer Relation zueinander. 14 eigene Chord-Kreationen können gespeichert und über Triggerpads abgefeuert werden, was sehr inspirierend ist. Da entstehen in Windeseile neue Sequenzen, die mir auf einer klassischen Klaviatur womöglich niemals so schnell eingefallen wären.

test Novation_Launchpad_Pro

Launchpad Pro im Note-Mode

Custom-Mode

Wie bereits in den Modellen Launchpad Mini MK3 und Launchpad X kommt auch im Launchpad Pro der neue Custom-Mode zum Einsatz. In diesem Modus lässt sich Launchpad Pro zu einem individuellen MIDI-Controller gestalten. Die Konfiguration erfolgt über die Software „Components“.  Hier werden verschiedene Widgets in Form von z. B. Fadern (uni- und bipolar), Keyboards oder MIDI-CC-Buttons zur Verfügung gestellt. Diese werden vom Anwender auf ein virtuelles Launchpad Grid gezogen und entsprechend auf den Pads verteilt. Die entsprechenden CC- oder Notenwerte müssen noch definiert werden und schon kann das Launchpad als Controller für jedes MIDI-Gerät genutzt werden.

Fader und Keyboards sind allerdings immer 8 Felder breit bzw. lang. Eine Mischung verschiedener Widgets ist dadurch nur bedingt möglich. Denn die Widgets löschen sich gegenseitig aus, sobald sich ihre Wege kreuzen. Daher wäre es schön, wenn Novation auch kürzere Widgets anbieten könnte, so dass mehr Kombinationen möglich sind. Insgesamt lassen sich 8 eigene Modes im Launchpad Pro speichern.

Schade ist, dass die Components-Software ohne aktive Internetverbindung nicht funktioniert. Das wird für manche Nutzer eine Hemmschwelle darstellen.

Sequencer-Mode

Der Sequencer-Mode ist das eigentliche Highlight des neuen Launchpad Pro. Mit dieser Funktion erweitert sich der Aktionsradius des Controllers gewaltig und er nabelt sich von Ableton Live und dem Rechner ab. Denn nun kann das Launchpad als eigenständiger Sequencer mit der Studio-Hardware agieren. Und selbst im Zusammenspiel mit Live ergibt dieser Modus durchaus Sinn.

Novation_Launchpad_Pro

Launchpad Pro im Sequencer-Mode

Insgesamt stehen vier Spuren mit jeweils 32 Steps zur Verfügung. Jeder Step kann 8-fach polyphon belegt werden.

Die obere Hälfte des Grids repräsentiert 32 Schritte des Sequencers. In der unteren Hälfte wird wahlweise ein Drumgrid oder eine Chromatic/Scale-Tastatur angezeigt.

Sequenzen können sowohl Schritt für Schritt oder in Echtzeit eingespielt werden. Die Gate-Length kann pro Schritt eingestellt werden.

Pro Spur können 8 Patterns gespeichert werden. Diese lassen sich wiederum verketten, sodass bis zu 256 Schritte möglich sind. Scenes erlauben das Triggern mehrerer Patterns über alle vier Spuren. Scenes können ebenfalls verkettet werden, um eine Songstruktur zu bilden. Insgesamt gibt es 16 Speicherplätze für Scenes.

Richtig interessant ist die Möglichkeit, Steps in einer Sequenz per Zufall zu ermöglichen. Die Wahrscheinlichkeit einer Note zu erklingen, lässt sich in 8 Schritten zwischen 13 % und 100 % einstellen. Diese Wahrscheinlichkeit gilt dabei tatsächlich pro Note, nicht pro Step. So erklingen dann polyphone Steps mal ganz, mal teilweise und mal gar nicht, was für viel Abwechslung sorgt.

Mutation verschiebt einen Step zufällig in der vorgewählten Skala, um noch mehr Variation in eine Sequenz zu bringen. Die Ausprägung lässt sich ebenfalls in 8 Schritten anpassen.

Hierdurch entstehen teils richtig gute Sequenzen, die abwechslungsreich klingen, was ich persönlich sehr gut finde.

Micro-Steps verpasst einem Step das sogenannte Ratcheting, also die sehr schnelle Wiederholung des Triggers innerhalb einer Step-Länge.

Ein Highlight für mich ist die Print-to-Clip-Funktion. Die am Launchpad erstellten Sequenzen lassen sich per einfachem Knopfdruck an Ableton Live übertragen und als Clip anlegen. Das ist wirklich hilfreich und erweitert den kreativen Prozess enorm. So lassen sich zum Beispiel Drumgrooves am Launchpad erstellen, per Knopfdruck in Live übertragen und dort verfeinern.

Nutzt man Probability und Mutation in Sequenzen, so wird bei jedem Print-to-Clip-Befehl eine entsprechende Variation an Ableton Live gesendet und als eigener Clip abgelegt. Einfach gut.

Was mir nicht gelungen ist: Ich hatte den Wunsch, aus dem Chord-Mode heraus in den internen Sequencer aufzunehmen. Mein Gedanke: Starte die Aufnahme im Sequencer-Mode, springe in den Chord-Mode und spiele ein paar Tasten. Leider passiert da Sequencer-seitig nichts. Der Support von Novation hat mir bestätigt, dass es diese Funktionalität derzeit nicht gibt.  Ich würde mir für ein zukünftiges Update wünschen, dass diese Möglichkeit besteht, gerne auch aus dem Note-Mode heraus.

Launchpad Pro Projects

Launchpad Pro speichert insgesamt 64 Projekte. Diese beinhalten alle Sequencer-Daten, Patterns, Scenes usw. Backups von Projekten können wiederum über die Software-Components online oder lokal auf Rechnern erfolgen.

Fazit

Novation hat beim neuen Launchpad Pro vieles richtig gemacht. Das bewährte Konzept der Launchpads wurde sorgfältig durchdacht und konsequent weiterentwickelt. Die Triggerpads hinterlassen einen sehr guten Eindruck und sorgen für ein ausdrucksstarkes Spielgefühl. Die Controller-Hardware wurde modernisiert und verfügt über MIDI-Schnittstellen, was neue Möglichkeiten zur Steuerung des Studioequipments zulässt. Launchpad Pro kann als eigenständiger Sequencer im Studio – unabhängig von Ableton Live –  eingesetzt werden, was den Aktionsradius des Gerätes enorm erweitert.

Etwas schwierig ist die Einarbeitung in das Bedienkonzept. Es gibt viele Konfigurationsmöglichkeiten, Funktionen erreichbar über eine Shift-Taste etc. Alles abgebildet in Form von Pads und Farben. Diese Dinge wollen erst mal gelernt und behalten werden. Man muss sich intensiv mit den Funktionen beschäftigen, um flüssig arbeiten zu können. Ohne Blick ins Handbuch und/oder Tutorial-Videos geht nicht viel.

Gefehlt hat mir die Möglichkeit, aus dem Note- oder Chord-Mode heraus in den internen Sequencer aufzunehmen. Das ist mein Update-Wunsch an Novation.

Plus

  • interner MIDI-Sequencer
  • konsequente Weiterentwicklung des Launchpad-Konzepts
  • robuste und stabile Hardware

Minus

  • aufnehmen aus dem Note- oder Chord-Mode in den internen Sequencer nicht möglich

Preis

  • 338,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Klasse Teil,
    als ich gehört habe das er auch als Stand Alone Sequncer nutzbar ist habe ich mich mega gefreut.
    Nur hatte ich gehofft das man es auch als Sequncer wie beim Tenori On nutzen könnte.
    Wenigstens den Standard Modus, nach oben Tonhöhe und von links nach rechts die Zeitachse. Aber mehr Steps wie beim Tenori On, dann halt mit Seiten wechseln.

    Freu mich drauf das Teil mal in den Händen zu haben.

  2. Profilbild
    pol/tox  

    Ist es möglich den internen Sequencer durch einen anderen Sequencer zu starten, stoppen und zu resetten? Syncen also.
    Ich würde meinen natürlich, finde hierzu aber nichts im Internet komischerweise.

    Konkret möchte ich den internen Sequencer in Time zu meinen Eurorack Sequencern laufen lassen.

    Danke gleich mal vorweg.

    • Profilbild
      DerAndy

      Standalone ohne Computer:
      Arturia Drumbrute Impact MIDI Out an Launchpad Pro MK3 MIDI in: am Drumbrute auf „Play“ gedrückt laufen beide Sequenzer synchron an, bei „Stop“ stoppen beide.
      Ich hab so 4 (Launchpad) + 1 (Drumbrute) Spuren am laufen.

  3. Profilbild
    microbug  

    Schöner Test, leider werden einige, vielleicht für Manche wichtige Details nicht erwähnt. Eigentlich wäre das Ding ja vom Sequenzer her der große Bruder des Circuit, leider fehlen da aber noch ein paar Dinge, die der Circuit bereits kann, das LPP3 aber (noch) nicht.

    1. Die beiden MIDI OUT sind derzeit ein wenig nutzlos, da man sie nicht getrennt anwählen kann
    2. Soft Thru ist nicht nur permanent, sondern hat einen Omni-Mode: alle Kanäle die reinkommen werden auf den Kanal des aktuell aktiven Tracks umgebogen. Dies verhindert Einspielungen von mehreren Quellen gleichzeitig und sollte daher einstellbar sein.
    3. Das LPP3 startet immer entweder im Live oder Programmer Mode, leider kann man es nicht so einstellen, daß es direkt im Sequenzermodus startet
    4. Die Grundeinstellungen für die Tracks sind 1 Drum und 2-4 Scale. Leider kann man das nicht generell einstellen, denn das ist nicht für jeden passend. Ich habe mir daher eine Dummy-Scene auf Pad 64 mit meinen Einstellungen abgelegt
    5. Tempo kann man nur über die Pfeiltasten einstellen. Hier wäre ein horizontaler Fader aus 2 Reihen Pads sinnvoll, der Platz dafür ist ja da
    6. Man kann Pattern nicht transponieren (geht beim Circuit)

  4. Profilbild
    microbug  

    7. In den Scenes kann man Pattern leider nicht deselektieren oder stummschalten
    8. Es gibt kein solches Pattern Chain wie beim Circuit, wo man einen Ablauf wie 3x Pattern 1 dann 1x Pattern 2 eingeben kann
    9. Usermode: ProgramChange Pads können kein Bankselect
    10. Usermode: Keyboard Widget

    Novation hat zudem die Belegung der TRS-MIDI Buchsen auf Version A geändert (ein 1:1 Kabel zum Circuit geht nicht). Wie gut, daß es einen Standard gibt, der über 30 Jahre lang problemlos mit allen Geräten untereinander funktionierte, bis ein paar Helden auf die Idee kamen, das Ganze kaputtzumachen und die MMA das auch noch sanktionierte …

    Zur Software Components wäre noch anzumerken, daß man Sequenzen leider nur als Sysex ex/importieren kann und nicht als SMF. Ok, es geht Print to clip, das braucht dann aber Live, hier könnte Novation Arturia mal die lange Nase zeigen und das einbauen.
    Components ist allerdings auch bissl dämlich, wenn man zB ein Layout mit mehreren Tastaturen oder Drum-Matritzen macht, die klatscht es stumpf hin anstatt beim jeweils Zweiten eine andere Rootnote einzutragen. Außerdem wäre es schlau, wenn statt des Speicherplatzes der Name des Layouts angezeigt wird, wenn man einen vergeben hat.

    Diese ganzen Anmerkungen sind alle bereits bei Novation als Feature Request, mal schauen was passiert.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.