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Test: Presonus Eris E8 XT, E5 XT, Nahfeldmonitor

27. November 2019

Mit 8 Zoll im Low-Budget-Bereich unterwegs

presonus eris e8 e5 xt

Als Nahfeldmonitor-Hersteller hat man es zurzeit wahrlich nicht leicht. Der Markt ist überschwemmt von Anbietern und Produkten und gerade im Budget-Bereich hat man es als Nutzer nicht nur mit preiswerten Sonderserien der etablierten Namen zu tun, sondern sieht sich auch mit einer mehr als nur reichhaltigen Auswahl an Klein- und Kleinstherstellern konfrontiert, die zuweilen mit interessanten Detaillösungen glänzen. Was dem Hersteller bleibt, ist den Käufer mit immer besseren Produkten zu überzeugen oder aber einem bereits gut laufenden Produkt ein Upgrade zu spendieren. Wie im Fall der Presonus Eris E8 XT, die eine Weiterführung der internen Eris Serie darstellen.

Zusätzlich zu den hier getesteten Eris E8 XT hat Presonus mit den Eris E3.5 BT und Eris E4.5 BT neue Nahfeldmonitore für den Homerecording-Bereich entwickelt. Hier geht’s zu den Infos dazu.

Aufbau der Presonus Eris E8 XT

Wie im Nahfeldbereich größtenteils üblich, handelt es sich bei der Presonus Eris E8 XT um einen aktiven 2-Wege Nahfeldmonitor, der mit den Abmessungen (B x T x H): 247 x 292 x 406 mm und einem Gewicht von 10,4 kg vergleichsweise kompakt daher kommt. Neben dem 8 Zöller bietet Presonus mit der Eris E5 XT auch eine kleinere Variante mit einem 5 Zoll Woofer an.

Die von mir getestete Eris E8 XT verfügt über einen 8 Zoll großen Tieftöner aus Kevlar und einen bei 2,2 kHz getrennten Silkdome-Hochtöner. Das bei diesem Modell dunkelblau eingefärbte Tieftönermaterial Kevlar wird immer wieder gerne im Basslautsprecherbereich verwendet, sind doch das geringe Gewicht und die schnelle Ansprache ein gerne verwendetes Argument für das verwebte Material. Als Besonderheit kann das 100 x 60 Grad verwendete Waveguide gewertet werden, das eines der Weiterentwicklungen zum Vorgängermodell darstellt.

Auch wenn die Box noch als vergleichsweise handlich gesehen werden kann, eine Platzierung auf dem Schreibtisch nah zum DAW-Monitor ist in dieser Größenordnung nicht mehr möglich. Hier sind definitiv Boxenstative angesagt, die es räumlich möglichst optimal zu platzieren gilt. In diesem Fall gilt es einen möglichst großen Abstand zur nächsten Wand zu halten, um entsprechende Raummoden zu vermeiden.

Presonus Eris E8 XT Profilansicht

Presonus Eris E8 XT Profilansicht

Um eventuell auftretenden Probleme mit reflektierenden Wänden oder die (ggf. zwangsweise) bei kleinen Regieräumen nahe Positionierung der Abhöre an stehenden Wänden oder in Raumecken entgegen zu wirken, verfügt die Presonus Eris E8 XT über eine reichhaltige Auswahl an klanglichen Korrekturmöglichkeiten. Insbesondere das Aufschwingen im Bassbereich kann jegliche, möglichst neutral gehaltene Wahrnehmung ad absurdum führen, weshalb Presonus mit mehreren Filterabstufungen diesem Problem zu Leibe rucken will. Dazu später mehr im Anschlussbereich.

Um Kammfiltereffekte zu minimieren, wurden die seitlichen Kanten des Gehäuses abgerundet. Zudem wurde die Bassreflexöffnung nach vorne verlegt. Generell sollten meines Erachtens Nahfeldmonitore, die im Homestudio ihren Einsatzbereich finden, immer ihre Bassreflexöffnung nach vorne ausrichten, was ggf. auftretenden Dröhnfrequenzen entgegen wirkt.

Laut Herstellerangaben verfügt die Presonus Eris E8 XT über einen Frequenzgang von 35 Hz bis 20 kHz und einem Schalldruck von 105 dB Dauerbetrieb. Die Leistungsdaten von 75 Watt im Bassbereich und 65 Watt im Hochtonbereich lassen einmal mehr auf den Einsatz in einer kleinen Regie oder im Homestudio schließen. Auch wenn die Leistungsangaben überzeugend wirken, darf man nie den entsprechenden Headroom für Impulsspitzen vergessen, wie sie gerne bei harten Bass-Peaks auftreten können. Einen besonderen Fokus werden wir im Praxisbereich auf die Basswiedergabe richten, da diese laut Herstellerangaben signifikant verbessert worden sei.

Optisch geht Presonus auf Nummer sicher und verwendet das gerne genommene Matt-Schwarz. In Sachen Verarbeitung muss man der in China gefertigten Presonus Eris E8 XT ein überaus gutes Bild attestieren. Die mit schwarzem Vinyl beklebten MDF-Platten fassen sauber ineinander und lassen keine Ecken überstehen oder eine unsaubere Folierung erkennen.

presonus eris e8 e5 xt

Die Anschlüsse der Presonus Eris E8 und E5 XT

Wie bereits erwähnt, bietet die Presonus Eris E8 XT umfangreiche Filtereinstellungen, die neben der gesamten Anschlussperipherie auf der Rückseite des Gehäuses untergebracht wurden.

Da wäre zum einen ein Gain-Regler mit einer Rasterung bei 0 dB (U). Leider kann nur dieser 0 dB Bereich fest definiert werden. Wenn man sich allerdings vor Augen hält, wie viele Produkte in dieser Preisklasse überhaupt keine Rasterung aufweisen, kann man diese Fixierungshilfe gar nicht hoch genug einschätzen. Auch die Anschlussmöglichkeiten sind mit symmetrischem XLR, symmetrischem TRS und unsymmetrischen Cinch wahrlich umfangreich ausgeführt. Gerade im Homestudio sollte man auf die unterschiedlichen Signalquellen Rücksicht nehmen, nicht immer steht eine hochwertige XLR-Signalführung innerhalb der Studioperipherie zur Verfügung.

In Sachen Filter geht Presonus den etablierten Weg mit einem Shelving-Filter (+/-6 dB) im Höhenbereich und einer wahlweise Bassreduktion mittels Low-Cut bei 80 und 100 Hz. Zusätzlich bietet das System einen sogenannten Acoustic-Space-Schalter, der mit -2 dB oder -4 dB im Bassbereich den o. g. Raummoden entgegenwirken soll. Diese Schalter greifen recht flächendeckend ab ca. 800 Hz nach unten, sprich im Optimalfall schafft man es genau den Frequenzbereich abzusenken, den die Reflektion der Wand überproportional nach oben schaukelt.

Die eigentliche Besonderheit ist jedoch im Mittenbereich angesiedelt. Während viele Hersteller bewusst den Mittenbereich linear und somit dem Grundklang der Box überlassen, hat sich Presonus dazu entschlossen, einen Bandpass bei 1 kHz, wahlweise mit +/-6 dB einzurichten. Eine interessante Variante, zumal sich gerade in diesem Frequenzband sehr viele Frequenzen im Gesangs- und Gitarrenbereich befinden. Man sollte kurz erwähnen, dass Presonus für ein Produkt dieser Preisklasse in der Tat eine umfangreiche Filtersektion am Start hat, was in diesem Segment bei Weitem nicht selbstverständlich ist.

Des Weiteren gibt es einen IEC-Kaltgeräteanschluss, wahlweise für 120/240 Volt, den Spannungswahlschalter und den On/Off-Schalter.

Presonus Eris E8 XT Rueckseite

Presonus Eris E8 XT Rückseite

Wie klingt die Eris E8 XT?

Bevor ich den Hörtest starte, werfe ich immer zunächst einen Blick auf den Ladenpreis des Produktes. Warum? Um die klangliche Erwartungshaltung dem Produkt anzupassen. Es wäre in höchstem Maße unfair, ein Produkt der hart umkämpften 250,- Euro Klasse mit einem Produkt im vierstelligen Bereich zu vergleichen. Also dann.

Nach der Aktivierung der Presonus Eris E8 XT offeriert sich dem Zuhörer zunächst ein vergleichsweise neutraler Klang, der stramm und ein wenig „knochig“ daher kommt. Dennoch ist der Klang in Anbetracht des Preises als durchweg ausgewogen zu bezeichnen inklusive einer ordentlichen Transientenabbildung. Der Hochtonbereich ist gut definiert, wenngleich er ein wenig zum „Sirren“ neigt. Will heißen, er bildet die Höhen ab, aber es fehlt ein wenig das „Gefällige“ der nächsthöheren Preisklasse. Das Waveguide hinterlässt einen sehr guten Eindruck und erweitert das Stereodreieck in der Tat um einige Zentimeter, so dass sich der Arbeitsbereich deutlich ausdehnt.

Im Hochmittenbereich treffen wir auf den Crossover-Punkt, der erwartungsgemäß die Definition etwas abschwächt, was in erster Linie auf Kosten des Gesangs und einigen Bläsereinsätzen geht. Ein weiteres Mal stellen sich bei Presonus die Tiefmitten als deutlicher Pluspunkt im Klang dar. Hier hat die Box ihre Stärken, wenngleich der Klang ein wenig harsch ausfällt, in Anbetracht des Ladenpreises aber ein echtes Highlight.

Da ich die erste Eris Serie nicht kenne, kann ich leider keinen direkten Vergleich zum Upgrade ziehen, allerdings will sich die versprochene Basserweiterung bei mir nicht wirklich einstellen. Trotz des voluminösen 8 Zöllers scheint sich im Tieftonbereich wenig zu bewegen. Es mag sein, dass die Frequenzen im Testbild abgebildet werden, klanglich hingegen schafft die Box im Bassbereich maximal die Wertung „zufriedenstellend“, bleibt aber trotz des 8 Zöllers eher unspektakulär. Hier sollte man für ein ausgewogenes Frequenzbild zu einem zusätzlichen Subwoofer greifen und selbigen entsprechend auf die Satelliten abgleichen.

Leider lässt sich dieses Manko auch nicht über entsprechende Filter ausgleichen, da alle klanglichen Maßnahmen im Bassbereich lediglich auf die Absenkung von Bässen hin ausgelegt wurden. Zwar sind Kevlar-Tieftöner bekannt für ihre schnelle Ansprache und saubere Definition, allerdings erscheint mir der Presonus Eris E8 XT Tieftöner auch hart eingespannt bzw. wird durch einen starken Magneten fixiert. Die klangliche Definition ist dadurch sehr gut, allerdings leidet der Hub.

Die üblichen räumlichen Eindrücke wie Tiefenstaffelung und räumliche Auflösung erledigt das System dem Ladenpreis entsprechend gut. Insgesamt kann man der Presonus Eris E8 XT einen im besten Sinne „preiswerten“ Klang attestieren, will heißen, das System ist seinen Preis wirklich wert.

Presonus Eris E8 XT im Einsatz

Presonus Eris E8 XT im Einsatz

Fazit

Mit der Presonus Eris E8 XT führt der amerikanische Hersteller einen Nahfeldmonitor in seinen Reihen, der mit einem neutralen Grundklang und einer überzeugenden Tiefmittenwiedergabe glänzen kann. Das System überzeugt mit umfangreichen Anschlussmöglichkeiten und einer vielseitigen Filtersektion.

Für einen Ladenpreis von 249,- Euro pro Box erhält man eine gute Homerecording-Abhöre, die sich auch in akustisch ungünstigen Regieräumen zu behaupten weiß.

Plus

  • Verarbeitung
  • Filtersektion
  • Anschlussperipherie

Preis

  • 249,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau  

    Auf den Test habe ich schon eine Weile gewartet, danke dafür Axel.

    Hast du auch die 5 Zöller getestet? Diese stehen seit Ankündigung auf meiner Liste, genau schon wie die Vorgänger. Beim Test des Vorgängers haben die kleineren 5-Zöller besser abgeschnitten als die großen 8er.

    Wie würdest du die neuen XT im Vergleich zu anderen Monitoren der Preisklasse einordnen? Welcher Monitor ist in dem Preisbereich besser?

    Grüße, Sven

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hallo Sven, ich habe die 5 Zöller nicht getestet, kann daher leider auch keinen Vergleich anstellen.

      Auch kann ich dir leider keine eindeutige Empfehlung im Vergleich zu anderen Anbietern aussprechen, da die Grundcharakterien der einzelnen Systeme zu verschieden sind. Ich empfehle dir, dir deine Favoriten zusenden zu lassen, sie zu vergleichen und dich dann für ein Produkt zu entscheiden.

      VG

    • Profilbild
      whoozl

      Ich hab mir aufgrund der vielen guten Bewertungen vor etwa einem halben Jahr die Eris E5 zugelegt und bin absolut zufrieden. Die Boxen sind angenehm warm neutral, haben für mein Arbeitszimmer mit 15 m2 die richtige Grösse und sind auch recht hübsch anzusehen.
      Will ich mal mit fetten Bässen Musik hören, schalt ich auf meine alten Multimedia-Boxen mit dem grossen Subwoofer um, der auch noch einen Bass-Boost Regler hat.
      Aber als Abhörmonitore verrichten die Eris E5 ihren Job genau so, wie sie sollen! Ich hoffe, das hilft etwas weiter.

      Gruss, whoozl

      • Profilbild
        Sven Blau  

        Mein neues Musikzimmer wird auch so um die 15qm haben.

        Die Eris XT 5er stehen daher auf der Liste. Aber ja, wie Axel empfahl – werde ich wohl ein paar Monitore bestellen und dann vergleichen.

  2. Profilbild
    JensNieco

    Ich bin ja schon sehr lange mit diversen Presonus Produkten zufrieden und hab auch viele Monitore in der Preisklasse zuhause getestet, ich würde fast sagen der Tiefbass ist Presonus typisch nicht so fett wie bei vielen anderen, die Presonus haben eine etwas andere Abstimmung, ehr schlank im tief bass, etwas dicker/zu dick bei 80-200, klingen dadurch angenehm warm, aber auch etwas bedeckt.
    Mit ein Sonarworks oder einem EQ oder ein Sub ab 100 oder 80hz oder eine Kombination davon und man bekommt wirklich schicke Speaker.
    Preis/Leistung finde ich kann man aber auch ein Sehr gut geben, Klassiker wie die Yamaha sind ähnlich teuer haben aber bis auf die ganz tiefen töne das nachsehen, sind aber natürlich immer noch gut keine Frage. Danke für diesen schönen Test. lg jens

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