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Test: Quilter Superblock US, Gitarren-Preamp

Drei Amp-Legenden in einer Box

24. Juli 2022
Quilter Superblock US

Quilter Superblock US

Ein knappes Jahr ist es nun her, als ich den Quilter Superblock UK auf Herz und Nieren prüfen konnte. Die grüne Metallkiste im Floorboard-Format konnte damals mit ihren typisch britischen Sounds restlos überzeugen und weckte gleichzeitig die Neugier darauf, wie denn das zweite Pedal aus der Superblock-Serie von Quilter wohl klingen würde. Der Quilter Superblock US widmet sich den Sounds drei legendärer Fender-Röhrenamps und zieht uns damit von der britischen Insel ganz weit rüber an die Westküste der USA. Lohnt sich die Reise?

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Wer oder was ist Quilter?

Für alle die Leser unter uns, die mit dem Namen Quilter so rein gar nichts anfangen können, hier ein kurzer Abriss über die Geschichte des Unternehmens. Die Firma Quilter wurde 2011 von Patrick Howe Quilter in Orange Country/Kalifornien gegründet, nachdem er nach einer langen und erfolgreichen Karriere als Gründer und Ingenieur des Traditionsherstellers QSC die Firma verließ. QSC Audio ist seit vielen Jahren bekannt und berühmt als eine der ersten Adressen in der Pro-Audio-Szene als Hersteller von Endstufen, Mischpulten, PA-Anlagen und vielem weiteren Audio-Equipment. Zunächst begann man mit der Entwicklung bzw. Herstellung von Gitarren- und Bassverstärkern, mittlerweile wurde das Sortiment u. a. um Effektgeräte für Keyboards und Gitarren erweitert und wächst kontinuierlich weiter. Die Basis der Geräte bilden dabei ausnahmslos Transistorschaltungen. Doch nun zurück zu unserem Probanden.

Quilter Superblock US – Facts & Specs

Abgesehen von den verschiedenen Farben des Metallblechgehäuses unterscheidet sich die „US-Version“ von seinem Bruder mit dem britischen Flair in rein gar nichts. Das kleine schwarze Pedal verfügt über die exakt gleichen Schalter, Regler und Anschlussbuchsen, die auch hier wieder einen flexiblen Einsatz ermöglichen und somit, wenn es sein muss, ein vollwertiges Gitarren-Top ersetzen können. Klingt verlockend, wenn man vom Schleppen eines Amps befreit wird und statt dessen eine kleine nur knapp über 600 g schwere Metallbox in den Gigbag schmeißt, die den Job übernehmen kann. Dabei verfügt die eingebaute Class-A-Endstufe mit 25 Watt Leistung an 8 Ohm über genügend Reserven, um den Quilter Superblock US mit einer passenden Box auch im Proberaum oder bei kleineren Gigs einsetzen zu können. Diese Leistung steht allerdings nur zur Verfügung, wenn das mitgelieferte 24 Volt Netzteil an die entsprechende Buchse angeschlossen wird. Eine weitere 9 Volt Buchse nimmt dagegen den Stecker herkömmlicher Netzteile auf, die Leistung der Endstufe sinkt dann allerdings auf 1 Watt, was für den Heimgebrauch aber immer noch vollkommen ausreicht.

Beide Netzbuchsen sitzen an der Stirnseite zusammen mit einem Kopfhöreranschluss im praktischen 6,3 mm Klinkenformat, der Eingangsbuchse für die Gitarre sowie den Anschlüssen für den integrierten Effektweg. Zudem sorgt ein symmetrischer Line-Out im XLR-Format für einen reibungslosen Ablauf bei Aufnahmen oder für den direkten Weg zum Mischpult beim Live-Gig. Bleibt nur noch der Ausgang für die Box übrig, der befindet sich links an der Seite des Gehäuses. Hier können Boxen von 4 bis 16 Ohm angeschlossen werden.

Quilter Superblock US Front

Quilter Superblock US Anschlüsse

Vollwertiger Kanalzug

Die sieben Regler mit ihren cremefarbenen Knöpfen repräsentieren das vollwertige Bedienpanel eines Gitarrenverstärkers plus einem zusätzlichen Limiter-Effekt. Sie laufen butterweich auf ihren Achsen und wurden mit Sechskantmuttern fest mit dem Gehäuse gesichert. Ganz links außen geht es los mit dem Master-Volume, gefolgt vom Hall-Regler für den passenden Vintage-Reverb aus der Ära der emulierten Amps, einer 3-Band-Klangregelung, dem besagten Limiter-Effekt und natürlich dem obligatorische Gain-Poti. Oberhalb der Potis wurden wie beim grünen UK-Modell erneut drei kleine Metallschalter eingesetzt, die zentrale Funktionen übernehmen. Etwas ungewöhnlich erscheint zunächst der dreistufige Power-Switch, der das Gerät nicht nur an- und ausschaltet, sondern tatsächlich auch über eine Standby-Funktion verfügt. OK, Standby bei einem Transistorverstärker? Mir persönlich hätte ja ein einfacher Power-Switch gereicht, das hier ist aber echter Luxus! Zumal der Superblock US beim Einschalten bzw. Kaltstart ein kaum hörbares Knacken aus seiner Endstufe in Richtung angeschlossener Box schickt. Aber so geht es eben noch eine Spur sanfter.

Der nächste Schalter im Trio aktiviert eine Lautsprechersimulation, zwei verschiedene Typen sind hier wählbar. Während „BRIT“ den Klang eines 10″ Speakers nachbildet, sorgt die Einstellung  „NORM“ für den etwas voluminöseren Sound eines 12″ Speakers. Das bearbeitete Signal wird sowohl über die Endstufe an die Box geliefert als auch dem XLR-Out zur Verfügung gestellt. In Mittelstellung des Schalters („NORM“) findet hingegen keine Bearbeitung des Klangs statt, das Signal kann dann zum Beispiel mit externen Speaker-Simulatoren weiter bearbeitet werden.

Legendäre Fender Amps

Der letzte Switch im Bunde ist zweifellos der Wichtigste und unterscheidet den Superblock US im Kern vom grünen UK-Typ, denn mit „VOICE“ werden die drei verfügbaren Amp-Modelle ausgewählt, deren Basis die legendären Fender Amps der frühen Jahre bilden. Zur Auswahl stehen die Emulationen drei verschiedene Verstärker: Ein 61er Classic Blonde Amp, ein 57er Tweed sowie ein 65er Blackface-Amp.

Quilter Superblock US Voice Switch

Quilter Superblock US Voice-Switch

Wie klingt der Quilter Superblock US?

Es ist wirklich erstaunlich, welche Fortschritte die Transistortechnologie in den letzten Jahrzehnten gemacht hat. Zumindest dann, wenn man die Forschung auf diesem Gebiet mit vollem Ernst betreibt. Das tut Quilter ganz offensichtlich, denn wie auch schon bei dem von mir getesteten UK-Modell, überrascht der Superblock US mit verblüffend echt klingenden und ebenso verblüffend dynamisch agierenden Verstärkermodellen, deren Charakter zweifellos an die Flaggschiffe aus der goldenen Ära der Fender Amps erinnert. Doch nicht nur das, auch das Verhalten beim Schrauben an den Potis verhält sich sehr ähnlich, obwohl man sagen muss, dass der 3-Band-EQ doch ein gutes Stück beherzter zugreift, als es bei den Original-Amps der Fall war bzw. ist. Das kann man nur positiv bewerten, sorgt dieser Punkt doch für ein noch breites Spektrum an möglichen Sounds. Insbesondere in Verbindung mit den Speaker-Simulationen, die man durchaus auch mit angeschlossener Box als zusätzliches Werkzeug zur Klangformung heranziehen kann.

Besonders viel Spaß bereitet der Limiter. Obwohl nur sehr rudimentär ausgefallen, sorgt er doch bei niedrigen Lautstärken für eine kräftige Sättigung des Signals und damit für einen zusätzlichen Schub an Dynamik. Die Gain-Reserven hingegen hat man wohl weitgehend von denen der Original-Amps übernommen, entsprechend sollte man keine High-Gain-Sounds erwarten, das Spektrum reicht von glockigen und glasklaren Cleansounds bis zum hochdynamischen Crunch, je nach verwendeter Gitarre und den darauf montierten Pickups.

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Absolut passend zum Vintage-Sound des Superblock US präsentiert sich der Reverb-Effekt. Den Entwicklern ist es sehr gut gelungen, eine solide Mischung aus Tiefe des Halls und seiner Dauer zu implementieren. Konkret bedeutet das, dass auch bei nur wenig aufgeregeltem Reverb-Poti der Hall deutlich wahrnehmbar ist und bei voll aufgedrehtem Regler das Signal nicht in einem undefinierbaren Brei ertrinkt. Allerdings trennen sich die Wege des Superblock US und seiner emulierten Amps an dieser Stelle, denn nach einem Federhall klingt der Reverb nur im weitesten Sinne. Für mich persönlich gar kein Problem, denn der hier gebotene Hall klingt in meinen Ohren ohnehin um einiges besser als der muffige Sound der originalen Federhallspiralen im Chassis der Originale. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Quilter Superblock US – Klangbeispiele

Obwohl der Quilter Superblock US vielseitig einsetzbar ist, habe ich ihn als Standalone-Gerät zusammen mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box eingesetzt. Vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, eingespielt wurden die Tracks mit einer Harley Benton Telecaster.

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Fazit

Auch der zweite Superblock von Quilter hinterlässt im Test einen hervorragenden Eindruck. Der Quilter Superblock US beweist eindrucksvoll, zu was moderne Transistortechnologie heutzutage fähig ist und generiert mit seinen drei Fender-Emulationen, dem wunderbaren Limiter und einem klassischen Reverb ein Setup, das sich sowohl als „kleines Besteck“ auf der Bühne als auch beim Recording im Studio als eine einfach zu bedienende Allzweckwaffe für Vintage-Fans präsentiert.

Plus

  • Klang
  • Lautstärke
  • Limiter
  • Reverb
  • solide Verarbeitung
  • sinnvolle Anschlüsse

Minus

  • -

Preis

  • 275,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Atarikid AHU

    Eine Harley Benton und eine 275 Euro Tretmine. Unfassbar! Teures Equipment ist im Gitarrensektor nur noch in bestimmten Fällen zu rechtfertigen. Die Klangbeispiele sind super, bin angefixt ^^….

    • Profilbild
      Maxvau

      Dito. Und das Iridium auf dem Board steht plötzlich unter enormem Existenzberechtigungsdruck, zumal ich dessen Vox- und Marshall-Sounds eh kaum nutze. Dazu noch eine Endstufe… verdammt. 🙂

  2. Profilbild
    defrigge AHU

    Sorry, kann die Begeisterung nicht ganz teilen. Das Quilter hat in den Klangbeispielen im Vergleich zu den Original Fender Clean Sounds für meine Ohren irgendwo in den Mitten einen viel zu vollen und warmen Bereich und so nicht annähernd die klare Durchsetzungskraft besonders des Mitte/Ende 60er Clean-Sounds. Auch der Cabsound – es gab ja sehr unterschiedliche 12er Charakteristiken zu der fraglichen Zeit – von Oxfords über Celestions bis zu den straffen und tonangebenden Jensens und JBLs – klingt hier seltsam undefiniert. Auch Overdrive Breakup kommt im Vergleich zu einem 65er Blackface etwas zu plump und nicht so fein dosiert daher wie man es vom Blackface schätzt.

    Das UAD Dream 65, das ich wegen der dort so gut getroffenen Fender-Reverb und -Twin Sounds für mein Rhodes einsetze, klingt für mich deutlich näher an den Originalen als das Quilter – und übrigens auch als das Iridium. Die Quilter Box hier könnte ich wegen der teils boomigen Mitten für das Rhodes komplett vergessen. Mit Gitarre klingt es solo ganz nett, aber m.E. nicht wirklich überzeugend.

    • Profilbild
      chardt

      Hallo defrigge,
      falls Du Dich auf die Soundbeispiele hier im Test beziehst: Verwendet wurde ein Celestion-Speaker, kein Jensen, das könnte die Unterschiede erklären denke ich.

      • Profilbild
        defrigge AHU

        Ja, das erklärt es sicher teilweise. Aber auch in Youtube-Beispielen, die es ja seit ca. 1 Jahr gibt, kommt mir der Ton meist etwas bedeckt und nicht so frisch vor. Und wo es dort mal mit mehr Präsenz gespielt wird, hört es sich dann schon wieder fast unangenehm an. Irgendwie fehlt dem Quilter m.E. sowohl die angenehm perlende Clean-Präsenz als auch das butterweiche Breakup der späten 60er Clean Amps. Das macht es ja nicht zu einem schlechten Pedal – und es hat ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Aber mein Ding ist es nicht so ganz.

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