Test: Reactable Systems Rotor, Modulare Sample Performance, iOS-APP

3. Oktober 2018

Das Runde ins Eckige spielen

Reactable Systems Rotor

 Reactable

 iOS-App-Store

12,99 Euro
iPhone, iPad

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Mit dieser neuen Version des Reactable Systems Rotor wollen die Spanier ihre modulare Music-App aus der wenig frequentierten Museums- und Kuriositätenecke ins Rampenlicht der Clubs bringen. Das und nichts Geringeres ist das Anliegen von Rotor.

Dazu haben Reactable den Unterbau von Reactable Mobile 2.4.1. ganz gehörig umgestellt und maßgeblich im Bereich der Anwendung von Audio-Loops und Synchronisierung erweitert. Das fängt schon bei der Bedienung an.
Konnte bei Mobile nur ein Modul gleichzeitig bedient werden, sind es bei Rotor zwei Module auf den kleinen iPad Modellen bzw. drei ab dem großen iPad Pro 1st Gen. Das automatische Andocken der Module ist nun benutzerdefiniert und es gibt einen Freeze-Modus, der die Position der Module einfriert und nur noch deren Kontrolle zulässt. So wird beim Live-Gig nichts unbeabsichtigt verschoben und damit evtl. getrennt.

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Mobile konnte zwar schon Session-Recording, aber der Reactable Systems Rotor hebt das Thema mit synchronisiertem Loop-Recording und dessen sofortiger Einsetzbarkeit noch mal auf eine ganz andere Ebene. Als Audioeingang können das interne Mikrofon, Line-In (CoreAudio) und Audiobus dienen. Zudem werden nun Loops in Echtzeit automatisch auf ihre Tonhöhe und Tonart untersucht und können als Master oder Slave Trigger-Sender/Empfänger definiert werden oder ganz unabhängig laufen.

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Auch neu ist das Time-Stretching und Pitch-Shifting von Samples und Loops. Die wählbaren Abspielmodi der Loops sind Anpassung an die aktuelle BPM-Zahl per Time-Stretching, fixe Dauer (bis zum nächsten Takt) und freilaufende Dauer (bis zum Ende des Samples) sowie Einmalabspielen mit One-Shot. Außerdem werden neben WAV- nun auch OGG-Dateien unterstützt und der integrierte Sample-Player unterstützt gar das SoundFont2-Format. Auch über iTunes File-Sharing und das iOS-Pasteboard können nun Audiodateien importiert werden.
Mobile wurde für die Zusammenarbeit mit anderen Apps zwar auch mit Ableton Link fit gemacht, doch Rotor bietet zusätzlich nun noch einen MIDI-Eingang.

Die Anzahl der Module, die nun gleichzeitig aktiv sein können, wurde von 19 auf 24 erhöht. Zur Auswahl bei den Modulen gibt es neun Klangerzeuger, darunter einen Synthesizer mit nun 5 anstatt 3 Suboszillatoren, dazu acht Effekte und acht Controller.

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Bei den Soundeffekten des Reactable Systems Rotor sind Beat Repeat und LF-Side-Chain neu bei Rotor hinzugekommen und die bisherigen Wavershaper und Modulatoren wurden um jeweils ein Modul auf vier erweitert. Bei den zeit- und filterbasierten Effekten wurden die jeweils drei Variationen nicht verändert.

Die Menge des mitgelieferten Sample-Materials wurde erheblich erweitert. Rotor beinhaltet nun 191 vorinstallierte Sampler-Instrumente und 100 Audio-Loops.

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Um den bisherigen Reactable Mobile Benutzern wie neuen Rotor-Neulingen den Einstieg zu vereinfachen, wurde das Hilfesystem massiv erweitert. Bei Rotor hat nun jedes Bedienelement eine kontextuelle Hilfe und das interaktive Handbuch wurde von 4 auf fette 120 Seiten erweitert. Wer nicht soviel lesen will, für den gibt es nun 20 integrierte Einsteiger-Tutorien.

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Reactable Systems Rotor ist gegenüber Reactable Mobile ein gewaltiger Schritt nach vorne. Nicht nur dass Reactable nun Club- und Jam-mäßig vernünftig eingesetzt werden kann, auch das grundlegende Konzept der Oberfläche wurde nun auf das iPad übertragen und nicht nur einfach übernommen. Bei Reactable Mobile spürte man zu oft, dass hier zwar das Betriebssystem auf das iPad kopiert wurde, nicht aber die physikalische Handhabung der Objekte des Reactable-Tisches auf den Touchscreen. Das führte zu einem unausgeglichenen Anwendungserlebnis auf dem iPad und das viele Umschalten zwischen den Seiten fühlte sich angetackert an.

Reactable Systems Rotor ist dagegen ganz anders. Das Arbeiten ist flüssig, alles kann synchronisiert werden und im Takt laufen und alles ist unmittelbar vom Hauptbildschirm erreichbar oder ausklappbar. Die Module sind immer sichtbar und erreichbar. Auch das Anfassen und Justieren der Modulparameter ist wesentlich verbessert worden. Reactable bieten zwar noch physikalische Kontrollzylinder an, die im 2er Pack 39,90 Euro kosten, aber diese sind zum Bedienen von Rotor wirklich absolut optional, Rotor funktioniert auch hervorragende ohne sie.

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Fazit

Reactable Systems Rotor ist die iPad-Version von Reactable, die Mobile von Anfang an hätte sein sollen. Ein interessantes, wenn auch exotisches Konzept ist damit zum ernstzunehmenden Live-Performer geworden und ersetzt damit den Platz von Reactable in den modularen Synthesizer iOS-Charts.

Plus

  • modulare Umgebung
  • direktes Interface

Minus

  • macht erst auf dem großen iPad Pro-Display wirklich Spaß

Preis

  • 12,99 Euro
Forum
  1. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Hab die App schon eine ganze Weile und hab auch die Kontrollzylinder.
    Die App macht echt Spaß für das Geld und ist halt mal was anderes.
    Die Zylinder geben zwar en bissle mehr Hardwarefeeling, aber bräuchte man nicht unbedingt Und sind es für deny Preis nicht unbedingt wert. Wobei es schon witzig ist wenn dich jemand auf Reisen damit beobachtet ;-).

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