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Test: Presonus StudioLive AR22 USB, Analogmixer

25. November 2018

Analoges Arbeitstier

Einen wahrlich dicken Fisch haben wir hier an der Angel. Der Presonus Studiolive AR22 USB ist der Größte von drei Geschwistern. Die analogen Verwandten unterscheiden sich, wie man am Namen schon erkennen kann, hauptsächlich in der Anzahl der analogen Mikrofon- und Line-Eingänge. Die StudioLive Serie zielt eher auf Einsteiger und den semi-professionellen Bereich und ist ein Schweizer Taschenmesser in Sachen schnell, mobil sowie effizient mischen und aufnehmen.

Presonus StudioLive AR22 USB

Presonus StudioLive AR22 USB in ganzer Breite

Hardfacts

  • 22x 4 USB 2.0 Audiointerface (24 Bit/96 kHz) zur Mehrspuraufnahme auf Mac und PC
  • SD-Card-Recorder/Player (Aufnahme: WAV (24 Bit/44,1 kHz), Wiedergabe: WAV/MP3
  • Bluetooth-4.1-Empfänger für Audiosignale vom iPhone/Smartphone
  • 16 Mikrofoneingänge (XLR) mit Class-A-Mikrofonvorverstärkern
  • 48-V-Phantomspeisung zuschaltbar
  • 20 symmetrische Line-Eingänge (TRS-Klinke)
  • Super-Kanal 17/18: Cinch-Eingang (L/R) und 3,5-mm-Stereoklinkenbuchse
  • Kanäle 1 bis 8 mit parametrischem Mitten-EQ
  • Wiedergabe von Bluetooth-Quelle/SD-Card oder USB-Playback-Stream (1/2) vom Rechner
  • Main-Ausgang L/R (XLR) mit LED-Aussteuerungsanzeige
  • Stereo-Kopfhörerausgang
  • symmetrische Monitor-Ausgänge MON1 & MON2 (TRS-Klinken)
  • Stereo-Effektprozessor (Delay/Reverb) mit 16 Presets
  • Stromversorgung: internes Netzteil (Leistungsaufnahme 30 W)
  • Systemvoraussetzungen: ab Mac OS X 10.8.5, Win7 SP1, Win8/10
  • Abmessungen: 584 x 390 x 95 mm
  • Gewicht: 7,8 kg
  • inkl. Studio One Artist (DAW-Software) und Capture (Mitschnitt-Software)

 

Presonus StudioLive AR22 USB von hinten

Unser vorliegendes Mischpult ist sehr universell einsetzbar. Neben Live-Anwendungen haben wir einen idealen Begleiter vom Übungsraum zum Studio und zurück. Die verbaute USB-Schnittstelle ist nutzbar bis zu 24 Bit/96 kHz an Bandbreite mit PC oder MAC. Bei der SD-Card ist die Bandbreite relativ unkritisch, dazu gehe ich in einem weiteren Absatz nochmals speziell ein. Angenehm ist auch die Beigabe von Studio One Artist sowie Capture als Software-Paket. Studio One ist eine komplette „Digital Audio Workstation“ (DAW) in abgespeckter Version und Capture ein umfangreiches Programm, das sich auf das mehrspurige Mitschneiden fokussiert. Hier kann der geneigte Käufer und Nutzer sofort loslegen, ohne zusätzliche Kosten. Angenehm fällt auch auf, dass kein klobiges externes Netzteil mit „hast du nicht gesehen“ Spezialstecker benötigt wird. Lediglich die Treiber-Kompatibilität ist nur mit reinen USB 2.0 Schnittstellen gewährleistet. Da könnte man durchaus nachbessern, wenn ich mir so manchen Schnittstellen-geizigen Laptop anschaue.

Der Channelstrip

Die ersten zwölf Eingänge sind typische analoge Strips mit Gain, Lo Cut, EQ, AUX, FX, PAN sowie Fader. Die ersten vier Eingänge haben sogar einen Insert-Punkt für beispielsweise einen externen Kompressor. Die Eingänge 1 und 2 sind darüber hinaus sogar als Lo-Z Eingang umschaltbar, um direkt mit Gitarre oder Bass verbunden zu werden. Schade ist eigentlich nur, dass das parametrische Mittenband „nur“ bis 3,5 kHz reicht. Die restlichen 4 Kanäle sind entweder per XLR in Mono oder als Dual-Klinke in Stereo verwendbar. On „top“ gibt es noch mit dem Kanal ST 21/22 noch den sogenannten „Super-Channel“.

Der Super Channel

Unser Presonus Pult, beziehungsweise das integrierte USB Interface, ist nicht frei konfigurierbar in Bezug auf die Ein- und Ausgänge. Das ist aber erst mal kein Beinbruch, da alle wichtigen Routing-Optionen eigentlich abgedeckt sind. Lediglich analoges Summieren einzelner Kanäle oder Busse aus der DAW beziehungsweise dem Rechner sind nicht möglich. Ganz ehrlich, wer so etwas benötigt, bedient sich anderer Hardware aus höheren Preisregionen. Unser „Super-Channel“ ist in erster Linie unser „Return“ aus dem Rechner, falls wir das StudioLive 22AR USB als externe Soundkarte nutzen. Außerdem können wahlweise die Bluetooth-Wiedergabe sowie alternativ der Cinch- oder oder der Stereo-Miniklinke Eingang als Klangquelle fungieren.

SD-Card Recording

Die kleinen Speicher im SD-Format sind sehr praktisch, weit verbreitet und zum jetzigen Stand auch relativ sicher und zukünftig verfügbar. Das ist ja nicht immer bei allen digitalen Speicherformaten der Fall wie zum Beispiel der CF-Card (Compact Flash). Das Presonus StudioLive 22AR USB bietet eine interne SD-Schnittstelle zum Mitschnitt der kompletten Mischung. Die Einzelspuren können nur auf der USB-Schiene abgegriffen werden. Verarbeitet werden SD- sowie SDHC-Karten, die FAT16- oder FAT32-Formatierung haben. Laut Bedienungsanleitung ist die größte nutzbare Kapazität 32 GB.

Aufnahmeseitig zeichnet das StudioLive als WAV-Datei mit 24 Bit bei 44,1 kHz auf, was leider fest vorgegeben ist. Eine Möglichkeit in 16 Bit oder MP3 aufzunehmen wäre durchaus bereichernd. Seitens der Wiedergabe-Formate ist unser Mischpult jedoch nicht ganz so wählerisch, denn es spielt WAV-Dateien in 16 oder 24 Bit sowie MP3 Dateien klaglos ab. Ein gerne genutztes „Extra“, um ohne Zusatzaufwand zum Beispiel Pausenmusik in schier endloser Länge zur Verfügung zu haben.

 

Die übersichtliche FX-Unit

Audiobeispiele Effekte

Da ein kleineres Mischpult dieser Serie hier bei AMAZONA.de bereits in einem ausführlichen Testbericht unter die Lupe genommen wurde, will ich den hörbaren Focus auf die Effekte lenken. Die FX-Engine hat einen dedizierten Return und kann auch auf AUX1/2 gesendet werden. Die sechzehn Presets umfassen alle gängigen Brot und Butter Effekte, sind natürlich aber keine „Bricasti-Klone“. Die Effekte sind übrigens nicht in ihren Parametern editierbar, jedoch völlig ausreichend für Probe oder wenig aufwendige Live-Anwendungen.

Fazit

Mit dem StudioLive 22AR USB hat Presonus ein wertiges Produkt für alle, die zwischen den Anwendungen nach einer praktischen Lösung suchen. Studio, Probe oder Live lässt sich hier einfach und analog bewältigen für überschaubares Budget. Interessant ist das StudioLive auch für Recording-Einsteiger, da die Presonus Software schon mitgeliefert wird. Ein weiteres Plus ist die Treiber-Pflege aus dem Hause Presonus, die hinreichend gewährleistet ist. Für alle, die also Lust haben, Knöpfchen zu drehen und trotzdem die Vorteile des digitalen Audio-Mitschnitts nutzen wollen, ist hier das Feld bestellt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht im übrigen beim Presonus StudioLive 22 AR USB völlig in Ordnung.

Plus

  • Bedienung einfach und intuitiv
  • guter Klang
  • SD-Card als Speicher/Wiedergabe-Option
  • Bluetooth-Schnittstelle

Minus

  • nur USB 2.0 kompatibel
  • Mittenband parametrischer Equalizer nur bis 3,5 kHz

Preis

  • Ladenpreis 689,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    cosmolab  

    Hello,

    > Lediglich die Treiber-Kompatibilität ist nur mit reinen USB 2.0 Schnittstellen gewährleistet.

    Was genau ist denn darunter zu verstehen?
    Ich meine – dass ein Gerät mit einem Bandbreitenbedarf, den erst USB2.0 liefert, nicht an einem USB1 Anschluß läuft, dürfte jedem klar sein.
    Umgekehrt hab ich noch nie erlebt/gehört/gelesen, dass mal ein USB2.0 Gerät NICHT auch an einem moderneren USB-Hostcontroller lief. Ich vermute übrigens stark, dass das Gerät während des Tests natürlich auch an einem USB3-Anschluß angeschlossen war – denn sooo alt KANN das Notebook doch gar nicht gewesen sein ;-)

    Wenn aber nur gemeint ist, dass der Anschluß im Mixer selbst nicht USB3.0 ist – dann sag ich „na zum Glück!“. Denn sonst würde er an wirklich älteren Geräten (z.B. Macs bis ca. 2011) nicht laufen – und das völlig ohne Not, weil die Bandbreite von USB3.0 für diesen Zweck gar nicht benötigt wird.

    Warum schreib ich das?
    Weil damit aus dem „Minus“ in der Wertung eher ein „Plus“ wird für mein Verständnis…

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