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Test: Polyverse Comet, Reverb Plugin

2. September 2019

Reverb Plugin neu erfunden

polyverse comet

Polyverse Comet, Reverb-Plugin

Mit Comet präsentiert die in Kalifornien sitzende Software-Schmiede Polyverse ihr erstes Reverb-Plugin. Comet ist dabei kein Klon analoger Hardware und auch kein Faltungshall, der echte oder virtuelle Räume simulieren möchte. Nein, Comet ist ein auf üppige, spacige Reverbs spezialisiertes FX-Plugin. Das Feature, das dabei heraussticht, ist die Möglichkeit, bis zu fünf verschiedene Reverb-Effekte in eine Instanz zu laden und zwischen diesen Effekten hin- und herzumorphen. Comet unterstützt mit VST2/VST3/AU/AAX und 32- sowie 64-Bit-Support die gängigen Formate. Nachdem man das Plugin gekauft und heruntergeladen hat, erhält man per E-Mail ein Keyfile, das man beim erstmaligen Öffnen der Software auswählen muss.

Der erste Eindruck

Positiv fällt als erstes die übersichtliche Benutzeroberfläche auf. Alle Parameter sind auf einen Blick ersichtlich und zugänglich. Das User-Interface lässt sich zudem auch in der Größe zwischen 100 %, 150 % und 200 % ändern.

Polyverse - Comet

Das Reverb-Plugin Comet von Polyverse besticht durch ein aufgeräumtes User-Interface, das in der Hauptansicht Zugriff auf alle Parameter erlaubt

Ganz links außen befindet sich der Input-Regler, mit dem sich die Lautstärke des Input-Signals einstellen lässt. Werte über 0 fügen dem Eingangssignal zusätzlich Saturation hinzu. Direkt darunter befindet sich der GLIDE-Regler, mit dem sich die Geschwindigkeit der Übergänge zwischen den bis zu fünf zur Verfügung stehenden Reverb-FX-Slots einstellen lässt. Dabei stehen verschiedene Modi bereit.

Dreht man den Regler nach rechts, so kann man die Übergangsgeschwindigkeit zwischen 150 ms und 30 s wählen. Dreht man den Regler nach links, so kann man die Übergangsgeschwindigkeit tempobasiert einstellen: von 1/16 bis 16 Bars. Dank der GLIDE-Funktion entstehen zwischen den Übergängen keine Klicks und Pops, die man sonst erzeugen würde, wenn man zwischen verschiedenen FX-Instanzen hin und her wechselt.

In der Mitte des User-Interfaces finden sich mit SIZE und DECAY die zwei wichtigsten Klangparameter. Mit SIZE lässt sich nämlich nicht nur die Länge des Reverbs bestimmen, sondern in Kombination mit dem GLIDE-Effekt entstehen beim Modulieren interessante Pitch-Effekte. Wählt man zum Beispiel mit dem SIZE-Regler einen sehr kleinen Raum, so entstehen ungewöhnliche Phaser/Flanger-Effekte.

In der Mittelstellung erzeugt der SIZE-Regler einen gewohnten Reverb-Effekt. Dreht man den Regler ganz nach rechts, so lassen sich sehr lange und weiche Reverb-Verläufe erzielen, perfekt um zum Beispiel aus jedem noch so außergewöhnlichen Sound ein Pad zu zaubern. Noch abgefahrener wird das Ganze in Kombination mit DECAY. Stellt man den DECAY-Regler ganz nach rechts, so entstehen wortwörtlich unendliche Hallfahnen, da die Reflexionen in sich selbst oszillieren. Umgekehrt hört man bei Linksstellung des DECAY-Reglers nur die initialen Reflexionen.

Polyverse - Comet - Red

Die zwei wichtigsten Regler SIZE und DECAY befinden sich in der Mitte des Plugins

Das Pre-Delay lässt sich zwischen 0 und 2.000 ms einstellen, aber genauso wie beim GLIDE-Regler kann man auch tempobasierte Einstellungen vornehmen, was zu groovigen Reverb-Effekten führt. Mit dem DIFFUSE-Regler lässt sich die Dichte des Reverb-Effektes bestimmen. In Maximalausprägung erzeugt DIFFUSE einen sehr dichten Klangteppich, während man auf niedrigen Werten die einzelnen Reverb-Reflexionen als einzelne Delays wahrnehmen kann. Mit DETUNE lässt sich dem Reverb-Effekt noch mehr Charakter verleihen. In Nullstellung erzielt man einen unverfremdeten Reverb-Effekt, wobei man bei Einstellungen ab 75 sehr starke Klangverformungen wahrnehmen kann. Dabei hängen DETUNE und DECAY stark miteinander zusammen. Je höher der Wert des DECAY-Reglers eingestellt ist, desto stärker auch der DETUNE-Effekt.

Rechts neben den zentralen SIZE- und DECAY-Reglern befinden sich mit HI DAMP ein Lowpass- und mit LO DAMP ein Highpass-Filter. Setzt man den ersteren ein, so entsteht ein wärmerer Reverb-Sound, mit LO DAMP lassen sich wiederum die tiefen Frequenzen ausfiltern. Mit COLOR steuert man verschiedene Filter an, die in der Signalkette nach dem Reverb eingespeist werden. So lässt sich übergreifend die Klangfarbe verändern. Schiebt man den Regler nach oben, klingt das Ergebnis insgesamt heller, bewegt man den Regler nach unten, ist das Klangergebnis dumpfer.

Presets von Polyverse Comet

Im Preset-Browser steht eine Vielzahl an Effekten zur Verfügung. Einsortiert sind diese in die fünf Kategorien Small, Medium, Large, Eternal und Artsy. Natürlich kann man auch seine eigenen Presets speichern. Jedem der fünf Effekt-Slots lassen sich verschiedene Presets zuweisen, deren Parameter sich individuell im Hauptfenster einstellen lassen.

Polyverse - Comet - Preset-Browser

Polyverse – Comet – Preset-Browser

Automation des Reverb Plugins

Über das Settings-Menü lassen sich MIDI- und CV-Controller den einzelnen Parametern zuweisen. Um MIDI-CC zuzuweisen, muss man einfach den Learn-Button betätigen und den entsprechenden Controller bewegen. Alternativ lassen sich Automationen in der DAW aufzeichnen, indem man bei der Aufnahme (zumindest in CUBASE) den READ/WRITE-Modus aktiviert und direkt über das GUI die einzelnen Regler ansteuert. Interessant ist CV in Kombination mit anderen Plugins. Gatekeeper von Polyverse beispielsweise ist ein Volume-Shaper, mit dem man in Kombination mit Comet völlig abgefahrene Sound-Gate-Effekte erzielen kann.

Polyverse, Comet - Midi Learn

MIDI- und CV-Controls lassen sich im Settings-Menü von Comet zuweisen

Vocal-Samples by Output / Arcade:

Fazit

Comet von Polyverse überrascht durch ein originelles Gesamtkonzept. Das Morphen zwischen bis zu fünf unterschiedlichen Reverb-Effekten bietet neuartige, kreative Möglichkeiten. Das Plugin ist damit kein weiterer analoger Hardware-Klon oder weiterer Faltungshall, sondern setzt sich zum Ziel, neue Klangwelten zu erschließen. Das macht Comet zur erfrischenden Ergänzung jeder Reverb-Sammlung.

Plus

  • Originalität
  • Klang
  • umfangreiche Video-Tutorials

Preis

  • 129,- Euro
Klangbeispiele
Forum
        • Profilbild
          c.rentschler  RED

          Cubase Pro 10 wurde erst ab der 21. Kontakt 6 Instanz mit Outputs Arcade und Comet als Insert-FX mit 5 zugewiesenen Effekten in die Knie gezwungen. Das ist also beachtlich, vorallem wenn man den über vier Jahre alten Prozessor 5960X berücksichtigt.

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        t.goldschmitz  RED

        Hallo Herr Kollege,
         
        mich würde auch eine ungefähre Angabe interessieren. Z.B. wie viele Plug-In-Instanzen zu einer 50% CPU Auslastung führen. Gibt es bei bestimmten Reverb-Programmen eine höhere Auslastung? Wäre super!

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          c.rentschler  RED

          Cubase Pro 10 wurde erst ab der 21. Kontakt 6 Instanz mit Outputs Arcade und Comet als Insert-FX mit 5 zugewiesenen Effekten in die Knie gezwungen. Das ist also beachtlich, vorallem wenn man den über vier Jahre alten Prozessor 5960X berücksichtigt.

  1. Profilbild
    Round Robin  

    Servus Herr Rentschler,

    vielen Dank für diesen guten Test. Dieser Test bringt es genau auf dem Punkt. Ich war schon bei den Beta Tests dabei und kann nur das kreative Potenzial bestätigen. Wer noch dazu den Gatekeeper verwendet, der kann dem Comet mittels CV-Controls heftige Effekte entlocken. Sowas hat man noch nicht gehört. Versprochen…..

    Grundsätzlich gilt bei Polyverse: Unmögliches wird möglich gemacht. Diese Software-Schmiede steht bei mir auf Platz 1 der innovativsten und auch ungewöhnlichsten Plugin-Herstellern. Angefangen hat es mit „Infected Mushroom – I Wish“ bist zu „Infected Mushroom – Manipulator“. Bin gespannt, was da noch kommen wird.

    PS: Vor kurzem gab es hier noch einen Test von einem neuen Antares Autotune Plugin. Dieser Test war sehr gut geschrieben und bescheinigte nur einen einfallslosen Neuaufguss des alten Autotune Plugins. Polyverse hat vor langer Zeit den „Infected Mushroom – Manipulator“ veröffentlicht. Es ist mir schleierhaft, warum Amazona dazu keinen Test veröffentlicht hat. Denn Manipulator macht vieles mehr und vor allem besser und kreativer als Autotune. Daher wünsche ich mir wirklich einen Test zum Thema Manipulator“.

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